„Homo-Ehe“? Ja. Heteronormativität hinterfragen? Nee.

von Magda
Support Gay Marriage

Bild: Human Rights Campaign

Mache ich zur Zeit den Computer an, springt mir ein Meer an roten Flaggen entgegen. Auf Facebook und Twitter haben viele meiner Kontakte ihre Profil­bilder gegen ein rotes Bild mit zwei rosa Strichen getauscht – ein Zeichen der Unterstützung für die aktuellen Kämpfe in den USA für die Öffnung der Hetero-Ehe (und die damit ver­bundenen Privilegien) für lesbisch- und schwul-lebende Paare mit Heirats­wunsch.

Konkret geht es um zwei Verfahren, die aktuell vor dem US-amerikanischen Obersten Gerichts­hof (Supreme Court) verhandelt werden. Das eine Verfahren befasst sich mit proposition 8, einer Volks­abstimmung, mit der in Kalifornien gleich­­geschlecht­liche Ehen ver­boten wurden. Das andere befasst sich mit der Verfassungs­mäßigkeit von DOMA (Defense of Marriage Act, zu deutsch: „Gesetz zur Ver­teidigung der Ehe“), welches die Ehe als die Ver­bindung zwischen einem Mann und einer Frau definiert. Das heisst: Auch wenn ein Homo-Paar in einem der neun Bundes­staaten plus Washington DC legalisiert geheiratet hat, wird das Paar auf der Bundes­ebene weiterhin benach­teiligt was Steuer, Ver­sicherung und Erb­schaft angeht.

In der aktuellen Debatte geht es um die Fragen: Was ist eine Ehe? Welche Rechte stehen gleich­geschlecht­lichen Ehen zu? Und: Werden diese Rechte zukünftig durch den Obersten Gerichts­hof durch ein Grund­satz­urteil abgesichert? Dies erscheint relativ un­wahr­scheinlich, aber der Druck der US-amerikanischen Öffent­lichkeit zur Öffnung der Hetero-Ehe ist enorm. Auch der US-Präsident Barack Obama bezieht klar Stellung. Das Bild zur Bewegung (siehe oben) liefert Human Rights Campaign – eine Organisation, die nicht gerade für eine inklusive Bewegung steht.

Der Hype um die Homo-Ehe

Die aktuelle Aufruhr um die Homo-Ehe verwundert mich ziemlich und zwar nicht, weil mich die Forderung über­rascht. Da neben einigen lesbischen und schwulen Aktivist_innen eine Vielzahl meiner Hetero-FreundInnen, die eher selten mit emanzipatorischen Bot­schaften auffallen, öffent­lich für die Öffnung der Ehe plädieren, hat mich das nach­denklich gestimmt. Ich versuche mal, meine Gedanken zu ordnen:

Mit meinen 27 Jahren befinde mich tendenziell in dem Alter, in dem Hochzeits­einladungen ins Haus flattern. Obwohl ich einen sehr großen Freund_innenkreis habe, werde ich nicht mit Ein­ladungen über­schüttet – na gut, vielleicht haben die Heirats­wütigen auch keine Lust auf eine nörgelnde Feministin in der Hochzeits­gesellschaft – aber eins ist klar: In meinem sozialen Umkreis gibt es fast keine verlobten/verheirateten Paare. Viele meiner Freund_innen lehnen die Ehe ab, nur einige wenige leben in ein­getragenen Partner­schaften. Die meisten meiner Hetero-FreundInnen denken nicht ernsthaft über’s Heiraten nach, obwohl sie ohne (gesetzliche) Hinder­nisse heiraten könnten. Die Ehe hat also weder für meinen Freund_innenkreis noch für mich große Bedeutung und erscheint nur in wenigen Fällen wirklich sinn­voll (wenn eine_e Partner_in von Abschiebung bedroht ist, zum Beispiel).

Warum nun die Institution Ehe als *das* Schlacht­feld für „Homo­rechte“ und gegen Homo­feindlichkeit stilisiert wird, erscheint also rätselhaft. Noch rätsel­hafter wird es, wenn ich mich in meinem sozialen Umfeld umschaue, wer diesen Hype anführt, und wieso. Das ‚wer‘ ist recht einfach zu beant­worten: Neben einigen lesbischen und schwulen Aktivist_innen eine Vielzahl an hetero-lebenden Menschen. Das ‚wieso‘ ist etwas schwieriger, aber ich stelle mal ein paar Mut­maßungen an:

Homo-Ehe: Yay! Heteronormativität: What?!

Gerade viele meiner hetero-Freundinnen und Freunde, die sonst relativ selten mit gesell­schafts­kritischen Bot­schaften auffallen, teilen in letzter Zeit mit Vorliebe Fotos von herz­erwärmenden Homo-Paaren, denen zum voll­kommenen Glück anscheinend nur noch der Ring am Finger fehlt. („…cuz if you liked it then you should have put a ring on it“ – auch Beyoncé reiht sich auf Facebook in die Reihe der Unter­stützer_innen ein.) Außerdem teilen sie eine Menge Satire-Videos, die sich über „diese ver­bohrten Heteros“ lustig machen, die gegen die Homo-Ehe sind. Wieder andere ändern ihr Profil­bild, um ihre Solidarität mit der Homo-Ehe sichtbar zu machen.

„Und, was gibt’s denn da zu meckern?“, fragen sich viel­leicht einige. Gleich mal vorab: Ich finde es schön, dass Heteros sich nicht immer nur mit der eigenen Lebens­realität beschäftigen. Ich finde es auch gut, dass Menschen, die sich selten zu gesell­schafts­kritischen Themen unter­stützend äußern, mit solchen Thematiken vielleicht (erste? emanzipatorische) Politisierungen erleben. Es bleibt aller­dings problematisch, wenn der einzige (oder einer der wenigen) Ansätze zu Gesell­schafts­kritik im Abfeiern der Homo-Ehe verharrt, und so die gesell­schaftlichen Strukturen wie Homo­phobie und Hetero­normativität, die (unter vielem anderem!) hetero­sexistische Institutionen wie die Ehe und die damit ver­bundenen Privilegien überhaupt erst her­vorbringen, aus dem Blick geraten. Ja ja, Strukturen bekämpft mensch mittels der Thematisierung konkreter Sach­verhalte. Aber es verwundert doch zunehmend, dass der Kampf dafür, Teil einer (schon immer aus­schließenden und exklusiven) Institution wie die Ehe einen so prominenten Platz in Lesbisch-Schwulen-Kämpfen einnimmt und massen­medial und innerhalb hetero-Zusammen­hängen mit so einer Vehemenz unter­stützt wird.

Konkret muss ich mich fragen: Wenn die Ehe und die damit ver­bundenen (finanziellen) Privilegien für Lesben und Schwule geöffnet wird, was ändert dies an den Lebens­realitäten von allen Menschen, die in einem hetero­normativen System jeden Tag um Sicht­barkeit_Anerkennung_Unversehrt­heit kämpfen müssen? Welche Lebens­realitäten werden im Kampf für die Homo-Ehe verhandelt, welche fallen hinten runter? Was nützt die Homo-Ehe, die exklusiv zwei Menschen als eine Ver­bindung imaginiert, jenen (Liebes)Beziehungen, die zum Beispiel aus drei oder vier Menschen besteht? Wieso werden die transfeindlichen und rassistischen Vorkommnisse innerhalb der Bewegung kaum thematisiert? Und wieso Teil eines heteronormativen und bis vor wenigen Jahrzehnten rassistischen Clubs werden, ohne dass dieser sich inhaltlich neu formieren muss?

Gesellschaftskritik ohne Hinterfragung eigener Normalitäten

Ich glaube, dass die Vielzahl an hetero-Menschen, die gerade (fast pflicht­bewusst) Pro-Homo-Ehe Botschaften auf diversen sozialen Netz­werken teilen, eine niedrigschwellige Möglichkeit gefunden haben, Gesellschafts­kritik zu üben, ohne eigene hetero­normative Normalitäten zu sehr in Frage stellen zu müssen. Es sind (teilweise) die gleichen Menschen, die ich ab und zu daran erinnern muss, dass ’schwul‘ kein Schimpfwort ist; oder dass es nicht cool ist, davon auszugehen, dass Frauen automatisch auf Männer stehen; oder dass ihre raum­einnehmende Hetero­performance auf Partys nicht für alle cool ist, denn diese Öffentlich­keit können sich nicht alle erlauben, ohne mit Blicken, Sprüchen oder gar Gewalt sanktioniert zu werden. Unter den Homo-Ehe-Verfechter_innen sind auch so einige Hetero-Typen, die gerne homo-erotische Witzchen machen, aber bloß niemals von irgend­jemanden so gelesen werden wollen, weil ein Typ, der als schwul gilt, in der Typen-Hierarchie nicht weit oben angesiedelt ist. Aber heiraten sollen die Homos können, da ist mensch groß­zügig.

Solidarität, aber wie?

Wie kann ich also Kämpfe unterstützen, die vielleicht gar nicht meine eigenen sind? Einfach Klappe halten? Nee, ganz sicher nicht. Ein guter Anfang: Fünf Tipps, um Heterosexismus zu bekämpfen. Ich finde es auch nicht grund­legend scheiße, sich für die Homo-Ehe (unterstützend) einzusetzen, auch wenn das nicht meine Idee von radikaler Gesellschafts­kritik ist. Wenn die aktuelle Gesell­schaft der politische Bezugsrahmen ist, würde ich wahr­scheinlich auch nicht gegen die Homo-Ehe stimmen (es gibt, wie oben angesprochen, u.a. politische Gründe zu heiraten). Aber Solidarität für von Homo­feindlich­keit betroffene Menschen entsteht nicht dadurch, einen entrüsteten Status-Update auf Facebook zu veröffentlichen, dass Lesben und Schwule immer noch nicht heiraten dürfen. Für einige mag es neu sein, aber Schwule und Lesben, die in Zweier-Liebes­beziehungen leben und heiraten möchten, sind nicht die einzigen, die von Hetero­normativität betroffen sind.

Im aktuellen Kampf um die Homo-Ehe geht es sehr häufig um die Interessen von wohlhabenden, weißen Lesben und Schwulen. Dies bedeutet, dass im Zuge des Lobbying für die Homo-Ehe oftmals vergessen wird, dass (insbesondere prekarisierte und_oder von Rassismus betroffene) queere_trans*_schwul_ lesbische_bi Menschen teilweise noch nicht einmal fundamentale Grundrechte wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit besitzen. Fragen um eine aus­reichende Kranken­versicherung, ein Dach über dem Kopf oder Schutz im Falle von Gewalt_Diskriminierung sind für viele die viel dringlicheren politischen Fragen, so dass der Kampf um die Homo-Ehe automatisch einen unter­geordneten Stellen­wert haben muss. Dass es die Homo-Ehe ist, die massen­medial so prominent verhandelt wird, zeigt auf, dass innerhalb der Bewegung privilegierte Lesben und Schwule mehr gehört und in ihren Interessen stärker vertreten sind. Mia McKenzie stellte auf dem sehr empfehlenswerten Blog Black Girl Dangerous schon im letzten Jahr (als Obama sich zum ersten Mal öffent­lich positiv zur Homo-Ehe äußerte) folgende wichtige Fragen:

Was tut die Homo-Ehe für wohnungs­lose queere Jugendliche? Wie hilft sie Trans*Menschen, die auf offener Straße ermordet werden? Was tut sie für die Armen, von denen viele queere People of Color sind? Wer profitiert wirklich von der Homo-Ehe? (meine Übersetzung)

Klar ist: Die Ehe als Institution hat bisher lediglich Platz für Menschen, die in ihren Pässen jeweils ‚Mann‘ und ‚Frau‘ stehen haben. Dass diese nun geöffnet werden soll für das homonormative Mann-Mann und Frau-Frau Schema, ist zwar eine vermeint­lich progressive Veränderung, sie geht allerdings mit der Tatsache einher, dass ganz viele Lebens­realitäten damit wieder einmal auf ihren (unsichtbaren) Platz ver­wiesen werden.

Gesellschaftskritik ist (auch) Selbstkritik

Für mich beinhaltet Gesellschaftskritik eine selbst­kritische Auseinander­setzung mit eigenen Selbst­verständlich­keiten, mit unhinter­fragten Normalitäten. Für die Homo-Ehe zu sein, ist da erst einmal nicht sonderlich schwer: Zwar werden Hetero­privilegien hinter­fragt was den Bund der Ehe angeht. Für die hetero-lebenden Menschen in meiner Umgebung, für die die Ehe fast kein Referenzpunkt ist, hat die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule allerdings keinerlei Auswirkung auf die eigene Lebens­realität. Schwierig wird es nämlich erst, wenn der Kampf gegen Homophobie und Hetero­normativität die eigene Lebens­realität in Frage stellt – und das müsste es eigentlich. Dann müsste ich meine FreundInnen nicht auf oben genannte Dinge aufmerksam machen, auf diese kleinen und großen diskriminierenden und für sie völlig selbst­verständlichen Handlungen.

Was (und wem?) nützt der Status Update auf Facebook, der sich für die Homo-Ehe ausspricht oder das Meer an roten Flaggen, wenn der nächste homo­feindliche Spruch schon locker auf der Lippe sitzt, wenn der hetero­normative Alltag doch gleich bleibt?




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 2. April 2013 um 9:15 Uhr unter Familien_politik, Ideen - Theorien. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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30 Kommentare

  1. Tom B. sagt:

    Interessanter und richtiger Ansatz. Allerdings finde ich, sollte man die gesellschaftlichen Veränderungen auch anerkennen. Es ändert sich etwas. Wenn auch langsam. Es braucht eben Zeit bis sich so etwas im Bewusstsein einer Gesellschaft ändert.

  2. Magda sagt:

    @ Tom,

    auf jeden Fall braucht es Zeit. Ich bin nicht gegen gesetzliche Änderungen – mensch muss sich aber, so wie ich das im Text versucht habe, fragen, wer von diesen Änderungen profitiert. Ich kritisiere ja z.B. auch die Art und Weise, wie vor der erhofften gesetzlichen Änderung aktivistisch agiert wurde. Und wenn dann permanent Rassismen, Heterosexismus und andere Ausschlüsse passieren, ist das ganz klar ein Problem, welches nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte.

  3. schöner Artikel, danke dafür. :-)
    aber ich würd vielleicht noch einen Schritt weitergehen und fragen: Angenommen ich wollte Schwule und Lesben einfach nur an die Gesellschaft anpassen, also entschärfen in ihrer Brisanz, und trans_queer nicht mal erwähnen: mit welcher Institution ist diese Assimilation leichter zu bewerkstelligen als mit der Ehe und der dazugehörigen romantischen Liebe – also in einem Wort der Liebesheirat?
    Gerade für mich als Poly*amour_ette ist im Zuge der Debatte klar: Natürlich sind die für die Ehe, damit wird ja grade das heteronormative Weltbild gerettet. Die Ehe und insbesondere die Liebesheirat ist schließlich auch die Institution, mit der mensch zwischen den bösen Schw*len, die den Dark Room erfunden haben, und den anständigen Schwulen, die unterm Strich „genauso sind wie wi-r-hier (TM)“, unterscheiden kann.
    Homo-Ehe war und ist für mich von vorne herein eine Heteronormativitäts-Party. Homo-Ehe fordern UND Heteronormativität reflektieren halte ich dadurch für unvereinbar. Ich würd sogar sagen, wer das eine tut arbeitet aktiv gegen das andere: Wer die Homo-Ehe fordert, fordert Assimilation an die normativ-ideale Sexualität. Wer Heteronormativität reflektiert und daher auch die romantische Liebe als vielfach sexistische Konzeption infrage stellt, wünscht sich schon seit Dekaden endlich die Abschaffung der Ehe.
    Also wenn ’s hier was zu feiern gibt, dann ist es die Normalisierung von Lesben und Schwulen. Aber dann stellt sich eben die Frage, ob mensch Normalisierung feiern sollte…

  4. Miria sagt:

    Schöner Text.
    Auch ich hatte ein komisches Gefühl bei den vielen roten Flaggen und Status-Updates auf Facebook, wobei in meiner Freundesliste hauptsächlich Menschen, die es betrifft oder generell feministische Menschen daran teilgenommen haben. Also in erster Linie Menschen, bei denen ich denke, dass sie sich mit Sicherheit mehr Gedanken machen als nur über eine Homo-Ehe. Aber irgendwie blieb dieser fahle Nachgeschmack (Redewendung).

    Ich selbst habe keine Solidarität gezeigt, da ich generell gegen die staatliche Zweierehe bin, wie sie im Moment ist. Eine Erweiterung auf homosexuelle Menschen würde nur wieder bedeuten, dass es schwieriger wird, das Konstrukt der staatlichen Ehe an sich in Frage zu stellen.

  5. Anna-Sarah sagt:

    Ich finde es aus dieser Perspektive sehr wichtig, dass Heteropaare (mit deutschen Pässen und uneingeschränkter Mündigkeit!) sich zur Ehe immer aus einer privilegierten Position heraus verhalten: wenn sie heiraten und dadurch in den Genuss bestimmter Absicherungen und Vorteile kommen natürlich, wenn sie sich aus politischen Gründen gegen das Heiraten entscheiden – und auch, wenn sie es sich leisten können, dass ihnen die Ehe einfach egal ist. Die handfesten – finanziellen, rechtlichen – Vorteile des Verheiratetseins sind nämlich unter Umständen so gravierend, dass man sich die Haltung „och, verheiratet sein ist mir einfach nicht so wichtig“ erstmal leisten können muss – gerade wenn es in einer Beziehung/Familie sehr ungleiche Möglichkeiten zur Absicherung des eigenen Lebensunterhaltes gibt. Heteropaare haben aber immer die Wahl.

    Aus diesem Grund, dieser unbedingten Privilegierung, finde ich, dass hetero lebende Menschen die Öffnung der Insitution Ehe (problematisch und kritikwürdig wie sie ist) für alle Menschen unterstützen sollten, so lange es diese gibt – allerdings ohne dabei stehen zu bleiben. Oder in Anlehnung an das, was @schizoanalyse schreibt: die Möglichkeit (!) der „Homo-Ehe fordern UND Heteronormativität reflektieren“, das muss aus Heteroperspektive beides drin sein. Es steht mir schlicht nicht zu, gegen die Öffnung einer Insitution für andere zu sein, zu der ich selbst prinzipiell jederzeit Zugang habe – auch wenn ich dieser Institution noch so ablehnend gegenüber stehe.

  6. Magda sagt:

    @Anna-Sarah, @schizoanalyse

    Ja & ja! Sehr wichtige Gedanken_Einwürfe. Danke!

  7. Nicky sagt:

    Danke erstmal für diesen Artikel. Ich habe da auch so einige FreundInen in meinem Bekanntenkreis, die einerseits für die gleichgeschlechtliche Ehe sind, andererseits aber nichts dafür tun, außer zu sagen ‚jaja, jeder sollte heiraten können!‘, im nächsten Atemzug ’schwul‘ als Schimpfwort nutzen und dann noch hinterherschieben ‚tja, ich glaube nur an zwei Geschlechter: männlich und weiblich‘. Na herzlichen Dank.

    Wie auch immer. Ist immer leicht, für etwas zu kämpfen, um gut auszusehen, wenn man selbst dabei seine eigenen Privilegien nicht in Frage stellen muss. Tatsächlich fiel einer meiner Hetero-Freundinnen sogar auf, dass es ja ‚peinlich‘ ist, davon auszugehen, alle Frauen stünden auf Männer. Geändert hat das bei ihr aber nichts.

    Das Einzige, was mich in diesem Artikel etwas irritiert hat, war die Tatsache, dass nicht nur Schwule und Lesben, sondern auch Bi- und Pansexuelle einer heteronormativen Gesellschaft ausgesetzt sind und selbstverständlich auch Beziehungen mit einem Partner des gleichen Geschlechts führen können, den sie wohlmöglich auch gern heiraten würden.

  8. Johanna sagt:

    Zum vorangehenden Kommentar von Anna-Sarah hinzufügen würde ich, dass Ehe auf einmal sehr wohl ganz schön wichtig werden kann – auch für bislang indifferente twenty-somethings – wenn der Wunsch nach Kindern entsteht. Und das Recht, mit Kindern zu leben und auch rechtlich als Eltern dieser Kinder zu gelten, steht auf der Agenda vieler derjenigen Homosexuellen, die sich wünschen zu heiraten, ziemlich weit oben. Das mag ein Luxusproblem reicher weißer Homosexueller sein, aber es ist schon ein ziemlich existenzielles Problem. Mit 27 Jahren vielleicht noch nicht so verbreitet in unserer Gesellschaft von Spätgebärenden (jedenfalls unter Akademikerinnen und Akademikern), aber jenseits der 30 kommt das ganz schnell. Natürlich gibt es Milliarden Menschen auf dieser Welt die dringlichere Probleme haben, die viel schwieriger zu ändern sind. Aber gerade die Tatsache, dass das Problem der Homosexuellenehe (und -adoption) gesetzgeberisch so leicht zu ändern wäre, ohne irgendwelche Nachteile für „das System“ oder irgendjemand anderen, macht das Thema vielleicht auch zu einem lohnenden Einsatzgebiet für Leute, die sich nicht so sicher sind, was eine gute Lösung für das Problem der weltweiten Armut wäre o.ä.

    Davon abgesehen stimme ich aber zu, dass die Ereiferung von Heteros zugunsten der Homoehe bisweilen ein bisschen… billig wirkt. Generell wundert mich, wie stark Europäer sich auf Facebookl & Co. amerikanische Kulturkämpfe zu eigen machen. Wenn ich mich schon öffentlich (bzw. internet-öffentlich) für die Benachteiligten anderer Länder stark machen muss, dann würden mir Gruppen einfallen, die meine Solidarität noch weitaus stärker brauchen.

  9. Nadine sagt:

    @Johanna

    Ich stimme dir zu, wenn du sagst, dass die Ehe eine große Relevanz besitzt, wenn es um den Wunsch von Erziehungsarbeit oder Verantwortung für Kinder & Heranwachsende oder auch „eigene“ Kinder geht und dass ein Kampf für die Öffnung der Ehe aus dieser Sicht sinnvoll sein kann. Dennoch unterstelle ich vielen Leuten aus der sogenannten LGBT-Community, für die die Öffnung der Ehe eine Erleichterung ihrer Lebensplanung darstellt, dass sie nicht heiraten wollen, um zu heiraten, sondern Rechte zu genießen, die Heten auch ohne Eheschließung besitzen. Es geht also in meinen Augen beim Kampf um Ehe-Öffnung gar nicht so sehr um’s Heiraten, sondern um rechtliche Anerkennung und Gleichstellung vor dem Gesetzgeber in allen Bereichen.

    Mit diesem Aspekt sollte sich eigentlich die Frage aufdrängen, warum ich dann für eine Öffnung einer höchst problematischen Institution kämpfe, bei der es – wie Schizoanalyse schreibt – um die Hetero-Normalisierung lesbischer und schwuler und bi/pan“sexueller“ Lebensentwürfe geht, um Assimilation an ein heteronormatives System, eine Eingemeindung in dieses und Zwangsvergemeinschaftung einiger gegen eine Vielzahl von Menschen, denen diese Privilegien niemals zugestanden werden und weiterhin Diskriminierungen und Gewalt ausgesetzt sind. Und zweifelsohne erleben die Menschen, für die die Öffnung der Ehe in Frage kommt, weiterhin Diskriminierung und Gewalt, nicht nur im Alltag, sondern auch durch den Gesetzgeber.

    Es ist in meinen Augen überhaupt nicht verwunderlich, dass sich so viele Heten für die Homo-Ehe einsetzen, geht es doch hier überhaupt nicht um Umverteilung oder Kritik an der eigenen Lebensrealität, sondern um Anerkennung und weitere Privilegierung des eigenen hetigen Lebensentwurfes. Wie schon geschrieben wurde, handelt es sich hier um eine Normalisierung von Heteronormativität, die sehr sexistisch wirkt, weil Zwei-/CisGenderung nicht hinterfragt werden, Heteragenderung nicht wirklich kritisiert, sondern um ein „homo-opt-in“ erweitert wird.

    Zudem steht die Ehe für die Reproduktion der Gesellschaft, hier sind staatliche Reproduktionsinteressen von immenser Bedeutung: Während die Heten (eigene) Kinder gebären und aufziehen können dürfen/sollen, kümmert sich die verheiratete privilegierte Homoschaft um die Pflege/Adoptionsfälle/schwer vermittelbaren „Problem“kinder, um die sich schon jetzt und seit langer Zeit kaum jemand zuständig fühlt oder fühlen darf. Das verlagert Erziehungs/Sorgearbeit immer weiter in den privaten Bereich, während von staatlicher Seite finanzielle Unterstützung (psycho)sozialer Einrichtungen immer weiter zurückgefahren wird oder die Situation in bestehenden Einrichtungen durch die Nichtbeackerung finanzieller Notlagen und diskriminierender, gewaltvoller Umgebungen in diesen Einrichtungen weiter verschärft wird. Zumal wir bei den derzeitigen Planungen in Deutschland bezüglich Ehe-Öffnung überhaupt nicht von einer umfassenden Gleichstellung im reproduktionsrechtlichen Sinne sprechen. Weitere Überlegungen dahingehend könnten sein, dass Pflegebedürftigkeit im Alter auch nicht durch die Eheschließung allein abgesichert werden kann, sondern Pflegebedürftige aufgrund des Ressourcenmangels im Pflegesektor auf der einen und immense finanzielle Rücklagen der Pflegebedürftigen erforderlich werden auf der anderen Seite, in der Regel Pflegebedürftige auf die „eigenen“ Kinder angewiesen sind, die diese Arbeit in Teilen übernehmen. Wer werden diese Kinder sein, wenn ich als Lesbe mit meiner verheirateten Partnerin weder Reproduktionstechnologien, noch partnerinnenschaftliche Adoption und häufig auch Pflege nicht in Anspruch nehmen darf? (von den finanziellen Kosten mal ganz abgesehen). Wer kümmert sich um mich, wenn ich alt und auf Hilfe angewiesen bin?

    Das Recht auf Kinder & Familie kann ich auch einfordern, ohne für eine Öffnung der Ehe zu plädieren, ohne meine neu erworbenen Privilegien auf dem Rücken vieler Menschen zu leben. Ich kann mich bspw auch für die Erweiterung von Familie einsetzen: dass nämlich nicht nur zweierPaare als gesetzliche Vertreter_innen und Vormundschaften oder Bezugspersonen gelten, sondern die Menschen, die sich dazu bereit erklären. usw usf.

  10. rhi sagt:

    Gleich mal vorab: Ich finde es schön, dass Heteros sich nicht immer nur mit der eigenen Lebensrealität beschäftigen. Ich finde es auch gut, dass Menschen, die sich selten zu gesellschaftskritischen Themen unterstützend äußern, mit solchen Thematiken vielleicht (erste? emanzipatorische) Politisierungen erleben. Es bleibt allerdings problematisch, wenn der einzige (oder einer der wenigen) Ansätze zu Gesell­schaftskritik im Abfeiern der Homo-Ehe verharrt, und so die gesellschaftlichen Strukturen wie Homophobie und Heteronormativität, die (unter vielem anderem!) hetero sexistische Institutionen wie die Ehe und die damit verbundenen Privilegien überhaupt erst her vorbringen, aus dem Blick geraten.

    Ich finde es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, wer wovon profitiert und welche Themen Aufmerksamkeit erlangen und welche nicht. Aber mich erinnert der ganze Textaufbau, beispielhaft das angeführte Zitat, einfach soooo sehr an antifeministische Argumentationsmuster: Es gibt wichtigeres, kümmer Dich lieber darum, weißt Du denn nicht, dass das *eigentliche* Problem der Kapitalismus (die Heteronormativität) ist, es ist zu wenig, das zu kritisieren, dann musst Du auch das kritisieren, usw.

    Mag sein, dass ich da mittlerweile zu sensibel bin, aber ich würde mir wünschen, dass die Kritik an der massenhaften Befürwortung der Homo-Ehe ohne diese Argumentationsmuster auskommt. Gerade weil ich die Kritik inhaltlich teile.

  11. Magda sagt:

    @rhi

    Ich habe mich um Komplexität bemüht und an einigen Stellen (hoffentlich) deutlich gemacht, dass Kämpfe für die Homo-Ehe nicht falsch_schlecht_unwichtig sind. Aber ich wollte schon klar Kritik formulieren an 1. Diskriminierungen innerhalb der Bewegung und 2. als Aktivismus getarnte schlechte-Gewissen-Bereinigungen von hetero-lebenden Menschen. Ich hatte nicht vor, Ehe-Befürworter_innen zu bashen oder ihren Aktivismus als unwichtig zu deklarieren (wäre ja auch quatsch), aber einige Fragen aufwerfen hinsichtlich der Schwierigkeiten, das schwul-lesbische Emanzipations-Projekt fast nur noch an die Ehe zu koppeln.

  12. Nadine sagt:

    @rhi

    den vergleich mit nebenwiderspruchsrhetoriken und antifeminismus finde ich ehrlich gesagt ziemlich daneben. es geht hier nicht um wichtiger und unwichtiger, sondern um die kritik an einer sexistischen und heteronormativen institution, die auch mittels öffnung für einige wenige weiterhin sexistisch und heteronormativ bleiben wird. wer sich aktiv für die öffnung der ehe einsetzt oder die öffnung befürwortet, nimmt in kauf, auf wessen rücken das passiert. mindestens sollte also das mitthematisiert /problematisiert werden, um nicht in der debatte genau das unter den tisch fallen zu lassen und damit eben auch rassismus, trans-/homofeindlichkeit, sexismus und all den anderen quark zu festigen. die vielen kämpfe hängen doch immer miteinander zusammen. ein kampf für die öffnung der ehe, bedeutet ein kämpfen gegen anerkennung der kämpfe von marginalisierteren positionen. es gibt also kein wichtig/unwichtig, sondern imho nur: wer profitiert hier wovon und warum? an welchen stellen reproduzieren vermeintliche anti-bestrebungen diskriminierungen?

    die öffnung der ehe ist also nicht weniger wichtig als andere kämpfe, sondern festigt bereits bestehende diskriminierungen. der text gibt anstoß genau darüber nachzudenken und sich zu überlegen/danach zu suchen, ob es nicht andere kämpfe gibt, die das „weniger“ tun bzw. mehr menschen in ihre politiken einschließen.

  13. […] von der Mädchenmannschaft hat den Artikel “Homo-Ehe: Ja. Heteronormativität hinterfragen? Nee.”  geschrieben und eigentlich alles gesagt, was zum Thema zu sagen […]

  14. Magda sagt:

    Hallo liebe Kommentierenden,

    einige von euch wundern sich vielleicht, warum ihr Beitrag nicht freigeschaltet wurde. Das kann unterschiedliche Gründe haben:

    – Der Kommentar ist homophob.
    – Ich habe auf eure Fragen/Argumente schon im Text reagiert und schaffe es nicht, das noch einmal in die Kommentare zu schreiben.
    – Ich habe keine Lust auf Debatten á la „alles was über die Lebensrealitäten von weißen, wohlsituierten Lesben und Schwulen hinausgeht, ist zu akademisch_kompliziert oder muss halt länger warten, wenn es um gesellschaftliche Veränderungen geht.“ Gesellschaft ist kompliziert und wer die simple Version mag, wird viele Lebensrealitäten ausblenden. Diese Sichtweise ist schon jetzt innerhalb (weiß/ökonomisch privilegierter) schwul-lesbischer Communities und in vielen Teilen der Hetero-Gesellschaft akzeptiert und sollte auf einem feministischen Blog nicht auch noch hundertmal wiederholt werden.

    Falls einige Wörter, Konzepte oder Sätze zu kompliziert sind, freue ich mich über ernstgemeinte Nachfragen.

  15. Pfefferminza sagt:

    In meiner Kontaktliste bei Facebooks waren/sind die einzigen, die sich in letzter Zeit mit Posts/Profilbildern für Öffnung der Ehe ausprechen, nichtheterosexuelle Menschen, die es selber betrifft und die sowas auch schon vor Jahren getan haben. Ich habe ein paar wenige (!) mehr likes von Heteros für solche Posts registriert, aber das war es auch schon. Heiratseinladungen ist mir (Ende 20) bis jetzt erst eine ins Haus geflattert, aber das liegt vermutlich daran, dass mein Kreis als Dauersingle neben ein paar Menschen, die eine Ehe generell nicht für sich in Betracht ziehen, aus Menschen in Beziehungen, die heiraten wollen (aber erst in ein paar Jahren), auch aus vielen andere Dauersingles in meinem Alter, zum großen Teil mit Familie/Ehewunsch, die aber eben schon mehr oder weniger jahrelang auf der Suche sind und/oder sogar teilweise nie ansatzweise sowas wie eine Partnerschaft hatten, besteht. -;)

    Ich sehe selber die Ehe nicht für mich als Lebensmodell aus diversen Gründen. Trotzdem bin ich für die Öffnung als einer von vielen Schritten (Gründe dafür haben Anna Sarah und Johanna schon genannt).
    Was nicht heißt, dass ich so naiv bin zu glauben, dass damit nichtheterosexuelle Menschen komplett gleichgestellt sein werden. Der Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung und für bessere rechtliche Absicherung darf nicht mit der Eheöffnung enden oder sich gar darauf begrenzen! zB in Südafrika ist trotz Eheöffnung Gewalt gegen Menschen, die nicht *cis und nicht hetero sind weiterhin Alltag. Deswegen sind kritische Stimmen wichtig.

    Naja…ich geh dann mal weiter träumen von einer Welt, in der Menschen sich und ihre Lieben auf rechtlichem Wege absichern können ungeachtet der Beziehungskonstellation, der Geschlechter der Partner, der Art der Beziehung und in der Menschen, die unbedingt das Hochzeitstamtam mit gegenseitigem Versprechen, Zermonie, Party, sich danach „verheiratet fühlen“ brauchen sollen das auch haben können, wobei in dem Fall daraus jetzt keine rechtlichen Konsequenzen folgen und die (sexuelle) Identität auch keine Rolle spielen sollte.

  16. rhi sagt:

    @nadine: sorry, stimmt, das war wohl daneben. ich wollte das keinesfalls inhaltlich gleichsetzen, aber ich finde diesen kleinen aspekt der argumentation eben so, dass er *formal* daran erinnert. es war das, woher ich das am intensivsten kenne und wovon ich ausging, dass das hier die meisten, die hier lesen, auch nachvollziehen können und wissen, was ich meine.
    aber nochmal ohne das beispiel: ich halte es argumentativ grundsätzlich für problematisch, leuten vorzuwerfen, dass sie zwar das eine, aber nicht etwas anderes tun, und so ist der text, den ich insgesamt wichtig und gut und toll finde, eben aufgebaut.

    und wie ich finde, hast du ja zum beispiel sehr klar getrennt und gesagt, die homo-ehe sei eben insofern schlecht, als dass es bereits bestehende diskriminierungen weiter festigt.

  17. Jorane sagt:

    ich will nur kurz hinzuzufügen, dass vergleichbare kritik natürlich auch in den usa ausgeübt wird und und dort auch bis zu einer gewissen verbreitung in den sozialen netzwerken gekommen ist. das logo der hrc wurde längst zu einem immer wieder resignifizierten mem, und unter den neuen funktionen stechen skeptische, radical queere haltungen ziemlich hervor. insbesondere natürlich die von against equality (archiv unter http://www.againstequality.org/ oder eine diskussionsreiche gruppe auf eurem lieblings social network).

  18. Jane sagt:

    „Dies bedeutet, dass im Zuge des Lobbying für die Homo-Ehe oftmals vergessen wird, dass (insbesondere prekarisierte und_oder von Rassismus betroffene) queere_trans*_schwul_ lesbische_bi Menschen teilweise noch nicht einmal fundamentale Grundrechte wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit besitzen. Fragen um eine aus­reichende Kranken­versicherung, ein Dach über dem Kopf oder Schutz im Falle von Gewalt_Diskriminierung sind für viele die viel dringlicheren politischen Fragen, so dass der Kampf um die Homo-Ehe automatisch einen unter­geordneten Stellen­wert haben muss.“

    Ich verstehe hier nicht ganz, weshalb das gegeneinander gestellt wird. Ich finde nicht, dass diese Privilegien unabhängig voneinander sind, denn durch die Öffnung einer gesellschaftlich etablierten Lebensform (Ehe) versprechen sich ja auch einige mehr Schutz vor Diskriminierung und das ist ja nicht von Gewalt zu trennen, finde ich. Außerdem sind solche Sachen wie Krankenversicherung und Existenzsicherung gerade in der Homoehe doch ein Thema, auch hier bverbessert sich ja der gesetzliche Status enorm (Stichwort Familienversicherung zb)!

    Ich bin mit dem Artikel irgendwie unglücklich, weil ich das Gefühl habe, dass hier (berechtigte) Kritik an der Insitution Ehe dazu führt, dass das was sich doch viele Homosexuelle wünschen marginalisiert wird.

    „Aber Solidarität für von Homo­feindlich­keit betroffene Menschen entsteht nicht dadurch, einen entrüsteten Status-Update auf Facebook zu veröffentlichen, dass Lesben und Schwule immer noch nicht heiraten dürfen. Für einige mag es neu sein, aber Schwule und Lesben, die in Zweier-Liebes­beziehungen leben und heiraten möchten, sind nicht die einzigen, die von Hetero­normativität betroffen sind.“

    Da verstehe ich den Unterton auch wieder nciht. Warum wird das gegeneinander ausgespielt? Ich finde schon, dass die Thematisierung der Homoehe tatsächlich auch Leute erreicht, die vielleicht vorher cniht nachvollzeihen konnten, wieso das wichtig ist. Das finde ich als Türöffner wichtig. Es heißt ja auch cniht, dass Leute, die sich jetzt erst Gedanken machen, deswegen die Ausmaße von Heteronormativität nicht checken.

    Ich habe in dem Artikel das Gefühl, dass hier das Engagement für die Homoehe deshalb zu generell kritisiert wird. Und den biographischen Teil der Autorin, der die gewollte Ehelosigkeit erläutert halte ich hier für unangemessen, weil es hier eben nicht um die Bedürfnisse von Heteros gehen sollte, die „es sich leisten“ auf Privilegien zu verzichten. Das war sicher nciht die Absicht, aber mir kommt da als Homoperson so ein Gedanke wie -pardon- „schön für dich“.

    Die Privilegien der insitutionalisierten Zweierbeziehung zu hinterfragen ist natürlich ein wichtiger Ansatz, aber das sollte man meiner Meinung nach nicht im gleichen Atemzug tun, es geht ja hier erst mal um das Abschaffen von Diskriminierung von Leuten, die eben so leben wollen. Das schließt aber für mich nciht aus, dass man sich auch dafür einsetzt, dass zb Adoption oder künstliche Befruchtung generell nciht mehr an die Ehe gebunden ist, oder ob es auch noch andere Arten ziviler Unions geben kann, in denen zb steuerliche Lasten gemildert werden können.

  19. Nadine sagt:

    @rhi

    dann verstehe ich aber deine kritik nicht. für mich argumentiert der text in eben genau diese richtung: wenn ich mich für die öffnung der ehe für schwule und lesben einsetze, die in deutschland nicht verbunden ist mit öffnungen im familien, erbschafts- und steuerrecht, weil der christlich säkularisierte staat daran überhaupt kein interesse hat (auch aus finanziellen gründen nicht), dann werden nicht nur schwule und lesben weiterhin gegenüber (verheirateten) heteropaaren benachteiligt sein, sondern passiert darüber hinaus diese öffnung auf dem rücken vieler menschen, die niemals in den genuss bestimmter privilegien kommen werden, für die die ehe eine fundamentale voraussetzung darstellt. und genau das ist doch das problem: dass eben diese rechtlich abgesicherte verbindung zwischen ehe und (finanzieller) ab_grund_sicherung/familie/zusammenleben besteht, die für viele menschen einen eingriff in ein freies leben bedeutet, das sie mit dem weiterbestehen dieser einrichtung niemals werden führen können.

    da steht nicht: setz dich doch mal lieber für dieses und jenes thema ein, weil wichtiger. es sollte um eine grundsätzliche kritik an einer institution gehen, die auf der ideologischen grundannahme aufbaut, dass es männer und frauen gibt, die nur in einer gefestigten und unlösbaren zweierbeziehung miteinander (und vor dem gesetzgeber dafür einstehen und rechenschaft ablegen) in diesem land menschen und familie/gemeinschaft sein dürfen, wofür sie noch mit nicht wenigen euros (und anderen dingen) belohnt werden. das plädoyer für die öffnung festigt diese grundannahme, statt sie zu kritisieren. weshalb auch heten dieses anliegen unterstützenswert finden, weil ihnen ja nichts weggenommen wird. im gegenteil: ihr lebensmodell, das auf vielen diskriminierungen fußt, wird weiterhin vom gesetzgeber für erstrebenswert erachtet.

    als lesbe hingegen bringt mir die ehe keine vorteile. denn wenn es um abgaben und pflichten meinerseits geht, ist der gesetzgeber früher oder später dann doch hinterher, nicht zu diskriminieren – ganz ohne aktivismus „von außen“. bsp: ALGII und sogenannte Bedarfsgemeinschaften. Hatte ich früher noch das Schlupfloch, mit meiner Partnerin, mit der ich zusammenlebe, nicht als Bedarfsgemeinschaft zu gelten, weil der Gesetzgeber meine Beziehung nicht für voll nimmt, ist das mittlerweile nicht mehr der fall. es ist ein irrglaube, dass mit der stückweisen öffnung der ehe auch andere problematiken auf die realpolitische agenda kommen werden. hinter rechtlichen anerkennungskämpfen, die der staat schlussendlich mit vorbehalten billigt, stehen immer machtpolitische interessen der „herrschenden“, es wird immer auf kompromisse (zugunsten der norm) abgezielt, da sonst schon mal ein gesellschaftliches system ins wanken käme. und auf die wenigen rechtlichen grundlagen wird sich dann aber auch stets gleichzeitig bezogen, um zu sagen: bis hier hin und nicht weiter. das ist gleichstellung, mehr brauchen wir nicht. mehr wollen wir nicht. mitte der 90er jahre gab es mehrere antisexistische gesetze. hat sich seitdem an der lage von betroffenen viel geändert? hat sich bspw. das problem „häusliche gewalt“ erledigt? freilich ließe sich argumentieren, dass rechtsetzung wichtig ist, symbolcharakter hat, der weiter führen kann, einigen ein gefühl von sicherheit gibt. ich finde das wichtig. ich denke nur, dass probleme an der wurzel des übels kritisiert und bekämpft werden müssen, sonst bleibt alles andere nur symptombekämpfung auf dem rücken derer, die nicht mal von der symptombekämpfung profitieren.

    long story short: wenn es um die ausweitung der privilegien, die mit der ehe momentan verknüpft sind, auf alle gesellschaftlichen gruppen ginge, würde das ja die institution ehe ad absurdum führen.

  20. Magda sagt:

    @ Jane

    Einige deiner Punkte wurden entweder in meinem Text oder durch andere Kommentare (z.B. von Nadine) bereits entgegnet, deswegen werde ich nur auf zwei Punkte eingehen.

    Ein Argument scheint immer, immer wieder in den Kommentaren vorzukommen und zeigt, dass ich das in meinem Text hätte deutlicher machen sollen bzw. dass der Punkt vielleicht nicht bei den Leser_innen ankam. Du schreibst:

    Ich verstehe hier nicht ganz, weshalb das gegeneinander gestellt wird. Ich finde nicht, dass diese Privilegien unabhängig voneinander sind, denn durch die Öffnung einer gesellschaftlich etablierten Lebensform (Ehe) versprechen sich ja auch einige mehr Schutz vor Diskriminierung und das ist ja nicht von Gewalt zu trennen, finde ich. Außerdem sind solche Sachen wie Krankenversicherung und Existenzsicherung gerade in der Homoehe doch ein Thema, auch hier bverbessert sich ja der gesetzliche Status enorm (Stichwort Familienversicherung zb)!

    Mein Argument (und Nadine hatte das in ihrem vorherigen Kommentar schon schon geschrieben) ist: Die Öffnung der Eheprivilegien für einige Menschen, die in monogamen Zweierbeziehungen leben, kann nur auf dem Rücken anderer passieren, die in diesem Schema nicht passen. Wenn der Familienbegriff (der heute Mann und Frau und eventuell Kinder umschließt) in Mann/Mann bzw. Frau/Frau (plus eventuell Kind, aber das ist viiiiel schwerer als bei Heteropaaren, denn der Zugang wird weiterhin vom Staat erschwert) umgedeutet wird, fallen immer noch etliche andere Formen von Beziehung raus, die auf die von dir angesprochenen Existenzsicherungen dann immer noch keinen Anspruch haben. Das ist doch genau das Problem: Wenn die Ehe der Ort wird, wo der Staat noch ein paar Privilegien verteilt, diese aber nur für Hetero- (und nun auch für) Homo-Zweier-Paare offen ist, dann haben wir ein großes gesellschaftliches Problem. Die Öffnung dieser Ehe nützt dann vielleicht einigen, aber die Situation anderer prekarisiert sich wahrscheinlich noch, denn es kann ja argumentiert werden: „Wieso, Ehe ist doch jetzt offen für Homos, Pflicht getan: Gleichstellung erreicht“ – und andere Kämpfe werden mit höchster Wahrscheinlichkeit im Keim erstickt.

    Ich schrieb in meinem Text, dass ich wahrscheinlich nicht gegen eine Homo-Ehe stimmen würde, wenn ich vor der Wahl stünde. Ich würde allerdings lieber über allgemeine Grundsicherung für alle abstimmen, für ein Aufbrechen von Eheprivilegien, für Zugang zu künstlicher Befruchtung und Adoption (das dürfen unverheiratete Heteros nämlich jetzt schon) u.s.w. Fakt ist: Die Ehe bleibt eine ausschließende, diskriminierende Institution, auch wenn nun Lesben und Schwule in monogamen Zweierbeziehungen heiraten dürfen – insbesondere, wenn es wie in Deutschland überhaupt keine rechtliche Gleichstellung mit Heteropaaren gäbe (siehe Nadines Kommentar).

    Noch ein Punkt, du schreibst:

    Ich habe in dem Artikel das Gefühl, dass hier das Engagement für die Homoehe deshalb zu generell kritisiert wird. Und den biographischen Teil der Autorin, der die gewollte Ehelosigkeit erläutert halte ich hier für unangemessen, weil es hier eben nicht um die Bedürfnisse von Heteros gehen sollte, die “es sich leisten” auf Privilegien zu verzichten. Das war sicher nciht die Absicht, aber mir kommt da als Homoperson so ein Gedanke wie -pardon- “schön für dich”.

    Anna-Sarah hat in den Kommentaren geschrieben, welche Rolle hetero-lebende Menschen in diesem Kampf einnehmen könnten. Das fand ich sehr klug. Und nur, dass keine Missverständnisse auftreten: Mit dem biographischen Teil wollte ich verdeutlichen, welchen niedrigen Stellenwert die Ehe in meinem Freund_innenkreis hat (darunter sind nicht nur Heteros) und dass es deshalb doppelt interessant ist, dass diese jetzt für das Recht auf Ehe kämpfen, weil: es tut ja nicht weh. Bedürfnisse von Heteros sind mir auch wirklich egal, wenn es um einen Kampf gegen Heteronormativität und Homophobie geht, aber wenn die Öffnung der Ehe gar keine Auswirkungen auf die Lebenswelt von Heteros hat, ist das doch schon mal ein gutes Indiz dafür, dass es in der Konsequenz gar nicht um die Veränderung von heteronormativen Strukturen geht. Wenn Heteroprivilegien nicht für alle zugänglich werden, sondern nur einige Lesben und Schwule in monogamen Zweier-Beziehungen davon profitieren, ist das doch kein emanzipatorischer Gesellschaftsentwurf.

  21. […] Öffnung der Ehe versteht, gehört beispielsweise dazu und in den letzten Tagen las ich auch andere kritische Artikel dazu. Ich möchte niemandem vorverurteilen, weil er_sie sich für die Öffnung der Ehe […]

  22. Jane sagt:

    „Bedürfnisse von Heteros sind mir auch wirklich egal, wenn es um einen Kampf gegen Heteronormativität und Homophobie geht, aber wenn die Öffnung der Ehe gar keine Auswirkungen auf die Lebenswelt von Heteros hat, ist das doch schon mal ein gutes Indiz dafür, dass es in der Konsequenz gar nicht um die Veränderung von heteronormativen Strukturen geht. Wenn Heteroprivilegien nicht für alle zugänglich werden, sondern nur einige Lesben und Schwule in monogamen Zweier-Beziehungen davon profitieren, ist das doch kein emanzipatorischer Gesellschaftsentwurf.“

    Ich sehe aber nicht, warum man nicht gleichzeitig die Ehe für Lesben und Schwule ermöglichen soll und Privilegien, die ungerechtfertigt sind, in Frage stellt, oder ausweitet. Ich sehe die Ehe eben nicht nur als Privilegienmaschine, sondern als etwas, das anscheinend Leute, die (trotz allem) an einer Zweierbindung festhalten, udn das sind ja viele, wollen, aber nciht können. Ich zb würde das wollen, hätte aber überhaupt ncihts dagegen, wenn die Ehe an sich von Ausschlüssen befreit wird, oder vielmehr, wenn es Privilegien wie zb Kostenübernahme bei künstl. Befruchtung durch die Krankenkasse nicht mehr nur für Verheiratete gibt (das ist mein neuester Stand, korrigiert mich bitte, wenn das schon anders ist).

    Ich finde ähnlich wie rhi die Diskussion ein bisschen an der falschen Stelle. Die Ehe gibt es nun mal schon ewig, es ist klar, dass daher viele den Wunsch haben, sie ienzugehen. Ich möchte das vielleicht einfach so, weil ich jemanden liebe, vielleicht auch um mit meiner Partnerin von anderen als Einehit wahrgenommen zu werden. Ich sehe da noch cnit, dass ich damit andere ausschließe, ich habe überhaupt cnihts dagegen, wenn andere gesellschaftliche Familienformen auch endlich Anerkennung erfahren. Aber warum bin ich ausgerechnet jetzt und hier mit meinem Wunsch Gegenstand der Kritik, bzw die Freunde, die mich (endlich?) verstehen? Und es spielt eine Rolle für mich, wer die Kritik äußert, dass mir einfach jemand „von der anderen Seite“ erzählt, der Wert ist gering, kann ich nciht akzeptieren.

    „long story short: wenn es um die ausweitung der privilegien, die mit der ehe momentan verknüpft sind, auf alle gesellschaftlichen gruppen ginge, würde das ja die institution ehe ad absurdum führen.“

    Auch da bin ich nohc nicht so richtig überzeugt. Die Ehe wird natülich zu einer vielleicht rein symbolischen Insitution „verkommen“, aber das finde ich eben nciht unwichtig. Viele Menschen haben doch den Wunsch, gerade diese Symbolik zu leben.

  23. Magda sagt:

    @ Jane,

    ich denke, dass ich bereits gesagt habe, was ich wollte, also werde ich jetzt nicht noch mal auf deine Punkte eingehen (wurde in den Kommentaren ja schon mehrmals gemacht).

    Eine Frage habe ich noch – was meinst du mit:

    Aber warum bin ich ausgerechnet jetzt und hier mit meinem Wunsch Gegenstand der Kritik, bzw die Freunde, die mich (endlich?) verstehen? Und es spielt eine Rolle für mich, wer die Kritik äußert, dass mir einfach jemand “von der anderen Seite” erzählt, der Wert ist gering, kann ich nciht akzeptieren.

    Wer ist „die andere Seite“? Ich verstehe auch nicht so ganz, wieso du meinen Text so liest, dass ich homo-lebende Menschen kritisiere, die heiraten wollen. Das liegt mir fern. Ich habe kritisiert, dass der Kampf für die Homo-Ehe so einen prominenten Platz in schwul-lesbischen Kämpfen einnimmt.

  24. Micha F. sagt:

    @magda: Danke für deinen Beitrag, dem ich mich inhaltlich anschließe.

    Es gibt noch einen weiteren Aspekt an der etwas wohlfeilen Homoehebefürwortung, den ich kritisch sehe (und der soweit ich sehen konnte noch nicht angesprochen wurde): Die Ehe-Gleichstellung kann als (meist wohl unbewusste) Waffe dienen, um andere Formen der Benachteiligung und Unterdrückung von LGBTQ abzubügeln und zu delegitimieren.

    Mit dem gleichen Problem haben ja schon antirassistischer und feministischer Aktivismus zu kämpfen: Mit Verweis auf Wahlrecht, Scheidungsrecht oder andere prominente rechtliche Veränderungen wird eine post-sexistische, post-rassische und zunehmend auch post-homophobe Gesellschaft behauptet und die Kritik an kulturellen und sozialen Mustern der Unterdrückung unterhalb der Schwelle des Gesetzes bagatellisiert, geleugnet und als extremistisch abgebügelt.

    Dadurch dass die Homoehe über das letzte Jahrzehnt hinweg den Diskurs so beherrscht hat, wird sie genau die gleiche Funktion erfüllen. Ich habe das von selbstgerechten Heten in meinem Bekanntenkreis schon genau so zu hören bekommen, als ich mich z.B. gegen homophobe Witze gewehrt habe: ich soll mich nicht so anstellen, es gibt heute gar keine Diskriminierung mehr, Homos haben schon so viel erreicht und sind doch gleichgestellt, siehe Wowi, siehe Homoehe, also nicht hysterisch werden wegen nem harmlosen Witz, immer diese schrillen Minderheiten usw.

    Klar, diese Muster gibt es auch unabhängig von der Ehedebatte, aber die Homoehe ist meiner Einschätzung nach für viele in der Mehrheitsgesellschaft eine Zäsur, die sagt: Schaut her, Gleichstellung erreicht, Thema erledigt, ich kann’s abhaken, du kannst’s Maul halten.

    Beim Gegenlesen frage ich mich gerade, ob das nun doch schon so im Beitrag drinsteht, aber wenn ich es richtig verstehe war die Stoßrichtung vor allem das Unsichtbarmachen anderer Probleme von LGBTQ und die Hetero-Selbstberuhigung; ich wollte hier noch die Funktion der Homoehe als diskursive Keule gegen weiteren Aktivismus betonen. Sorry, falls ich jetzt nur deinen Gedankengang wiederholt habe.

  25. Jane sagt:

    ok, ich verstehe jetzt glaube ich ein bisschen besser den Artikel. Danke auch Micha. Es mischt sich in meine Reaktion wahrscheinlich tatsächlich zu Unrecht das Gefühl, persönlich kritisiert zu werden. Für mich wäre die Homoehe durchaus interessant. In erster Linie aus rein romantischen Motiven. Ich teile gleichzeitig die Forderung, bestimmte Privilegien der Ehe abzuschaffen. Oder vielleicht alle Privilegien? Ich weiß es nicht, trotzdem habe ich das diffuse Gefühl, ich würde vielleicht gerne heiraten (können). In meinem Bekanntenkreis ist von Ehe, eingetr. Lebenspartnerschaft bis hin zu Polyamorie alles vertreten, die meisten kennen sich und verhalten sich respektvoll zueinander. In dem Umfeld würde ich nicht auf die Idee kommen, den einen Privilegien zuzugestehen, den anderen nicht, oder die die unverheiratet sind weniger ernst zu nehmen. Außerdem habe ich das Engangement für die Homoehe bisher eben nciht als unreflektiert erlebt, sondern als erste Manifestation von Engagement. Damit will ich nciht sagen, dass der Artikel das falsch wiedergibt. Der Punkt, der mich irgendwie getroffen hat, ist, dass Homoehe und Kritik an der Ehe allgemein so zusammen genannt werden, so dass bei mir das Gefühl entstanden ist, dass mir unterstellt wird, weil ich die Homoehe (für mich) will, bin ich quasi antifeministisch, weil ich eigentlich gegen die Ehe sein sollte. Das steht nicht im Artikel, sondern eben, dass manche Leute nicht über die Benachteiligung die durch das Ehekonzept für andere ausgehen können, nachdenken. Ich fühle mich da trotzdem irgendwie mit reingezogen, weil sicher darüber nachgedacht werden sollte, die Ehe „auszuhöhlen“,w as vielen Leuten nciht schmeckt. Ich fände das gut, weil es für mcih um den symbolischen Bund geht, aber natürlich würden viele HEten ihre Privilegien abgeben müssen. Und die Homoehe gilt als „verantwortlich“ dafür, dass die Ehen von HEteros anders bewertet werden. Ich bin aber als Homosexuelle nicht dafür verantwortlich, sondern als Feministin, und das wird von der konservativen Seite immer vermischt. Deshalb habe ich mcih auch sofort persönlich angegriffen gefühlt, weil es mich einfach ganz subjektiv daran erinnert hat.

  26. Magda sagt:

    Danke Micha F. für deine Gedanken! Du fasst super zusammen, was ich dachte, aber vielleicht nicht so klar kommunizieren konnte.

  27. […] Doch sitzt das Problem nicht tiefer? Geht es nicht darum Heteronormativität zu hinterfragen? […]

  28. […] Beitrag erschien unter gleichem Titel am 2. April zuerst bei der Mädchenmannschaft, dort gibt es auch bereits eine ausführliche Diskussion […]