Die Initiative Regenbogen e.V., ein Verein für AIDS-Prävention, hat sich eine neue Kampagne ausgedacht. Weil die Anzeigen mit in Verhüterlis gekleidetem Obst und Gemüse nicht mehr richtig auffielen, musste was Radikales her. Unter dem Motto „Aids ist ein Massenmörder“ werden nun Schurken der Geschichte zum personalisierten HIV-Virus. Egal ob Saddam Hussein, Josef Stalin oder Adolf Hitler – auf Plakaten und im Video zeigen sich heiße nackte Girls in geschlechtlicher Umarmung mit dem Bösen.
Spiegel Online berichtet, dass die Kampagne vor allem in Großbritannien und den USA für Proteste sorge:
Der Spot „stigmatisiere die Menschen, die HIV-positiv sind und die ohnehin einer großen Diskriminierung und Ignoranz ausgesetzt“ seien, sagte eine Sprecherin des National Aids Trust, der die Aktionen zum Welt-Aids-Tag in Großbritannien koordiniert.
Die Organisation befürchtet, dass die Botschaft des Spots die Menschen davon abhalte, sich testen zu lassen – die HIV-Positiven sowie die Erkrankten würden selbst zu Massenmördern stigmatisiert. Zudem wird kritisiert, dass die Videos keine Informationen über Präventionsmöglichkeiten enthielten
Nicht nur liefert die Anzeige keine Informationen, wie man sich schützen kann, auch impliziert sie eine massive Geschlechterdiskriminierung: Die Frau ist Opfer der Ansteckung, der Mann der böse Überträger. Gleichzeitig assoziieren die Bilder und vor allem der Spot eine heiße, unverbindliche Sexnacht – als seien nur unvorsichtige One-Night-Stand-Fans gefährdet, sich mit HIV zu infizieren. Dass das Virus auch auf anderen Wegen und durchaus in Partnerschaften übertragen werden kann, wird hier außer Acht gelassen. Und bitte, wenn es schon um Sex geht, dann müssen Brüste und Hintern der Frau genauso in Szene gesetzt werden, wie ihre lustverzerrte Mimik… als ob Nekrophilie, also Sex mit Toten, Spaß mache…
Wie aber kann gute Anti-AIDS Werbung aussehen? Der Hinweis auf die Nutzung von Kondomen erscheint in diesem Zusammenhang unerlässlich. Und den Ernst des Themas mit Aufmerksamkeit und gegebenenfalls Humor zu paaren, ist nicht leicht. Aber vielleicht ist die Orientierung an die AIDS-Prävention Werbung der 90er Jahre lohnenswerter, als der missglückte Griff in historische Mottenkisten.


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