Dass Vergewaltigungen nichts mit Sex und alles mit Macht und Kontrolle zu tun haben, ist seit langer Zeit bekannt. Trotzdem kommen in jeder Diskussion zu diesem Thema die immer gleichen Argumente. Klar, Vergewaltiger seien schuld, aber *irgendwie* hätte frau es doch verhindern können, wenn sie denn…
Amanda Hess, die für das Washington City Paper als The Sexist bloggt, hat sich in einer Artikelserie dieser Entschuldigungen und Ausreden angenommen. So etwa dem vielzitierten Vergleich, schließlich sei man auch schuld, wenn man durch eine bekanntermaßen gefährliche Gegend renne und überfallen werde. Dabei wird gerne übersehen, dass die wenigsten zum Spaß durch „kriminelle” Stadtteile laufen, sondern weil sie es sich nicht leisten können, in „bessere” Gegenden zu ziehen.
The person that compares sexual assault to getting mugged after “walking in a bad neighborhood” does not consider the mugging victim who lives in that bad neighborhood because he can’t afford a place with less street crime. He does not consider the mugging victim who works late into the night so that he can pay his rent. He does not consider the mugging victim who does not have the means to fastidiously avoid his life circumstances.
Zu Deutsch: Die Person, die sexuelle Übergriffe mit Raubüberfallen in „schlechten Stadtteilen” vergleicht, berücksichtigt nicht das überfallene Opfer, das in diesem Stadtteil wohnt, weil es sich keine weniger gefährdete Gegend leisten kann. Die Person berücksichtigt nicht das überfallene Opfer, das nachts arbeitet, um seine Miete bezahlen zu können. Die Person berücksichtigt nicht das überfallene Opfer, das nicht die Möglichkeit zu wählen hat, seine Lebensumstände zu vermeiden.
Gern wird auch angenommen Frauen in kurzen Röcken, mit tiefen Ausschnitten oder viel Make-Up wollten Sex haben und müssten damit rechnen, vergewaltigt zu werden. Gegenüber der überwältigenden Mehrheit an Männern, die all diesen Signalen zum Trotz ihre Selbstkontrolle behalten, ist dies einerseits nur peinlich, andererseits falsch.
In reality, “sexual willingness” is exactly the opposite of the signal that rapists are looking out for. If rapists zeroed in on sex partners who appeared to be “sexually willing,” then they would abandon their advances when the woman in the short skirt said “no,” or struggled to fight him off, or tried to escape. Instead, sexual rejection only fuels the hateful activity.
In Wirklichkeit ist „sexuelle Bereitschaft” das Gegenteil dessen, was ein_e Vergewaltiger_in sucht. Wenn Vergewaltiger_innen nur nach Sex-Partner_innen suchten, die „sexuelle Bereitschaft” zeigen, dann würden sie von Frauen ablassen, die „Nein” sagen oder versuchen sich zu wehren oder zu flüchten. Stattdessen befeuert sexuelle Ablehnung diese hasserfüllte Aktivität.
Ob die Entschuldigungen und Ausreden nun erzählt werden, weil frau glaubt, so Vergewaltigungen verhindern zu können oder man sich des Risikos einer Vergewaltigung nicht tagtäglich bewußt ist, auf eines läuft es immer hinaus:
When you say that women who wear too-short skirts, or too-high heels, or too much make up are not sufficiently protecting themselves against rape, what you are really saying is that women who act too much like women deserve to be raped. When you say that women who drink with the boys, or have casual sex like the boys, or walk alone like the boys are not sufficiently protecting themselves against rape, what you are really saying is that women who don’t act enough like women deserve to be raped. And what you are really saying is that women deserve to be raped because they’re women.
Wenn du sagst, dass Frauen mit zu kurzen Röcken oder zu hohen Schuhen oder zuviel Make-Up sich nicht genug gegen eine Vergewaltigung wappnen, dann sagst du in Wirklichkeit, dass Frauen, die sich zu sehr wie Frauen benehmen es verdienen, vergewaltigt zu werden. Wenn du sagst, dass Frauen, die mit den Jungs trinken oder unverbindlichen Sex haben wie die Jungs oder alleine gehen wie die Jungs, sich nicht genug gegen eine Vergewaltigung wappnen, dann sagst du in Wirklichkeit, dass Frauen, die sich nicht genug wie Frauen benehmen, es verdienen, vergewaltigt zu werden. Und was du wirklich sagst ist, dass Frauen es verdienen vergewaltigt zu werden, weil sie Frauen sind.

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