Betrachte ich die Frauenbewegung als Ganzes, fällt mir in Bezug auf unsere heutige Zeit eines besonders auf: Zum ersten Mal trifft eine Frauenbewegung auf eine andere Generation. Als die Zweite bzw. Neue Frauenbewegung begann, waren die Frauen der Ersten sicherlich zu 99 Prozent tot und auch vergessen. Mühsam wurden sie wieder ausgegraben, eben weil die Frauen der Zweiten nach Vorbildern suchten.
Jetzt erleben wir eine Situation, in der die Frauen der Zweiten Frauenbewegung häufig versuchen, sich gegenüber der 3. Welle des Feminismus zu verteidigen. Sicherlich, weil einerseits die Vertreterinnen der 3. Welle die Abgrenzung zu den „Alten“ suchen, aber auch weil es einfach kein how-to für die Frauen gibt, die sich als Fortsetzung der Zweiten Frauenbewegung begreifen.
Als ich die Kritik an „Wir Alphamädchen“ und an „Neue deutsche Mädchen“ in der Emma las, war ich durchaus erstaunt. Einerseits weil ich die Kritik im Kontext der jeweiligen Bücher nicht nachvollziehen konnte, andererseits weil ich bei feministischen Frauen der 2. Welle meistens einem großen Interesse am „Nachwuchs“ begegne.
Ich sehe in der 3. Welle des Feminismus viel Stärke und auf dem „To-do Zettel“ des Feminismus noch so viel zu tun, dass meines Erachtens ein Erstarken der Frauenbewegung Not tut. Bleibt die Frage, in welcher Form?
Ältere Feministinnen fragen mich häufig, warum die jungen Frauen nicht einfach die Zweite bzw. Neue Frauenbewegung nicht einfach fortsetzen. Tatsächlich halte ich die 3. Welle des Feminismus für eigenständig, da sie einen anderen Handlungsstrang verfolgt. Während die Zweite Frauenbewegung sich daran orientierte, das als privat erlebte in die Politik zu tragen – „Das Private ist politisch“ – beobachte ich in den Publikationen der 3. Welle einen diametral entgegen gesetzten Schwerpunkt: Selbstverständlich gäbe es auf der politischen Ebene viel zu tun, jedoch ist das häufigste Thema, das politisch erwirkte auch privat durchzusetzen. „Neue deutsche Mädchen“ zeigen dies sehr deutlich: Während die politischen Bedingungen geschaffen wurde, keine Grenzen qua Geschlechts im Beruf zu erleben, stellen sie fest, trotzdem an eine gläserne Decke zu stoßen. Die Menschen stellen das größte Problem dar, nicht die Politik.
Dementsprechend wäre der Slogan der 3. Welle: „Das Politische ist privat“.
Mit einem genau ins Gegenteil gekehrten Schwerpunkt ist aber eine Fortsetzung der Zweiten Frauenbewegung nicht möglich, es braucht eine Dritte.
Auch wenn das für mich klar ist, spreche ich trotzdem von der 3. Welle des Feminismus, nicht von einer Bewegung – noch fehlt der dafür meines Erachtens notwendige Druck. Bisher fehlt mir noch eine Antwort auf die Frage, wie wir diesen Druck aufbauen können. Die traditionellen „Druckmacher“, zum Beispiel Besetzungen, Demos usw., sind unter dem Anspruch, das Politische ins Privatleben zu tragen, schwer denkbar – wenn auch nicht unmöglich.

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