Ich hatte ja versprochen, auch darüber zu schreiben, wie es ist, als Mutter einen Job zu suchen. Bisher war es ziemlich frustrierend, da auf über 30 Bewerbungen keine einzige Einladung zu einem Vorstellungsgespräch kam. Immer nur Absagen mit der Begründung, dass sich für einen anderen Bewerber entschieden wurde, dessen Profil besser auf die Stelle passen würde. Für mich gab es für meine Schwierigkeiten, einen Job zu finden, drei Erklärungsansätze: Die Krise, der Standort und das Kind.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Dann war ein ehemaliger Kollege von mir mit seiner Doktorarbeit fertig und hat mit genau einer Bewerbung meinen Traumjob gehabt. Damit wäre die Begründung „Wirtschaftskrise“ also schonmal einigermaßen ausgeschlossen. Blieb also „Standort“ und „Kind“.
Dass der Standort hier nicht optimal ist, war mir von vornherein klar, aber da mein Mann hier eine feste Stelle als Wissenschaftler hat (extrem selten in seinem Alter und noch dazu sein Traumjob), war es relativ klar, dass ich nach der Geburt unseres Kindes hier eine Stelle suche, auch wenn ich dafür Kompromisse bei der Art der Arbeit eingehen muss. Dass es unmöglich werden würde hier einen Job zu finden, das war uns beiden allerdings nicht klar. Nun wissen wir, dass es hier zwar Jobs in meinem Bereich gibt, aber scheinbar nicht für promovierte IngenieurInnen, denn diese „wollen nur im Büro arbeiten, packen nicht zu, können nicht mit den Schichtarbeitern kommunizieren und verlangen ein zu hohes Gehalt“.
Also habe ich vor drei Wochen, auch auf Betreiben meines Mannes hin, mal bei einem Unternehmen nach Stellenausschreibungen geschaut, welches zu den üblichen Verdächtigen in meiner Branche zählt und sogar eine Ausschreibung gefunden, die so ziemlich meinen Vorstellungen von dem entsprach, was ich schon immer machen wollte und weshalb ich überhaupt promoviert habe. Einziger Nachteil: Das Unternehmen ist so weit weg, dass tägliches Pendeln nicht in Frage kommt. Also habe ich mich teils schweren Herzens, teils euphorisch dort beworben und innerhalb kürzester Zeit bekam ich einen Anruf, dass sie mich zum Vorstellungsgespräch einladen möchten.
Es ist natürlich nur ein Vorstellungsgespräch und noch kein Angebot, aber sollte es dazu kommen, ist es relativ wahrscheinlich, dass mein Einstiegsgehalt über dem liegen wird, was mein Mann dank TV öD jemals erreichen kann. Und trotzdem fühle ich mich hundeelend bei der Vorstellung, dass hier demnächst die Entscheidung „Deine oder meine Karriere?“ anstehen könnte. Mein Mann hat vollstes Verständnis für meine Situation und signalisiert auch, dass er bereit ist, Kompromisse einzugehen die eher zu seinem Nachteil wären, da ein totaler Verzicht auf meine Berufstätigkeit für ihn nicht akzeptabel ist. Soweit alles eher ein privates Problem, welches nur bedingt gesellschaftliche Relevanz hat.
Schockierend finde ich allerdings die Reaktionen mancher Menschen in unserem Freundeskreis, die der Meinung sind, sowas könne ich meinem Mann nicht antun, Geld sei doch nicht alles, ich sei kompromisslos, irgendeine Beschäftigung würde sich schon hier finden für mich…
In Anbetracht der Tatsache, dass es meistens die Frauen sind, die, mit Hinweis auf das geringere Gehalt, längere Auszeiten im Beruf wegen Kinderbetreuung in Kauf nehmen oder in Teilzeit arbeiten, finde ich es schon sehr verwunderlich, dass der unterbezahlte Job meines Mannes, der in hohem Maße seiner Selbstverwirklichung dient, nun plötzlich zu so etwas existentiellem hochstilisiert wird. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich traue ihm schon zu, eine Familie zu ernähren und ich habe mächtige Bauchschmerzen bei dem Gedanken, dass meine beruflichen Ambitionen dazu führen könnten, dass er nicht mehr das machen kann, wofür er jahrelang hart gearbeitet hat, aber wieviele Frauen verzichten tagtäglich auf ihr berufliches Fortkommen, weil eine „dual career“ nicht möglich ist? Auch ich habe jahrelang hart gearbeitet und nun bietet sich vielleicht eine Chance, die Früchte dieser Arbeit zu ernten, aber das Recht darauf scheinen in manchen Köpfen nach wie vor eher die Männer zu haben.

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