Innerhalb von drei Tagen wurden in Tschetschenien sieben tote Frauen gefunden, vermutlich hingerichtet.
In Tschetschenien ist ein neuer Krieg ausgebrochen, der dritte. Es ist ein „Krieg gegen Frauen“, schreibt das russische Tabloid-Blatt Moskowskij Komsomolez.(…) Bis auf eine waren die Frauen zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt. Alle wurden aus nächster Nähe erschossen, mit Kalaschnikow-Gewehren oder Makarow-Pistolen. Die Patronenhülsen lagen neben den Leichen. Gestohlen wurde nichts, weder Goldschmuck noch Geld noch teure Kleidung. Die Leichen lagen in einem Vorort von Grosny oder am Straßenrand nach Schatoi, zur Schau gestellt nach exekutionsartigen Morden.
Die Korrespondentin der Süddeutsche Zeitung, Sonja Zekri, schreibt weiter:
Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow gab sich entsetzt. Die Mordserie sei „durch keine Traditionen“ gerechtfertigt, sagte er anfangs. Am Montag aber fügte er hinzu, möglicherweise hätten sich die Frauen eines „amoralischen“ oder „unwürdigen Benehmens“ schuldig gemacht. Ausgerechnet der Menschenrechtsbeauftragte Nurdi Nuschijew ergänzte, es gebe bedauerlicherweise „Frauen, die den Verhaltenskodex der Bergbewohner vergessen“, da schritten die Verwandten eben gelegentlich zur Selbstjustiz.
Präsident Kadyrow propagiert seit Jahren einen autoritären Islam und zwingt Frauen das Kopftuch auf – was die russische Verfassung verbietet. Wohl vor allem, um sich vom mächtigen Nachbarn zu emanzipieren, fährt Kadyrow einen besonders harten Kurs. Die Islamisierung geht vor allem auf Kosten der tschetschenischen Frauen.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.