Noch vor nicht allzu langer Zeit war die Rollenverteilung beim Kennenlernen klar festgelegt. Doch heutzutage raten selbst Frauenmagazine, öfter mal selbst Initiative zu zeigen und den Mann der Träume anzusprechen. Eine Diskussion übers Kennenlernen brach auch gerade hier in den Kommentaren aus. So schrieb etwa Anna aka Bride:
Die Männer sind das aktive Geschlecht.
Und NEIN schreien da die schüchternen Herren „Wir finden es toll, wenn auch mal die Frau die Initiative ergreift”, „Wir möchten nicht immer den ersten Schritt machen müssen”, „Wenn ihr schon emanzipiert sein möchtet, dann müsst ihr auch in diesem Punkt mitziehen und uns verführen.”
Ja? Wollen sie das wirklich?Nein. Das wollen sie nicht.
Viele Männer beschreiben genau das als eine ihrer Phantasien. Ihnen ist gar nicht bewusst, dass dies nicht der Himmel für sie ist, sondern die Hölle.
Ja Männer, wenn ihr mal verführt worden seid, dann habt ihr euch danach wahrscheinlich sehr mies gefühlt, denn euer männlicher Instinkt verlangt am Ende zu jagen. Verführt zu werden – eine Fantasie direkt aus der Hölle!? Und auch uns Frauen macht dieses ganze Verführen keinen richtigen Spaß, so Anna aka Bride:
Leider habe ich vergessen, dass ich eine Frau bin. Und dass ich eben nicht aktiv verführen sollte. Ich darf aktiv sein. Ja. Ich darf aktiv sein, indem ich das Passive aktiv gestalte. Ich lasse mich führen. Ich lasse mich verführen.
Hinter dieser Einstellung steckt die Pickup-Methode. Dabei sind die Rollen klar verteilt. Die männlichen Anwender nennen sich Pickup-Artists (PUA), auf Deutsch etwa Aufreißkünstler. Bekannte PUAs aus Amerika wie Mystery oder J-DOG machten die Idee durch diverse Bücher und eine Show auf MTV berühmt. In der Show, wie auch in diversen, äußerst teuren Seminaren, lernen vermeintliche Loser, endlich Frauen anzusprechen und letztendlich ins Bett zu kriegen. Mehr Selbstbewusstsein und Verständnis der „sozialen Psychologie“ sind dabei die Wege zum Ziel. Verschiedene Strategien, wie Sprüche und Blicke, werden zu einer Art Drehbuch des Aufreißens kombiniert. Die Grundannahme der Pickuper ist, dass Frauen nur auf Machos und Alphamännchen stehen. Außerdem seien sie deutlich emotionaler als Männer, so dass diese die Emotionalität in Grenzen halten müssen.
In einem Interview auf jetzt.de verraten zwei deutsche Anwender aus München mehr. Etwa, dass sich die Jungs nachmittags in der Stadt treffen, in Gruppen losziehen und anschließend wieder treffen, um sich zu beraten. Was nach einem Kult klingt, ist trotzdem eher eine Selbsthilfegruppe, denn zu 90 Prozent seien die Münchner Pickuper verzweifelte Typen, so die Interviewten. Außerdem hat die Methode auch ihre Grenzen:
Erstmal geht es um Sex. Man kann lernen, wie man jede ins Bett kriegt. Eine Beziehung steht zunächst nicht im Vordergrund.
Mir stellen sich da gleich zwei Fragen. Zum einen, ob die Jungs wirklich jede rumkriegen. Oder nicht vielleicht so viele Frauen ansprechen, dass irgendwann eine dabei ist, die auch ohne extra Training auf den Typen steht. Auch mehr Selbstbewusstsein allein soll schon Wunder gewirkt haben. Zum anderen, wie gut der Sex dann eigentlich sein kann. Lernt man auch, jede Frau zum Orgasmus zu bringen? Denn sowohl für Frauen als auch für Männer gilt ja, das noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, auch beim Sex nicht.

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