Aktionstour quer durch Deutschland! Women in Exile & Friends im Interview, Part 2.

von Charlott

Gestern war hier bereits an dieser Stelle der erste Teil des Interviews mit Elisabeth Ngari und Dorothea Lindenberg von „Women in Exile & Friends“. In diesem ging es um die Entstehung der Organisation und den grundlegenden Zielen. Im zweiten Teil steht die geplante Aktionstour im Fokus und wie bei dieser noch unterstützt werden kann.

Von Juli bis August habt ihr eine große Aktionstour geplant. Wie ist diese Idee entstanden?

Die Idee zu dem Projekt stammt nicht von uns, wir haben zufällig erfahren, dass der Musiker und Flüchtlingsaktivist Heinz Ratz mit seiner Band Strom & Wasser eine Floßtour und Konzertreihe zum Thema Frauen und Flucht plant, die in Verbindung mit einem Rahmenprogramm in den Flüchtlings­unterkünften stattfinden soll. Wir fanden die Idee super und außerdem dachten wir, dass so ein Projekt nicht ohne die Beteiligung von Flüchtlingsfrauen stattfinden sollte. Deshalb haben wir mit Heinz Ratz Kontakt aufgenommen und sind zu Kooperationspartnerinnen geworden.

Welche Ziele habt ihr mit der Tour?

Auf verschiedenen Ebenen wollen wir diese Reise dazu nutzen, um uns mit ande­ren Flüchtlings- und Frauenorganisationen zu vernet­zen und mit Flücht­lingsfrauen in ganz Deutsch­land zu sprechen. Damit wollen wir eine bundesweite Vernetzung von Flüchtlingsfrauen und AktivistInnen, die aus queer-feministischer Perspektive flüchtlingspolitisch aktiv sind, vorantreiben und Flüchtlingsfrauen in ganz Deutschland motivieren aktiv zu werden und sich selbst für ihre Rechte zu engagieren.

Mit den Flößen wollen wir als schwimmende Demonstration auf die Situation von fliehenden Frauen und Kindern aufmerksam machen und lautstark unsere For­derungen nach Abschaffung aller Gesetze, die unserer Men­schenwürde als Asylsuchende entgegen stehen, in die Öffentlichkeit tragen.

Die abendlichen Konzerte sollen zu Begegnungen zwi­schen Flüchtlingsorganisatio­nen, einer interessierten Öffentlichkeit und Flüchtlingsfrauen werden. Dazu wollen wir mit Informationsmaterialien und anderen Inputs aus Sicht von Flüchtlingsfrauen beitragen.

Über unsere Erleb­nisse, unsere Begegnungen mit Flüchtlingsfrauen und Flüchtlingsorga­nisationen und die Lager, die wir besuchen, werden wir während der Tour auf einem Web­blog in einem ‚Logbuch‘ be­richten. Damit soll eine Dokumentation der Situation von Flüchtlingsfrauen in Deutschland entstehen, und ihre Anliegen und ihr Widerstand öffentlich ge­macht werden.

Welche Themen und Probleme wollt ihr sichtbar machen?

Natürlich unsere Kampagne „Keine Lager für Frauen und Kinder! Alle Lager abschaffen!“, mit der wir ei­nes der dringendsten Probleme von Flüchtlingsfrauen aufgegriffen haben und exemplarisch die Verschränkun­gen von Rassismus und Sexismus deutlich machen, unter denen Flüchtlingsfrauen zu leiden haben. Aber auch zu anderen Gesetzen, die Asylsuchende ausgrenzen und entrechten, wie dem Asylbewerberleistungsgesetz oder zu Dublin III, wollen wir aus der Perspektive von Flüchtlingsfrauen Stellung nehmen.

Aktuell haben die meisten Flüchtlingsfrauen damit zu kämpfen, dass Deutschland sie und die Verantwortung für ihren Schutz ganz einfach abschiebt: Die Herkunftsländer aus denen die meisten asylsuchenden Frauen kommen, Serbien, die Russische Förderation und Mazedonien sind gleichzeitig die Länder bei denen die Schutzquoten verschwindend gering sind. Serbien und Mazedonien sollen nun gleich per Gesetz zu „sicheren Herkunftsstaaten“ definiert werden. Und das obwohl Angriffe, existenzbedrohende Diskriminierung auf Minderheiten und Homosexuelle und geschlechtsspezifische Verfolgung dort gut dokumentiert sind. Die allermeisten Asylanträge aus der Russischen Förderation werden mit der Dublin III Verordnung „erledigt“ Die schutzsuchenden Frauen werden einfach in ein anderes EU-Land abgeschoben. Auch das obwohl Menschenrechtsverletzungen an Asylsuchenden zum Beispiel in Italien, Ungarn oder Polen gut dokumentiert sind.

Wie können euch Menschen bei der Tour unterstützen?

Vor und während der Aktionstour werden noch viele Helfer*Innen gesucht:

Wir suchen so schnell wie möglich jemand, der/die den Aufruf für uns auf Serbisch übersetzen kann. Wir brauchen Frauen, die bereit sind (ab 20.6.) ein Info-(Mobil)telefon in Russisch, Serbisch oder Arabisch zu betreuen. Wir hoffen auf Frauen, die während der Tour einige Tage mitfahren können, um zu übersetzen. Wir wünschen uns Freund*Innen, die während der Tour das Begleitfahrzeug (9-Sitzer) fahren können. (Das Begleitfahrzeug wird dringend benötigt, weil aus versicherungstechnischen Gründen Kinder nur sehr begrenzt mit auf das Floß dürfen.) Und wir freuen uns über Freund*Innen, die uns während der Tour bei der Kinderbetreuung unterstützen wollen. Sehr wichtig sind auch Freund*Innen, die für uns Schlafplätze während der Tour organisieren. Wann wir ungefähr wo sein werden findet man auf unserer Webseite.

Und last but not least, wir brauchen dringend Unterstützung beim Spendensammeln für die Tour. Das alles kostet viel Geld, das wir im Moment noch nicht haben: Gebraucht werden Fahrtkosten zur An- und Abreise, das Begleitfahrzeug und ganz wollen die Frauen sich nicht darauf verlassen, dass sich unterwegs genug solidarische Unterbringungsmöglichkeiten finden. Benötigt wird außerdem eine existenzsichernde Teilzeitstelle für eine Flüchtlingsfrau zur Koordination.

Bitte kommentiert und verlinkt unseren Spendenaufruf bei Betterplace, verbreitet ihn per Mail, auf Facebook, Twitter oder was auch immer…Denn auch viele kleine Spenden helfen viel!

Interview auf Englisch:

You are planing a big ‚action tour‘ from July to August. How did you come up with this idea?

We did not come up with the idea for this project. We stumbled upon it by chance and learned that musician and refugee acitivist Heinz Ratz and his band Strom & Wasser had planned a rafting tour and concert series on the topic women and flight. In addition there was also supposed to be a general program in the refugee camps. We liked the idea and thought such a project shouldn’t take part without the participation of refugee women. That’s why we got into contact with Heinz Ratz and became co-operation partners.

Which goals do you want to reach thorugh this tour?

We want to use this trip to network with refugee women, other refugee organisations and to talk with refugee women all over Germany. Through these actions we want to advance the nationwide networking of reufgee women and activists, who are engaged in refugee politics with a queer feminist focus, and we want to motivate refugee women throughout Germany to get involved for their rights.

With the rafts we will be a floating demonstration. We will draw attention on the situation of refugee women and children, and we will loudly carry our demands to abolish all laws, which diminish our human dignity as asylum seekers, to the public. The evening concerts will be meetings of refugee organizations, an interested public and refugee women. We will contribute information material and inputs from the perspective of refugee women.

We shall report our experiences/ our meetings with refugee women, refugee organizations and the camps, which we will visit, on a web-blog during the trip. So we shall document the situation of refugee women in Germany and bring our and their demands and resistance to the public.

Which topics and problems do you try to get into focus?

Of course our campagne „No Lager for Women and Children! Abolish all Lagers!”, where we took on one of the most prevalent problems of refugee women and could show how the racism and sexism targeting refugee women intersects. But we want aswell to give refugee women’s views on the ‚Asylbewerberleistungsgesetz‘ (asylum seekers benefits law) and  Dublin III.

At the moment most refugee women have to struggle with the fact, that Germany deports them and the responsibility for their protection: The countries of origin of most asylum seeking women, such as Russia, Macedonia and Serbia, are at the same time the countries with minimal safety. Serbia and Macedonia are now supposed to be declared „safe countries of origin“ by law. Even though attacks, discrimination against minorities and homosexual people, which threatens their existence, and gender specific prosecution are well documented. Most asylum applications from Russia are denied because of Dublin III. The women looking for safety are deported to other EU countries. Even though violations of human rights are well documented i.e. in Italy, Hungary and Poland.

How could people support your tour?

We are looking for volunteers and supporters, who can help before and during the action tour:

We are looking urgently for a person, who can translate our call into Serbian. We need women who are willing to attend to our informantion (mobile) phone in Russian, Serbian and Arabic (starting from the 20th of June). We are looking for women who want to travel with us on the tour for a few days and do translations. We hope for friends, who can drive our support car (9 seats) during the tour. (The support car is important because children can only ride on the rafter on a limited scale for insurance purposes.) We would love to have friends who support our childcare during the tour. Also very important: Friends who could organize places to sleep. You find our tour dates on the website.

And last but not least, we are in urgent need of help with our fundraising. All the things we planned so far cost money we haven’t got yet: We need money for travel expenses, the support car and accomodations, for the women do not want to rely solely on the hope that enough accomodations will be  provided by supporters. We also need a coordination part time position, which covers the basic need, for one refugee woman.

Please comment on and link to our ask for donations at Betterplace, share it via mail, Facebook, Twitter or other means… Many small donations would also help a lot!




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 18. Juni 2014 um 9:35 Uhr unter Aktivismus. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. Anevay sagt:

    Hi!
    Ich bin eine 14 jährige Feministin, die die verrückte Idee hat ein feministsiches Onlinemagazin für Teenager zu gründen (wie Rookiemag.com oder Mädchenmannschaft für Jugendliche…) und dazu noch Mitstreiterinnen braucht. Interesse? Kontaktiert mich einfach über meinen Blog anevaysblog.wordpress.com Ich würde mich SO FREUEN!
    Anevay