Die Online-Ausgabe des britischen Telegraph berichtete vor einigen Tagen über den Ausgang eines Gerichtsverfahrens in Russland, in dem eine Angestellte ihren Chef wegen sexueller Belästigung angeklagt hatte. Der zuständige Richter urteilte: Ohne Sexuelle Belästigung keine Kinder und wies mit dieser Begründung die Anklage ab. Die Beweislage allerdings hätte anderswo sicher zu einer Verurteilung geführt. Der Telegraph kommentiert:
„Since Soviet times, sexual harassment in Russia has become an accepted part of life in the office, work place and university lecture room.“
Schockierend sind auch die Zahlen, die einer aktuellen Untersuchung zufolge diesen Zustand belegen: 100 Prozent (!) der berufstätigen russischen Frauen gaben demnach an, dass sie Opfer sexueller Belästigung durch ihre Vorgesetzten wurden. Ganze 32 Prozent gaben zu, mindestens ein Mal Verkehr mit ihnen gehabt zu haben und weitere sieben Prozent behaupten, vergewaltigt worden zu sein.
Die Folge davon:
„Eighty per cent of those who participated in the survey said they did not believe it possible to win promotion without engaging in sexual relations with their male superiors.“
Und:
„Women also report that it is common to be browbeaten into sex during job interviews, while female students regularly complain that university professors trade high marks for sexual favours.“
Nicht, dass die Frauen sich nicht gegen diese Tatsachen wehrten, doch ihre Ausgangslage ist denkbar schlecht: Nur zwei Frauen haben seit dem Ende der Sowjetunion ein Gerichtsverfahren wegen sexueller Belästigung in Russland gewonnen.

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