„Könnt ihr uns lesen?“ klingt erstmal Banane, ist es aber nicht. Denn wie wir vor kurzem erfahren mussten, ist auch die Mädchenmannschaft auf schwarzen Listen, bzw. durch die Verwendung so anstößiger Wörter wie „Brüste“ auf den Sperrlisten von Filtersoftwares gelandet.
Damit stehen wir nicht alleine dar. Bereits vor einem Jahr berichtete netzpolitik.org, von einer an Schulen beliebten Filtersoftware blockiert zu werden. Dass die Seite bereits mehrfach für ihre politische Bildungsarbeit ausgezeichnet wurde – geschenkt. Heute morgen twitterte Anne Roth, dass ihr Blog in den USA gesperrt ist.
Hintergrund in Deutschland ist derzeit der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Ähnlich wie im Fernsehen, sollen Kinder und Jugendliche auch im Internet vor gefährdenden Inhalten geschützt werden. Klingt wie eine gute Sache, ist aber in der Praxis großer Müll. Vorgesehen waren von der Kommision für Jugendmedienschutz zertifizierte Filterprogramme, die es bis heute wohl nicht gibt (die entsprechenden Gesetze sind erst sieben Jahre alt).
Eine Neugestaltung des Staatsvertrages scheiterte im vergangenen Jahr, nachdem sich erneut handwerkliche Mängel abzeichneten. So ist weiterhin unklar, wie Bibliotheken und Schulen Kinder eigentlich schützen sollen. Um auf der sicheren Seite zu sein, verlassen sich daher viele auf Filtersoftware. Und offenbaren das größte Problem: Filtern ist Glücksspiel.
So erklärte die Neuköllner Bibliothek auf Nachfrage:
An allen Internetplätzen in der Bibliothek befinden sich die Hinweise, dass es verboten ist Seiten mit gewaltverherrlichenden, pornographischen, sexistischen, volksverhetzenden und/oder rassistischen Inhalten aufzurufen.
Da eine persönliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen nicht möglich sei, verliesse man sich zur Umsetzung auf Filtersoftware. Leider blockiert diese Software aber neben der Mädchenmannschaft auch weitere feministische, anti-sexistische und anti-rassistische Blogs. Öffentlich zugänglich waren dagegen weiterhin maskulistische Seiten – Sexismus und persönliche Angriffe auf Feminist_innen inklusive. Die Bitte, die feministischen Seiten wieder freizuschalten wurde übrigens abgelehnt, das sei nicht möglich. Ob das nun an Einschränkungen in der Software oder fehlendem Wissen auf Seiten der Bücherei liegt – ein Armutszeugnis.
Wie sieht es bei Euch aus? Könnt ihr die Mädchenmannschaft in der Bücherei oder in der Schule lesen? Wenn nicht, habt ihr um Freischaltung gebeten und wie sah die Reaktion aus?


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