Wie viel Verschiedenheit kann und muss der Feminismus aushalten?

von Susanne

Früher musste Feminismus kategorisch und oft auch ein Stück dogmatisch sein, um sich Gehör und Respekt zu verschaffen. Heute kann und muss der Feminismus verschiedene Ansätze integrieren können, um in der Mitte einen berechtigten Platz einnehmen zu können. Doch die Frage ist: Was kann der Feminismus aushalten? Manche schalten schon ab, wenn Charlotte Roche ihr Buch „Feuchtgebiete“ feministisch nennt, manche drehen erst bei Lady Bitch Ray und ihrer Interpretation des Feminismus durch.

Also, was geht, was nicht? Und wer soll das bestimmen?

Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.






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8 Kommentare

  1. Jantz sagt:

    Feminismus ist für mich nur eine temporäre Geschichte, bis hoffentlich irgendwann mal Männer und Frauen einfach „nur“ Menschen sind. Deshalb ist es schwierig, wenn bestimmte Auswüchse des Feminismus die Frauen künstlich überhöhen. Aber wahrscheinlich ist genau das notwendig, um etwas zu bewegen.

  2. Thomas sagt:

    Zu dem Thema habe ich die letzten Wochen einige angenehme Aspekte dazugewonnen. Es ist schön und herzerfrischend zu sehen dass die Männerfeindlichkeit langsam einem aufgeklärten, weltoffenem und intellektuellem Feminismus Platz macht, der sich mit allen Facetten der Lebenswirklichkeit auseinandersetzen will.

    Ich hoffe dass diese Denkweise bald auch in manchen Alltagsverhaltensweisen Einzug findet und vielleicht auch mal einfach die Männer fragt anstatt zu „glauben“ wie eine mitteleuropäischen Bundespräsidentin „…..ist ein Männertraum“.

    Dann kann die Welt noch besser werden.

    Irgendwo las ich mal die Liebe einer Frau die den Mann wirtschaftlich als Versorger nicht braucht muß authentisch sein….

  3. profin sagt:

    @thomas
    Irgendwann hörte ich mal, die Liebe eines Mannes, der seinen Haushalt selbst schmeißen kann, muß authentisch sein …

    Einen ins Phrasen-Schwein, und einen fürs Schweine-Bingo

    Thema-Wechsel zu Susannes Frage:
    Was geht nicht? Die strukturelle Dimension von Frauendiskriminierung negieren und behaupten, wenn „du und du und du und ich uns anders verhalten wird alles gut“. Haben wir ausprobiert. Funktioniert nicht (oder es fehlt die kritische Masse).
    Es gibt eine strukturelle Dimension von Diskriminierung. Und da geht es letzten Endes um Machterhalt. Warum sollte jemand Macht freiwillig aufgeben?
    Und zwar unabhängig davon, ob es um Rassendiskriminierung, Frauendiskriminierung oder andere Formen geht. Denn mehr Gleichberechtigung heißt auch weniger Macht für die „herrschende Klasse“. Manchmal klappts, z.B. wenn die wirtschaftlichen Nachteile von Diskriminierung betont werden (siehe Diversity Management) oder wenn die ethische Dimension („Das macht man aber nicht“) betont wird.

    Bei allen individuellen Bemühungen und den Männern, die täglich Feminismus leben, bleibt m.E. das Problem der Macht auf der strukturellen Ebene.

  4. Thomas sagt:

    @profin: „Irgendwann hörte ich mal, die Liebe eines Mannes, der seinen Haushalt selbst schmeißen kann, muß authentisch sein …“ da geb ich Dir 100%ig recht!

    Und dann noch etwas fürs Schweinemonopoly: Wenn man(n) feststellt Haushalt, Kochen u.v.a.m. ist mit Leichtigkeit nebenbei zu erledigen, warum noch finanzielle und emotionale Risiken wie Heiraten oder Zusammenziehen eingehen?
    Ich kenne einige erfolgreiche Männer die diese Frage für sich selbst erfolgreich beantwortet haben.

  5. Susanne sagt:

    Auch in den Vereinigten Staaten gibt es die Diskussion, wie breit eine feministische Bewegung angelegt sein kann oder muss. Beispielsweise vertritt Linda Hirshman von der Washington Post die These “ Feminism has to focus!“:
    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/06/06/AR2008060603494.html

    Jill von Feministe ist da ganz anderer Meinung und ihr Statement und Hirshmans Artikel werden von den Lesern heftigst diskutiert:
    http://www.feministe.us/blog/archives/2008/06/09/has-feminism-lost-its-focus/

  6. feminista marxista sagt:

    wenn alle in eine andere richtung ziehen, arbeiten sie womöglich gegeneinander. in einigen punkten muss es eine einigung geben, zumindest, was politische forderungen angeht, ob man nun röcke mag oder ablehnt, sich haare wachsen, rasieren oder schneiden will, wen interessierts. ich denke, ein paar radikale elemente fehlen dem heutige feminismus. kompromisse kann man später machen, aber nicht schon beim fordern. mit der utopie mal anfangen und sich dann überraschen lassen, was kommt. und können wir uns bitte mit anderen themen aufhalten, als frisuren, beinbehaarung und high heels? klärt mich bitte auf, wenn das thema noch nicht durch ist.

  7. Matze sagt:

    @feminista marxista: Welche radikalen politischen Forderungen hättest du denn? Wofür sollte deiner Meinung nach „der Feminismus“ eintreten?

    Ich habe heute einen empörten Artikel darüber gelesen, dass im UK der Vorschlag, Frauen nicht mehr in Gefängnisse zu stecken, abgelehnt wurde. In disem Artikel stand beispielsweise der Satz: „Prison is certainly not one of the places where women aspire to equal treatment.“ Kein weiterer Kommentar dazu nötig.

    Andererseits gibt es Bestrebungen, eine juristische Grundlage dafür zu schaffen, in einem Verfahren wegen Vergewaltigung, bei dem es auf Aussage gegen Aussage hinausläuft, grundsätzlich der Frau zu glauben.

    Gehört das zur „Utopie“, von der du schreibst?

    PS: Der Artikel hat mich zornig gemacht. Ich habe keine Ahnung, ob feminista marxista *solche* Dinge meint in Bezug auf „radikale Elemente“, aber das sind Dinge, die ich als sehr radikal ansehe und die für mich absolut indiskutabel sind. Wenn das Grundforderungen des Feminismus werden sollten, werde ich garantiert zum Antifeministen.

  8. Peter sagt:

    @ matze

    Du meinst sicher diesen Artikel in der Times?

    http://www.timesonline.co.uk/tol/comment/columnists/guest_contributors/article4244005.ece?Submitted=true

    Ebenso ärgerlich in dem Text der plumpe und wenig kaschierte Versuch, Männern die Schuld zu geben wenn Frauen kriminell werden („…crimes that may go hand in hand with the men they know who are doing the thieving and asking for a bit of help“): Aha, mündig und selbstbestimmt nur wenn es um Privilegien geht?

    Und geradezu widerlich der Versuch, Kinder als Argument für eine strafrechtliche Immunität von Frauen zu missbrauchen.

    Die Rosinenpickerei wird immer dreister. Da kann man nur noch den Kopf schütteln.