Heute ist mal wieder so ein Tag. Wir schreiben das Jahr 2012, seit Jahrhunderten kämpfen Frauen für ihre Rechte und ihre Annerkennung als Menschen und trotzdem gibt es mehr Baustellen, als alleine dieses Blog aufzeigen kann. Aber ich darf nicht unzufrieden sein, „es geht doch voran“ heißt es. Wenn ich das nicht anerkenne, wenn ich trotzdem meckere und mich beschwere, dann bin ich wieder die ewig unzufriedene Emanze.
Endlich Kampagnen in Clubs, dass sexualisierte Übergriffe ernst genommen werden? Applaus! Männer, die auf ihre Podien und ihre Radiosendungen auch Frauen einladen? Applaus! Gesetzesvorlagen für 40 Prozent Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen? Applaus!
Verdammt ich will nicht mehr applaudieren! Warum ist das alles noch nicht Selbstverständlichkeit? Warum soll ich mich denn freuen, dass ich Po-Grapscher melden kann und ernst genommen werde? Wie sehr haben wir uns eigentlich verarschen lassen, wenn wir derartig grundlegende Anerkennung noch als Fortschritt bejubeln, wenn wir diejenigen sind, die Anerkennung zollen müssen?
Die perfide Botschaft ist klar: Klatschen und freuen wir uns nicht genug, dann kriegen wir davon nichts mehr. Denn, so heißt es, die Einhaltung unserer Grundrechte hängt davon ab, ob wir nett genug sind. Davon haben wir uns einlullen lassen! Aber ob Wahlrecht oder Abtreibungsparagraph – alles was wir uns erkämpft haben, haben wir erkämpft! Indem wir unbequem waren, auf die Straße gingen und Radau gemacht haben!
Nein, ich werde nicht mehr applaudieren für Selbstverständlichkeiten. Denn ja, ich bin unzufrieden. Beschimpft mich ruhig, das zeigt nur, dass es dringend notwendig ist, wieder zu kämpfen. Meinen Applaus hebe ich mir auf für alle, die mit mir unbequem sind und die Welt ändern – über das Selbstverständliche hinaus!

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