Als ich gestern auf einer Party herumhüpfte, durfte ich mal wieder ein für mich sehr erschreckendes Bild sehen: Da tanzte eine Frau mit Rastas zu Bob Marley. Wer mich ein bisschen kennt, wird wissen, dass ich Probleme mit Rastas und Reggae habe, denn ich verbinde das mit Rastafari und Jamaika. Natürlich, das will ich diesem Beitrag auch vorausschicken, möchte ich nicht jeder oder jedem der Rastas trägt unterstellen, diese Gesinnung zu haben. Aber es erschreckt mich doch sehr, wie wenig die dahinterstehnde Ideologie reflektiert wird. Dies gilt übrigens auch für Menschen, die ich mit Jamaika-Flaggen rumrennen sehe.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Ich stelle mir dann immer die Frage: Darf man dass nun tun, weil es gerade hip und modern ist oder nicht? Es ist die Frage nach „political correctness“ – wo fängt sie an, wo hört sie auf. Bleiben wir doch beim Erlebnis von gestern Abend. Das Lied das gespielt wurde war „no woman, no cry“ – und ja ich weiß, dass das nicht „keine Frauen, kein Geschrei“ heißt, sondern eigentlich „no woman, huh cry“ (huh kann mit don`t übersetz werden) und somit „Nein Frau, weine nicht!“ bedeutet. Aber ein Frauenrechtler war Bob Marley wahrhaftig nicht! Seine Lieder hatten für ihn den vorrangigen Zweck, die Rastafari-Ideologie in die Welt zu tragen. Und diese Ideologie ist bei weitem nicht frauenfreundlich – ganz im Gegenteil: die Frau ist der Untertan des Mannes, soll ihr Haupt bedecken, tut sie es nicht, soll der Mann ihr die Haare abrasieren, Frauen werden während ihrer Menstruation wegen Unreinheit von der Gemeinschaft ausgeschlossen, sie darf noch nicht mal Hosen tragen, usw. Auch das Frauenbild das Bob Marley so hatte, war nicht feministisch. Er hatte mit vielen Frauen Sex, seiner Frau erlaubte er dies aber nicht – die Kinder dieser Seitensprünge durfte sie allerdings groß ziehen. Die Frau hatte gefälligst zu Hause zu bleiben und war für Kindererziehung, Hauhalt und ähnliches eingeplant – sofort nach seiner Hochzeit, zog Bob Marley nach Amerika, seine Frau musste jedoch in Jamaika bleiben.
Gut, nun kann nicht gesagt werden, dass Rasta gleich Bob Marley oder Reggae ist und wohl auch nicht, dass Reggae gleich Rastafari ist. Aber so ganz auseinander zu dividieren ist es dann doch nicht. Für mich bestehen diese Assoziationen sogar sehr stark. Ich weiß, dass ich damit eine Minderheit darstelle. Deshalb frage ich mich des Öfteren, warum Menschen, die mit Thor Steinar oder Lonsdale Pullis rumlaufen, öffentlich geächtet werden, wenn jedoch jemand eine Jamaika-Flagge auf der Jacke trägt diese_r als cool und liberal gilt? Die frauenrechtliche Situation in Jamaika ist nun wirklich nicht die Beste. Auch Homosexualität steht dort noch unter Strafe (10 Jahre Haft) und Gewalt gegen Homosexuelle und gegen Frauen wird nur bedingt und wenn überhaupt dann nur sehr lasch verfolgt. Wann ist es denn nun gerechtfertigt mit „political correctness“ anzufangen und wann noch nicht?
Ich würde mich sehr freuen, wenn auch bei den Themen Reggae, Rastas und Jamaika mehr Differenzierung einkehren würde. Ich habe nichts gegen Reggae-Gruppen/-Fans, die sich deutlich von dieser Ideologie abgrenzen. Ich habe aber deutlich Probleme damit, wenn dies nicht passiert. Ich finde, wer mit Rastas durch die Welt läuft, sollte zumindest wissen, wofür dies auch stehen kann. Aber meistens habe ich bei Diskussionen mit jenen das Gefühl, dass sie reichlich wenig über Rastafari wissen. Das kann und will ich nicht akzeptieren. Ich freue mich, wenn diese Menschen komplett anders denken, als es die hinter diesen Symbolen liegende Ideologie tut – aber wenigstens sich mit dieser einmal etwas gründlicher auseinanderzusetzen, das erwarte ich von jeder und jedem, der symbolkräftige Zeichen trägt – eine Landesflagge ist dies für mich genauso wie eine eindeutige Haarfrisur.
Abspann: Ich weiß, dies war nun eher über Symbole als über Feminismus – aber es berührt dieses Thema doch so stark, dass ich es wichtig fand, mich dazu einmal zu äußern. Außerdem: Der Artikel konnte erst heute kommen, da wir gestern in meinem Viertel in Istanbul Stromausfall hatten.

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