„Ich habe noch gar nicht alles im Internet entdeckt“

von Helga

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Rummotzen

Wie heißt du?
Bäumchen

Seit wann bloggst du?
Seit November 2010.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Es gibt in der kleinen Stadt, in der ich wohne, keine ausreichend feministische Vernetzung, und das, obwohl ich so begierig drauf war, endlich politisch aktiv zu werden. Ich habe mich politisieren lassen durch eine Tierrechtsgruppe hier vor Ort und spürte bald, dass ich umfassender werden musste. Feministin bin ich schon seit jüngeren Jahren, aber eher abgeschottet und für mich, da ich nie eine andere kennengelernt habe (außer natürlich in den Klassikern, aber die sind ja alle schon tot). Das Schreiben war für mich eine Möglichkeit, herauszukommen, den vielen Gedanken in meinem Kopf Geburtshilfe zu leisten und mich selber auch in dem zu finden, was ich schrieb. Fast zur gleichen Zeit entdeckte ich auch den Mädchenblog und schrieb dort meinen ersten Post. Es war alles sehr spannend, auch weil ich noch recht unbedarft war.

Worüber schreibst du?
Grundsätzlich ist mein Blog feministisch und links ausgerichtet und ich beschäftige mich mit vielen Gedanken, tagesaktuellen Themen, Medienbildern. Wichtig ist mir dabei die Verbindung mit anderen Themen, die eine Bedeutung in meinem Leben haben. Darum musste ich in meinen letzten Postings das eine oder andere Mal sehr persönlich werden, etwas, was mir ehrlich gesagt, zuerst sehr schwer fiel. Tierbefreiung, Religiösität, mein Leben als „Frau mit Migrationshintergrund“ (sehr hintergründig), Lesbisch-sein – all das sind Aspekte von mir, die zur Sprache kommen wollen und die ich nicht ausschließen kann aus meiner Betrachtung der Welt.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Regelmäßigen Internetzugang hatte ich erst ab besagtem November 2010, an dem mir mein Bruder (endlich) seinen alten Laptop schenkte. Ab da an wurde ich quasi Teil dieses sehr dichtgeknüpften Netzes und die täglichen Links über politische Themen, mit der eine Freundin mich bombardierte, taten ihren Rest dazu: Ich bekam langsam ein Gefühl, einen Sinn für Politik, für das Weltgeschehen. Ich konnte herausfinden, was in anderen Ländern vor sich geht, selber suchen und stöbern, in wissenschaftlichen Texten kramen… All das konnte der Gebrauch einer oder zweier Tageszeitungen nicht leisten, weil ich dort nur immer das vorgesetzt bekam, was die Redaktion bestimmte.

Eine Anekdote will ich erzählen, aber die war mir nicht „lieb“: Als mein Blog gerade mal einen Tag alt war, wurde er plötzlich von einer Gruppe Maskulinisten gestürmt, die sich über einen meiner Posts hermachten und ihn zerfetzen wollten. Ich kannte das Wort „Trolle“ damals nichtmal und auch nicht, dass Menschen soetwas im Netz tatsächlich zum Spaß machen. Doch seit dieser Erfahrung gehe ich recht unzimperlich mit ihnen um und habe auch kein Problem mehr, ihre Kommentare rigoros zu löschen. In meiner Meta steht deshalb auch nicht umsonst: Trolle werden fröhlich geschlachtet.

Wovon braucht das Internet mehr:
Puh, ich habe doch noch gar nicht alles entdeckt! Aber ich würde sagen: Mehr Vernetzung in der Realwelt, das würde ich mir gerade unter den feministischen Bloggerinnen sehr wünschen.

Frauen* im Web sind
…grenzenlos und schaffen sich ihre eigenen Strukturen, was ich unglaublich toll finde.

Deine tägliche Web-Lektüre:
News-Seiten: Telepolis, DieStandard.at, Mädchenblog, Mädchenmannschaft, die Online-taz, de.indymedia, linksunten.indymedia.
Deutsche Blogs: Theorie als Praxis, Antje Schrupp, rhizom, Puzzlestücke, Karnele, die Schlampengöttin, Fefes Blog, Gedankensalat, Anke Groener, Annalist, anders deutsch, grenzgängerbeatz, Pseudoerbse, kiturak.
Englischsprachige Blogs: Rachel Rabbit White, I Blame the Patriarchy, Feministe, Kristin Noelle, Medicinal Marcipan, Vegina, The Angry Black Woman, Womanist Musings.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.




Tags: , , ,

Eintrag geschrieben: Donnerstag, 15. Dezember 2011 um 9:21 Uhr unter Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



Ein Kommentar

  1. […] „Theorie als Praxis“-Stammleserin wird heute bei der Mädchenmannschaft […]