In Amsterdam sollen Burka-Trägerinnen künftig kein Arbeitslosengeld bekommen, wenn ihnen wegen ihrer Burka Jobs verweigert werden. Dies berichtete gestern taz.de. Die Politiker der beiden regierenden Parteien begrüßten den Vorschlag; die rechtsliberale Volkspartei für Freiheit und Demokratie ging noch einen Schritt weiter und forderte, dass Burka-Tragen in der Öffentlichkeit generell zu verbieten.
Vom Bild der liberalen und weltoffenen Niederlande bleibt damit langsam nicht mehr viel. Statt sich ganz klar gegen Diskriminierung jeder Art auszusprechen wird der Eindruck erweckt, einige Formen der Diskriminierung seien ok, sogar angebracht und die Opfer selber schuld. Wer so denkt, öffnet die Tür für mehr: Heute nur die Burka, morgen Körpergeruch, übermorgen nervige Angewohnheiten?
Jedem sei seine Meinung über die Burka unbenommen, die Menschenrechte gelten aber auch für ihre Trägerinnen. Mit solchen Aktionen berauben wir sie darüber hinaus dessen, was wir sonst überall einfordern: Respekt. So wird nur erreicht, dass die Betroffenen sich immer mehr wie Bürgerinnen zweiter Klasse fühlen, denen man zwangsweise seinen eigenen, vermeintlich besseren, Lebensstil überstülpen will. Freiheitliche Gesellschaften gehen anders mit ihren Mitgliedern um.
Am schlimmsten wird es wieder einmal den Verletzlichsten gehen: Frauen, denen die Burka von ihrer Familie oder Umfeld vorgeschrieben wird. Bisher fangen die sozialen Sicherungssysteme die Diskrimierung auf. Wer ihnen die Unterstützung verwehrt macht sie noch abhängiger von den Umständen, aus denen man sie laut der eigenen Rhetorik befreien will, und macht es ihnen gleichzeitig unmöglich, ihre Situation selbstständig zu verbessern.

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