In meinem Alter (frühe Zwanziger) muss frau sich langsam darauf einstellen, dass sie immer öfter zu Hochzeiten eingeladen wird, denn das Heiraten ist zumindest in meinem Bekanntenkreis gerade stark im Kommen. Bei den meisten Paaren in meinem Umkreis ging der Name des Ehegatten fast wie selbstverständlich auf die Braut über, was die einen als Tradition verstehen, die anderen einfach achselzuckend hinnehmen oder erklären, dass sie dies doch gerne machen – ein Name sei doch nichts Identitätsstiftendes und man brauche demnach auch nicht künstlich an ihm hängen. Finde ich übrigens auch. Wenn dies in den meisten Fällen nicht einseitig verlaufen würde.
Laut eines Artikels der NY Daily News, der sich auf eine Studie der American Sociological Association stützt, denken 70% der US-AmerikanerInnen, dass die Braut den Namen des Bräutigams annehmen soll und – jetzt kommt der interessante Teil – 50% glauben, dass dies auch gesetzlich vorgeschrieben sein sollte. Warum so viele der freiheitsliebenden AmerikanerInnen solch ein Gesetz favorisieren würden, war mir zunächst schleierhaft. In dem Artikel wurden folgende Erklärungen diskutiert:
When the respondents were asked why they felt women should change their name after the wedding, Hamilton says, “They told us that women should lose their own identity when they marry and become a part of the man and his family. This was a reason given by many.”
Other respondents said they felt the marital name change was essential for religious reasons or as a practical matter. “They said the mailman would get confused and that society wouldn’t function as well if women did not change their name,” Hamilton says.
Am erschreckendsten ist sicherlich der Part, in dem die Frau „ihre Identität aufgibt wenn sie heiratet und somit Teil des Mannes und seiner Familie wird“. Wohl eher zum Schmunzeln finde ich, dass sich so viele Menschen Sorgen um ihren Postboten / ihre Postbotin machen – fast rührend.
Interessant ist nicht nur, dass viele der Befragten anscheinend kein Problem damit haben, dass Frauen ihren Namen – und somit ihre Identität – bei der Hochzeit quasi dem Manne (und seiner Familie) übergeben, sondern vielmehr, dass „Identität“ mit einem Namen gleichgesetzt wird. Dass ein Nachname so identitätsstiftend sei, war mir nicht bewusst. Dass so viele Menschen ihren Namen mit Identität assoziieren, ist zwar erschreckend, noch schlimmer ist allerdings, dass dann allen Ernstes von Frauen erwartet wird, dass sie ihre Identität dem Ehemann nach der Hochzeit unterordnen. Auch wenn ich bezweifele, dass Identität ernsthaft etwas mit einem Nachnamen zu tun hat, sagt die Studie doch einiges darüber aus, was viele anscheinend noch immer mit Hochzeit assoziieren: der Mann als Oberhaupt und Ernährer der Familie und die Frau „als Unterstützung an seiner Seite“.

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