Diese Frage stellt heute der österreichische Standard und lässt sie in einem Pro- und einem Contra-Text beantworten. Der Pro-Text gefällt mir gut, denn da steht:
Einmal abgesehen von der Sex-Gender-Debatte, die die strenge Unterteilung von Männern und Frauen in sozialer, biologischer und sexueller Hinsicht verwischt hat, sind es zunehmend auch dezitierte „Männlichkeitsentwürfe“, die ehemals weibliche Eigenschaften und Rollenmuster, wie zum Bespiel die Bereitschaft zur Übernahme von Betreuungspflichten, integrieren.
Genauso wenig wie Frauen einem Anforderungskatalog entsprechen müssen, um sich selbst Feministinnen nennen zu können, sollte es einen für Männer geben. Ausgrenzung, Stigmatisierung und Diskriminierung sind Erfahrungen, die auch Männer machen können und vieles deutet darauf hin, dass diese sich zunehmend an der Achse arm-reich auftun. Warum sollte sich der Feminismus, der Gleichberechtigung für die Geschlechter aber auch eine bessere Welt für alle fordert, einer potentiellen Mitglieder-Vermehrung verwehren?
Der Contra-Text dagegen macht mich dagegen recht wütend, weil ich das Gefühl habe, dass die Haltung, die da rübergebracht wird, eines der zentralen Probleme des Feminismus war und leider an vielen Ecken immer noch ist.
Kennen Sie einen Mann, der freien Willens seiner „Verweichlichung“ zustimmt? In diesem Sinne wurde nämlich bis in die 1970er-Jahre der Begriff „Feminismus“ in deutschen Wörterbüchern übersetzt: als „Verweichlichung oder Verweiblichung des Mannes“! Ein Zustand, den die Männer – als Gegenteil ihres Mannseins – gemeinhin auf das Härteste zu vermeiden trachten. Und so ein möglicher Feminist wäre dann ja sofort auf die andere Seite katapultiert. Ins feindliche Lager geschleudert. Entmannt. Eine Be-Drohung seines Geschlechts ersten Ranges also.
Und darum, wenn auch nicht nur deshalb, erscheint mir nichts suspekter als die Spezies der selbst ernannten Feministen. Jene Sorte Männer, die mit treuem, ja nahezu flehentlichem Blick bekennt, wie gut sie es mit uns Frauen meinen. (…) Denn auch wenn diese Männer theoretisches Wissen über Feminismus, Frauenbewegung & Co angehäuft haben, eines werden sie nie erfahren (müssen): wie es ist, Frausein an Leib und Seele zu merken, zu denken und zu fühlen.
Die Autorin hält da krampfhaft an Klischees fest, die nicht nur überholt sind, sondern uns allen das Leben ein bisschen beschränkter machen: Wieso soll ein Mann „weich“ sein, wenn er sich für die Probleme von Frauen interessiert? Wieso soll überhaupt noch eine Definition gelten, die vor der zweiten Frauenbewegung geschrieben wurde? Wieso soll die weibliche Denke so einzigartig, so leib- und seelenzentriert sein? Sind wir hier im Yoga-Kurs? Oder bin ich da zu empfindlich oder übersehe irgendetwas und die Contra-Autorin hat doch Recht?
Also: Können Männer denn nun Feministen sein oder nicht?
Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.

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