Naekubi bloggt bei Danger! Bananas über das Leben von Asiat_innen in Deutschland, Kultur und Alltag, Rassismus und Feminismus, Selbstbewusstsein und Selbstverständnis. Wir freuen uns sehr, dass sie nun auch eine Kolumne bei der Mädchenmannschaft schreibt.
Das Thema „gute Unterhaltung“ lässt mich nicht los. Jetzt, wo es wieder kalt und dunkel ist, bewege ich mich noch weniger aus dem Haus. Stattdessen sitze ich abends zu Hause, eingemummelt in Decken, und stopfe mich voll. Nicht nur mit Keksen, Lebkuchen oder Plätzchen, sondern mit Medien. Bücher, Serien, Filme. Blöd nur: Es schmeckt mir nicht mehr so wie früher. Filme und Serien, die ich früher bedenkenlos zu mir nahm, finde ich heute eklig und bisweilen ungenießbar. Sind die Medien schlechter geworden? Das denke ich nicht. Aber meine Perspektive hat sich verändert – ich bin älter geworden, was mit gewissen Begleiterscheinungen einher geht: Zum Beispiel, dass ich nicht mehr alles unkommentiert konsumiere, was mir vorgesetzt wird.
Früher, ja früher, da war das anders. Als ich jünger war, störte es mich nicht, wenn alte Klischees aufgewärmt und billige Tropoi verwendet wurden. Etwa wenn bei den Schlümpfen oder anderen Zeichentrickserien im Stammensemble genau eine Frau oder ein Mädchen war. AsiatInnen kamen nur als böse Ninjas vor oder als BesitzerInnen von China-Restaurants. Damals machte mir nichts aus, es war schließlich immer schon so gewesen, das war der Normalzustand. Gleichzeitig fiel es mir nicht einmal auf, wenn ausnahmsweise doch ein Mädchen Protagonistin war, wie bei „Clarissa“. Hauptsache, die Serie war unterhaltsam und bunt. Als Kind und Jugendliche ist man noch leicht zu beeindrucken. Konsumieren bedeutet schließlich, alles zu schlucken – was ich sehr zuverlässig und bereitwillig tat.
Mit dem Alter verfeinert sich der Gaumen und man lässt sich von künstlich aufgebauschten Produkten voller Farbstoffe und billiger Zutaten nicht mehr beeindrucken. Und es wird einfach umso deutlicher, wie langweilig, formelhaft und mies die Rezeptur vieler Medien ist. Nehmen wir zum Beispiel Firefly – eine zum Bedauern vieler Geeks kurzlebige Science-Fiction-Serie von Joss Whedon, die in einem amerikanisch-chinesischen Universum in der Zukunft spielt. Damals fand ich die Serie gut und unterhaltsam. Heute, beim nochmaligen Besehen frage ich mich, wie um alles in der Welt es mir nicht auffallen konnte, dass es für ein amerikanisch-chinesisches Zeitalter kaum chinesisch oder asiatisch aussehende ProtagonistInnen und StatistInnen gab. Chinesisch ist reduziert auf Flüche, die die ziemlich weiße Crew hin und wieder äußert. Oder Sherlock: So sehr ich die BBC-Serie schätze, so bescheuert fand ich den Teil „The Blind Banker“, wo wieder mal die olle asiatische Drachenlady als Bösewichtin und eine zarte Lotusblume als Köder herhalten mussten. Gähn.
Die Kekse von früher schmecken nicht mehr so wie damals, weil sie nicht so gut waren wie ich immer gedacht hatte. Und nicht nur mir geht es so: Erst letztens unterhielt ich mich mit meinem Schwesterherz über genau dieses Thema. Wir stellten fest, dass uns unsere Freizeitbeschäftigung durch Sexismus vermiest wurde. Was ich bei Serien und Filmen erlebte, sah sie bei Manga und Anime. Seit Jahrzehnten wird sie mit denselben stereotypen Frauenfiguren genervt, zuletzt von einem Anime über Fahrradfans namens Yowamushi Pedal: „Ich hab mich auch gefragt, wieso es in diesem Road Racing Club keine Mädchen gibt… und wieso das einzige Mädchen, das totale Fahrradenthusiastin ist, NICHT SELBST FÄHRT!!!“ Auch in Manga und Anime sind Frauen gerade in gemischten Ensembles häufig nur Dekoration, das „Token-Mädchen“ oder Love Interest. Selbst ein großer Cast von weiblichen Figuren bringt nicht viel, wenn es sich um einen Harem-Anime handelt – wenn also alle Frauen hinter dem einzigen Kerl her sind. Großartig. Die guten Angebote muss man daher mit der Lupe suchen, und selbst dann ist nicht alles perfekt. Ich greife nach jedem Strohhalm, wenn es um Unterhaltung geht.
Da wäre zum Beispiel die Serie Selfie mit John Cho und Karen Gillan, die ich trotz des fürchterlichen Titels unterhaltsam finde. Gillan spielt Eliza Dooley, eine (scheinbar) oberflächliche, Social-Media-abhängige junge Frau, die von Marketing-Guru Henry Higgs (Cho) bessere Manieren lernen und ein neues, besseres Image erhalten soll. Das klingt erst einmal nach „älterer Mann bringt dummer junger Frau etwas bei“, doch das legt sich sehr bald. Die beiden werden als vielschichtige Personen in einer Freundschaft gezeigt. Ich mag John Cho als „romantic interest“ in dieser romantischen Komödie, denn wo gab es das das letzte Mal? Eben. Bezeichnenderweise wurde die Serie nach einer Staffel abgesetzt und die Chancen stehen schlecht, dass sie von einer Online-Plattform gerettet werden könnte. Boo-fucking-hoo. Zumindest die verbleibenden Folgen werden online veröffentlicht.
Eine andere Serie, die ich persönlich gut gemacht und unterhaltsam finde, ist Black-ish – sie versucht, die Schwarze Familien-Sitcom wiederzubeleben. Doch anders als die früheren Formate widmet sich die Serie dezidiert Fragen und Lebenswirklichkeiten von Afro-AmerikanerInnen, ohne dass man sich als Nichtangehörige/r ausgeschlossen fühlt oder keinen Zugang erhält. Die MacherInnen im Hintergrund treffen den Ton meistens sehr gut, die Witze haben ein gutes Tempo und Niveau erreicht, was auch an der hervorragenden Auswahl der KinderdarstellerInnen liegt. Diese Serie scheint auch von der Quote her ein großer Erfolg zu sein und ich hoffe auf weitere Folgen, schließlich ist der Winter noch lang.
Das sind derzeit genau zwei für mich genießbare Serien von einem Buffet an Medienangeboten aus dem Jahr 2014, das anscheinend nur aus altem Weißbrot von vorvorgestern besteht. Was mich dabei auf die Palme bringt, ist die offensichtliche Faulheit und Ideenlosigkeit der sogenannten Kreativen. Ich habe es satt, wenn Kreative schlicht und ergreifend zu den immer selben Rezepten greifen. Niemand muss das Rad neu erfinden, aber ein wenig Mühe geben erwarte ich schon. Es braucht nicht die x-te Story von dem weißen, männlichen, heterosexuellen Helden, der die Welt rettet und am Ende das Mädchen kriegt.
Ich wünsche euch allen deshalb ein inklusiveres Jahr 2015, in dem es mehr Charaktere mit unterschiedlichsten Lebenswelten auf den Bildschirm schaffen und weniger von den ollen Kamellen.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.