In meinem Blogbeitrag „Feuerspuckende Drachen“ habe ich von meiner ersten Morddrohung berichtet und was diese mit mir gemacht hat. Genau 6 Wochen nach der Ersten kam eine Zweite Morddrohung, diesmal mit Massenvergewaltigungsphantasien, die mit meinem Tod enden.
Inzwischen weiß ich, dass ich nicht die Einzige bin, die vom selben Täter gewalttätige E-Mails erhält. Seit über zwei Jahren tyrannisiert dieser verschiedene Feministinnen im Internet, häufig aus demselben Internetcafe in Innsbruck.
Den Mainzer Ermittlungsbehörden liegen 2 weitere Fälle desselben Täters vor. Wir hatten Hoffnung, dass die Vernetzung der Fälle zu verstärkter Aufmerksamkeit führen würde. Doch: Am 30.01. habe ich Anzeige erstattet, am 01.04. erhalte ich Nachricht, dass mein Verfahren eingestellt (StPO §170) wurde, da der Täter nicht ermittelt werden konnte.
In der Regel mahlen die Mühlen der deutschen Justiz langsam. Innerhalb von 2 Monaten alle möglichen Ermittlungen zu führen, z.B. ein Amtshilfegesuch nach Österreich zu stellen, erscheint unmöglich und wurde auch nicht getan.
Ist es vermessen von mir zu erwarten, dass ein Serientäter vermehrte Aufmerksamkeit der deutschen Justiz erfährt? Bin ich naiv wenn ich glaube, dass nach 2 Jahren alle Anstrengungen unternommen werden, den Opfern Gerechtigkeit zu ermöglichen? Ist dieser Fall wirklich so nebensächlich für unsere Gesellschaft?
Ich will mir nicht vorstellen, wie es mir geht, wenn dieser Täter mir weiterhin solche E-Mails schickt und dafür nicht mal verfolgt wird.
Natürlich könnte ich ab jetzt jede verdachtserweckende E-Mail löschen, doch bleibt mir dann zumindest immer noch ein Gedanke: Welche Frau öffnet gerade ihre erste „eklige Mail“? Welche Frau durchläuft gerade den Prozess mit den Ermittlungsbehörden, um am Ende zu erfahren, dass es kaum Interesse gibt, den Täter zu finden? Welche Frau erfährt anhand dessen, dass sie anscheinend nichts Wert ist – sowohl für den Täter als auch für die deutsche Justiz.
Und wie viele andere Menschen durften in der Vergangenheit, dürfen jetzt und in der Zukunft ähnliche Erfahrungen machen? Was muss passieren, damit wir eine gesamtgesellschaftliche Priorität auf die psychische Unversehrtheit im virtuellen und physischen Leben legen? Den Straftatbestand der Bedrohung gibt es bereits – doch welche Relevanz wollen wir diesem geben?
Auch der Shitstorm zum „Das andere Geschlecht“-Panel auf der re:publica hat gezeigt, dass es einer Debatte bedarf, inwiefern fehlende Zensur Andere zensiert. In welcher Welt wollen wir leben, virtuell und physisch? Wie gehen wir mit aggressiven Widerlichkeiten um – strafrechtlich und gesellschaftlich? Wollen wir eine Kultur die aus Angst vor einer resoluten Entscheidung gegen Bedrohungen und Beleidigungen, lieber keine Entscheidung trifft und damit implizit die Opfer ausschließt?
Es liegt in unserer Hand, was für unsere Gesellschaft Priorität hat.

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