Die Frauenzeitschriftenrevolution

von Susanne

Das Frauenmagazin Brigitte will ab sofort in ihren Modeproduktionen auf Models verzichten und nur noch mit Frauen wie dir und mir zusammenarbeiten. Der Grund steht auf der Aktionswebseite:

Die Mode hat sich geändert.
Die Frauen haben sich verändert.
Unsere Welt ist eine andere.
Also starten wir eine Revolution.

In einer Pressemitteilung führt der Chefredakteur Andreas Lebert dann weiter aus. Er habe es

… buchstäblich satt, von Agenturen völlig abgemagerte Models vorgesetzt zu bekommen. Die folgen dem Druck der großen trendigen Modelabels, die systematisch ein völlig unerreichbares Schönheitsideal durchzusetzen versuchen. Dabei würden von Prada, Gucci & Co. meist so kleine Konfektionsgrößen geliefert, dass der Redaktion gar nichts übrig geblieben sei, als „dürre Mädchen“ zu buchen. Im Nachhinein würden die Bilder dann in Photoshop bearbeitet und die Proportionen künstlich dicker gemacht. Lebert zum Spiegel: „Das ist pervers. Was hat das noch mit unserer echten Leserin zu tun.“

Die „Brigitte“-Leserin sei als Durchschnittsfrau nicht nur 23 Prozent schwerer als die aktuelle Model-Generation, sondern auch in die Jahre gekommen: Der Altersschnitt liegt bei 48 Jahren, jede vierte Käuferin ist älter als 60. Sie sollen nun bei den Modeproduktionen Schritt für Schritt lebensechte Models präsentiert bekommen, die die Redaktion selbst unter Laien castet. Am 2. Januar soll die erste Mager-Model-freie Ausgabe erscheinen.

Daumen hoch, liebe Brigitte.




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Eintrag geschrieben: Montag, 5. Oktober 2009 um 13:09 Uhr unter Körper, Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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32 Kommentare

  1. access denied sagt:

    Voll die Revolution…

  2. Das ist wirklich eine kleine Revolution. Falls die BRIGITTE das wirklich wahr macht und dann auch durchhalten kann, dann finde ich das mehr als nur eine kleine Randnotiz wert.

    Diese merkwürdige Modezeitung, die ich als Kind schon meiner Mama weggelesen habe, mausert sich mehr und mehr zu einem ernstzunehmenden Magazin für Frauen.

    Interessantes Posting, interessanter Blog, danke für die neue Stammlektüre.
    Grüße aus Kiel, Svenja

  3. jj sagt:

    Ist natürlich auch eine Geldfrage. So eine Re-Amateurisierung ist natürlich billiger, als mit Models zu arbeiten…

  4. stadtpiratin sagt:

    besonders schockierend fand ich, dass die brigitte (wie wohl die meisten anderen sog. frauenzeitschriften auch) in der vergangenheit mit absolut verhungerten models arbeiten musste, weil die von den herstellern gesendeten size-zero-klamotten nichts anderes zuließen – und die models hinterher sogar dicker gemacht werden mussten. da hat leibert ganz recht: das ist pervers.

    ich bin gespannt, wie die reaktionen der leserschaft sein werden, aber ich denke positiv. der schritt ist auf jeden fall mutig und richtig und dafür äußerst lobenswert.

  5. @jj: Nein, so einfach ist das gar nicht. Die Fotoshootings werden künftig länger dauern und die Ergebnisse nicht auf Anhieb von selber Qualität. Das Magazin geht ein Auflagenrisiko ein, falls die Leser und die Anzeigenkunden das nicht mittragen wollen.

    Übrigens werden die Nicht Models auch bezahlt, wenn auch geringer als die Profimodels.

  6. Katharina sagt:

    Mir ist nicht ganz klar, wieso es mit Nicht-Profis auf einmal kein Problem ist, normal große Kleidung zu bekommen. Wenn das für Nicht-Profis möglich ist, warum dann nicht auch für Profis?

  7. jj sagt:

    Svenja,

    um ehrlich zu sein, das mit der Qualität glaube ich nicht mal. Ein guter Fotograf wird auch mit nicht professionellen Models saubere Fotos machen, und der potentielle qualitative Unterschied wird ohnehin nur denen Auffallen, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als Zeitschriftenfotos zu analysieren. Der Leserschaft ist das egal. Ich meine, ich mache mit meiner Minidigicam in Clubs mitunter Fotos (von Frauen), die schon mit den Bordmitteln von iphoto Magazintauglich wären. Die gleichen Fauen in anständigem Licht, guter Fotograph. Es gibt viel mehr gutaussehende Frauen, als man so annimmt. Maskenbildnerinnen werden ja auch noch dabei sein, oder? Also, Pickel auf der Stirn müssen jetzt ja nicht unbedingt sein… bei aller Liebe zur Natürlichkeit.

  8. […] Die Frauenzeitschrift „Brigitte“ will in Zukunft nicht mehr mit professionellen Models arbeiten. […]

  9. Sarah sagt:

    @ Katharina: dass hab ich mich auch schon gefragt. Hatte irgendwo gelesen, dass die brigitte nun die Klamotten (logischerweise) von den Designern auch in den Größen 38, 40 usw. benötigt.
    Bin gespannt, ob sich da alle Designer, Ketten etc. drauf einlassen.

  10. maria sagt:

    ich frage mich nur, ob die natürlichen frauen genau wie zuvor die magermodels dann retouschiert werden sollen. da bliebe das bild zum schluss fast das gleiche und die nachricht an alle leserinnen hätte sich nicht wirklich geändert.

  11. […] Die Frauenzeitschriftenrevolution Das Frauenmagazin Brigitte will ab sofort in ihren Modeproduktionen auf Models verzichten und nur noch mit Frauen wie dir und mir zusammenarbeiten. […]

  12. Marcel sagt:

    Absolut geil!!!!!! Ich hoffe nur, dass Photoshop die Differenzen zu den Magermodels wieder ausgleicht und wir zum Schluss nicht wieder mit der genau gleichen, synthetischen Ästhetik konfrontiert werden, wie diejenige, die damit eigentlich hätte verschwinden sollen!

    Angenommen, die Revolution käme so leise auf Samtpfoten daher… Schritt für Schritt, Stück für Stück, mal da etwas, mal dort… nicht nur im Printmedienbereich, sondern in unserer ganzen, aus den Fugen geratenen Wirtschaftswelt…

    …das wär‘ was!

    Auch wen sie kommerziell getrieben ist. Vorerst zumindest ;-)

  13. Marcel sagt:

    zu den Models NICHT wieder ausgleicht und wir zum Schluss wieder mit der genau gleichen, synthetischen Ästhetik…

    ja, ich weiss: Appel-Taste.

  14. phake sagt:

    brigitte hat doch (wie jede andere zeitschrift auch) an dem verdrehten schönheitsbild kräftig mitgearbeitet. jetzt einen auf gutmensch zu machen erscheint mir doch arg heuchlerisch.
    ich glaube hier spielt einzig und allein das geld eine rolle. klar kann man alles auf die fotos schieben, aber wer schlechte artikel bringt brauch sich nicht über sinkende absätze zu wundern…
    jetzt wird wieder einigen menschen der job genommen (ja, auch models verdienen einen lebensunterhalt mit ihrer durchaus anstrengenden arbeit) und wenn das so weiter geht dürfen sich die fotografen (zu denen ich gehöre) mit unprofesionellen mädchen rumschlagen, die keine ahnung von posing und ausdruck haben. danke. demnächst machen die redakteure ihre fotos noch selber mit dem handy…

  15. Franziska sagt:

    Na toll, die Zeitung möchte Geld sparen und das bejubelt ihr, kann ich nicht verstehen. Bei den Profimodels war die Situation angeblich so schlimm das man immer zu kleine Größen bekommen hat, und noch dünnere Models nehmen musste, aber jetzt wo man kostenlose Laien nimmt klappts auf einmal mit den Größen und alles ist schön, ojemine….

  16. Susanne sagt:

    @ Franziska: Es wurde hier zwar schon gesagt, aber ich wiederhole es gern: Die Laienmodels werden genauso bezahlt wie Profis. Und dann sagte ja Lebert im Spiegel Online-Interview auch ausdrücklich, dass sie die Hersteller davon überzeugen müssen und werden, Klamotten in 38, 40 und 42 zu schicken. Ist eine Riesenaufgabe, wenn man sich die Strukturen in der Modebranche anschaut.

  17. generator sagt:

    Man fragt sich doch häufiger, warum Mode fast ausschließlich von Männern gemacht wird und warum die Frauen für diese Mode Körper haben müssen wie zwölfjährige Jungs? Komische Zivilisationskrankheiten…

    Übrigens, wer sich mal zufällig in einer guten Bibliothek langweilt… die alten Ausgaben der Brigitte aus den 50ern lohnen einen Blick. Damals noch mehr Reportage-Magazin und weniger Wie-werde-ich-dünner-schöner-bessereMami-Traumfrauen-Bullshit.

  18. illith sagt:

    ich find das eine tolle sache und bin gespannt, wie sich das dann entwickelt.

    dove, die mit dem ähnlichen konzept vor mehreren jahren den schritt gewagt haben, hatten ja auch großen erfolg damit (obwohl ich in letzter zeit das gefühl hab, dass deren models sich wieder mainstreamisiert hätten, kann das sein…?). es besteht also durchaus eine gute chance, dass der ansatz der brigitte funktioniert. und wenn das der fall ist, wer weiß, was das dann noch für kreise zieht. brigitte ist immerhin nicht irgendein blatt.

  19. susimaus sagt:

    „brigitte hat doch (wie jede andere zeitschrift auch) an dem verdrehten schönheitsbild kräftig mitgearbeitet. jetzt einen auf gutmensch zu machen erscheint mir doch arg heuchlerisch.“

    Genauso ist das, phake.

    Ob / dass das Ideal verdreht ist, würde ich nicht bestätigen wollen. Ideale sind immer „idealer“ als die Wirklichkeit. Man schaue sich nur Mangas an, da werden Ideale in Reinkultur abgebildet.

    Und Dove, diese Helden wider den Schlankheitswahn, bewarben mit ihren so wahnsinnig natürlich Mollis, na was? Ein Cellulite-Cremchen. Wer mag, darf das zynisch nennen.

    Klar, Brigitte ist ein sehr, sehr ernst zu nehmendes Magazin – für Frauen! Auf der Homepage wochenlang gleich vorn eine Schuh-Ampel, natürlich die neueste Brigitte-Diät und das Horoskop.

    Wann schaffen sie die im Kopf zu mageren Redakteure ab?

  20. illith sagt:

    man kann natürlich in allem das schlechte sehen oder sich über die positiven veränderungen im kleinen freuen :)

  21. susimaus sagt:

    Es ist keine Revolution, sondern reines Marketing. G+J will damit nicht Gutes tun oder die Welt verbessern, sondern das Heft verkaufen.
    Perfide daran ist der Anschein, und überaus effizient.
    Sollte wider Erwarten das Heft am Kiosk liegen bleiben, sind die Magermodels ruckzuck wieder drin, gepfiffen auf’s Weltverbessern.

  22. jakob sagt:

    Interessant wäre es zu wissen ob sich zukünftig auch der angegebene Altersschnitt der Leser von 48 bei der Auswahl der Modells widerspiegeln soll. Ich meine, „Schlankheitswahn“ und „Jugendwahn“ sind doch zwei Seiten der selben Medaille?

  23. Lucie sagt:

    Revolution oder Marketingmasche, die bei Misslingen wieder rückgängig gemacht wird – das wird sich zeigen. Gut finde ich erstmal, dass die Idee von ein paar deutlichen Worten des Chefredakteurs (die natürlich ein stückweit kalkuliert sind, aber das liegt in der Natur der Pressemitteilung) begleitet wird und dass das Thema „Magermodels“ und die Frage, inwieweit wir flexibel sind bei Körperbildern in Hochglanzmagazinen/Modewelt/Werbung etc., dadurch eben zu Diskussionsstoff werden und verstärkt in die öffentliche Wahrnehmung gelangen. Bei einem populären Magazin wie Brigitte wird sich zeigen, inwieweit alle immer nur behaupten, sie würden lieber „normale“ Frauen sehen – oder ob ihnen das so schwarz auf weiß dann doch zu weit weg von der gewohnten Ästhethik ist…

  24. steve, the pirate sagt:

    wie andere auch schon angesprochen, bin ich mal gespannt wie sehr die Photos dann retouchiert und gephotoshopt werden.
    .. und was wird unter „normalen“ Frauen eigentlich verstanden? Die kurvige, blonde Jurastudentin oder die Hausfrau von nebenan?

    ..und warum soll ich mich als erwachsene Frau eigentlich immer mit anderen Frauen vergleichen? Ja, Aussehen ist auch für mich, so oberflächlich bin ich dann doch, durchaus wichtig, aber es gibt doch so viel wichtigeres.
    An sich finde ich die Idee mit den „normalen“ Frauen ganz gut, aber die Diskussion darum zeigt doch, dass das Aussehen wohl doch das A und O für Frauen ist/sein soll/…

  25. […] die Mutter aller deutschen Frauenmagazine, verzichtet in Zukunft auf Hungerharken als Models!! Die “Frauenzeitschriftenrevolution” war lange fällig, ich bin begeistert und beschließe, sie sofort zu abonnieren – […]

  26. susimaus sagt:

    „ich bin begeistert und beschließe, sie sofort zu abonnieren“

    wahnsinn!

  27. miep sagt:

    ich bin auch zweigeteilt. ich begrüße es, dass nun frauen mit unterschiedlichen figuren und unterschiedlichem alter für modestrecken fotografiert werden.

    gleichzeitig sollte man sich bewusst darüber sein, dass es marketing ist und lange nicht so „mutig“ wie es die brigitte gerne darstellt. das prinzip „girl/woman next door zeigt mode“ hat sich doch schon längst durch american apparell und modeblogs (facehunter) als erfolgreich erwiesen. etwas abgewandelt hat dove das prinzip für seine werbekampagnen benutzt und brigitte springt jetzt auch auf den zug auf.

    auch aus feministischer sicht hat das thema für mich zwei seiten. ich wehre mich gegen die normative bewertung von frauenkörpern. das signal an frauen sollte sein, sich wohl im eigenen körper zu fühlen (=beheimatet), ihn als etwas positives und lustvolles zu erleben, wie auch immer er geartet sein möge. darum ist weniger ein dünnes model ein problem, sondern die botschaft, nur das sei schön und für modestrecken akzeptabel. gleichzeitig wird aber medial immer auch mit häme über die „hungerhaken“ berichtet und sensationslüstern über deren angebliche magersucht berichtet. was bleibt ist von beiden seiten die botschaft, dass frauenkörper jedem zur bewertung und normativen kommentierung zur verfügung stehen.

  28. Claudia sagt:

    @miep: was ist denn gegen „Marketing“ einzuwenden? Ein Magazin verkauft sich nun mal nicht, indem man es produziert und an den Kiosken auslegt! „Tue Gutes und rede darüber!“ ist mir da noch weit lieber als bloße Produktwerbung oder „Verkaufsförderung“ mittels Straßendrücker-Methoden, wie es viele Zeitungen machen.

    „was bleibt ist von beiden seiten die botschaft, dass frauenkörper jedem zur bewertung und normativen kommentierung zur verfügung stehen.“

    Das wird sich auch nicht so schnell ändern, im Gegenteil, auch Männerkörper sind ganz ebenso zum Gegenstand der Bewertung geworden (sollen sich z.B. den Körper rasieren, werden in Bezug auf dick/dünn sowie Muskeln und Klamotten bewertet).

    Und nur WEIL das so ist, gibt es extreme, für die Allgemeinheit unerreichbare Schönheitsideale wie das des „Hungerhakens“: womit ja in aller Regel Models gemeinst sind, die sich extrem dünn hungern und nicht etwa natürlich schlanke Frauen!

    Mit den Extremen wird ein Maßstab etabliert, der nie erreicht, aber mittels Kauf von vielerlei Produkten und dem Konsum von Diäten und Schönheitsdienstleistern angestrebt werden soll. Ein Plan, der ja auch lange aufging und den leider viele viele Frauen immer noch mitmachen!

  29. […] dass professionelle Models mittlerweile zu „dürr“ wären. Warum das ganze dennoch kein Meilenstein im Kampf gegen Lookism und Sexism […]

  30. susimaus sagt:

    „“Tue Gutes und rede darüber!”“

    Brigitte tut nur so, als ob sie Gutes täten.