In letzter Zeit schwirrt im Netz ein Bild umher, welches mit den immer gleichen Kommentaren gelobt wird: „Keine Frau sollte sich runterhungern!“ und „Esst mal wieder mehr! Das sieht besser aus als diese abgemagerten Models“ oder „Richtige Männer stehen auf Frauen mit Rundungen!“
Das Bild zeigt insgesamt 8 Frauen*: Die oberen vier sind prominente und nach gängiger Definition schlanke Schauspielerinnen oder Models, die Dritte von rechts zum Beispiel Keira Knightley. Die unteren vier Persönlichkeiten sind Prominente aus vergangenen Zeiten, darunter die Schauspielerin und oft als ‚Sexsymbol‘ bezeichnete Marilyn Monroe. Verziert wird die Collage mit dem Spruch „Wann wurde dies… attraktiver als das?“

Die Kommentare zu diesem Foto veranschaulichen exakt, was mir an diesem Bild gewaltig stinkt: Hier werden bestimmte Körperformen als ‚ideale weibliche Figur‘ propagiert, die in jedem Fall ’schöner‘, ‚begehrenswerter‘ und ‚gesünder‘ seien als die oberen vier Körper, getreu dem Motto: „Gegen Schlankheitswahn, für gesunde, schöne Körper!“
Dafür bin ich auch, aber genau das drückt dieses Bild leider nicht aus. Es stellt sich vielmehr in die gleiche Tradition, in der es anscheinend normal ist, dass als weiblich gelesene Körper ständig Bewertungen ausgesetzt sind. So lernen Frauen*, wie sie auszusehen haben, was als ’schön‘ und ‚erstrebenswert‘ gilt, aber auch, wie sie bloß nicht sein dürfen. Mit dem Verweis auf den Grad ihrer Attraktivität wird schnell klar, um was es hier vordergründig geht: Etliche der Kommentator_innen unter dem Bild beteuerten, dass Männer* ja „ganz sicher viel lieber kurvige Frauen mögen“. Yeah right, wenn Typen dünne Frauen nicht sexy finden, gibt es doch gar keinen Grund mehr zum Hungern!!! Wir lernen: Nicht Frauen und ihre Körper, ihr Selbstbewusstsein, ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden in einer durchweg sexistischen und normierenden Gesellschaft sind im Fokus, sondern ihre (von allen anderen bewertete) Attraktivität.
Ich behaupte nicht, dass die vier oberen Frauen* nicht möglicherweise hungern oder ungesund leben, vielleicht weil sie denken, dass ihnen das beruflich weiterhilft oder weil ihnen ständig suggeriert wird, dass sie ja nicht ‚dick‘ sein dürfen. Aber woher nehmen wir die Gewissheit, dass die unteren vier Frauen nicht auch auf ihr Gewicht achten mussten, weil sie dachten, dass dies ihrer Karriere gut tut? Wieso glauben wir beurteilen zu können, dass die unteren Körper gesünder seien? Wer maßt sich an Körper in ’schön‘ und ‚hässlich‘, ‚begehrenswert‘ und ‚unattraktiv‘ einzuteilen? Bewegen wir uns damit wirklich von normierenden Schönheitsidealen weg oder zementieren wir nicht vielmehr, dass es Frauen* eigentlich nie richtig machen können?
Eins ist klar: Die Mehrheit der Frauen* sieht weder so aus wie Keira Knightley noch wie Marilyin Monroe. Die Mehrheit der Frauen* ist in Modezeitschriften, auf den Laufstegen, in Filmen oder Werbungen überhaupt nicht repräsentiert. Dies zu kritisieren bedingt meiner Meinung nach nicht das Etablieren neuer (für die meisten gar nicht erreichbare) Schönheitsideale, sondern das kritische Hinterfragen jener Strukturen, die dafür verantwortlich sind, dass Menschen hungern, Diäten einhalten, sich für zu dick/dünn/groß/klein halten oder sich ungeliebt fühlen. Die ständige Einteilung von Menschen in ‚hässlich‘ und ’schön‘, ’schlank‘ und ‚dick‘ (wie es auch das Bild tätigt), ist sicherlich keine Hilfe, um Schönheitsterror zu bekämpfen.
Also bitte: Ab in die Tonne mit solchen Bildern, die uns wieder mal vermitteln, wie Frauen* sein sollen (und wie nicht) und für mehr Bilder, die Menschen in all ihren verschiedenen Formen zeigen, ohne dass diese in eine Hierarchie eingeordnet werden. Schön sind wir nämlich alle!

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.