In der Süddeutschen Zeitung versteckte sich Anfang der Woche eine kleine, aber hochinteressante Meldung:
Frauen für Gleichstellung
Frauen aus CDU und CSU im Bundestag wollen erstmals einen Beschluss ihrer Fraktion zur Gleichstellungspolitik durchsetzen. Sie verlangen in einem Thesenpapier, dass mehr Frauen in die Vorstände und Aufsichtsräte von Unternehmen aufrücken. Außerdem sollen Firmen verpflichtet werden, ihren Frauenanteil in Führungspositionen zu veröffentlichen. Das Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, wird in dieser Woche von den Mitgliedern der Unions-Arbeitsgruppe „Familie und Frauen“ in die Fraktion eingebracht.
Mein erster Gedanke war ja zugegebenermaßen: Was ist denn mit denen los? Mein zweiter aber: Hoffentlich meinen die „mehr Frauen in die Vorstände und Aufsichtsräte“ nicht wie ihre Kanzlerin nur appelativ, sondern als politisches Vorhaben, zu dem die Unternehmen verpflichtet werden. Sollte es so sein: Sehr gut, ich drücke ihnen die Daumen, dass sie damit durchkommen.
Denn die letzten Jahre haben ja bewiesen, dass konservative Politikerinnen leichter Gleichstellungsvorhaben umsetzen können als ihre Kolleginnen und Kollegen aus der SPD, bei den Grünen oder der Linken. Was bei Renate Schmidt noch als durchgeknallte, sozialistisch angehauchte Familienpolitik galt – nämlich mehr Kinderbetreuung, auch schon ab 0 Jahren – wurde bei Ursula von der Leyen nach einigem Widerstand doch hingenommen.
Eine Quote für Aufsichtsräte und das Offenlegen von Zahlen über den Frauenanteil im Management werden beispielsweise von den Grünen schon länger gefordert, gelten aber in der Regierung als radikale Forderungen, die von einer breiten Masse nicht unterstützt werden würden. Was wohl im Klartext heißt: Die Unternehmen, die die Große Koalition lieber nicht gegen sich aufbringen will, haben keinen Bock darauf, sich kritische Fragen wegen ihres Frauenanteils stellen zu lassen, geschweige denn vorschreiben zu lassen, wie viele Frauen in die obersten Etagen sollen. Kriegten die Grünen nun Unterstützung von konservativer Seite, könnte sich ja in Sachen Frauenanteil in den Führungsebenen wirklich etwas tun. Wie gesagt, ich drücke die Daumen.

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