Von Schlampen und Machos

von Werner

 Alle die hofften, der Quotenmann meldet sich nicht mehr zu Wort, muss ich leider enttäuschen! Ich habe über Weihnachten und Neujahr nur Urlaub gemacht und bin nun in alter Frische wieder zurück. Dieses Mal mit einem Thema, das schon ein alter Hut ist, aber ich hab mich noch nicht darüber ausgelassen – darum müsst ihr da nun durch.

Es geht um „Fickgeschichten“ – Sex nur des Sexes wegen, mit keinerlei Bedeutung und einem einzigen Ziel: einen Orgasmus zu haben. Genau darüber hatte ich vor kurzem ein Gespräch: alles für mich aufgeklärte Jungs und ein Mädchen. Natürlich haben die Jungs erst mal geprahlt, wie viele sie schon hatten, wie toll das ist und überhaupt, was für Hengste sie wären. Als dann die Dame in der Runde auch ihre sehr liberale Meinung dazu mitteilte und die meisten der Buben „übertrumpfte“, schwenkte die Stimmung schnell von „cool“ zu irgendwas zwischen „Neid“ und „wie kann die nur“.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich fand es toll. Ja – ich liebe Frauen, die ein ausschweifendes Sexleben haben. Und ich liebe sie noch viel mehr, wenn sie dazu stehen. Ich will hier nicht falsch verstanden werden, ich liebe auch Frauen, die wenig Sex haben, das soll schon jede für sich selbst bestimmen. Und „lieben“ meine ich hier nur im platonischen Sinne. Aber ich finde es einfach toll, wenn es Frauen gibt, die sich eben nicht vorschreiben lassen, dass sie vernünftiger und zurückhaltender sein müssen als Typen – warum auch? Wer Sex haben will, soll ihn haben und sich nicht dafür schämen müssen.

Aber leider ist es noch lange nicht so weit. Über Freundinnen von mir, mit häufig wechselnden SexpartnerInnen, wird weit häufiger gelästert als über Freunde mit ähnlichem Verhalten. Natürlich, über die Männer wird auch getratscht, aber meist in einem ganz anderen Ton. Warum ist das immer noch so? Fühlen sich die Männer in ihrer Ehre verletzt, wenn sie eben nur zum Sex herhalten durften? Sind sie dann vielleicht nicht mehr diejenigen, die aufreißen, sondern vielleicht sogar aufgerissen werden?

Ich muss ehrlich sagen, ich verstehe es bis heute nicht. Männer, die gerne einfach nur Sex mit Frauen haben möchten, sollten sich doch freuen, wenn es auch gleichgesinnte Frauen gibt. Das macht doch alles einfacher. Kommt mir nun bitte nicht und behauptet, ich schreibe dies nur, um mehr Sex zu haben – ich lebe seit längerem in einer festen Beziehung. Aber es ärgert mich jedes Mal wieder, wenn Frauen für etwas schief angesehen und Männer dafür bewundert werden.

Natürlich ist mir klar, dass es früher noch schlimmer war, aber gut ist es heute auch noch nicht. Diskussionen über Sex sind immer noch mit vielen geschlechtlich unterschiedlichen Tabus belegt – und bei nur wenigen Themen werden so harte „Moral-Maßstäbe“ angelegt wie bei diesem. Ich fände es toll, wenn diese Hüllen fallen würden. Ich denke, dss würde jeder und jedem Einzelnen gut tun, der Sex würde besser (lockerer/einfacher) werden, da ungezwungener und keineR müsste sich dafür schämen.

Um das noch klar zu stellen: Mir geht es nicht darum, dass alle mehr Sex haben. Ich bin sogar davon überzeugt, dass ein ungezwungenerer Umgang mit dem Thema Sex auch für Leute, die dies nicht ausleben wollen, Vorteile hat. Sie würden viel weniger als „Spießer“, „Langweiler“ oder was weiß ich noch alles gelten. Wenn Sex das Image in die eine Richtung nicht zerstört, tut es dies in die andere auch nicht.

Wer Sex haben will, soll ihn haben, wer nicht, lässt es halt bleiben – und die anderen sollten endlich aufhören, dies zu beurteilen.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 9. Januar 2009 um 21:12 Uhr unter Sex_ualität. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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19 Kommentare

  1. jj sagt:

    Ja, „slut shaming“ ist leider noch zu viel zu verbreitet verbreitet. Das ist so ein Thema, bei dem ich Männern gegenüber meist seht deutlich werde. Die sehen das dann zumindest inhaltlich ein. Bei Frauen ist das in meiner Erfahrung meist anders – wenn die eine feste Meinung davon haben, was eine „Schlampe“ ist, dann lassen sie nichts anderes mehr gelten (vielleicht auch, weil es für sie härter wäre, weil sie sich dann eingestehen müßten, etwas verpasst zu haben, um eines fragwürdigen moralischen Selbstverständnisses…)

    Aber – es ist auch so, daß man als Mann sowohl von Frauen als auch von Männern mehr respektiert wird, wenn man als jemand gilt, der gut mit Frauen ist. „Ein Mann der keinen Sex hat? Ist doch kein Mann.“ ist hier keine seltene Meinung.

    „Ich fände es toll, wenn diese Hüllen fallen würden. Ich denke, dass würde jeder und jedem Einzelnen gut tun, der Sex würde besser (lockerer/einfacher) werden, da ungezwungener und keineR müsste sich dafür schämen.“

    Ich stimme Dir da zu. Aber Dir ist aber schon klar, daß Sex sowohl im Feminismus als auch im gegenwärtigen Zeitgeist kein ganz unbelastetes Thema ist, oder? Die 60er sind im Moment ziemlich außer Mode…

  2. Miriam sagt:

    Vielleicht bin ich unsensibel gegenüber Dingen, die hinter meinem Rücken über mich gesagt werden, aber ich habe nicht den Eindruck, dass mein sehr offener Umgang mit dem Thema Sex dazu führt, dass ich als Schlampe gelte. Ich hab eher den Eindruck, dass es meistens als erfrischende Abwechslung empfunden wird, wenn ich offen zugebe, dass ich masturbiere, Spaß am Sex habe und keinen Hehl daraus mache, dass ich auch schonmal einen Liebhaber hatte.

    Aber Dir ist aber schon klar, daß Sex sowohl im Feminismus als auch im gegenwärtigen Zeitgeist kein ganz unbelastetes Thema ist, oder?

    jj, wann kapierst du endlich, dass es DEN Feminismus nicht gibt und gerade hier bei der Mädchenmannschaft Dogmen keinen Platz haben?

  3. Anna sagt:

    (Miriam, ich hab mal repariert. Hier brauchst du diese Klammern: <> für html)

  4. Schnatterinchen sagt:

    Täusche ich mich oder bildet sich da ein gewisses Muster im Ton gegenüber dem Nahezu-Quotenmann unter den Postern, also jj, heraus? Ein Muster in Form von pädagogisch-herablassenden Antworten à la „wann kapierst du endlich“, „du raffst es nicht“, „sei doch so nett und tu dies oder das“, „bitte noch mal biobuch rauskramen“ etc.

    Merkwürdig daran finde ich, dass es aus meiner Sicht jj ist, der hier mit am sachlichsten und fundiertesten argumentiert und bisher noch keinen ebenso sachlich und fundiert argumentierenden Gesprächspartner schroff abgebürstet hat, also zu den „erwachsensten“ Schreibern gehört. Warum man ihn dafür bisweilen wie einen leicht unterbelichteten Schuljungen behandelt, versteh ich nicht.

  5. Susanne sagt:

    Auch von unserer Seite: Bitte tauscht eure Argumente ohne persönliche Angriffe aus. Für pauschale Aussagen wie „im Feminismus“ ist zwar hier tatsächlich der falsche Ort und jj sollte es auch besser wissen, aber das Kontra kann immer auch ohne „kapier es endlich“ auskommen.

    Dankesehr.

  6. Neeva sagt:

    Zum eigentlichen Thema: Das ist einer der stärksten „double standards“ zwischen den Geschlechtern. Gibts da eigentlich eine kürzere Übersetzung als „mit zweierlei Maß messen“?
    Und ich glaube, man kann einfach nichts anderes tun, als die Leute, die sowas von sich geben, aggressiv darauf hinzuweisen.

    Das mit der männlichen Kontrolle beim (Hetero)Sex ist auch so eine seltsame Sache. Einerseits habe ich schon von mehreren Männern gehört, dass sie sich wünschen, die Frauen würden mal die Initiative ergreifen. Andererseits sind sie ganz schnell verunsichert, wenn eine Frau die Initiative – und Kontrolle – ergreift.

    Dazu kommt, dass beim üblichen Flirtritual zwar Er den aktiveren Part hat, aber bei jeder „Eskalationsstufe“ Sie entscheidet, ob es weitergeht. Behaupten zumindest die Soziologen.
    Dann kommt es vielleicht einfach zur Verwirrung, wenn Sie ein paar Stufen überspringt.

  7. wondergirl sagt:

    „Ich bin sogar davon überzeugt, dass ein ungezwungenerer Umgang mit dem Thema Sex auch für Leute, die dies nicht ausleben wollen, Vorteile hat. Sie würden viel weniger als „Spießer“, „Langweiler“ oder was weiß ich noch alles gelten.“

    Danke, das du das erwähnst. In meinem Umfeld werde ich schräg angeguckt, wenn ich erwähne, dass ich nichts gegen mehr Sex hätte; als Frau ist es ja so einfach jemanden zu finden und überhaupt. Dass guter Sex für mich mehr ist, als betrunken nach einer Party abzustürzen, finden viele altmodisch und umständlich.

  8. Verena sagt:

    Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es oft Frauen sind, die größere Probleme mit ihren sexuell aufgeschlossenen Geschlechtsgenossinnen haben. Männer dagegen finden es eher ansprechend – zumindest kurzfristig. Dann ist es nämlich aufregend und reizvoll. Wenn die Frau aber für mehr als nur Sex interessant sein soll, greift leider doch wieder das Heiligen/Huren-Prinzip, sprich, als feste Freundin will „Mann“ dann doch lieber ne Brave… (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel…)

  9. jj sagt:

    Schnatterinchen,

    Danke. Sehr nett :)

    „Warum man ihn dafür bisweilen wie einen leicht unterbelichteten Schuljungen behandelt, versteh ich nicht.“

    Ich schon, ist oft einfacher, als über die eigene Aussage noch mal nachzudenken. Ich habe gelernt, damit zu leben ;)

    Susanne, Miriam.

    „jj, wann kapierst du endlich, dass es DEN Feminismus nicht gibt und gerade hier bei der Mädchenmannschaft Dogmen keinen Platz haben?“

    „Für pauschale Aussagen wie “im Feminismus” ist zwar hier tatsächlich der falsche Ort und jj sollte es auch besser wissen…“

    Sorry, aber wenn man alle Strömungen des Feminismus zusammennimmt dann ist es eine durchaus plausible Aussage, das „Sex“ im Feminismus kein ganz unbelastetes Thema ist. Das gilt ganz praktisch (http://en.wikipedia.org/wiki/Feminist_Sex_Wars) wie auch philosophisch (personal is political, sex class, „Kollaboration“, Penetration als Vergewaltung, etc…). Wenn Sex kein Streitpunkt im Feminismus wäre, dann gäbe es ja keine Notwendigkeit überhaupt Label wie „sex positive“ zu verwenden. Es macht also durchaus Sinn, zu behaupten, daß weiblicher Sex (mit Männern) im Feminismus (als solchem) ein nicht wirklich unbelastetes Thema ist. Das einzelne Personen dazu eine andere Meinung haben ändert an der Sinnhaftigkeit der Aussage nichts.

    Daß es im Moment einen deutlich prüderen Zeitgeist gibt als noch vor einigen Jahren ist natürlich eine persönliche Einschätzung, aber eine, von der ich schon den Eindruck habe, daß sie auch in den Medien schon so wahrgenommen wird. Daß diese neue Prüderie sich – zumindest argumentativ – nicht selten auf Argumente des second-wave Feminismus stützt (sozusagen als dessen gesellschaftliches und auch institutionelles Vermächtnis) ist eine Meinung, die ich ebenfalls aufgrund von individuellen Beobachtungen geformt habe, die in dem von Werner erwähnten Zusammenhang zu äußern aber durchaus begründet erscheint.

  10. jj sagt:

    Verena,

    „Wenn die Frau aber für mehr als nur Sex interessant sein soll, greift leider doch wieder das Heiligen/Huren-Prinzip, sprich, als feste Freundin will “Mann” dann doch lieber ne Brave… (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel…)“

    Naja, ich weiß nicht, ob das eine faire Aussage ist. Ist das bei Frauen in Bezug auf Männer denn anders? Eher nicht, oder? Das Abenteuer macht mit einem vermeintlich unzähmbaren Hengst Spass, aber für mehr als ein Abenteuer kommt es dann eben schon auf mehr Dinge an – unter anderem auch darauf, daß man absehbares emotionales Leid vermeiden will. Offensichtliche Promiskuität ist bei Frauen wie bei Männern doch ein Indiz für zumindest temporäre Bindungsunwilligkeit oder zumindest ein Indiz für Aufgeschlossenheit gegenüber Abenteuern sexueller Natur. Bei einer festen Beziehung will man sich derartige emotionale Probleme doch eher nicht absichtlich einhandeln, oder?

  11. Verena sagt:

    @ JJ

    Komischerweise sind aber die Männer, die ich meine, diejenigen, die schon ein braves Schätzchen zuhause sitzen haben und dann besonders an der „Schlampe“ interessiert sind …

  12. Erna sagt:

    @jj ich hab desöfteren festgestellt dass frauen männliche „schlampen“ aber auch gerne mal aus herausforderung sehen. so nach dem motto: keine hat es geschafft ihn an sich zu binden, ich aber werde es schaffen..
    ist natürlich jetzt keine allgemeingültige aussage, aber ich hab es so beobachtet. männer die viel unterwegs waren (bzw sehr begehrt erscheinen) sind oft interessanter für frauen.

    übrigens, gibt es in meinen augen noch eine andere einteilung bzw einen unterschied zwischen frauen die relativ promiskuitiv leben.
    ich habe frauen getroffen, bei denen hatte ich das gefühl sie haben einfach gerne sex.. auch gerne mit wechselnden partnern. bei anderen dagegen hab ich das gefühl dass sie es eben nicht gerne aber trotzdem machen. aus welchen gründen auch immer.. mir fällt dazu dann als erstes selbstbestätigung ein. eben nicht sex weil sex so toll ist, sondern weil sie nicht allein sein können und diese bestätigung brauchen… meistens sind diese frauen auch so schnell wie möglich wieder in beziehungen.
    kennt ihr das?

  13. ariane sagt:

    Es kommt natürlich auf das Alter drauf an. Als Teenie wurde unter uns Mädels sicher nicht weniger als unter den Jungs damit geprahlt, welche jetzt die meisten Erfahrungen hat. Nach 20 hängt man ein intensives Sexleben nicht mehr so raus, es sei denn, in Gesprächen mit der besten Freundin, während Männer, sogar in Gegenwart immer noch weiter damit prahlen.

    Männer sind aber Wesen der Worte, Frauen die der Taten. Viele Männer geben an, geben sich locker, kommt es dann aber hart auf hart, sind es gerade sie, die einen Rückzieher machen.

    Vielleicht bin ich ein unvernünftiges Wesen, wenn ich weiterhin ein offenes Sexualleben habe, das sogar zugebe. Und naiv wenn ich Männer als gleichberechtigte Partner sehe, eine Beziehung (und sei es nur für eine Nacht) eine win-win-Situation zu sein hat, während viele Freundinnen mit zunehmenden Alter Sex als etwas ansehen, das sie anbieten, einem Mann gegenüber, entlöhnt mit Sicherheit und Schutz. Als Waffe im Kampf darum, den erfolgreichsten und vermögensten Mann sich zu schnappen. Weil ihre Priorität nicht mehr ein möglichst erfüllendes Sexualleben ist, sondern Sicherheit und gesellschaftliches Ansehen.

  14. jj sagt:

    Verena,

    die Reaktion darauf ist doch einfach – keinen Sex mit ihnen haben… dann wird sich das schon geben. Er mag zwar aktiver sein, aber sie entscheidet (im Regelfall) ob es weitergeht.

    Erna,

    „männer die viel unterwegs waren (bzw sehr begehrt erscheinen) sind oft interessanter für frauen.“

    Ja, mag sein, daß eine Herausforderung für einige interessant ist. Aber daß Männer mit viel Erfahrung bei Frauen begehrt sind mag auch damit zusammen hängen, daß das ein gewisses „Qualitätssignal“ ist – „Wenn ihn so viele andere Frauen erwählt haben, dann muß ja irgendwas an ihm dran sein“. Sieht man ja auch regelmäßig bei Untersuchungen zum Thema Fremdgehen: Wenn Frauen fremd gehen tun sie das scheinbar häufiger an ihren fruchtbaren Tagen und mit Männern die ein deutlich anderes Verhaltensprofil zu haben scheinen als es die gleichen Frauen an ihrem längerfristigen Partner schätzen. Gleichzeitig perpetuieren sie durch ihre Entscheidung natürlich die individuelle Sinnhaftigkeit des Verhaltens ihres Affairenpartners…

    „mir fällt dazu dann als erstes selbstbestätigung ein. eben nicht sex weil sex so toll ist, sondern weil sie nicht allein sein können und diese bestätigung brauchen… meistens sind diese frauen auch so schnell wie möglich wieder in beziehungen.“

    Klar, Sex haben zu können ist auch Selbstbestätigung. Und – das geht dann in Richtung dessen was Ariane geschrieben hat („Männer sind aber Wesen der Worte, Frauen die der Taten. Viele Männer geben an, geben sich locker, kommt es dann aber hart auf hart, sind es gerade sie, die einen Rückzieher machen“) – das gilt mindestens eben so sehr für Männer. Manchmal ist das Gefühl, Sex haben zu können, die Selbstbestätigung, die sich daraus ergibt, von jemand anderem erwählt worden zu sein, als sexuell interessant zu gelten, besser als alles, was danach kommt. Ich spreche da, ahem, ein wenig aus meiner Erfahrung – ich kenne die Unsicherheit, die sich aus fehlendem Erfolg ergibt und auch die Bestätigung, die weibliches Interesse verschafft. Und schon der Ruf, gut mit Frauen zu sein ist unter Männern ein dickes Statussymbol.

    Ariane,

    „Männer sind aber Wesen der Worte, Frauen die der Taten. Viele Männer geben an, geben sich locker, kommt es dann aber hart auf hart, sind es gerade sie, die einen Rückzieher machen.“

    Ist auch meine Erfahrung (und das nicht nur persönlich).

  15. Chrissy sagt:

    Es sind eben Überreste einer patriarchalischen Gesellschaft, welche eine Frau mit vielen wechselnden Partner abstempeln, bei einem Mann es tolerieren. Habe aber das Gefühl, es wendet sich immer mehr zum Guten. Viele Partner sind unter uns mittlerweile eher ein Pluspunkt.

  16. amoc sagt:

    Mich nervt bei dieser debatte -schon wieder dieses rumgehacke auf „dummen freundinnen und anderen frauen, die sex nicht aus eigener lust heraus haben sondern um männer an sich zu binden und in deren „starken armen “ sicherheit zu finden… Gleich werden wieder verächtliche Bemerkungen, Verdächtigungen und Abwertungen an Mädels mit anderen Gewohnheiten ausgeteilt.

    Wie könnt ihr euch denn so sicher sein dass die Mädchen nur aus diesem grund sex haben, ist das dass was sie selbst erzählen?
    Das glaube ich kaum…

    Es ging hier doch eigentlich um die Diskussion das gerade wenn öffentlich über Sex geredet wird, die Offenheit der Frau zu ihrem freien Sexualleben eher bestraft wird und der Mann Huldigung erfährt.
    Ich muss ehrlich sein ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, über die ich mich immer gewundert habe. Des öfteren, wenn ich mit emanzipierten und sehr toleranten jungs über sex rede, wird meine begeisterter erzählung unterbrochen mit sätzen wie
    „…ich will das nicht hören/ das musst du jetzt nicht so ausführen…“
    Bei Beziehungspartnern kann ich das noch bis zu einem Maße verstehen (Motiv Eifersucht), wobei mir da auch auffällt das frau wesentlich lockerer mit Geschichten aus der vergangeheit ihres Freundes umgeht als der Freund selbst… aber bei Jungs die ich einfach nur zu meinen Kumpels zähle, hat mir das immer weh getan, dass hier die Geschlechtergrenze Einzug hält
    und es nicht so easy zu sein scheint von sexuellen Erlebnissen und Abenteuern zu erzählen die Spass gemacht haben!?
    Da macht sich große Verwirrung bei mir breit!?
    Mich hat das jedes mal so getroffen dass ich gar keinen bock mehr hatte das auszudiskutieren, maybe I should do so….

  17. Christian sagt:

    Die unterschiedliche Wahrnehmung hängt meiner Meinung nach mit folgenden zusammen:

    1. eine Frau kann immer und überall, zu jeder Zeit Sex haben, wenn sie will, egal wie hässlich sie ist. Vielleicht traut sie sich nicht, aber einen Mann zu finden, der einfach mal Lust auf Sex ohne Bindung hat ist nicht gerade schwer, wenn man es will. Deswegen gibt es massig weibliche Prostituierte. Das Angebot nach anonymen Sex steht in keinem Verhältnis zur Nachfrage.
    2. Bei einem Mann ist dies bedeutend schwieriger. Es gibt wesentlich weniger Frauen, die einfach so Sex haben wollen und viele, die dies ablehnen. Es ist also mit wesentlich mehr Arbeit und Aufwand verbunden.
    3. Wenn ein Mann sehr viele Sexpartner hatte, dann hat er damit etwas geleistet. Eine Frau hingegen nicht. Demnach kann man es bei ihm bewundern, bei ihr aber nicht.
    4. Ein Mann wird auch nicht bewundert, wenn er in einer Kneipe von Frau zu Frau geht und ihr ein „Willst du Ficken?“ ins Ohr flüstert bis er bei der 70 hinreichend betrunkenen Glück hat und mit einer unattraktiven Frau schläft, sondern lediglich dann, wenn er tatsächlich ein Typ ist, den schöne Frauen anziehend finden. Noch weniger attraktiv wird er in der Regel gefunden, wenn er damit prahlt. Genauso wenig wird eine Frau attraktiv gefunden, die einfach so mit Männern schläft und hier keine Maßstäbe hat. Hingegen habe ich noch nichts negatives über eine Frau gehört, die eine höhere Auswahl an Sexualpartnern hatte, diese aber wohl ausgesucht und die Sache mit etwas Charme behandelt. Also nicht „ich hatte halt lust und dieser Fremde war der einzige der da war“ sondern eher „Es war ein toller Typ, genau mein Fall, es war die richtige Chemie zwischen uns und es hat sich langsam hochgesteigert und sich dann eben ergeben“. Wer wahllos und zu sehr auf Sex fixiert wirkt, der schneidet nicht gut ab, egal ob er männlich oder weiblich ist.

  18. Mazza sagt:

    Also, ich empfinde keine gleichberechtigung bzw. befreiung , wenn es heisst, frauen sollten sich sex holen nach dem motto – machen wir`s den männern nach.
    Erstens möchte ich mich nicht von jedem dahergelaufenen mann abtatschen lassen bzw. intim werden, nur, weil ich mal lust auf sex hätte oder darin meine selbstbestätigung suche. Gleichberechtigung bedeutet für mich, auch mal Nein zu sagen, d.h. zu selektieren, wer freund ist und wem Ich nähe und vertrauen schenke – auch wenn diese nur für einen abend gilt.
    Wenn manche männer aufgrund ihrer dümmlichen jagdeigenschaften protzen und prahlen, wieviel mädchen sie `flach-gelegt` haben, sehe ich darin eher ärmliches imponier- und machogehabe.

    Das hat nichts mit prüderie zu tun . Das ist einfach pubertär, und mann wollte uns schon immer weismachen, seine promiskuität hätte etwas mit männlichkeit zu tun.
    Einfach verkehrtes Denken aus patriarchaler Vorzeit, dem ich mich als frau nicht beugen muss!

    Überhaupt finde ich es schade, daß junge mädchen sich häufig mit jungen einlassen, nur um ihnen zu gefallen oder weil es trendy ist oder mädchen angst haben, nicht angenommen bzw. zurückgesetzt zu werden.

    Ich möchte und würde auch nie eine frau als `schlampe` titulieren, wenn sie zahllose sex-kontakte mit männern hat. Diese bezeichnung wurden frauen auf`s auge gedrückt von männern, denen wir den `glauben` an `hure und jungfrau` zu verdanken haben.

  19. drittereihe sagt:

    Hallo.

    dieses phänomen beschäftigt mich auch schon längere zeit.

    erstmal um eine kleine lanze für den verpönten second wave feminism und seine „Prüderie“ zu brechen: keine frage, die vorstellung dass sex nur aus gegenseitiger zuneigung und nie zur reinen (gegenseitigen) lustbefriedigung ausgeübt werden solle hat nach meiner einschätzung mit emanzipation wenig zu tun und ist nahtlos anschlussfähig an konservativ-kirchliche sexualideale. die feministische skepsis gegenüber der zelebrierung ungebundener (männlicher) sexualität geht aber, glaube ich, auf eine andere beobachtung zurück: männer die nicht nur nicht deshalb sex mit einer frau haben, weil sie diese so toll finden (was völlig okay wäre, wenn das transparant und in gegenseitigkeit geschieht), sondern nicht einmal um lust am sex zu haben, sondern vielmehr zur eigenen selbstbestätigung und der beförderung des eigenen egos. Die Sexpartnerin wird also nicht zur Partnerin zum Lustgewinn, sondern zur Trophäe gemacht – was dem Macho aus irgendeinem Grund Macht über sie verleiht.
    Das „männliche“ Ego konstituiert sich damit aus der Anzahl von „Eroberungen“. Wie oft mann mit den Frauen dann geschlafen hat, ist nebensächlich.

    Andersherum funktioniert das bei Frauen nicht. Frauen die mit der Zahl ihrer Sexualpartner prahlen, büßen meist vielmehr Anerkennung ein.

    Der ungebundene Sexualakt führt damit zu einer Wertsteigerung des beteiligten Mannes gegenüber der beteiligten Frau und regelt sofort wieder ein patriarchales Gefälle.

    aus feministischer perspektive ist das sicher ein anklagenswerter vorgang.

    Die Frage die sich mir dabei stellt: Warum ist das so? Warum gelten Männer die mit vielen Frauen Sex haben als tolle Hechte, während Frauen mit vielen wechselnden Geschlechtspartnern als (wertlose) Schlampen gelten.

    Dass das Ansehen eines Mannes steigt, mit dem viele verschiedene Frauen bereit sind Sex zu haben ist nachvollziehbar: immerhin belegt dies die Attraktivität des Mannes. Das könnte aber genauso anders herum gelten. Tut es aber offenbar nicht.

    ich glaube die aversion gegen sexuell freizügige frauen hat bei (hetero-)männern ganz andere gründe als bei (hetero-)frauen.
    bei frauen ist das konzept ‚heilige/hure‘ ziemlich einleuchtend. aus der historischen, ökonomisch abhängigen situation von frauen von ihrem ehemann/freund kann die „schlampe“ nur als existentielle bedrohung wahrgenommen werden.

    aber welches problem haben machos mit sexuell offenen frauen? warum beschwert sich „Voll Assi Toni“ auf youtube über die ’sexgeilen frauen‘, nachdem er gerade noch davon prahlt dass er „mehr gefickt wie gepisst“ hat?
    es ist ja auch nicht so, dass der macho den sex mit „der dorfmatratze“ ausschlägt oder geheim hält. beim prahlen vergisst er nur nicht zu betonen wie wertlos ihm diese erscheint.
    eventuell stellt die frau die offensiv und bewusst ihre sexualität auslebt die sexistische konstellation vom mann als ‚eroberer‘ in frage und unterhölt damit den beschriebenen effekt des machtgewinns durchs ‚flachlegen‘ – dreht diesen vielleicht sogar um. diese infragestellung des fundaments männlichen selbstbewusstseins provziert dann die aversionen und aggressionen.
    außerdem untergräbt die frau mit vielen sexpartnern den sexuellen alleinverfügungsanspruch dieser männer.

    trotzdem- so richtig einleuchtend sind die erklärungen nicht…