Feminist Fun Friday: Die “Intersektionalität macht Feminismus kaputt”-Edition

Das letzte Mal gab es hier im September einen Feminist Fun Friday. Dass dies kein auszuhaltender Zustand ist, war uns eigentlich allen klar – umso größer die Freude, diese Woche endlich mal wieder einen Kommentar zensieren präsentieren zu können. Bereits am Dienstag tauchte Manuel in der Kommentarspalte auf und hatte einiges mitzuteilen. Wahrscheinlich sollten wir es als kostenlose Blattkritik verstehen, erklärte uns da doch endlich mal eine_r, warum Menschen „eigentlich“ die Mädchenmannschaft ansteuern und wie das mit diesem Feminismus richtig funktionieren würde. Spoiler Alert: Wir waren nicht beeindruckt. Aber wir wollen natürlich niemandem unsere Meinung aufzwingen, nicht wahr, und darum lest hier selbst nach!

Ehrlich gesagt irritiert es mich immer mehr dass wenn ich auf mädchenmannschaft.de gehe um etwas über Feminismus zu lesen, ich dann so häufig Artikel über Rassismus vorfinde.

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Da wird mir nun vielleicht entgegnet dass die beiden Themen viel miteinander zu tun haben und deswegen zusammen abgehandelt werden müssen, o.ä. Es erscheint allerdings etwas willkürlich, genausogut können da noch Themen wie Behinderungen, Ausbeutung u.a. hineingemengt werden.

Gegen alles auf einmal zu kämpfen ist aber von vorneherein zum Scheitern verurteilt, und so kommt mir die immer stärker werdende Ausrichtung der Mädchenmannschaft hin zum Thema Anti-Rassismus dann auch so vor als ob da Kräfte verschwendet werden.

Denn eigentlich ist hier Feminismus ja das Schwerpunktthema wegen dem die Leute herkommen.

Eine weitere Ursache für dieses “Abdriften” in einen ganz anderen politischen Bereich (vom Feminismus zum Anti-Rassismus) sehe ich in der Amerika-lastigkeit der Themen und Links hier.

In den USA haben wir eine ganz andere Situation, dort ist ein grosser Teil der bürgerlichen Bevölkerung offen rassistisch, was hier so nicht der Fall ist, offen rassistisch sind hier nur Randgruppen wie NPD/AfD etc.

Von daher wirkt die stetige Betonung auf die “Weissen” / “weiss platzierten” bei der Mädchenmannschaft auch etwas deplaziert im europäischen Umfeld. Klar gibt’s hier auch Rassismus, der ist hier aber bei weitem kein so gravierendes Problem wie in den USA.

Die Mädchenmannschaft macht hier bei den Eindruck eines Amerika-Auslegers, der US-amerikanische Diskussionsmuster 1:1 auf Deutschland/Europa übertragen will, und wirkt dadurch beim Normalbürger, der von US-amerikanischen politischen Diskussionen nun gar keine Ahnung hat, weltfremd und akademisch.

Schlussendlich drängt sich, wenn man mal die Liste der Mädchenmannschaft-Autorinen durchschaut, auch der Verdacht auf, dass das erwähnte Abdriften der Mäfchenmannschaft weg von ihrem eigentlichen Kernthema hin zum Anti-Rassismus womöglich auch auf persönlichen Motivationen beruht.

Die “Weisse” möchte ihren “Friends of Colors” halt einfach einen Gefallen tun, und merkt nicht wie sich dadurch von ihren eigentlichen Zielen entfernt.

33 Kommentare zu „Feminist Fun Friday: Die “Intersektionalität macht Feminismus kaputt”-Edition

  1. ist der feminist fun friday immer so lustig von der gif-auswahl her? aus irgendeinem grund habe ich diese rubrik immer schon bei der ueberschrift uebersprungen (keine ahnung warum – ja, ich weiss, selbst schuld). tja, da hab ich wohl das wochenende einiges nachzuholen. danke fuer diesen lustigen einstieg in den tag.

  2. Ja. Man muss schon sagen, in Deutschland gibt es einfach diesen Rassismus nicht wie in Amerika…. ein profunder Einwand, er muss es ja wissen, denn er hat bestimmt viele „Friends of Colors“.
    :D
    Tolle Gifs!

  3. Rasten hier aus wie 16-jährige. Und solche wollen auf der gesellschaftlichen Bühne ernstgenommen werden.

    Ich wollt Euch ja nur ’n bisschen ärgern, aber dass ihr mir gleich einen ganzen Artikel als Antwort widmet, in dem ihr dann so offenherzig euer infantiles Streit-Niveau herzeigt … Chapeau!

  4. Mit dem infantilen Streit-Niveau wurden eine Menge Leute, die sonst jeden Tag eine Menge Scheiße hören & lesen dürfen, wunderbar unterhalten!

    Der Kommentar spricht ohnehin für sich selbst.

    Schön fand ich übrigens auch „DER Normalbürger“
    (ohne Kommentar)

    Unnormale Grüße!

    Piedsnue

  5. Yay, ich habs danke der Überschrift erst auch übersprungen und hatte nun dennoch viel Spaß… :)
    Eine kleine Anmerkng hab ich dennoch (der Ansicht bin ich allerdings schon länger): Die Sprache einiger Artikel hier auf MM ist meiner Meinung nach tatsächlich oft arg akademisch bzw. für Menschen, die erst in die dargelegten Thematiken einsteigen gar nicht so einfach zu verstehen… ! Im Sinne der Intersektionalität finde ich, dass Wissen und Information einfacher zugänglich sein sollten!

    Gibt es eig hier sowas wie ein „Lexikon“?

    Ein schönes WE!

  6. @nuhu: Unter „Informationen“ (und „Initiativen und Netzwerke“) in der Blogroll haben wir z.B. eine ganze Reihe an Lesematerial verlinkt, unter anderem Feminismus 101 und das Portal Intersektionalität; unter z.B. Gender Wiki befindet sich auch ein (in diesem Fall englisches) „Lexikon“. Ausserdem bemühen wir uns, in Texten Hintergrundlinks zu setzen, die z.B. bestimmte Begriffe noch einmal erklären, und beim Stöbern im Mädchenmannschafts-Archiv findet man eine Vielzahl an „Erklär“-Artikeln über die Jahre. Ansonsten freuen wir uns natürlich auch immer über Gastbeiträge :)!

  7. ach wie schön :)

    Bin immer wieder begeistert dass ihr solchen BS so viel Zeit widmet, aber es muss sein, sonst verlieren wir wohl irgendwann genau diesen mittedergesellschaft-BS aus den Augen.

    Just vorgestern war ich auf nem Workshop im Rahmen von 1BR, zu Critical Whiteness, die Adaption derer im deutschen Sprachraum – und warum Intersektionalität _wichtig_ ist. Hoffentlich gibt’s anderswo auch solche Diskurse, gerade bei so populären (und unbedingt auch kritisch zu begleitenden) Projekten. Damit sie gute Projekte bleiben/werden.

    Gibt viele lesenswerte Texte aus der Schwarzen US-Frauen_bewegung in den 70er Jahren, bspw. das Combahee River Collective Statement von 1977: http://circuitous.org/scraps/combahee.html – die sich explizit mit Mehrfachdiskriminierung auseinandersetzen – oft aus einer sehr praktischen Perspektive.

    In einem hat der Leser(_?)brief ja sogar irgendwie recht: die Übertragung politischer Handlungsformen aus anderen Kontexten muss mit einer gewissen Vorsicht geschehen. Aber doch nicht weils hier keinen Rassismus gibt *facepalm*

    Euch allen ein kämpferisches Wochenende :)

  8. Ja da schreibt einer ne ganze menge schwachsinn aber statt ihm zu erklären warum das quatsch ist macht ihr euch halt drüber lustig und nehmt ihn kein stück ernst. Find ich ziemlich gemein und auch absolut nicht tauglich für den Zweck Leute von seinen Inhalten zu überzeugen. Naja wenn euch das reicht euch über Leute lustig zu machen statt ihnen zu erklären wo sie n Fehler machen…

  9. @Jenny

    Na ja, wenn Leute erwarten, dass wir ihnen 1:1-Coaching auf Zuruf schenken, weil wir sie so lieb haben und auch absolut nicht betroffen sind von dem Bullshit den sie bei uns loswerden wollen (talk about „gemein“ sein), statt zu sehen, dass wir hier ein tagesaktuelles ehrenamtlich betriebenes üppigst mit Info-Links gespicktes 24/7-Gratis-Bildungsangebot vorhalten (talk about „reichen“) was sie ja auch einfach nutzen könnten (talk about „ernst nehmen“)…

    Das einzige wovon ich Herzchen wie „Manuel“ gern überzeugen würde, ist, die Belästigung von Feministinnen zu unterlassen. Oder einfach vor dem Kommentieren die Netiquette zur Kenntnis zu nehmen. Aber wenn es dir so am Herzen liegt, Leute „von seinen Inhalten zu überzeugen“, erklär du ihm doch einfach, was die mannigfachen Probleme an seinem Kommentar sind, anstatt uns anzupflaumen, dass wir falsch(tm) mit Trolling umgehen.

  10. P.S. Manuel hat hier im Thread selber gesagt, er habe uns nur ein bisschen ärgern wollen – von Wünschen, irgendwas erklärt zu bekommen, lese ich da nix. Aber hey, warum genau hinschauen wenn man sich auch über die Servicewüste Mädchenmannschaft echauffieren kann.

  11. Hach, wie die milde Ironie, direkt der nächte Comment Man zu werden, an manchen Leuten schlicht vorbeigeht… Vorsicht, der Rasen ist rutschig!
    Und ja, „Chauvi„, nichts schreit „Verbitterung“ so sehr wie „infantile“ GIFs… :D

    /Troll Games.

  12. Mit den Gifs hab ich’s nicht so. Aber die Sprüche auf die Schippe zu nehmen, richtig klasse. :)

    Und genau deswegen lese ich Euch. Weil Ihr intersektionell denkt. Weil Ihr auch das/die feministische Subjekt/e hinterfragt. Weil Ihr über Tellerränder rausschaut. Ideen aufnehmt. Danke dafür. :)

  13. ich glaub gar nicht, dass manuel nur ärgern wollte. er hat gemerkt, dass er sich blamiert hat und versucht zurück zu rudern *speculate*

  14. wunderschick! Mein lieblingskommentar: „Servicewüste Mädchenmannschaft“ :D Danke dafür!

    und nein, mensch muss nicht jedem immer alles erklärren wollen. isjarnichunserjob.

  15. ich wüsste jetzt ja gar nicht wirklich was anzufangen damit, wenn wer/eine mir sagen würde ich wäre verbittert. ja nu? kann ich mir schlimmere attribute vorstellen :)

Kommentare sind geschlossen.

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