Unsere Leserin Maria sucht in Kinderbüchern nach mehr von jener Welt, wie auch ihre eigene Tochter sie kennt. Hier berichtet sie von ihrer Odyssee durch die Buchläden.
Als ich noch zur Schule ging, habe ich immer gerne und viel gelesen. Alle möglichen Arten von Büchern aus den verschiedensten Genres. Lesen fiel mir leicht und ich bin in den Büchern versunken, habe mit den Held_innen mitgefiebert. Die meisten dieser Bücher habe ich noch, sie stehen bei meinen Eltern oder im Kinderzimmer meiner Siebenjährigen. Der Plan war, sie an meine Tochter weiterzugeben, in der Hoffnung, sie hat genauso viel Spaß daran. Doch einige der Bücher lassen das einfach nicht zu. Spätestens als ich ihr Pippi Langstrumpf vorlas und, weil ich es völlig verdrängt hatte, über das N-Wort stolperte, wurde mir klar, dass ich die Kinderbücher genauer unter die Lupe nehmen muss. Aber nicht nur das.
Ich begann mich auf die Suche zu machen nach Büchern, in denen die Held_innen mehr aussahen wie meine Tochter und viele ihrer Freund_innen, sprich Kinder of Color. Törichterweise, und das will ich hier nicht unerwähnt lassen, stürzte ich mich zuerst auf Jim Knopf. Aber mensch lernt ja und irgendwie fand ich dann noch die Buchliste der ISD [Anm.: Liste ist derzeit nicht online], die Negativliste von Der Braune Mob e.V. und dann sogar eine Facebook-Gruppe, die sich dem Thema widmet und stellte trotzdem fest: Es gibt zu wenig, viel zu wenig. Außer ein paar (wirklich schönen) Bilderbüchern gibt es, vor allem für die älteren Kinder, praktisch nichts auf dem deutschen Buchmarkt – auf eine Ausnahme komme ich gleich noch zu sprechen.
Weil ich sowieso auf der Suche nach einem Geschenk war, startete ich vor ein paar Tagen spontan mal wieder einen Selbstversuch. Ich ging in drei große Buchläden und fragte einfach mal nach, wie es denn so aussieht mit Büchern für Kinder ab sieben, deren Protagonist_innen nicht weiß sind. Das ist, was dabei rauskam.
Dabei gibt es mindestens – und hier ist die angekündigte Ausnahme – eine Reihe von drei Büchern die genau auf diese „Zielgruppe“ passt und für die gibt es sogar eine wunderschöne Kundinnenrezension von Dr. Eske Wollrad, die selbst u.a. zu Rassismus in Kinderbüchern arbeitet. Wir haben alle drei Bücher zuhause und nicht nur ich, sondern auch meine Tochter finden sie großartig und weil ich gestern schon mal dabei war mich mit dem Thema zu befassen, schrieb ich der Autorin Sabine Ludwig, erzählte ihr wie toll wir die Bücher finden und fragte, ob mensch mit einer Fortsetzung rechnen könne. Das ist ihre Antwort:
Liebe Frau …,
über Ihre Mail habe ich mich sehr gefreut und sie auch gleich an die Illustratorin Ute Krause weitergeleitet. Das Vorbild für die Lucy aus dem Buch war eine Freundin meiner Tochter in der Grundschule. Mir war es wichtig, dass im Text die Hautfarbe überhaupt nicht thematisiert wird, denn die ist bei Kindern – glücklicherweise – auch meistens kein Thema. Bei Erwachsenen offensichtlich schon, denn leider gehören die drei Leo u.Lucy-Bücher zu meinen am wenigsten erfolgreichen. Auf gut deutsch: Sie sind gefloppt. Ich finde das sehr schade, denn ich hätte die beiden zusammen mit Fräulein Flora sehr gern noch mehr Abenteuer erleben lassen, habe auch immer wieder bei Lesungen aus dem Buch festgestellt, dass die Geschichten bei der Zielgruppe sehr gut ankommen.
Sehr herzlich grüßt Sie und Ihre Tochter
Sabine Ludwig
Sie macht mich einerseits traurig, wirft aber auch eine ganze Menge Fragen auf: Wie kann es sein, dass diese Bücher so gefloppt sind? Die Zielgruppe ist doch vorhanden – und zu der Zielgruppe zähle ich alle Kinder, die in der Schuleingangsphase sind. Noch dazu sind es Leselernbücher, warum stehen die nicht zwischen den anderen Feen-, Prinzessinnen-, Piraten- und Wikingergeschichten im Buchhandel? Ich bin mir sicher, dass nicht nur meine Tochter keine rosa Geschichten mag. Die anderen Geschichten der Autorin lagen doch auch sichtbar aus. Warum tut auch der Buchhandel, als wäre Deutschland ein weißer Planet? Was kann mensch dagegen tun?
Spontan würde ich sagen: die Nachfrage steigern, so wie ich (und ich werde das jetzt jedes Mal tun, wenn ich einen Buchladen betrete) in die Läden gehen und fragen. Die Verlage anschreiben. Den Autor_innen Feedback geben… Es ist wie immer, Schwarze Menschen und andere People of Color werden unsichtbar gemacht und schon unseren Kindern wird eine weiße Welt aufgezwungen. Wer Kindern lieber die Realität zeigen möchte, muss auf die Suche gehen … oder selber ein Buch schreiben.

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