Einträge mit dem Tag ‘Ableismus’


Ein Buch nach dem anderen: Übersetzte Literatur von Frauen

29. August 2017 von Charlott
Dieser Text ist Teil 132 von 131 der Serie Die Feministische Bibliothek

Kurzrezensionen

In einigen Ecken des Internets (und auch außerhalb) wird August als „Women in Translation/ übersetzte Frauen“-Monat begangen. Auf Twitter und Instagram teilen Nutzer_innenunter dem Hashtag #witmonth und #womenintranslation Hinweise zu Büchern von Autorinnen, die übersetzt wurden, geteilt. Wie die Hashtags schon erahnen lassen, geht es dabei überwiegend um Literatur aus allen möglichen Sprachen, die ins Englische übersetzt wurden. Leser_innen, die viele Bücher auf Deutsch lesen, sind es ziemlich gewohnt Übersetzungen aus dem Englischen übersetzte Werke zu lesen, aber bei anderen Sprachen sieht es gleich viel rarer aus. Übrigens nur 30% der Literatur die ins Englische übersetzt wird ist von Frauen. (Habt ihr ähnliche Statistiken für Übersetzungen ins Deutsche?) Übersetzerinnen in Deutschland verdienen in etwa 15% als ihre Kollegen. Heute teile ich drum zwei Bücher von Autorinnen, die von Übersetzerinnen übersetzt wurden. Teilt doch in den Kommentaren Bücher, die ihr in Übersetzung gelesen habt (ganz gleich was Ausgangs- und Zielsprache sind).

Swallowing Mercury (Portobello Books, 2017) von Wioletta Greg (Übersetzung aus dem Polnischen: Eliza Marciniak) ist eine wundervolle Novelle, die in einem polnischen Dorf in den 1980ern spielt. Das Buch erzählt in kurzen Episoden vom Erwachsenwerden von Wiola, einem Mädchen, die mit ihrem Großvater, ihrem Vater, einem Deserteur und Taxidermist, und ihrer Mutter, die glaubt, dass das Töten von Spinnen einen Sturm heraufbeschwört, aufwächst. Wiola navigiert ihr Leben zwischen Katholizismus und Sozialismus, Malen, Sammeln von Streichholzschachtel-Etiketten, und ersten sexuellen Erfahrungen. Das Buch lebt von der Atmosphäre, gleichzeitig passiert einiges, aber auch wiederum sehr wenig. Greg fängt eine spezfische Zeit der Umbrüche in wundervollen kleinen Geschichten ein. Meines Erachtens wurde leider noch nichts von Greg ins Deutsche übersetzt.

„It comes down to a single maxim: Not one day without a woman“, heißt es in der Einleitung von Anne Garrétas Not One Day (Deep Vellum Publishing, 2017, Übersetzung aus dem Französischen: Emma Ramadan und Anne Garréta). Zu Beginn des Buchs erklärt Garréta ihr Vorhaben, einen Monat lang will sie sich täglich hinsetzen und fünf Stunden über eine Frau schreiben, die sie begehrt hat oder von der sie begehrt wurde. Kein Lektorieren, kein Nachschlagen von Daten oder Kontextinformationen. Einfach nur Schreiben. Die geschrieben Episoden sollen nicht chronologisch, sondern alphabetisch nach dem Anfangsbuchstaben der Frauen sortiert werden. Not One Day ist das Ergebnis dieses Experiements und lässt sich nur schwer zusammenfassen, ohne wichtige Punkte vorwegzunehmen. Es ist ein Sinnieren über Begehren, aber auch Schreiben und Binaritäten wie Fiktion/Nicht-Fiktion oder Erinnerung/ Einbildung. Poetisch, manchmal zart. Ich werde auf jeden Fall zu dem Buch zurückkehren.
Anne Garrétas Roman Sphinx wurde von Alexandra Baisch ins Deutsche (edition fünf, 2016) übersetzt.

Buchnews und -debatten

Ihr könnt ein paar Euro entbehren? Hier könnten sie gut gebraucht werden: Derzeitig stellt Mika Murstein das Buch I’m a queerfeminist cyborg, that’s okay. Gedankensammlung zu Anti/Ableismus fertig, welches bei edition assemblage erscheinen wird. Das Buch soll möglichst barrierearm produziert werden (größere Schrift, E-Book-Version etc.) und sowas kostet leider alles immer Geld. Darum gibt es zur Zeit ein Crowdfunding!

In den nächsten Tagen gibt es eine Reihe spannender Buchveranstaltungen. Hier eine kleine Auswahl: In Berlin wird morgen u.a. das Buch Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive vorgestellt und zu queeren_machtkritischen Perspektiven auf Bestattungen diskutiert (FB-Link). Am Samstag wird in Frankfurt a.M. das Buch Alltäglicher Ausnahmezustand. Institutioneller Rassismus in deutschen Strafverfolgungsbehörden präsentiert und in Berlin ist die Schriftstellerin Olumide Popoola zu Gast, wird aus ihren Büchern lesen und mit Elnathan John ins Gespräch kommen (FB-Links). Außerdem wird der AvivA-Verlag im September 20 Jahre alt und feiert dies anständig mit einer Jubiläumstour – vielleicht ja auch in eurer Stadt!

Die Lektorin Judith Jones ist verstorben. Die Wahshington Post erinnert an die Frau, die unter anderem dafür sorgte, dass Anne Franks Tagebuch verlegt wird und an Julia Childs Kochbuch-Vision von Beginn an glaubte und diese untersützte.

AFREADA veröffentlichte Yovanka Paquete Perdigaos kurzen Text „Letter to Margarida“ online.

Magda hat auf der Facebookseite der Literarischen Agentur Simon drei Bücher vorgestellt, die sie zuletzt gelesen hat.

Bei Book Riot gibt eine Übersicht über die diesjährigen Hugo-Award-Gewinner_innen. Dieses Jahr gewannen unter anderem The Obelisk Gate von N. K. Jemisin, Every Heart a Doorway von Seanan McGuire und Monstress, Volume 1: Awakening von Marjorie Liu und Sana Takeda.

Anna Siedel bespricht beim Missy Magazine die aktuelle Ausgabe der Comic-Anthologie „SPRING“.

Ein Thema, was an Aktualität kaum verliert: Sohra schreibt auf ihrem Blog TofuFamily über Rassismus, Sexismus und Stereotype in Kinderliteratur, darüber, was sie ihren Kindern nicht vorliest, aber auch Bücher, die sie empfehlen kann. (Hinweis: In dem Artikel sind Fotos von Kinderbuchtextstellen, in denen das N-Wort ausgeschrieben ist.)

A Native American Poet Excavates the Language of Occupation„. Natalie Diaz bespricht Layli Long Soldiers Gedichteband Whereas bei der New York Times.


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„Du siehst aber gar nicht krank aus!“ ist KEIN Kompliment

9. August 2017 von Charlott

Würde ich diesen Text jetzt schreiben, wenn ich in allen Situationen, in denen ich „Du siehst aber gar nicht krank aus!“ oder ähnliche Sätze gehört habe, (für mich) angemessen reagiert hätte? Wahrscheinlich nicht. Und ihr fragt euch vielleicht – nach der Frage, was denn so schlimm an diesen Satz ist, er ist doch nett gemeint – warum ich nicht direkt in den Situationen reagiert habe. Ja, die Sache ist die, dieser und verwandte Sätze (oft bleibt es nicht bei einem und es kommen Sätze zwischen Aufmunterung und Bewunderung dazu) sind meistens sehr nett gemeint und auch wenn es im Internet schnell anders wirkt, so bin ich doch meist ein quasi freundlicher ™ Mensch. Da sitze/ stehe ich dann und nicke und lächele.

Ich käme natürlich seltener überhaupt in die Situation solche Sätze zu hören, wenn ich nicht immer wieder über chronische Krankheiten und Schmerzen sprechen würde. Ich mache das sehr gezielt, unter anderem um Menschen daran zu erinnern, dass Lebensrealitäten (und Körper) komplex sind und um an der angenommenen Realität zu kratzen, dass alle Menschen um eine_n herum super fit und gesund sind – außer es gibt ganz starke klare Marker, die das Gegenteil verkünden. Dafür halte ich keine langen Vorträge, sondern erwähne ab und an Dinge aus meinem Leben. Dieses Sprechen ist ein Balanceakt auf einem sehr, sehr dünnen Seil (über einem ziemlichen hohen Abrund, um die etwas faule Metapher wenigstens auszuschlachten). Sonya Huber beschreibt in einem ihrer Essays in Pain Woman Takes Your Keys. And Other Essays From a Nervous System (das Buch habe ich vor hier besprochen) wie sie von einem Bekannten auf ihre Facebook-Posts zu Schmerzen/ Krankheit angesprochen wird, die er als das wahrnahm, was sie die ganze Zeit quasi postet. Vollkommen irritiert – da sie aktiv versucht nicht so viel dazu zu posten um die gesellschaftlichen Konsequenzen wissend – geht sie nach Hause und checkt ihr letztes Jahr auf Facebook, nur um festzustellen, dass sie vielleicht vier Mal etwas zum Thema geschrieben hatte.

Häufig scheint es mir als gebe es nur zwei Möglichkeiten: entweder nehmen andere dich wahr als DIE Krankheit, du hast nicht nur Krankheiten, du bist diese (und konsequenterweise bist du nur noch wenig anderes), oder aber – gerade auch wenn du mehr und mehr schweigst und andere Faktoren das ermöglichen – vergessen Menschen schnell wieder, dass wenn du chronisch erkrankt bist und du vor drei Wochen krank warst, du es auch in sieben Monaten noch sein wirst. Für Nicht-Betroffene scheint letzteres das bessere Ergebnis zu sein. Doch in der gelebten Realität bedeutet das auch sich ständig fragen zu müssen, ob Menschen gleich irritiert reagieren werden, wenn man darauf hinweist aus Krankheitsgründen bestimmte Dinge gerade beispielsweise nicht machen zu können, oder für etwas Unterstützung zu benötigen (obwohl man das doch schon einmal vor vier Monaten eingefordert hat! Ist nicht mal irgendwann gut!?).

Ich kann chic angezogen sein. Bei einer Filmpremiere. Und es sagt nicht viel über meinen Gesundheitsstatus.

Es gibt so unterschiedliche Gründe, warum eine Person, die eine oder mehrere chronische Krankheiten hat, nicht krank aussieht. Der einschlägigste Grund ist natürlich, dass wir nur sehr begrenzte Bilder davon haben, wie kranke Menschen aussehen. Davon abgesehen gibt es viele Symptome, die nicht direkt als solche sichtbar sind und das macht es auch häufig schwer Verständnis für diese zu bekommen. Elaine Scarry schreibt in ihrem Buch The Body in Pain über Schmerzen (nicht nur als Ergebnis von Krankheiten sondern allgemein) und stellt fest, dass Schmerz, für die Person, die ihn erfährt, die realste Erfahrung ist, für die Person, die nur vom Schmerz erzählt wird, die irrealste, unfassbare. Denn selbst wenn es eine Wunde als Ursache des Schmerzes gibt, so sieht man die Wunde, aber nicht den Schmerz an sich. Und wenn es dann nicht einmal eine Wunde gibt… Ein anderes (teils) nicht direkt sichtbares Symptom wäre Erschöpfung und Müdigkeit. Ich persönlich kann beides bis zu einem bestimmt Grad übergehen/ überspielen – mit dem Wissen mit großer Wahrscheinlichkeit später (am Tag/ in der Woche) Konsequenzen davon zu tragen, aber diese sehen dann die Personen, die mich munter, fit und voller Elan erlebt haben, ja nicht.

Als kranke Person Auswirkungen der eigenen Krankheiten zu übertünchen oder Dinge zu tun, die dazu führen, dass eine_r als weniger/ nicht krank wahrgenommen hat, kann verschiedene Motivationen haben: Nicht ausschließlich als DIE_DER Kranke wahrgenommen zu werden (da dies in unserer ableistischen Gesellschaft keine sehr flexible und voll ausgestattete Subjektposition ist). Aus Angst als nicht produktiv (genug) gesehen zu werden – was ja durchaus sehr negative finanzielle, berufliche, soziale Auswirkungen haben kann (Hallo, kapitalistische Verwertungslogiken!). Weil es nicht sonderlich viel Spaß macht krank zu sein und man das auch gern mal vergessen möchte. Wenn man sich an einem Tag nicht besonders gut fühlt, kann es (für einige/ manchmal) sich gut anfühlen sich besonders nett anzuziehen/ herzurichten.

„Du siehst aber gar nicht krank aus!“ ist kein Kompliment, weil ungesagt mitschwingt „und das ist etwas Gutes“.
„Du siehst aber gar nicht krank aus!“ ist kein Kompliment, weil es lobt, dass du es geschafft hast dich in eine Norm zu pressen.
„Du siehst aber gar nicht krank aus!“ ist kein Kompliment, weil es gar nicht den Preis kennen möchte, den du dafür zahlst um in die Norm zu passen.
„Du siehst aber gar nicht krank aus!“ ist kein Kompliment, weil es unter Umständen Anstrengungen lobt, die du nicht einmal freiwillig auf dich genommen hast.
„Du siehst aber gar nicht krank aus!“ ist kein Kompliment, weil es so sehr an Lebensrealitäten vorbei geht.
„Du siehst aber gar nicht krank aus!“ ist kein Kompliment, weil es viel mehr über die aussprechende Person sagt als über die adressierte Person.
„Du siehst aber gar nicht krank aus!“ ist kein Kompliment, weil es dich oft mit dem Gefühl hängen lässt, dafür gelobt worden zu sein, nicht negativ aufzufallen.
„Du siehst aber gar nicht krank aus!“ ist kein Kompliment, weil es die Frage in den Raum wirft, was eigentlich mit Personen ist, die krank sind und krank ™ aussehen. Und auf diese Frage keine guten Antworten findet.

Uns (und da nehme ich mich gern mit ein) fällt es nicht leicht mit kranken Menschen umzugehen. Das Ideal unserer Gesellschaft ist Gesundheit. Bevor wir geboren werden heißt es „Hauptsache gesund!“ (obwohl das natürlich auch meist eine Lüge ist). Und jedes Jahr werden werden wir am Geburtstag erinnert mit „Alles Gute, aber vor allem auch ganz viel Gesundheit“ – oder aber auch bei jedem Niesen. Gesundheit!* Einerseits ist das verständlich: krank sein ist nicht toll. Wir wünschen anderen Personen nicht, dass sie krank werden. Doch trotz dieses Wunsches muss es Umgänge damit geben, dass es immer Menschen gibt, die krank sind – und vor allem auch damit, dass es Menschen gibt, die immer krank sind (wobei dieses sehr unterschiedlich aussehen kann). Ein guter Anfang wäre es sich immer wieder selbst zu hinterfragen, wo wir gesunde Körper als positive, unter allen Umständen anzustrebende Norm (voraus)setzen. Z.B. in so scheinbar harmlosen Aussagen wie „Du siehst aber gar nicht krank aus!“ (oder anderen).

*(Kleiner Exkurs: Mein „Gesundheit!“-Ruf-Reflex ist sehr stark ausgeprägt. Ich bin manchmal froh in einem Kontext zu arbeiten, wo (aufgrund der Sprache) „Bless you!“ die Standardreaktion ist. Nur ist die Frage, ob es heuchlerischer ist als kranke Person ständig passiv-aggressiv Gesundheit zu rufen, oder als nicht-religiöse Person Leute zu segnen/ preisen. Ich weiß, Schweigen wäre auch eine Möglichkeit. Ich arbeite dran.)


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Inklusion, Voyeurismus und grauenvolle Ärzt_innenbesuche – kurz verlinkt

2. August 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 357 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Artikel

Joscha Röder ist 13 Jahre alt, Autistin und körperlich behindert. Sie schreibt in der ZEIT über ihre bisherigen Erfahrungen mit Inklusionsbemühungen bzw. deren (enge) Grenzen.

Der WDR hat eine Dokumentation über trans Kinder und junge Erwachsene ausgestrahlt. Unpacking my gender box hat diese angeschaut und stellt fest: „Auch wenn die Respektlosigkeit und der Voyeurismus hier auf leiseren Pfoten daherkommt als vielleicht anderswo. Das macht es für mein Empfinden aber eher schlimmer als besser, weil es für weniger informierte Personen schwieriger wird zu erkennen, das etwas in der Darstellung problematisch ist.“

Moses jenseits des Regenbogens – LSBT-Geflüchtete in München“ heißt eine kurze Dokumentation, die das Mediennetzwerk queerelations gemeinsam mit anderen Partner_innen erstellt hat.

Englischsprachige Artikel

150 Records by Amazing African Women You Should Listen To“ – Großartige Liste von okayafrica. zum (Wieder)Entdecken alter und neuer Lieblinge.

Auf TheNib zeichnet Aubrey Hirsch in einem Comic ihre Ärtz_innen-Odyssee nach und wie lange sie als junge Frau nicht Ernst genommen wurde.

Inspirerende Wendung der Woche: „Reclaiming my time“!

Termine in Berlin, Bremen, Gersdorf, Halle, Merseburg, Würzburg:

2. bis 9. August in Gersdorf: Das Wer lebt mit wem? Camp lädt zu Diskussionen und Austausch rund um verschiedenste Zusammenlebensformen.

23. August in Berlin: Anlässlich des Internationalen Tages zur Erinnerung an den Versklavungshandel und an seine Abschaffung wird nun schon zum vierten Mal die (noch immer ausstehende) Umbenennung der kolonialrassistischen M*straße (fb-Link) in Berlin gefeiert.

7. bis 25. August in Bremen: Im August finden gleichzeitig die 20. Informatica Feminale und 9. Ingenieurinnen-Sommeruni statt.

21. September in Merseburg: Veranstaltung mit Mithu Sanyal: „Rape revisited. Warum wir über sexualisierte Gewalt sprechen, wie wir darüber sprechen„. (FB-Link)

29. September in Halle: Tagung zu „Was ist das für 1 Männlichkeit? Männlichkeiten zwischen Selbst- und Fremdbildern„. Anmeldung bis zum 11. September möglich.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Straßenumbenennungen, (nb)-Transfeindlichkeit und Arbeitskämpfe von Reinigungskräften – kurz verlinkt

1. Juni 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 350 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

KlasseGegenKlasse hat zwei Reinigungskräfte interviewt, die am Streik am Krankenhaus Charité in Berlin, beteiligt sind. Sie sprechen über desaströse Arbeitsbedingungen, Rassismuserfahrungen und ihre Forderungen.

Morgen ist Internationaler Hurentag. Hydra e.V. lädt zu einer Pressekonferenz, auf welcher die Kampagne „Sexarbeit ist Arbeit. Respekt!“ vorgestellt wird und einer soäteren Diskussionsveranstaltung ein. (FB-Link)

In Berlin-Mitte sollen nun endlich einige Straßen, die immer noch die Namen von Mitbegründern der deutschen Kolonien tragen, umbenannt werden. In der Pressemitteilung von ISD e.V. und Berlin Postkolonial e.V. heißt es zu den erarbeiteten Vorschlägen: „Mit Ana Nzinga (1583-1663), Yaa Asantewaa (ca.1840-1921) und Martin Dibobe (1876-ca.1921) sind dabei drei herausragende Persönlichkeiten des afrikanischen Widerstandes gegen die koloniale Unrechtsherrschaft Portugals in Angola, Groß Britanniens in Ghana bzw. Deutschlands in Kamerun in die erste Wahl genommen worden.“

Das neue an.schläge Magazin steht ganz unter dem Thema „Feminismus& Behinderung„. Online lässt sich bereits Katharina Payks Text Behinderung als queeres Anliegen und Brigitte Theißls Vorstellung einiger deutschsprachigen behinderten Blogger_innen.

„Im NSU-Umfeld waren mehr als 40 V-Leute der Sicherheitsbehörden aktiv. Doch der Verfassungsschutz behauptet, erst mit der Selbstenttarnung des NSU 2011 von dessen Existenz erfahren zu haben.“, schreibt die Frankfurter Rundschau zum NSU-Komplex.

Im Artikel „Deserteur_innen im Geschlechterkampf“ schreibt Brrrte auf Medium über (nb-)Transfeindlichkeit in feministischen Räumen/ Diskussionen.

Interview mit Berliner Kulturanthropolog_in Francis Seeck über ordnungsbehördliche Bestattungen und ein Recht auf Trauer: „Tote ohne Angehörige werden vom Staat entsorgt.“ Francis Seecks Buch „Recht auf Trauer“ erscheint voraussichtlich im Juli 2017.

Das kollektiv getragenes Seminarhaus „QUECKE! in Brandenburg wird von Menschen aus mehrheitlich queerfeministischen Zusammenhängen selbstorganisiert und ist ein Ort an dem Gruppen sich politisch & kulturell organisieren/ausruhen können. Derzeitig wird es renoviert und es wird noch Geld benötigt!

Ab sofort sind alle Ausgaben der feministischen studien von 1982 bis einschließlich 2015 frei beim Verlag de Gruyter verfügbar.

Vom 14./15. Mai 2018 findet in Heilbronn im Rahmen des Projekts „Gender. Wissen. Informatik. Netzwerk zum Forschungstransfer des interdisziplinären Wissens zu Gender und Informatik (GEWINN)“ eine Konferenz zum Thema Gender & IT statt. Frist der Einreichungen für Artikel und Poster ist der 31. Oktober.

Debora Antmann ist neue Kolumnistin beim Missy Magazine. Ihre Kolumn trägt den super Titel „Not Your Goy*Toy“ und in der ersten Auflage dreht sich alles um wc-deutschen Feminismus.

Bei einem bundesweiten Netzwerktreffen hat der Careleaver e.V. eine Stellungnahme zum Regierungsentwurf für das „Kinder‐ und Jugendstärkungsgesetz“ (KJSG) verfasst.

LSBTTIQ* werden in Brasilien zu Feinden erklärt.“ Caren Miesenberger interviewt für die Heinrich-Böll-Stiftung Indianara Siqueira zu Rechten von trans Menschen, den Rechtsruck in der Regierung, den kleiner werdenden Handlungsspielräumen der Zivilgesellschaft sowie alltägliche und strukturelle Diskriminierung von LSBTTIQ* in Brasilien.

Eine Vielzahl an Anti-Diskriminierungsverbänden, wie zum Beispiel TransInterQueer e.V., die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland oder die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung e.V., planen in Vorbereitung auf die Bundestagswahl im September eine Bündelung der Wahlprüfsteine zum Thema Diskriminierungsschutz. Einen ersten Überblick bekommt ihr auf die-wahlpruefsteine.de.

Termine in Berlin, Kiel, Leipzig, Hannover, Heidelberg

Den ganzen Juni über finden Veranstaltungen in Berlin im Rahmen des Black Lives Matter Monats statt. Das gesamte Programm findet ihr auf der Webseite von Black Lives Matter Berlin.

1. Juni in Hannover: Simone Dede Ayivi bringt ihr Stück „First Black Woman in Space“ nach Hannover. Weitere Vorstellungen folgen direkt am 02. und 03. Juni.

2. – 5. Juni in Kiel: Lesbenfrühlingstreffen 2017.

8. Juni in Berlin: „Sexuelle Bildung und sexuelle Rechte: nicht behindern, sondern ermächtigen!“ – Das Podiusmgespräch beginnt um 19 Uhr.

9. – 11. Juni in Kiel: Save the Date! LaDIYfest Kiel.

13. Juni in Leipzig: Alle im Blick?! lgbtiq* Lebenswirklichkeiten in der Jugendhilfe. Der Fachtag richtet sich an interessierte Pädagog*innen, die in der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten und ein Klima vermitteln wollen, welches alle Jugendlichen anspricht und Diskriminierung vermeidet.

15. – 18. Juni in Heidelberg: Das Lady*fest Heidelberg findet statt!

14. bis 16. Juli in Berlin: Festival für ein offenes und solidarisches Neukölln. (Es werden noch Leute zum Mitmachen gesucht!)

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Leidige Leitkulturdebatten, Forderungen von Lesben mit Behinderungen und Chelsea Manning kommt heute frei- kurz verlinkt

17. Mai 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 349 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Die Leipziger Bloggerin Nhi Le gab der Leipziger Volkszeitung ein lesenswertes Interview über Alltagsrassismus auf dem Campus. Nun wurde in der gleichen Zeitung ein sich darauf beziehender rassistischer und völkischer Kommentare abgedruckt.

„Ich rocke meine Schwangerschaftsstreifen mit Fakelashes“, schreibt Schwarzrund in ihrem Beitrag über Femmes.

Wieder mal Leitkulturdebatte? Lea Wohl von Haselberg, Max Czollek und Hannah Peaceman, Mitherausgeber_innen der neuen Zeitschrift Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart, verwahren sich dagegen.

Anlässlich des heutigen Internationalen Tags gegen Homo-, Trans- und Bifeindlichkeit fordert der Verein Weibernetz mehr Berücksichtigung von Lesben mit Behinderung und aller LSBTIQ* mit Behinderung im politischen Handeln. Bei kobinet finden sich einige der konkreten Forderungen.

neues deutschland berichtet über den F_Antifa-Kongress (feministische Antifa) in Potsdam.

Im ersten Video der neuen Staffel vom The Queer L-Vlog dreht sich alles um Verknüpfungen von Sexismus und Homofeindlichkeit.

Englischsprachige Links

Why I’m Helping to Bail Out Black Mamas„, Nnennaya Amuchie schreibt über die National Mama’s Bail Out Kampagne zum diesjährigen Muttertag in den USA.

Die Niederlande gilt häufig als ‚tolerant‘. Flavia Dzodan schreibt hingegen über Solidarität, die auch in den Niederlanden wohl nur für weiße Frauen gilt.

Harmonia Rosales malt Gemälde inspiriert von kalssischen Werken, aber mit einem Twist: Afro-Latinx painter Harmonia re–imagines art history.

Heute kommt endlich Chelsea Manning aus dem Gefängnis frei.

Termine u.a. in Berlin, Kiel, Leipzig, Hannover, Heidelberg

Heute anlässlich zum IDAHOT* hat queer.de eine Liste mit Demos, Diskussionen und Infoveranstaltungen in rund 60 Städten in Deutschland zusammengestellt.

24. Mai in Berlin: Endlich wieder eine Aufführung von Simone Dede Ayivis „First Black Woman in Space„! Eine zweite Vorstellung gibt es am 25. Mai.

1. Juni in Hannover: Simone Dede Ayivi bringt ihr Stück „First Black Woman in Space“ nach Hannover. Weitere Vorstellungen folgen direkt am 02. und 03. Juni.

2. – 5. Juni in Kiel: Lesbenfrühlingstreffen 2017.

9. – 11. Juni in Kiel: Save the Date! LaDIYfest Kiel.

13. Juni in Leipzig: Alle im Blick?! lgbtiq* Lebenswirklichkeiten in der Jugendhilfe. Der Fachtag richtet sich an interessierte Pädagog*innen, die in der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten und ein Klima vermitteln wollen, welches alle Jugendlichen anspricht und Diskriminierung vermeidet.

15. – 18. Juni in Heidelberg: Das Lady*fest Heidelberg findet statt!

14. bis 16. Juli in Berlin: Festival für ein offenes und solidarisches Neukölln. (Es werden noch Leute zum Mitmachen gesucht!)

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Work it! – Feministische Gedanken zu Arbeit

1. Mai 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 16 von 16 der Serie Ökonomie_Kritik

Was bedeutet eigentlich Arbeit? (Wie) Wollen wir arbeiten? Welche Arbeitskämpfe gilt es auszutragen/ zu unterstützen? Wir nehmen den revolutionären 1. Mai zum Anlass, um einige unserer Erfahrungen, Gedanken und Forderungen rund um Arbeit zu teilen.

Zum Weiterlesen empfiehlt sich auch unsere Leseliste vom Equal Pay Day: Ökonimiekritik für jeden Tag.

Kuchen Backen für den Verkauf im Laden: Arbeit? Kuchen Backen für den Kindergeburtstag: Care-Arbeit? Kuchen Backen, weil Kuchen lecker ist: ?

für meine Zukunft (Hannah)

Seit 6 Monaten bin ich Auszubildende. In unvergüteter Vollzeit an einem Berufskolleg.
Ich habe viele neue Dinge gelernt und viele alte Dinge auf eine „Was ich am Wochenende tun könnte“-Liste geschrieben, um sie nie zu tun. Meine Wochenenden haben sich von der einzigen Möglichkeit meine berufstätigen Freund_innen zu treffen, zu den einzigen Tagen mit genug Schlaf, Ruhe und Option zur Haushaltsführung entwickelt.

Arbeit war und ist für mich ein gekauftes Privileg.
Ich kaufe die Möglichkeit neue Fertigkeiten zu erlernen und Dinge zu erschaffen, die vielen Menschen nützlich sind.
Und bezahle aus dem eigenen Vermögen zu sprechen, sozial zu interagieren, körperlich fit und funktional zu sein, mich selbst zu spüren und (kreativ) auszudrücken. Ich bezahle mit den Fähig- und Fertigkeiten, die ich brauche um m.eine Behinderung.en zu kompensieren.

Ich berufsausbilde mich derzeit für einen Beruf, den ich später sowohl in selbstständiger als auch angestellter Form ausüben kann. Realistisch jedoch ist, dass die gesetzlichen Regelungen für berufstätige behinderte Menschen weder die eine, noch die andere Form für mich in Frage kommen lassen.
Am Tag der Arbeit fordere ich, dass sich das ändert.
Ich würde gerne auch für meine eigene Zukunft als autarke und selbstbestimmte behinderte Person arbeiten.

Stressfaktor Heten (Nadine)

Ich hatte die Festanstellung zwischenzeitlich auch deshalb aufgegeben, weil ich mich der latenten bis aggressiven Homophobie und den heterosexistischen Strukturen in der Arbeitswelt nicht mehr aussetzen wollte. Ein paar Jahre und Erkenntnisse später wagte ich aus verschiedenen Gründen einen neuen Versuch. Und schon die ersten Wochen wühlten in der Gefühlswelt meiner inneren 16-Jährigen, die weiß, dass sie keine Hete ist und weit und breit keine Gleichgesinnten zur Seite hat. Das hat mich zugegebenermaßen überrascht, bin ich doch mittlerweile doppelt so alt und mindestens so reich an Le(s)benserfahrung. Ich kam von Arbeit nach Hause und weinte, badete mich im Selbsthass meiner Jugend und fragte mich: WHY IS THIS MY LIFE? Bin ich tatsächlich die einzige in einem Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeiter_innen? Gibt es einen geheimen Lesbenzirkel und wenn ja, wann finden die Meetings statt?

3.500 Arbeitsstunden später habe ich noch immer keine Lesbe gefunden und mittlerweile akzeptiert, dass ich 40h pro Woche von Menschen umgeben bin, deren Wahrnehmung, Interpretation und Erfahrung mit und in der Welt um sie herum sich wesentlich von meiner unterscheidet. Flexible Arbeitsmodelle und Präsenzzeiten gibt es nur für Heten und nur dann, wenn frau neben der Lohn- auch noch Sorgearbeit für andere tun muss, nicht aber zur Schaffung einer Möglichkeit ohne Diäten-Talk, Boyfriends/Ehemänner, „Frauen sind so…und Männer besser“ und Spitzen gegen Kolleginnen seine_ihre Arbeit tun zu können. Meistens sind Orte, an denen sich Heten ungestört ausbreiten können, nicht besonders feministische, so dass ich auch darüber wenig Verbindungspunkte zu anderen finde. Mein Interventions- und Widerstandsradius, den ich aus meinen politischen Kontexten gewohnt bin, minimiert sich in der Arbeitswelt häufig auf das Ausleveln meiner eigenen kognitiven Dissonanz: An einem Ort nicht wirklich anwesend sein zu können bei gleichzeitigem Druck sich der normalisierten Gedankens- und Verhaltenswelt der dominanten Mehrheit anzupassen, hat enorme Konsequenzen für den eigenen Energie- und Emotionshaushalt.

Deshalb meine Forderungen für den 1. Mai für lesbische Arbeitnehmer_innen:

  • Arbeitszeitverkürzung auf maximal 30h/Woche bei vollem Lohnausgleich
  • Sonderurlaub von bis zu zehn Arbeitstagen
  • Lesbenquoten in allen Hierarchiebenen und Verantwortungsbereichen
  • Steuer- und abzugsfreie Prämien in Höhe von zwei Monatsgehältern
  • Lesbenfreundliche Arbeitsplatzgestaltung in Form hetenfreier Büros oder Homo…ääh… Homeoffice
  • Lohnfortzahlung im heterosexistischen Krankheitsfall für 12 Wochen

Choose your Arbeitsplatz.

Tag der Care Arbeit (Melanie)

Während ich mir eigentlich mein cooles Online Business aufbauen will, damit ich das mit dieser Vereinbarkeit von Lohn- und Carearbeit hinkriege ist eines meiner beiden Kleinkinder krank geworden. Nichts Wildes, eine Bindehautentzündung, höchstens lästig für alle Beteiligten. Aber eben auch ansteckend und somit fällt Kindergarten die komplette Woche aus. Der dazugehörige Kindsvater ist auf Dienstreise, denn er macht anständige Lohnarbeit. Er wird gebraucht beim Kunden. Ich werde…naja, auch gebraucht. Aber nicht bezahlt. Und während heute Angestellte und Arbeiter_innen – die immer seltener vollzeit- und unbefristet lohnarbeiten können – protestieren, wischen andere weiter (unbezahlt) Popos sauber. Denn bei denen ist jeder Tag Tag der Care Arbeit.

Karneval der Privilegierten (Nadia)

Ich arbeite seit ich 18 bin, habe während meiner Ausbildung jeden möglichen (Callcenter) und unmöglichen Job (Flötenlehrerin) gemacht und damit mein Studium komplett selbst finanziert. Produktionshelferin, Kasse am Supermarkt, Kellnern, Hilfskraft an der Uni, Interviewerin, Aushilfsredakteurin bei einem Stadtmagazin: Manchmal machte ich neben Seminaren und Vorlesungen drei Jobs gleichzeitig und wachte morgens mit einem nervösen Zwinkern am rechten Auge auf – weil ich erstmal sortieren musste wo es als nächstes hingeht. Dementsprechend schmerzbefreit fing ich nach der Uni meinen ersten „richtigen“ Job an, das war vor ziemlich genau zehn Jahren. Eine Kultur, die ich persönlich auf Jammern und Sesselpupserei basierend identifizierte, umarmte mich, und das war nach Jahren des harten Malochens ein ziemlicher Schock für mich. An manchen Tagen gefühlt nur für die reine Anwesenheit (zwar nicht hammergut, aber solide) bezahlt zu werden, war undenkbar. Das führte dazu, dass ich mir selbst jeden Tag ohne Ende Arbeit suchte und so in die immerwährende „Arbeit geht dahin wo sie gemacht wird“-Falle tappte – das passiert mir auch heute noch ganz gerne. Das Entitlement, fürs Rumsitzen und Mist labern Geld einzustreichen, das muss man sich erstmal hart angewöhnen, vor allem als Frau, vor allem als Kanakin – ich arbeite noch dran und schaffe es wahrscheinlich niemals.

Befördert wurde ich auch irgendwann – natürlich zu Migrationsthemen (harhar)! Einmal war ich als bundesweit verantwortliche Fachbereichskoordinatorin für einen Träger tätig und staunte nicht schlecht als ich feststellte, dass ich in der Führungsriege auf einmal hauptsächlich mit weißen Cis-Männern zu tun hatte – die arbeiteten sonst im Unternehmen nämlich (zumindest an der Basis) nur zu etwa 25 Prozent. Weiß sein, Cis-Mann und ohne Behinderung sein: In jedem Führungstreffen wurde es mir vor den Latz geknallt, Männern im Anzug unterstellte man immer sofort Substanz und Kompetenz, während ich ganz oft die lustige Migrantin war (wobei ich sowieso nicht immer lustig und außerdem auch keine Migrantin war, da von nirgendwoher her-migriert). Nach zwei Jahren hatte ich dann aber zusätzlich auch begriffen, dass ich Scheiße lieher nach oben als nach unten werfe, und beschloss von sämtlichen Obermotzfritzangela-Jobs zukünftig die Finger zu lassen. Seitdem ist für mich Lohnarbeit primär Mittel zum Zweck. Im Moment aber habe ich das Glück einen richtig tollen Job machen zu können – ein wirkliches Privileg, das ich jeden Tag schätze.

Was immer gleich bleibt: All die (Alltags-)Rassismen, die an allen Arbeitsplätzen reproduziert wurden und werden, habe ich niemals mitgezählt – das wäre ein Fass ohne Boden. Lustigerweise ging mir meistens eher bei gefühlten Lappalien die Pumpe, zum Beispiel wenn bei irgendwelchen Meetings vor allem Herkunftsdeutsche über „Diversität“ und „Interkulturalität“ verhandelten – auch Schnaps im Kaffee hätte diese Hirnschmerzen niemals verbannen können. Amüsant war auch, als ich während meiner Freiberuflichkeit mal für eine Institution tätig war, deren Geschäftsfelder unter anderem Diversity und Geschlechtergerechtigkeit waren – und irgendwann rauskam dass der weiße, alte Cis-Kollege natürlich wesentlich mehr Tageshonorar kassierte als ich. Der schlimmste Lohnjob den ich gemacht habe war übrigens für ein feministisches Zentrum – die Erfahrung hat sich mir als sehr frustrierend im Hirn eingebrannt. Politische Überzeugungen im Rahmen von Lohnabhängigkeit und halbgarer Zusammenarbeitsharmonie mit weißen Frauen auszuhandeln war das Spaßbefreiteste was ich mir vorstellen konnte. Da gehe ich lieber weiter wie Kafka zur Versicherung ins Büro!

Supergirl statt Superproduktivität.

Mal liegen bleiben (Charlott)

Vor acht oder neun Jahren habe ich ein Uniseminar besucht, in dem es unter anderem um Arbeit ging. Bis dahin hatte ich mich schon häufiger mit Arbeiter_innenkämpfen auseinandergesetzt, aber nie intensiv darüber nachgedacht, was Arbeit eigentlich für mich bedeutet. Dann sollten wir zwei Seiten zu genau diesem Thema schreiben. Beim Schreiben dieses Texts hier habe ich das alte Uni-Dokument nochmals herausgekramt und war positiv überrascht über die vielen Facetten, die ich damals so aufmachte (Arbeit in- und außerhalb von „Wertschöpfungsketten“, Care-Arbeit, erzwungene Arbeit, Arbeit als Teil alltäglicher geflügelter Worte und Popkultur, Arbeit als zielgerichtete Tätigkeiten (oder auch nicht), Arbeit als identitätsstiftend und politischer Raum). Mein Fazit war (und ist es auch heute noch): Es ist kompliziert.

Schon allein, wenn ich mir meinen Alltag angucke, kommt da vieles zusammen: Lohnarbeit (die aber auch irgendwie fließende Grenzen hat, da sie das Schreiben meiner Doktorarbeit mitfasst), Arbeiten rund um dieses Blog (die im gesellschaftlichen Mainstream kaum als Arbeit wahrgenommen würden), Sorgearbeiten (wie im letzten Jahr als ich wochenlang täglich im Krankenhaus bei meiner Großmutter war). Seit über einem halben Jahrzehnt bin ich Frauenbeauftragte in einem Institut und versuche meinen Lohnarbeitsraum etwas gerechter zu gestalten – das ist häufig vor allem eins: frustrierend und/ oder kräfteaufreibend. Was ist eigentlich mit der ganzen emotionalen Arbeit von all denen, die gegen die Normen von bestimmten Räumen ankämpfen – oder wie Sara Ahmed feststellt, allein durch ihre Anwesenheit in Frage stellen?

Heute freue ich mich, dass ich schon einmal irgendwas geschrieben habe, was ich jetzt paraphrasieren kann. Weniger Arbeit! Die ewigen Produktivitätsanrufungen – die sich von Lohnarbeit, Care-Arbeit zur Freizeitgestaltung ausbreiten – nerven nämlich gewaltig. Damit meine ich nicht nur Produktivitätsanrufungen von außen, sondern auch die tief internalisierten. Ich habe in den letzten Jahren eher schmerzhaft gelernt, mich ab und an von hehren Produktivitätszielen zu distanzieren. An manchen Tagen verbuche ich – als chronisch Kranke – es als Erfolg, wenn ich gut aus dem Bett komme.


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Konsenskarneval, sexualisierte Gewalt und UN-Rüge für Rassismus in Deutschland – kurz verlinkt

1. März 2017 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

Melanie Trommer wurde von Feminismus im Pott zum Konsenskarneval interviewt: „Wir wollten, dass der Fokus endlich auf die Typen gelegt wird: Sie sind es, die mit dem Alkohol vorsichtiger sein sollten und an deren Anstand appelliert werden sollte.“

Vier Frauen werden lesbenfeindlich und sexistisch angegangen, verprügelt und mit dem Tod bedroht. Die Polizei stellt klar: wer weiß ist, ist deutsch und wer deutsch ist, kann kein Täter sein.

Der Tagesspiegel schreibt zu Ergebnissen einer UN-Untersuchung zu Rassismus in Deutschland: „Das Urteil fällt vernichtend aus.

Wie sprechen über sexualisierte Gewalt? Welche Bezeichnungen finden Menschen, die diese erfahren haben? Darum ist gerade eine Debatte entbrannt. Empfehlenswerte Texte gibt es bei Identitätskritik, wo es heißt „Betroffenheit schützt nicht davor Scheiße zu sein“ und bei der ZEIT, wo Marion Detjen über die „Gewalt ohne Namen“ schreibt.

Nicola Hinz hat auf ihrem Blog Das Lied der dicken DameFettlogik überwinden“ von Nadja Hermann gelesen und ihre Kritiken zusammengestellt.

#TeamWallraff – Was sich ändern muss, heißt es bei Behindertenparkplatz.

englischsprachige Links

Im Guardian schreibt Rashmee Kumar über Brown Girls and 195 Lewis, zwei neue Webserien von und über queere WoC.

Raquel Willis hat auf Twitter eine „history of black transgender people“ zusammengestellt.

Termine

Über 100 Veranstaltungen, Demos, Filmvorführungen und mehr rund um den Frauenkampf-Tag in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wir auch in diesem Jahr in einer Übersicht zusammengestellt! Tipps zu weiteren Veranstaltungen können jederzeit in den Kommentaren aufgeführt werden.
Außerdem gibt es Frauentags-Veranstaltungslisten beispielsweise beim Feministischen Netzwerk und dem Gunda-Werner-Institut.

4. März in Köln: Ab jetzt ist eine Anmeldung möglich: #body*talk. Rollenbilder, Schönheitsdiktate und Empowerment im Netz.

4. März in Wien: Podiumsdiskussion – Zum Stand feministischer Kämpfe mit Mädchenmannschaftsbeteiligung. (FB-Link)

9. bis 11. März in Bern: CKSTER-Festival zum Thema Gender Hacking.

11. März in Berlin: 7. Barcamp Frauen. Infos findet Ihr hier.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Winnetou vergessen, WoC lesen und Wedeln mit Nebelkerzen – kurz verlinkt

18. Januar 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 337 von 365 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Rassistische Nebelkerzen„: Nadia hat auch noch einmal für neues deutschland über die Kölner Silvesternacht geschrieben und stellt fest, über vieles wird diskutiert nur einer Kritik am Patriarchat wird aus dem Weg gegangen.

Bina von WOCreads möchte eine englischsprachige Study Group gründen und akademische Non-Fiction Bücher von Frauen of Color lesen. Interessiert?

Christiane Link formuliert bei der ZEIT, warum Sexualassistenz für behinderte Menschen eine Scheinlösung für Probleme, die ganz woanders liegen ist.

ISD online schreibt über das Projekt (De-)koloniale Bilderwelten.

englischsprachige Links

Einmal gute Nachrichten: Chelsea Manning wird am 17. Mai aus dem Gefängnis freikommen.

Forget Winnetou! ist ein Dokumentarfilm über Stereoytpe und Diskriminierung von Native Americans in Deutschland. Einen Trailer gibt es hier zu sehen:

Meryl Streep hielt bei den Golden Globes eine Rede, die sehr gefeiert wurde. Emily Ladau hingegen schreibt bei The Establishement: „I’m A Disabled Woman Who’s NOT Celebrating Meryl Streep’s Golden Globes Speech

CHOICE/LESS ist ein Podcast von Rewire zu reproduktiver Gerechtigkeit. In der Folge vom 10. Januar spricht Jack RR Evans über Erfahrungen mit Schwangerschaft und Abtreibung als nonbinary trans Person.

Gender (und race) bias führt u.a. dazu, dass einige Menschen wesentlich schlechtere medizinische Versorgung erhalten als andere. NY Times schreibt über das Phänomen und wie Checklisten die Situation verbessern können.

Termine in Berlin, Göttingen, Hamburg, Köln und Stuttgart

19.01. in Berlin: Vortrag von Hannah Tzuberi zu „Die Befreiung der Anderen. Feminismus zwischen Alice Schwarzer und postkolonialer Kritik„. (FB-Link)

19.01. bis 10.03.2017 in Berlin: Protestkörper / Queerfeministische Körperpolitiken im EWA e. V. Frauenzentrum

21.01.-22.01. in Göttingen: „write & fight“ – Empowerment-Workshop für Menschen, die in Deutschland Rassismuserfahrungen machen

26.01. in Köln: Maisha Eggers, Katja Kinder und Peggy Piesche sprechen über „Generation Adefra 30 Jahre Schwarzer Feminismus„. (FB-Link)

30.01. bis 29.5.2017 in Berlin: Der lange Weg zur Gleichheit – Lebensrealitäten lesbischer Frauen weltweit. im EWA e.V. Frauenzentrum.

31.01. in Köln: Lesung „Hegememory“ der Autorin und Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo. (FB-Link)

02.02. in Hamburg: Workshop „Queerkommunistische Beziehungsformen“ von 14 bis 18 Uhr mit Bini Adamczak. Anmeldung unter: ich@anti-id.de.

17.02. in Berlin: Fachgespräch: „Wer hat Angst vor Geschlechterforschung? Strategien für ein Forschungsfeld unter Druck„. Anmeldung bis zum 14.02. über die Webseite.

21. bis 25.02. in Stuttgart: meccanica feminale findet statt mit einer ganzen Reihe von Kursen, einige gehen einen Tage, andere eine halbe Woche.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Jahresrückblick: Von Köln zu Gina-Lisa Lohfink und von AfD zur US-Wahl

30. Dezember 2016 von Charlott

Das Jahr 2016 war furchtbar. So furchtbar, dass ich anfing hier Beispiele aufzuzählen, aber mir immer mehr und mehr einfiel, so dass jede Aufzählung jeden Rahmen sprengen müsste. Stattdessen gibt es hier nun zur Vorbereitung auf ein angemessen widerständiges 2017 noch einmal eine Reihe von Texten aus diesem Jahr.

Glücklicherweise sind auch ein paar gute Dinge passiert: Am 03. Juli gewann Sharon Dodua Otoo den Ingeborg-Bachmann-Preis

  • In der letzten Silvesternacht kam es zu einer Reihe (sexualisierter) Übergriffe/ Gewalttaten auf der Kölner Domplatte. Was passierte danach? Die Belange der Opfer rückten schnell in den Hintergrund und wichen rassistischen Verallgemeinerungen und Forderungen. Dieser Verdrehung und Instrumentalisierung wandte sich Hannah in ihrem Text „zu Gewalt legitimierender Gewalt“ zu und zählte zu dem Missstände hinsichtlich sexualisierter Gewalt auf. Nadia schrieb über „Arabisch und nordafrikanisch aussehende Menschen™„, die nach Silvester auf einmal alle direkt erkennen wollten. Als Antwort auf diese Ereignisse und Debatten gründete sich die Initiative ausnahmslos, die sich gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus einsetzt. Nadia stellte ausgehend von dem ersten ausnahmslos-Positionspapier einige Fragen zu Möglichkeiten und Grenzen aktivistischer, emanzipatorischer Arbeit. Wie feministische Forderungen dann für rassistische Gesetzgebungen instrumentalisiert werden können, zeigte sich konkret im Juli, wo die Bundesregierung die Maxime „Nein heißt Nein“ in das Sexualstrafrechts einfließen ließ, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit für Abschiebungen vereinfachte.
  • Erst vor ein paar Tagen hat sich mal wieder Assange zu Wort gemeldet und lobte den russischen Staat. Anfang dieses Jahres analysierte accalmie, warum es perfide ist im Zusammenhang mit Assenges Unterschlupf in der ecuadorianischen Botschaft über Freiheitsentzug zu sprechen.
  • Im Februar legte Heiko Kunert in einem Gastbeitrag „Eine Liste des Versagens“ zu deutscher Behindertenpolitik vor. Dass in diesem Artikel erwähnte Teilhabegesetz wurde später im Jahr vorgelegt – und heftig dagegen protestiert, denn es reihte sich nahtlos in die Versagensliste ein. Hannah schrieb über #nichtmeingesetz und den sichtbaren Protest behinderter Menschen (und darüber, dass sich viele Menschen ohne Behinderungen wenig mit dem Thema „Teilhabe“ auseinandersetzen).
  • Die AfD hat in diesem Jahr in einigen Landtagswahlen und Kommunalwahlen sehr hohe Ergebnisse eingefahren. Andere Parteien versuchten der AfD die Wähler_innen streitig zu machen, in die sie einfach ähnlich rechts agi(ti)erten. Schuldig für die Wahlergebnisse wurden (wie so häufig) die Nicht-Wähler_innen gemacht – manchmal noch dann, wenn die Zahlen zeigten, dass viele ehemalige Nicht-Wähler_innen an der Urne ihre Stimme für die AfD abgaben. Anna-Sarah schrieb zu den Landtagswahlen „Wählen gehen gegen rechts? – Wahlbeteiligung, Demokratie und AfD-Erfolg“ und Accalmie betonte in ihrem Text „Bitte nicht lächeln: Zur AfD„: „Die AfD ist eine extrem rechte Partei. Sie wird nicht aus „Unwissenheit“ gewählt.“.
  • Wenn ein „Hör auf“ nichts mehr wert ist„, schrieb Nadia über Gina-Lisa Lohfink, die sich nach erlebter sexualisierter Gewalt auf einmal auf der Angeklagten-Seite wiederfand. Unter dem Hashtag #TeamGinaLisa sammelte sich Protest gegen das Verfahren, Vergewaltigungskultur in Deutschland und Unterstützung für Lohfink. Magda berichtete im Juni von einer Protestaktion vorm Amtsgericht Tiergarten. Doch dann wurde Lohfink wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 250€. Ich beantworte daraufhin in einem Text die Frage nach wie Vergewaltigungskultur aussehe mit „Genau so„.
  • Wenn über sexualisierte Gewalt und Gewalt in Beziehungen gesprochen wird, dann liegt der Fokus häufig auf cis-männlichen Tätern und cis-weiblichen Opfern. Doch wie (wenig) über Gewalt in queeren Beziehungen gesprochen wird, darüber schrieb Nadine.
  • Was bleibt, ist Protest.„, stellte Magda fest nachdem die Ergebnisse der US-Wahl eingetrudelt waren und Donald Trump zum Gewinner der Wahl erkoren war.
  • Wisst ihr, was auch keine Verheißung ist? Feministische Männer. Nadia erklärt warum: „Wann immer es in meiner feministischen Laufbahn um feministische Cis-Männer ging, sie mir begegneten, ich mit ihnen sprach oder mir zum Feminismus konvertierte Mannsbilder via Telefon, Mail, Blog-Kommentarspalte oder Sprachnachricht mitteilten, sie hätten es jetzt begriffen und würden sich ab sofort »für die Sache« einsetzen, kam es zu gespenstischen Szenen und Erlebnissen, von denen ich die meisten gerne vergessen würde.“
  • Ein Blick in die Aktivismus-und-Bewegungs-Geschichte(n) ist so wichtig: Zu sehen und lernen, welche Debatten es bereits gab, welche Erkenntnisse weitergeführt werden könnten, aber auch um die Arbeit und den Einsatz jener anzuerkennen, die vor uns kamen. Tanja Abou schrieb in ihrem Gastbeitrag „Prololesben und Arbeiter*innentöchter“ über Interventionen in den feministischen Mainstream der 1980er und 1990er Jahre und deren Bedeutungen in heutigen Auseinandersetzungen und Magda blickte zurück auf die Gruppe „Fat Underground„, die sich in den 1970er Jahren gegen Dickenhass einsetzte.
  • Wie in jedem Jahr haben wir auch dieses Mal wieder die „Feministische Bibliothek“ weiter gefüllt mit einigen Buchtipps. Magda besprach beispielsweise „Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später! Neue Gespräche mit Töchtern und Söhnen lesbischer, schwuler und trans* Eltern“ und „Alles Inklusive. Aus dem Leben mit meiner behinderten Tochter„, ich las „Rechtsextreme Frauen: Analysen und Handlungsempfehlungen für Soziale Arbeit und Pädagogik“ und empfahl „10 Bücher für die Freibad-Tasche“ und in einem Gastbeitrag blickte SchwarzRund auf das literarische Jahr 2016 deutschsprachig aus Schwarzer Perspektive zurück.

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Klassismus unterm Weihnachtsbaum, Sozialneid und jüdische Popmusik – kurz verlinkt

28. Dezember 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 335 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Auch schon den Facebook-Post gesehen, in dem „lustig“ bestimmtes „Weihnachts-Verhalten“ verschiedenen Berliner Bezirken zugeordnet wurde? Class Matters schrieb dazu einen Rant: „Geige spielen mit Cheyenne„.

Pop, Punk, Prayer. Eine (kurze) Geschichte jüdischer Popmusik gibt es beim Missy Magazine.

Neue Ausschreiberunde von filia.die frauenstiftung: Bis zum 1. März 2017 können Anträge mit Ideen und Pläne für Projekte eingereicht werden. Die Projekte sollen dazu beitragen, dass Mädchen und junge Fauen frei von Gewalt leben und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden können. Unterstützt werden Projekte mit bis zu 5.000€. Die eingegangenen Anträge werden von den Mädchen und jungen Frauen des Mädchenbeirats gelesen und diskutiert.

DIE LINKE lobt anlässlich des Frauentages 2017 zum siebten Mal einen Preis aus, mit dem herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik gewürdigt werden, den Clara Zetkin Frauenpreis (auch wir waren vor ein paar Jahren nominiert). Vorschläge können bis zum 15. Januar 2017 eingereicht werden.

Carolin Born schreibt im Freitag über den gewaltigen Backlash gegen den Zugang zu sicheren Abtreibungen: Ob nun in den USA, in Polen oder um die Ecke im niedersächsischen Landkreis Schaumburg.

Barbara Stellbrink-Kesy spricht mit Menschen. Das Magazin über das Leben und die Ermordung ihrer Großtante während der NS-Zeit und der Arbeit des „Förderkreis des Gedenkorts für die Opfer der nationalsozialistischen NS-‚Euthanasie‘-Morde“. Sie macht deutlich: „Wir leben in einer Konkurrenzgesellschaft, in der nur die „Nützlichen“ zählen. Das sieht man auch in der Flüchtlingsdebatte, und natürlich in den Debatten um Pränataldiagnostik und Sterbehilfe. Die Themen des Mahnmals sind hochaktuell.“

Deutschlandfahne cool neu besetzen (bzw. der AfD und Pegida als Symbol „wegnehmen“) und wieder stolz auf der Hipster-Trainingsjacke tragen? Das kann nicht funktionieren, schreibt Queer Vanity.

Seit Beginn des NSU-Prozesses begleitet NSU Watch diesen kritisch. haGalil schreibt über die bisherige Beweisaufnahme und die Bedeutung der Arbeit von NSU Watch: „Das linke Projekt protokolliert die Verhandlungstage und stellt die Aufzeichnungen online. Analytische Artikel zur extremen Rechten, zu institutionellem Rassismus, zum Handeln der Behörden, aber auch zu Positionen der Nebenklagevertretung, die die Opferseite repräsentiert, helfen den Leser_innen der Webseite des Projekts die Protokolle und das Verhandlungsgeschehen einzuordnen. Darüber hinaus leisten die bei NSU Watch Engagierten vielfältige Aufklärungsarbeit in Form von Vorträgen und Workshops.“ Das Projekt kann finanziell über eine startnext-Kampagne unterstützt werden.

Ein Blog von Vielen schreibt über Sozialneid.

Der i.d.a.-Dachverband e.V (i.d.a.=informieren, dokumentieren, archivieren), der seit 1983 die Zusammenarbeit der Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen im deutschsprachigen Raum organisiert, sucht eine_n Projektkoordinator_in. Bewerbungsschluss ist der 31. Januar 2017.

Englischsprachige Beiträge

Die Schauspielerin, Schriftstellerin und Script Doctor Carrie Fisher ist verstorben. Anne Thériault schrieb eine Tweetreihe zur „Importance of General Organa„.

Auch die Astro-Physikerin Vera Rubin, die die Existenz dunkler Materie bestätigte, starb. Den Nobelpreis hat sie nie erhalten. NPR erinnert an ihr Leben.

Was ist eigentlich trans Literatur? Jede Geschichte mit trans Protagonist_innen? Ausschließlich jene von trans Autor_innen? Jedes Buch von trans Autor_innen, egal zu welchem Thema und mit welchen Protagonist_innen? Bei LitHub schreibt Gabrielle Bellot zu diesem Thema.

In einem Comic bei Oh Joy Sex Toy erzählt Mady G über Transsein und Schönheit.

Termine

21.01.-22.01. in Göttingen: „write & fight“ – Empowerment-Workshop für Menschen, die in Deutschland Rassismuserfahrungen machen

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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