Dieser Text ist eine Übersetzung des Blogposts „Back Off My Fat Body„, der kürzlich bei Dances with Fat erschienen ist. Wir danken der Autorin für die Erlaubnis zur Zweitverwertung! Ragen wollte immer eine fette Tänzerin sein und fand heraus, dass sie dazu erstmal Fat Activist werden musste. Jetzt tanzt sie nicht nur, sondern spricht und schreibt auch in Vollzeit über Selbstwertschätzung, Körperbilder und Gesundheit in jeder Größer und freut sich auf eine Welt, in der wir erkannt haben, dass jeder Körper großartig ist.
Eine Anmerkung zum Adjektiv „fett“: Das Wort wird in der Fat-Acceptance-Bewegung als Selbstbezeichnung und politischer Begriff verwendet – eine objektive Beschreibung dafür, was „dick“ oder „dünn“ ist, gibt es nicht.

Jeden Tag vernehme ich Botschaften aus der Gesellschaft über meinen fetten Körper. Mir wird mitgeteilt, dass er ein Zeichen moralischen Versagens ist, ein Zeichen von Faulheit, er ist unzulänglich, unattraktiv, bla bla bla – die negativen Botschaften kommen unablässig und sind allgegenwärtig.
Lange Zeit war ich dermaßen entschlossen meinen Körper dafür zu hassen, dem kulturellen Standard von Schönheit nicht zu genügen, dass ich ihn niemals wertschätzte für das, was er tat. Anstatt diesen fantastischen Körper zu verteidigen, der mir ermöglicht, all das zu tun, was ich jeden Tag, jeden Augenblick tue, fiel ich ein in den Chor der Missbilligung. Ich verriet meinen eigenen Körper, um einer willkürlichen Klischeevorstellung von Schönheit anzuhängen, versehen mit einem Quäntchen missgünstiger Billigung, das bestimmt war von meiner permanenten Selbstabwertung, so dass meine Kritiker_innen sich gar nicht erst darum kümmern mussten das zu tun.
Wenn ich eines gelernt habe auf meiner Reise weg von Selbsthass, gestörtem Essverhalten und zwanghafter sportlicher Betätigung, dann ist es, dass mein Körper nicht weniger verdient als meine bedingungslose Liebe und lautstarke Unterstützung. Deshalb sage ich allen, die meinen, mein Körper sei irgendetwas anderes als großartig:
Mein fetter Körper ist viel zu wertvoll, als dass er wie ein gebrauchtes Auto behandelt werden sollte, dessen Wert durch die eine oder andere Verschleißerscheinung reduziert ist. Er ist viel zu erstaunlich, um eine Metapher zu sein oder ein politisches Statement. Er ist viel zu komplex, um nach demselben Prinzip betrieben zu werden wie ein Rasenmäher. Er ist viel zu tiefgründig, um auf ein Verhältnis zwischen Gewicht und Größe reduziert zu werden. Und er ist viel zu großartig, um von irgendjemandem verurteilt zu werden.
Mein fetter Körper ist kein Abbild meines Versagens, meiner Sünden oder meiner Fehler. Mein fetter Körper ist kein Gradmesser für meinen Gesundheitszustand oder meine Fitness. Mein fetter Körper steht nicht zur Diskussion, öffentlichen Debatte oder Beurteilung. Mein fetter Körper ist kein Zeichen dafür, dass ich Hilfe brauche oder Hinweise benötige, um Entscheidungen über mein Leben oder meine Gesundheit zu treffen. Mein fetter Körper ist mein ständiger Begleiter, der mir dabei hilft, all das zu tun, was ich tagtäglich und jede Sekunde tue, und er verdient Respekt und Bewunderung.
Wenn du dich nicht in der Lage siehst, meinen Körper wertzuschätzen und ihm mit Respekt und Bewunderung zu begegnen, dann ist das dein Defizit, nicht meines; arbeite daran oder lass es bleiben, aber mich kümmert es nicht. Ebenso wenig bin ich interessiert daran, deine Meinung zu diesem Thema zu hören, also wenn du mit mir zusammen sein möchtest, bist du zu 100% verantwortlich dafür, zu tun was nötig ist, um diese Gedanken für dich zu behalten. Wenn du dazu nicht imstande bist, werde ich aufhören Zeit mit dir zu verbringen – ich verbringe meine Zeit mit Menschen, die mich angemessen behandeln.
Ich werde meinen wunderschönen fetten Körper handhaben wie eine Waffe. Ich werde ihn lieben, ich werde für ihn sorgen, ich werde ihn bewegen, ich werde ihn in der Öffentlichkeit zeigen, ich werde meinen Körper heftigst verteidigen gegen alle, die ihn als irgendetwas anderes einstufen wollen als großartig. Du bist gewarnt – lass mich gefälligst in Frieden.

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