Die Süddeutsche Zeitung liefert heute noch mal ein paar Zahlen und Fakten zu amerikanischen Familien- und Teenagerdramen à la Palin:
„Abstinence only“, absolute Enthaltsamkeit, dazu sollen die Schulen anhalten. Wie der eigene Körper funktioniert, wie er sich in der Pubertät verändert, wie Jugendliche sicheren Geschlechtsverkehr haben können – all das lernen die meisten amerikanischen Teenager nicht im Unterricht.
Die Abstinenz-Kampagne beruht auf einem Bundesgesetz von 1996 und wird von der amerikanischen Regierung kräftig finanziert: In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich die moralische Erziehung ihrer Jugend über eine Milliarde Dollar kosten lassen. Bundesstaaten, die Schülern ein anderes Bild von Sexualität vermitteln möchten, bekommen keinen Cent. Im Jahr 2007 lehnten nur sieben der 50 Bundesstaaten die Fördermittel ab und gestalten die Lehrpläne nach eigenen Vorstellungen.
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Bristols Schwangerschaft offenbart das Problem, das mit dem Versuch der Erziehung zur Keuschheit einhergeht: Die USA sind trotz – oder wegen – ihrer Prüderie die westliche Industrienation mit den meisten Teenagerschwangerschaften. Im Jahr 2006 kamen hier laut offizieller Statistik auf 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren 41,9 Geburten, mehr als 80 Prozent dieser Schwangerschaften waren ungeplant. In Deutschland waren es nur 10,7 Geburten, in Kanada 13,4.
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Diese Daten legen den Schluss nahe, dass „abstinence only“ völlig an der Realität vorbeigeht. Amerikanische Jugendliche haben also Sex – aber offenbar keine Ahnung, wie er eigentlich funktioniert.
Im amerikanischen Sexualkundeunterricht werde statt mit Aufklärung mit Angstmache gearbeitet. Dabei sinke die Zahl der Teenagerschwangerschaften und Infektionen, je umfassender und offener der Unterricht ist, sagt der Sozialpädagoge Sebastian Kempf, der in München für Pro Familia arbeitet und in den USA bei Planned Parenthood tätig war.
(Foto geliehen von Iain)

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