Freie Medien für freie Meinungen (weißer Männer)

von Charlott

Die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen sich mal wieder an einer Image-Kampagne. Ich weiß natürlich nicht, was deren definiertes Ziel war. So lange es aber etwas anderes war, als ausschließlich weiße Männer als entscheidend herauszustellen, möchte ich ihr gern den Stempel „Gescheitert“ auf jedes einzelne der Plataktmotive drücken.

Die Kampagne besteht aus vier Printmotiven und einer Webseite, auf der es ein Quiz („Wer hat gesagt?“) gibt. Außerdem findet sich auf der Webseite eine knappe Erklärung dazu, was uns öffentlich-rechtlichen Sender gern nahelegen möchten:

Starke Meinungen für eine starke Kampagnenbotschaft.

Eine Demokratie ist nur so stark wie ihre Medien. Deshalb sind umfassende Berichterstattung, relevante Informationen und vielfältige Meinungen unverzichtbar für unsere Gesellschaft.
Nur so kann jeder eine eigene, fundierte Haltung entwickeln.

Diese Botschaft vermitteln in unserer Kampagne Persönlichkeiten,
die genau dafür stehen – für eine eigene Haltung, für Vielfalt und Unabhängigkeit. Heiner Geißler, Uli Hoeneß, Tim Bendzko und Dr. Michael Otto können sich dabei auf einen Grundsatz einigen: Wir brauchen Medien, die verlässlich für Vielfalt und Qualität stehen.
Dank Ihres Rundfunkbeitrags.

„Starke Meinungen“ scheinen laut den Medienanstalten ausschließlich weiße Männer vertreten zu können. Damit werden typischen Bilder verstärkt, nach denen weiße Männer (mit bestimmten weiteren Voraussetzungen wie „Bildung“ etc.) mit Logik und Objektivität in Verbindung gebracht werden. Diese Männer können uns also besonders gut etwas über Medien erzählen. Und da sie als Standard markiert sind in unserer rassistisch und sexistisch strukturierten Gesellschaft, wird davon ausgegangen, dass deren Meinungen alle Personengruppen ansprechen können.

Und auch im Quiz wird es nicht besser. Es gibt zehn Aussagen zum Thema Medien und die Nutzer_innen sollen jeweils zwischen drei Personen wählen, welche den entsprechenden Satz gesagt hat. Insgesamt stehen also dreißig Menschen zur Wahl. Genau ein einziger ist weiblich: Angela Merkel. Aber von ihr ist natürlich nicht das Zitat. Die Zitate sind letzten Endes auch allesamt von weißen Männern, auch wenn die Nutzer_innen wenigstens kurz überlegen dürfen, ob es auch Nelson Mandela oder Barrack Obama gesagt haben könnten.

Was soll ich nun aus dieser Kampagne ziehen? Die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten senden eh nicht für mich? Meinungen von mir und Menschen, die mir ähnlich sind, sind eher keine „starken Meinungen“? Weiße Männer, die die Welt erklären, sind doch nicht out?




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 21. November 2012 um 9:05 Uhr unter Medienkritik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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10 Kommentare

  1. Laura sagt:

    Jo, da bin ich auch schon drauf gestoßen. Zum kotzen. Meine Mail an die Pressestelle:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    heute morgen wurde ich aufmerksam auf ihre neue Kampagne unter http://www.ardzdfundsie.de. Was haben Sie sich dabei gedacht?

    Die „Printmotive“ zeigen Männer. Vier weiße Männer. Einer davon annähernd in meinem Alter. Alle anderen weit entfernt davon. Ich fühle mich als Frau nicht angesprochen, damit bin ich nicht alleine, und ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sich People of Color ähnlich misrepräsentsiert (weil: GAR NICHT repräsentiert) sehen. Es ist höchst unglaubwürdig, dass scheinbar nur weiße Männer eine erwähnenswerte Aussage zu „Freien Medien und Freier Meinung“ liefern können. Ähnliches gilt für das „Quiz“, das sie auf der Seite anbieten: Dort werden überhaupt nur eine Frau und zwei PoC ERWÄHNT – von dreißig Menschen insgesamt.

    Ich gehe davon aus, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk ALLE Bürger_innen in dieser Gesellschaft ansprechen muss. Unabhängig von Geschlecht, Alter, Milieu, Hautfarbe, vermeintlich ethnischer Zugehörigkeit. Und ich gehe davon aus, dass ein Großteil dieser Gesellschaft ein Interesse an freien Medien und freien Meinungen hat. Unabhängig von Geschlecht, Alter, Milieu, Hautfarbe, vermeintlich ethnischer Zugehörigkeit. Warum können Sie dann nicht die Vielfalt, die diese Gesellschaft ausmacht, widerspiegeln?

  2. Nube sagt:

    Danke für den Hinweis! Ich schließe mich Deiner Interpretation an, diese Darstellung von weißen Männern als Repräsentanten ist so rückwärtsgewandt! Aber typisch für die ARD. Offensichtlich besteht die Zielgruppe ausschließlich aus weißen Männern…

  3. „Weiße Männer, die die Welt erklären, sind doch nicht out?“ – nicht überall offenbar, aber das zeigt nur, wie himmelweit „out“ inzwischen ARD und ZDF sind. Ich jedenfalls schalte das schon lange nicht mehr an, und wenn es doch ausnahmsweise passiert (abends im Hotel zum Beispiel) kann ich die Ansammlung von Unfug, die es dort zu sehen gibt, schier nicht mehr fassen. Ich vermute, es gibt einen Zusammenhang zwischen dieser weiße-Männer-Sache und der unterirdischen Qualität des Produkts.

  4. […] (via Charlott/Mädchenmannschaft) […]

  5. […] maedchenmannschaft: freie-medien-fuer-freie-meinungen-weisser-maenner […]

  6. Laura sagt:

    Hier übrigens die Antwort, die ich bekam:

    „Sehr geehrte Frau abc,

    ich danke Ihnen für Ihre Mail vom 21. November 2012. Sie kritisieren, dass in den ersten Spots der neuen Testimonial-Kampagne von ARD, ZDF und Deutschlandradio lediglich Statements von prominenten Männern zu sehen waren. Und ich muss zugeben – zumindest auf den ersten Blick trifft Ihre Wahrnehmung und damit Ihre Kritik zu.

    Aber: nur auf den ersten Blick. Sie haben die allerersten Motive einer Kampagne gesehen, die – inkl. Pausen – bis Ende 2013 geplant ist. Angefragt waren dafür von vornherein viele interessante Persönlichkeiten – natürlich nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Leider haben die männlichen Protagonisten überproportional zugesagt und konnten flexibel an den ersten Produktionen teilnehmen.

    Ich möchte Ihnen aber versichern, dass dies ein – in der Außenwirkung – etwas unglücklicher Zufall ist. Wir haben von Anfang an beabsichtigt, sowohl Männer als auch Frauen in einem ausgewogenen Verhältnis zu präsentieren – entsprechend laufen die weiteren Gespräche.
    Unser Wunsch ist, dass Sie der Kampagne noch etwas Zeit geben. Ich bin mir sicher, dass wir den ungleichgewichtigen Beginn im kommenden Jahr ins Lot bringen werden.
    Freundliche Grüße Andrea Hettlage

    Westdeutscher Rundfunk Köln
    Publikumsstelle – Intendanz
    50600 Köln
    Tel.: 0221/220-2118, -2478
    Fax: 0221/220-9546
    http://www.wdr.de

  7. Charlott sagt:

    @Laura: Ich musste ehrlich gesagt bei der Antwort tatsächlich laut auflachen. „Und ich muss zugeben – zumindest auf den ersten Blick trifft Ihre Wahrnehmung und damit Ihre Kritik zu.“ – Priceless.

    Und natürlich eine so typische Antwort wie aus dem Textbausteinkasten. Frauen haben eben nicht zugesagt. Alles nur Zufall. Da frage ich mich schon, wie es dann aber auch kommt, dass in dem Quiz außer einmal nur Männer vorkommen… Die werden sie ja nicht alle dafür angefragt haben.

    Und überhaupt von Zufall zu sprechen… Eine Bekannte von mir nannte dieses Phänomen mal „struktureller Zufall“ und das finde ich sehr passend, einerseits wird es als Zufall deklariert, aber natürlich stehen dahinter Strukturen, die das so bedingen.

  8. sabine sagt:

    Hab diesselbe Antwort bekommen. Meine Frage nach schwarzen Menschen /PoC wurde ignoriert.
    Schön dass die Kritik auf den ersten Blick zutrifft-mööööp.
    Dann warte ich mal auf das neue Quiz und die die vielen PosterFrauen die da noch kommen werden, weil die dieses Jahr einfach keine Zeit hatten. Wahrscheinlich hätten die Zeit gehabt wenn sie nur schon Putzgutscheine von der Regierung bekommen hätten. :)

  9. Laura sagt:

    Ich frage mich auch, wie das mit der Zeit genau sein soll… Für ein Foto und ein Zitat, braucht man da mehr als ne Stunde?!
    Argl. So oder so – ein weiterer Grund, keinen Fernseher zu besitzen.