Mittlerweile habe ich ein wenig Statistik, was Vorstellungsgespräche angeht und bin durchaus positiv überrascht, dass das Thema Kind bzw. Kinderbetreuung im Wesentlichen kein Thema war. Natürlich ist diese Statistik stark verfälscht, da mich wahrscheinlich nur die Firmen eingeladen haben, denen klar war, dass dieses Thema wohl geregelt sein muss, wenn ich mich bewerbe.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Beim ersten Vorstellungstag habe ich mit mehreren Männern zwischen ca. 35 und 60 Jahren gesprochen, und falls überhaupt gefragt wurde, waren alle auf die Frage „Wie haben Sie die Betreuung Ihres Kindes geplant“ mit der Antwort „Mein Mann“ zufrieden.
Der zweite Termin war für den gleichen Job, allerdings diesmal mit Herren höherer Management-Ebenen. Die haben sich überhaupt gar nicht dafür interessiert wie die Betreuung meines Sohnes organisiert ist.
In der Bewerbung, die zum nächsten Gespräch geführt hat, hatte ich gar nicht angegeben, dass ich in Elternzeit bin, so dass ich es erst im Gespräch erwähnt habe und nachgeschoben habe, dass die Betreuung aber in vollem Umfang sichergestellt sei. Weitere Details waren nicht von Interesse.
Als nächstes kam ein Vorstellungstag, der mir gezeigt hat: Es gibt sie noch, diese Männer Mitte 40, die das traditionelle Rollenbild im Kopf haben. Sofort im ersten Gespräch an diesem Tag wurde ich, mit dem Hinweis, dass ich diese Frage nicht beantworten müsse, gefragt, wie ich den Job mit Kind hinkriegen möchte. Er frage das, da er in der Vergangenheit mehrfach Mitarbeiterinnen verloren habe, weil diese doch lieber ihrem Mann gefolgt seien als ihre Karriere zu verfolgen. Ich habe ihm dann dargelegt, dass ich nicht einverstanden damit bin, dass ich mich für das klischeehafte Rollenverhalten anderer Frauen rechtfertigen muss.
Die weiteren Gesprächspartner stellten ebenfalls ähnliche Fragen, die deutlich suggerierten, dass es irritiert, wenn ein Mann wegen des Jobs der Frau seinen Job aufgibt/pausiert, so dass ich am Ende dieses Tages sicher war, bei dieser Firma möchte ich nicht arbeiten. Ich bin trotzdem zum zweiten Vorstellungstag gegangen und diesmal hatte ich hauptsächlich Gespräche mit Menschen zwischen 30 und 40, und diesmal war die Familie wieder höchstens ein Randthema, wenn es um internationale Mobilität ging und es war deutlich zu spüren, dass diese Problematik heutzutage auch die männlichen Kollegen betrifft, die sich mit ihrer Frau abstimmen müssen, ob ein längerer Auslandsaufenthalt gerade in die Lebensplanung passt.
Aus feministischer Sicht interessant fand ich allerdings noch zwei andere Aspekte. Zum einen erzählte ein Mitglied der Geschäftsführung einer der Firmen von seiner Beobachtung, dass die Frauen, die er in Bewerbungsgesprächen kennenlerne, im Schnitt besser qualifiziert seien als die Männer. Da in seinem Fachgebiet der Frauenanteil eher niedrig ist, könne er es sich fast gar nicht leisten, eine Frau nicht einzustellen und es sei nicht wahr, dass eine Frauenquote dazu führe, dass jemand schlechter qualifiziertes aufgrund ihres Geschlechts eingestellt werde sondern im Gegenteil sicherstellen würde, dass die Bestqualifizierten eingestellt werden.
Der andere Punkt betrifft die dual-career-Problematik und ist leider nicht so positiv zu bewerten, auch wenn ich den Eindruck hatte, dass durchaus ein Problembewusstsein vorhanden ist, aber zur Zeit noch so weitergemacht wird, wie bisher. Bei Entsendungen ins Ausland gibt es bisher wenig Hilfestellungen für den/die PartnerIn eine eigene Berufstätigkeit zu finden. Es wurde zwar einerseits signalisiert, dass Verständnis dafür da sei, wenn man eine Entsendung aus familiären Gründen ablehne, aber es klang auch durch, dass man das nicht kategorisch tun sollte, wenn man noch Ambitionen habe, weiter aufzusteigen.
In diesem Zusammenhang auch ein wichtiger Aspekt wäre meiner Meinung nach die Möglichkeit, dass man sich von seinem Job in Deutschland beurlauben lassen kann, wenn man seineN PartnerIn ins Ausland begleiten möchte und es einem trotzdem ermöglicht wird, am Entsendeort einer Arbeit nachzugehen. Aber dieses Thema habe ich natürlich nicht angesprochen, schließlich will man dem potentiellen Arbeitgeber nicht das Gefühl geben, man wolle übermorgen mit dem Partner ins Ausland gehen.
Die Verantwortung für die konkrete Ausgestaltung hängt aber noch sehr stark von der Eigeninitiative der Menschen ab, die eine gleichberechtigte Partnerschaft leben möchten. Es ist durchaus ein Problembewusstsein auf Seiten der ArbeitgeberInnen vorhanden, aber die Verantwortung wird sehr stark auf die ArbeitnehmerInnen abgewälzt. Wie es sich konkret im Arbeitsalltag gestaltet, werde ich wohl bald berichten können, da mir 2 Firmen ein Angebot gemacht haben.
Somit kommt aber bereits das nächste Problem auf uns zu: Eine Kinderbetreuung zu finden. Aber dieses Thema ist wohl einen eigenen Eintrag wert!
PS: Bei den Diskussionen zur dual-career-Problematik ist mir aufgefallen, wie hinderlich gegenderte Sprache manchmal sein kann. Es ist nämlich schwer möglich, seine sexuelle Orientierung zu verschweigen und gleichzeitig gegendert zu sprechen, wenn es darum geht, ob und wie die Firma bei Entsendungen der Problematik Rechnung trägt, dass der/die PartnerIn ebenfalls eine Karriere hat.

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