Einträge mit dem Tag ‘Quoten’


Für die Feministinnenquote

12. November 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 2 von 15 der Serie Ökonomie_Kritik

Obwohl das Thema (Frauen-)Quoten in der Arbeitswelt eher nicht zu meinem Spezialgebiet gehört, lese ich ab und zu Texte darüber, weil mich die Argumentationen immer sehr interessieren. In Deutschland ist ja schon das Wort “Frauenquote” ein Gesprächskiller, obwohl die Quoten-Konzepte, die hierzulande am meisten diskutiert werden, ziemlich weit von radikal entfernt sind. Das gängigste Konzept beinhaltet, dass bei gleicher Qualifikation so lange Frauen* bevorzugt werden, bis eine gesetzte Quote erreicht ist (und diese Quote entspricht in den meisten Fällen noch nicht einmal den gesamtgesellschaftlichen Anteil von Frauen*. Häufig wird von 30, maximal 40% gesprochen).

Von den unterschiedlichen Quotenkonzepten ist jenes also eher systemkonform, denn es bekämpft erst einmal nur offensichtliche Ungleichheiten, so zum Beispiel die Tatsache, dass Frauen* bei gleicher Qualifikation trotzdem schlechtere Chancen gegenüber ihren Mitbewerbern haben. Es gibt auch andere Konzepte, aber über diese wird kaum geredet; die meisten sträuben sich ja schon gegen die relativ softe Quote.

Und weil viele Leute schnell auf Durchzug schalten, wenn Diskussion zu Quoten losgehen, schlug ich letztes Jahr vor, eher über die (hohen) Männerquoten zu reden, denn diese skizzieren ja genau das Problem: Eine Arbeitswelt, die nach männlichen Maßstäben ausgelegt ist.

In der Sueddeutschen wurde letzte Woche ein Artikel veröffentlicht, in dem sich die Fernsehmoderatorin und Schriftstellerin Amelie Fried für eine Quote ausspricht. Sie schreibt von sich, dass sie Frauenquoten früher überflüssig fand, heute allerdings davon überzeugt ist, dass es ohne die Quote nicht mehr geht.

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Quoten, doofe Kinderbücher und Popkultur auf’s Ohr – die Blogschau

9. Juni 2012 von Magda

In dieser Woche ging es wieder rund in den feministischen Blogs. Einen kleinen Ausschnitt davon findet ihr hier:

Schwarzblond erklärt, warum “unsere Wirtschaft eine Ge­schlechter­quote braucht“.

Passend dazu nimmt Journelle einen an Dümmlichkeit kaum zu überbietenden FAZ-Artikel auseinander, der vor Sexismus und schlechten Argumenten nur so strotzt.

Eine Muslima zieht vor Gericht wegen Beleidigung. Das Ver­fahren endet mit einem Freispruch. Anders deutsch findet: Die taz-Berichterstattung dazu ist ziemlich einseitig.

Das ju_fem_netz, ein Netzwerk junger* Feminist_innen legt mit dem folgenden Positionspapier: “Für mehr Feminismus!…und was wir damit meinen” Widerspruch gegen die Vereinnahmung des Emanzipationsbegriffs durch reaktionäre Politik ein. Weitere Informationen und Kontakt zum ju_fem_netz findet ihr unter Kontakt.

Dr. Mutti hat das in der „Kinder-Uni“-Reihe erschienene Buch „Warum raufen Jungs und sind Mädchen zickig?“ gelesen und ärgert sich über die biologistischen Geschlechterklischees, die dadrin gewälzt werden.

ARGE Dicke Weiber hat eine tolle Zuschrift bekommen: Ein selbstgemaltes Bild.

Die sanczny kotzt sich aus über Antifeministen, Quoten- und Affirmative-Action-Gegner, Konservative, Gleichheits-Rhetoriker, Plattformneutralität- und “Liquid Identity”-Vertreter und “Sexismus gegen Männer”-Schreier. Und findet: “Je mehr Leute sich gegen Sexismus, Rassismus, Klassismus, *ismus engagieren umso besser.”

Popkultur-Fans aufgepasst: Eine neue Folge von Previously ist online (Transkripte gibt es unter previously.us).

Interviewt für die Serie “prima Praktika” bei ZEIT Online wurde Nina Windisch, Assistentin bei Zimmer Frei. Eklige Kommentare leider inklusive.

phenomenelle – ein Online-Magazin für Lesben, Bisexuelle und alle Frauen, die Frauen lieben – hat einige Termine für Juni zusammengetragen.

Warum sehen die Frauen in den alten Zeitschriften denn so komisch aus? Das fragt sich Miss Fits Wunderbar und stellt fest: Damals wurden noch gar nicht alle Poren wegretuschiert!

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Journalistinnen fordern Quote

28. Februar 2012 von Verena
Mit einem Brief an die Chefredaktionen von Zeitungen, Zeitschriften, Radiostationen und Fernsehsendern haben sich mehr als 350 Journalistinnen für eine Quote in journalistischen Führungspositionen ausgesprochen.
Tatsächlich sind nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen Frauen, von den 12 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind lediglich drei weiblich. Und auch in den Redaktionen der Nachrichtenmagazine stehen fast ausschließlich Männer an der Spitze. Es ist Zeit, etwas zu ändern.
Wir fordern, dass mindestens 30 Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen im Laufe der nächsten fünf Jahre mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.

Auch die Mädchenmannschaft beteiligt sich an der Initiative. Wir finden: “Ganz ehrlich: 30 Prozent Frauenanteil ist immer noch zuwenig. Aber ein Anfang.” Seit die Pro-Quote-Internetseite seit Sonntag Nachmittag online gegangen ist, gibt es schon fast 450 neue Unterschriften. Über weitere freuen sich die Initiative pro-quote und wir. Und Fan bei facebook könnt ihr außerdem werden.

Mädchenmannschaft: "Ganz ehrlich: 30 Prozent Frauenanteil ist immer noch zuwenig. Aber ein Anfang."


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Keine Kuschelquote – Warum ich die Berliner Erklärung nicht unterzeichne

19. Dezember 2011 von Maria
Dieser Text ist Teil 2 von 18 der Serie Feminismus im Recht

Frauen aller Bundestagsfraktionen und UnterstützerInnen aus Politik und Gesellschaft schließen sich zusammen, um der Gleichstellung von Frauen und Männern zum Durchbruch zu verhelfen. Sie fordern in der Berliner Erklärung vom 15.12.2011 die paritätische und gleichberechtigte Einbeziehung von Frauen in die Entscheidungsprozesse der Wirtschaft und stellen fest, dass dies nur durch verbindliche gesetzliche Regelungen erreicht werden kann. In einem ersten Schritt wollen sie eine 30%-Quote in den Aufsichtsräten der börsennotierten, mitbestimmungspflichtigen und öffentlichen Unternehmen. Ich sollte mich freuen, dass endlich mal Frauen aller Fraktionen zusammen sagen, übrigens, es besteht gleichstellungspolitischer Handlungsbedarf. Sie sagen das auch durchaus mit Nachdruck.

Was mir an der Petition sehr gut gefällt und was ich sofort unterschreiben würde, ist die Feststellung, dass die Gleichstellung in der Realität noch lange nicht verwirklicht ist. Weiter heißt es in dem Einleitungstext: „Die anhaltende Benachteiligung von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen steht damit im Widerspruch zu unserem Grundgesetz und zu internationalem Recht.“

Trotzdem kann ich mich nicht dazu durchringen, diese Petition auch zu unterzeichnen. What’s not to like?

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“Kristi, Uschi und die Quote” – unsere Lieblingssoap geht endlich weiter!

18. Oktober 2011 von Anna

Es ist mal wieder Zeit für Quotentalk. Nicht etwa, weil es endlich verbindliche Gesetze oder gar ein Bekenntnis der zuständigen Ministerin geben würde. Nein, es wurde einfach mal wieder offiziell ein bisschen drüber geplaudert und schon hagelt es Artikel an jeder Ecke. Rumgekommen ist aber wie üblich – nichts!

Um konkreter zu werden: Gestern trafen sich Frauenministerin Kristina Schröder, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mit Vorstandsmitgliedern der DAX-30-Unternehmen (also die 30 umsatzstärksten an der Frankfurter Börse notierten Unternehmen) um über die Frauenquote für die Führungsebene zu sprechen. Oder, wie es das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) formuliert: “den Dialog über die Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen fortzusetzen”.

Die DAX Unternehmen präsentierten dabei einen Katalog, in dem sie festlegen, dass bis 2020 der Anteil von Frauen im Management auf bis zu 35 Prozent steigen soll. Richtig gelesen, 2020 und “bis zu 35 Prozent”. Unfassbar revolutionäre Ziele, die im übrigen aber natürlich nicht für Vorstände und Aufsichtsräte gelten sollen. Was genau eine Führungsposition ist, definieren die Firmen selbst.

Und was sagten die anwesenden Ministerinnen dazu? (mehr …)


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Europaparlament fordert die Quote

27. Juli 2011 von Franziska

Salut aus Brüssel,
dieses Mal übernehme ich für die Kolumne in Ansätzen unsere Pressemitteilung, die wir vor zwei Wochen angesichts der Forderung nach mehr Frauen in den Vorständen und einer verbindlichen Frauenquoten formuliert haben.

Hintergrund war, dass das Europaparlament den Bericht “Frauen und Unternehmensleitung” angenommen hat und darin die Wirtschaft auffordert, den Anteil von Frauen in Vorstandsgremien zu erhöhen oder verbindliche Quoten zu akzeptieren. Dazu lautete meine Erklärung:

Wir nehmen es nicht länger hin, dass gerade einmal 12 Prozent der Vorstände und 3 Prozent der Führungskräfte weiblich sind. Die Wirtschaft muss sich endlich von ihren Altherren-Clubs verabschieden. Sollten bis 2012 nicht spürbar mehr Frauen in Führungsgremien sitzen, brauchen wir verbindliche Quoten. Die Wirtschaft verliert sonst weiter Potential und der Staat viel Geld, das er in die Ausbildung von Frauen investiert, die es dann nicht in Spitzenpositionen schaffen. Einige Länder haben das längst erkannt, allen voran Norwegen und Frankreich, seit kurzem gehört auch Belgien dazu. Die Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft zeigt seit zehn Jahren kaum Ergebnisse. Ohne gesetzliche Quote wird sich in deutschen Unternehmen nichts bewegen. Es wird Zeit, dass Brüssel handelt.

Es ist also einiges in Bewegung und ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie es weitergeht. Bis dahin einen sommerliche Gruß!

Eure Franziska


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Quote für Migrant_innen in der SPD? – Die Woche im Überblick

4. Mai 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 105 von 257 der Serie Kurz notiert

Im Guardian gibt es ein Porträt von Michelle Bachelet, der ehemaligen chilenischen Präsidentin und ersten Vorsitzenden der neugeschaffenen UN Women.

Die Autorin und Journalistin Karen-Susan Fessel wird heute im Rahmen der Osnabrücker Gay in May-Kulturtage mit dem Rosa-Courage-Preis ausgezeichnet.

Antje Schrupp hat ihre Präsentation über Frauen- und Männerbilder in der Werbung frei zugänglich gemacht.

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat einen Reader über “Digitale Intimität, die Privatsphäre und das Netz” herausgegeben, der zum Download bereit steht. Ein Beitrag in dem Heft beschäftigt sich mit Sexismus, Rassismus und Homophobie im Netz und schlägt verschiedene Möglichkeiten des Umgangs damit vor.

Sibylle Hoyer ist auf der Suche nach Interessierten, die an einer Studie zur Frauenquote in der Privatwirtschaft teilnehmen möchten.

Bleiben wir gleich beim Thema Quote: In der Zeit beschweren sich die Autorin und der Autor eines Artikels über den Fakt, dass eine Frauenquote die beruflichen Aufstiegschancen von Männern behindere. Natürlich kommt der Text ohne Kontextualisierung aus, das heißt, es werden Fakten ignoriert wie: Zweck und Notwendigkeit von positiven Maßnahmen, geschlechtsspezifische Diskriminierung im Berufsleben, unterschiedliche Chancen- und Ressourcenausstattung von Männern und Frauen.

Eine ganz andere Quotenforderung kommt aus der SPD. Nachdem Thilo Sarrazin nun doch in der Partei verweilen darf, möchte sich diese eine Quotierung für Migrant_innen geben, berichtet Migazin. Sarrazin selbst findet die Idee eher bescheiden, wie die Frankfurter Rundschau schreibt.

Das antirassistische Mediawatch-Blog Der Braune Mob weist auf eine Broschüre des “Fördervereins PRO ASYL e.V.” hin. Es sollen u.a. Stimmen gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung von Flüchtlingen gesammelt werden.

Gender Across Borders hat einen Aufruf zu Männlichkeiten gestartet: Es werden Autor_innen gesucht, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema auseinandersetzen und darüber schreiben möchten. Bewerbungsschluss ist der 18. Mai.

Die Bloggerin Ninia Binias wurde in Trackback, einer Sendung des Radiosenders Fritz, vorgestellt.

Nele Bachmann sucht für ihre Bachelorarbeit an der Freien Universität Berlin Doppelkarrierepaare mit Kindern für eine Interviewerhebung (PDF).

Die Al Arabiya News porträtieren Zainab al-Khawaja, eine bahrainische Aktivistin. Nachdem ihr Vater, Ehemann, Onkel und Schwager verhaftet wurden, begann sie einen Hungerstreik. Seit Mitte Februar gibt es auch in Bahrain Proteste für mehr Demokratie und Menschenrechte.


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Die Quote in der EU

27. April 2011 von Franziska

Salut,

die Diskussionen um eine verbindliche Frauenquote in den Chefetagen der Unternehmen reißen nicht ab. Im Frühjahr/Sommer 2010 bricht die Telekom ein Tabu und führt eine Frauenquote in Führungspositionen ein. Man hätte das noch als Werbestrategie um weibliche Kunden abtun können.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Doch mittlerweile haben Eon, Bosch, Daimler und BMW nachgezogen. Dann spricht sich im Juni 2010 die Justizministerkonferenz für eine Frauenquote in Führungs­positionen aus. Und was macht die Bundesregierung? Sie will bis 2012 prüfen, wie weit die Gleichstellung von Männern und Frauen in Führungspositionen vorangekommen ist. Bis dahin setzt sie auf die Selbstregulierung des Marktes und freiwillige Verpflichtungen. Inzwischen haben Norwegen, Spanien, Frankreich und die Niederlande erfolgreiche Quoten – wie lange will Deutschland noch dieser Entwicklung hinterherhinken?

Während sich unsere Ministerinnen Schröder und von der Leyen nicht einigen können und Angela Merkel sich klar gegen eine Quote ausgesprochen hat, scheint es auf europäischer Ebene langsam aber sich voran zu gehen. Am 1. März hat sich Justizkommissarin Viviane Reding mit den Vorständen der größten börsennotierten Unternehmen in der EU (u.a. BASF, Guerlain, Dexia, Strabag…) getroffen und diese aufgefordert, bis zum 8. März 2012 ein „Frauen-in-die-Vorstände-Versprechen” zu unterzeichnen, durch das sich die Unternehmen selbt verpflichten, auf freiwilliger Basis den Anteil von Frauen in ihren Vorständen zu erhöhen.

Dies soll vor allem dadurch erreicht werden, dass ausscheidende Vor­stands­mitglieder durch qualifizierte Frauen ersetzt werden. Sollten bis zum Stichtag im März nächsten Jahres nicht genügend Unternehmen dieses Versprechen abgegeben haben, wird Reding nach eigener Aussage eine ver­bindliche Quote durch EU-Vorschrift einführen. Diese soll 30 Prozent bis 2015 und 40 Prozent bis 2020 betragen.

Und auch Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier hat jetzt einen Vorschlag vor­gelegt. Am 5. April veröffentlichte die Europäische Kommission ihr Grünbuch zu „Corporate Governance“, in dem Barnier die Unternehmen auffordert, Führungs­positionen großer europäischer Unternehmen mit Personen aus verschiedenen Nationen, geeigneten beruflichen Fähigkeiten sowie gleichmäßig gemischt mit Männern und Frauen zu besetzen.
Weiblichere Chefetagen erhöhten die „kollektive Intelligenz”, so Barnier. Zudem sei es an der Zeit, den einseitig männlichen Führungsstil mit weiblichen Eigenschaften zu modifizieren. Auch das sei eine Lehre, die Europa aus der Finanz- und Bankenkrise ziehe.

Bis zum 22. Juli dieses Jahres hat nun jede_r Gelegenheit, Vorschläge zum Grünbuch einzureichen.


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Die Quote nützt allen

1. März 2011 von Silviu

In der jüngsten Folge der deutschen Debatte um die Frauenquote wurde meiner Meinung nach ein interessantes Argument zwar skizziert, aber nicht vollständig und prägnant genug entwickelt: Die Quote, endlich eingeführt nicht nur für die Aufsichtsräte und Vorstände der Großunternehmen, sondern auch für andere männerdominierte Institutionen, würde ein wichtiges indirektes Demo­krati­sierungs­poten­tial mit sich bringen, von dem die ganze Gesellschaft profitieren könnte.

Mit mehr Frauen in Führungspositionen könnte es tatsächlich mehr Demokratie in den wirtschaftlichen und in anderen immer noch stark hierarchisch organisierten Strukturen geben. Nicht weil Frauen a priori oder von ihrer Natur her konsens­orientierter, einfühlsamer und weniger autoritär seien, als Männer. Wer so argumentiert, egal wie wohlgemeint, öffnet den alten Stereotypen eine Hintertür. Vielmehr würde die Quote diese Strukturen einfach deshalb lockern, weil sie mehr Vielfalt bedeutet und zu einer Koexistenz unterschiedlicher Lebensprojekte zwingt.

Diese Lebensprojekte lassen sich nicht auf unterschiedliche Kombinationen der zwei klassischen Ziele, Familie und Karriere, reduzieren. Das alte Dilemma ist genauso revisionsbedürftig geworden wie seine beiden Komponenten. Die Ein­führung der Quote könnte zum Beispiel eine Chance sein, die gängige Vorstellung von Karriere als schnurgeradem Aufstieg in einer strikten Hierarchie neu zu überdenken. Der Grund liegt aber wieder nicht darin, dass Frauen „als Mütter“ unfähig seien, so Karriere zu machen, sondern eher in der einfachen Tatsache, dass diese Vorstellung der heutigen Realität in der Arbeitswelt nicht mehr entspricht. Ständige Weiterbildung, Outsourcing und unterschiedliche Arbeitsorte, flexible Arbeitszeiten und Hierarchien gehören zum Alltag einer globalisierten Wirtschaft. Allein schon diese Forderungen nach immer mehr Flexibilität lassen sich mit dem Begriff einer lückenlosen Karriere kaum vereinbaren.

Die Quote wäre also nicht nur das Richtige vom Standpunkt der Gleich­berechtigung und Gerechtigkeit. Sie könnte auch zu mehr Demokratie am Arbeitsplatz beitragen, indem sie die Machtverhältnisse neu definiert, verkrustete Hierarchien ablöst und vielleicht mehr Gestaltungsraum für selbstständige Entscheidungen der MitarbeiterInnen schafft. Von einem Abbau der veralteten Strukturen in den eher konservativen Wirtschaftsmilieus könnten nicht zuletzt auch viele Männer profitieren, die täglich mit den Launen manch eines vorgestrigen Vorgesetzten klarkommen müssen. Für andere würde eine Umgestaltung in den Führungsetagen vielleicht sogar mehr Freiheit bedeuten, mehr Emanzipation von falschen Sachzwängen, mehr Zeit für das Private.

Natürlich bietet die Quote allein noch keine absolute Garantie für eine Demo­kratisierung der Arbeitsverhältnisse. Sie wäre aber eben ein wichtiger Schritt, den die deutsche Regierung noch einmal verpasst hat. Stattdessen wurde den Bür­ger­Innen wieder das alte Märchen erzählt. Das Märchen von einem ruhigen, mono­kulturellen und sparsamen Industrieland, in dem Männer exportorientiert Karriere machen, weil nur Frauen Familie haben.


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Bravo, Girl?! Star-Schnitten, Frauenfeindlichkeit für Mädchen und ein Schuss Quote

18. Februar 2011 von Meredith
Dieser Text ist Teil 99 von 263 der Serie Die Blogschau

Was in der letzten Woche so gebloggt wurde:

Nina La Grande schreibt eine grandiose und verstörende Kritik des gedruckten Stück Übels, das sich “Bravo Girl” nennt. Kostprobe:

Mir wird erklärt, wann man zu dick oder zu dünn ist. Wann Jungs mich für einen Nerd halten oder denken, dass ich unsexy bin. Ich habe nichts dagegen, pubertierenden Mädels ein paar Lebenstipps mit auf den Weg zu geben. Aber dieser Artikel zeigt den Leserinnen, dass sie eben sexy zu sein haben. Auch wenn die Bravo Girl schreibt, dass Mädchen nicht megaschlank sein müssen. Sie könnten auch mit einer tollen Art, einem “Mega-Klamottenstil” (aber nicht zu knallig oder düster…) oder einer sexy Stimme anziehend wirken. Trotzdem müssen die Mädels irgendwie sexy sein!

Das Missy Blog hat einen Nachbericht zu einem Hacking-Workshop für Frauen auf der Transmediale in Berlin, was beim Lesen selbst in meinen eher technikunfähigen Ladyfingern den starken Wunsch erzeugt, an Elektronik herum zu basteln.

Die Missy Berlinale-Bloggerin Gaby schreibt unter anderem über den neuen Film von der stets toll angezogenen und immer intelligenten Mirandy July, “The Future”.

Nochmal Missy, die Neue: Mrs. Pepstein spricht mit Chris Köver über die neue Ausgabe.

In der Schweiz sollen Prostituierte ihre Bezahlung bald einklagen können, schreibt Sina. Das ist gut, weniger gut finde ich ihren Nebensatz über die Schweizer Bundesrichterinnen, die solche Regelungen bisher abgelehnt hätten, weil sie angeblich “insgeheim von Missgunst getrieben werden..”

Seit ÜBER EINEM JAHR ist die syrische Bloggerin Tal al-Mallouhi schon inhaftiert. Fest genommen wurde sie wegen “Spionage”, schreibt Opalkatze, auch ihr Computer wurde beschlagnahmt. Nun soll sie weiter fünf Jahre in Haft bleiben. Ihr Blog beschäftigte sich mit Menschenrechtsfragen, insbesondere der Situation der Palästinenser.

Diese intelligente Gedanken zum Thema “Warum wir nicht aufhören dürfen, über die Quote zu reden”, sind ein Balsam auf der Seele all derjenigen, die mittlerweile echt keinen Bock mehr auf die Diskussion haben. Aufgeschrieben hat sie Andrea Günter.

Cora Stephan ist gegen die Quote und schlägt etwas vor, das ihrer Meinung nach besser funktionieren sollte: Frauen sollen in jungen Jahren ruhig weniger arbeiten und Kinder bekommen. Sie haben nämlich andere Prioritäten. Die Lösung für Cora Stephan lautet: Männer sollen ruhig die Chefposten übernehmen, aber mit 50 in Rente gehen. dafür machen frauen eben erst ab Vierzig Karriere. Da schwingt jemand aber fröhlich die Flagge für die Geschlechterdifferenz..

Ui, groovy! Das Blog Spielfeldschnitte hat eine Playlist für die Frauen WM zusammen gestellt.

Eingetragene Partnerschaften FTW! Sowohl die anglikanische Kirche, als auch Facebook führen diesen Beziehungsstatus bei sich ein, kann man auf queernews nachlesen.

Antje Schrupp bloggt über den Krawattenstreit im Bundestag.

leonie kommentiert auf dem Mädchenblog die Bemühungen des US-amerikanischen Repräsentantenhauses, die Gesundheit von Frauen in Gefahr zu bringen und wünscht “weiterhin fröhliches Menstruieren”, auch beim Sex. Wie das besser geht, könnt ihr hier nachlesen.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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