Vor kurzem unterhielt ich mich mit einem Freund darüber, wie sich junge Feministinnen heute gegenseitig als solche erkennen würden – und auch darüber, ob sie das überhaupt wollten. Wir stellten nämlich beide fest, dass es in den früheren feministischen Hochzeiten stets solche Symbole gab:
Während der Ersten Frauenbewegung war es ein ganz klares Zeichen von radikalem Emanzentum, eine Hose zu tragen. Das hatte es bis dahin nicht gegeben, Frauen hatten Röcke anzuziehen und all die Unbequemlichkeiten, die diese so mit sich brachten, in Kauf zu nehmen. Während der Zweiten Frauenbewegung zogen sich viele Frauen tatsächlich die viel zitierte lila Latzhose an, um sich gegenseitig ein Zeichen zu geben, dass man es mit einer feministischen Schwester zu tun hatte. Doch heute gibt es diese klaren Symbole nicht mehr. Oder?
Das Einzige, was dem vielleicht noch nahekommt, überlegten wir, könnte der rote Lippenstift sein. Mir geht es jedenfalls so: Wenn ich eine junge Frau mit knallroten Lippen treffe, dann tendiere ich dazu, sie in die Schublade „sehr selbstbewusste, selbstbestimmte Frau mit Tendenz zur Provokation“ zu stecken und lag bisher gar nicht so oft falsch damit. Auch wenn er selbst im feministischen Diskurs teilweise als Zeichen sexueller Bereitschaft verteufelt wurde (was heute eher dem Lipgloss nachgesagt wird), fordert er doch auch von seiner Trägerin ein ganzes Maß an Mut. Und mutige Frauen: immer gut.
Also, kann der Lippenstift ein Symbol sein? Oder haben mein Kumpel und ich beim Nachdenken über ein Erkennungszeichen unter jungen Feminstinnen einfach ein anderes übersehen? Oder: Fehlen uns etwa die Symbole? Sollten wir uns eines suchen? Denn wäre es nicht ziemlich toll, sich auf der Straße gegenseitig zu erkennen? Oder brauchen wir das nicht?
(In der Rubrik „Grundsatzfragen“ diskutieren wir Grundsätzliches zum Feminismus. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.)

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