Bascha Mika ist frustriert. Mit der Gesellschaft, mit den patriachalischen Strukturen und das am Ende immer alles so weiter geht, wie es schon lange weiter geht. Und an wem lässt sie es aus? Na klar, an den Frauen. „Die Feigheit der Frauen“ heißt ihr Buch und damit möchte sie anscheinend Frauen animieren, endlich mal mehr auf Gleichberechtigung zu pochen. Als Beispiele nennt sie im taz-Interview, dass Frauen immer noch eher ihrem Partner hinterher ziehen, mehr Hausarbeit machen und seltener Ansprüche auf Führungsstellen geltend machen.
Ich bin auch frustriert. Allein dieser Titel frustriert mich schon wieder unendlich. „Jetzt seid ihr Frauen dran“ – als ob an dieser Aussage irgendwas neues wäre. „Nein nein nein“, möchte ich da nur noch schreien. Warum ist es denn nie genug, was wir Frauen tun und getan haben? Warum muss es immer noch einen mehr sein? Frust, Frust, Frust. Mehr zu fordern ist so einfach, doch der Teufel lauert heute im Detail und: dort versteckt er sich einfach klasse. Große Ungerechtigkeiten sind selten geworden, der Kampf ist nicht mehr so plakativ wie der fürs Frauenwahlrecht.
Ab dem ersten Tag hab ich als Frau schon weniger in der Lohntüte – klar kann ich da sofort nachfragen und riskieren, am Ende ohne Job darzustehen. Warum verflixt noch mal muss ich da überhaupt noch hinterher sein, dass man mich anständig behandelt? Wer macht denn endlich mal denen das schlechte Gewissen, die bewußt diskriminieren oder, irgendwie genauso schlimm, sich noch nie Gedanken gemacht haben?
Und wenn ich schon ab dem ersten Tag weniger verdiene, kommt der Rattenschwanz an persönlichen Entscheidungen leider von ganz alleine. Wenn der Mann mehr verdient, bessere Aufstiegschancen hat, dann wird es irgendwann zum Selbstgänger. Oft genug bleibt frau nach dem Mutterschutz nur der Wiedereinstieg auf einen Abschiebeposten – da kann frau täglich mit ihrem Mann für eine bessere Gesellschaft streiten oder erstmal versuchen, ihrer Familie das Überleben zu sichern. Frust kommt übrigens in beiden Fällen auf.
Wobei wir beim letzten Punkt wären, der sicher schon viele (heterosexuelle) Frauen hat verzweifeln lassen. Denn auch wenn es 2011 ist und Männer mehr denn je im Haushalt machen: Auch aus dem emanzipiertesten Männermund kommt irgendwann ein unüberlegter Witz, ein unreflektierter Anspruch, ein Relikt patriachalischer Traditionen. Und frau steht da, völlig frustriert und könnte schon wieder kotzen oder weinen oder schreien. Wenn frau überhaupt einen Mann gefunden hat, der Abwasch und Wäsche macht, ohne Applaus zu verlangen. Zu einer Frau, die in einer Partnerschaft mehr häusliche Pflichten übernimmt, gehört schließlich ein Mann, der ihr diese Pflichten einfach überlässt. Aber was solls, schuld sind wir dann ja irgendwie doch, jeder Macho hatte eine Mutter, die ihn hat verkommen lassen.
Für Gleichberechtigung und Gleichbehandlung zu kämpfen ist ein 24-Stunden-Job, es kostet Kraft und Nerven, es frustriert, denn viel zu oft scheint es einfach gar nichts zu bringen. Pamphlete an die Männer, für den gleichen Lohn ihrer Kolleginnen zu kämpfen, sich für Elternzeit und Teilzeitjobs einzusetzen, sind weiter rar. Manchmal raten vielleicht noch Männerzeitschriften, seiner Ehefrau beim Abwasch zu helfen, sei einer sicherer Weg für weniger Frust und mehr Sex zu sorgen. Und dann kommt Bascha Mika und nennt uns auch noch feige. Na danke.
Heute abend ist Bascha Mika übrigens im Fernsehen; Zusammen mit Anke Domscheit-Berg, Miriam Gruß von der FDP und Quotengegnerin und Erbin Marie Christine Ostermann wird sie mit Pinar Atalay diskutieren. Um 22:15 Uhr heißt es in der PHOENIX-Runde „Wir müssen draußen bleiben – Woran scheitern Top-Frauen?”

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