
„Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.“ (CCC hackerethics)
Während sich die Debatten im Internet lange mit dem zweiten Teil dieses alten Satzes beschäftigten, rückt langsam auch der Erste wieder ins Bewußtsein. Open Data oder auch Open Government sind die Schlagworte, unter denen mehr Transparenz und Offenlegung von (vor allem) staatlichen Stellen gefordert werden. Ob statistische Erhebungen, Budgets oder Geoinformationen – wenn Daten öffentlich gemacht werden, ermöglichen sie Information, Kontrolle und Teilhabe von Bürger_innen im Staat.
Also, Daten einfach freigeben und alles wird super? So einfach ist das nicht, wie vor kurzem ComputerWeekly anmerkte. Um wirklich etwas verbessern zu können, müssten einige Voraussetzungen erfüllt werden. Ansonsten droht auch die Open Data-Bewegung, nur bestehende Machtverhältnisse zu festigen und soziale, wie digitale Unterschiede zu vertiefen.
Zum Einen bedürfe es verwertbarer Formate, in denen die Daten ausgegeben werden. Wie man „offene Daten“ ziemlich unbenutzbar machen kannte, hat zuletzt Facebook demonstriert. Als Student Max Schrems seine Daten einforderte, bekam er eine CD mit 1.222 Seiten im PDF-Format zugesandt. Durchzulesen sind soviele Seiten kaum und die Nutzung aus einem PDF heraus ist äußerst aufwendig. In konkreten Fall war ein Programmierer eine Woche beschäftigt, die Daten aufzubereiten, um die Weiterverarbeitung zu ermöglichen.
Hier wird bereits das zweite Problem deutlich: Bisher ist die Nutzung und Verarbeitung von offenen Daten fast ausschließlich Programmierer_innen vorbehalten. Einem gesellschaftlich breit angelegtem Umgang steht nötiges Spezialwissen entgegen. Ändert sich an dieser Stelle nichts, festigt sich der Status der „Informationshüter_innen“ nur weiter. Verloren gehen kreative Ansätze von „außen“, wie auch Umsetzungen in Gemeinschaften – von den Betroffenen selbst.
Über die maschinenlesbare und einfach zu verwendende Formate ist die Diskussion schon eine Weile im Gange. Ebenfalls angekommen sind Überlegungen zum Spannungsfeld, was veröffentlicht werden darf und was nicht. Nur die Frage, wer eigentlich mit den Daten umgehen kann und wie möglichst viele Menschen einbezogen werden können, wird bisher verdrängt. Dabei sind gerade hier neue Ideen und Ansätze nötig, um die Möglichkeiten von Open Data ausnutzen zu können.

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