Interpretation von Statistiken sollte zu einer wichtigen Kompetenz von Journalist_innen gehören, die zu eben jenen berichten. Leider scheint das aber nur selten der Fall zu sein und anstatt offensichtliche Ergebnisse zusammenzufassen, werden Zahlen irgendwo in einem Spektrum zwischen „missverständlich“ und „absolut falsch“ eingeordnet.
So ist es auch Anfang der Woche geschehen als die dpa eine Meldung zur Berliner Kriminalstatistik 2011 veröffentlichte, die schnell auch von anderen Medien aufgergriffen wurde. Dabei beschäftigte sich die dpa mit den Zahlen zu „Häuslicher Gewalt“. Die reißerische Überschrift, die jedes Maskulistenherz höher hüpfen lässt: „Immer mehr Männer von ihren Frauen verprügelt“. Doch was genau veranlasst die dpa zu dieser Schlussfolgerung? Tatsächlich gibt es einen geringen Anstieg bei weiblichen Tatverdächtigen von 21,2% in 2007 auf 24,7% im Jahr 2011. Über drei Viertel der Täter_innen sind also weiterhin Männer! Und auch lässt die steigende Zahl von weiblichen Tatverdächtigen nicht unbedingt Schlussfolgerungen zum Geschlecht der Opfer zu. Darüber hinaus schreibt B.I.G. e.V., die auch eine ausführlichere Richtigstellung zu der Meldung veröffentlicht haben:
Die Erfahrung zeigt außerdem: häufig sind die durch Männer zur Anzeige gebrachten Taten durch Frauen keine Erstangriffe, sondern Reaktionen auf die von den Männern selbst ausgeübte Gewalt.
Neben der Aussage, dass mehr Frauen gewalttätig würden, stürzte sich die dpa (und somit alle schnell weiterverbreitenden Medien) auch auf die Zahlen zu den erfassten Nationalitäten der Tatverdächtigen. Auch hier suggeriert die dpa Ergebnisse, die die Statistik so nicht hergibt. Da schwafelt sie etwas von „kulturellen Hintergründen“ und meint natürlich nicht den oftmals weißen, eventuell christlichen Hintergrund der häufigsten Täter_innengruppe: Deutsche Männer.
Denn eigentlich kann die Statistik nur mit einer Überschrift passend zusammengefasst werden (wie es B.I.G. e.V. auch tat): „Die meisten Täter häuslicher Gewalt sind männliche Deutsche“.

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