In einem Uniseminar hatte eine Dozentin von mir mal gesagt: Toiletten sind eine der letzten Bastionen der krassen Geschlechtertrennung. Ob sie Recht hat oder nicht – darüber lässt sich bestimmt streiten. Fakt ist, dass es das stille Örtchen meist nur für genau zwei Geschlechter gibt: „Männer“ und „Frauen“. Interessant ist, dass Toilettenschilder, die wir alle schon in hundert verschiedenen Variationen gesehen haben und wohl eher selten eingängig betrachten, ziemlich viel über gesellschaftliche Ideen von Geschlecht verraten.
Schon vor über zwei Jahren hat Marissa von This is Hysteria eine wunderbare Sammlung von (teilweise kuriosen) Toilettenschildern veröffentlicht und diese auch gleich analysiert. Sie kam zu dem Schluss, dass viele Schilder Männer als „Mensch“ (und somit universal) darstellen, während Frauen beispielsweise als „Mensch mit Rock“ oder „Mensch mit Hijab“ oder „Mensch mit Taille“ dargestellt werden. Viele der Bilder vermitteln essentialistische und geschlechterstereotype Vorstellungen von Geschlecht.

So zielen eine Vielzahl der Bilder auch auf die Idee ab, dass Männer und Frauen das Gegenteil voneinander seien.
Häufig werden Formen zur Darstellung von Geschlecht benutzt (wie z.B. wie im Bild rechts Dreiecke): Links zeigt die Spitze des Dreiecks nach unten. So wird ein Körper nachgestellt, der oben breiter ist (wahrscheinlich: breite Schultern) und nach unten hin schmaler wird. Zumindest meine gesellschaftlich geformte Lesart wäre: Das soll wohl ein „Mann“ darstellen. Rechts ist das Dreieck umgedreht, so dass es für mich so aussieht, als wäre dies ein Kleid. Mein Kopf kombiniert: Aha, das ist das Zeichen für „Frauen“ – da gehe ich rein.
An diesen Artikel von This is Hysteria, den ich euch übrigens sehr empfehle, dachte ich dann auch, als ich folgendes Bild vor ein paar Tagen entdeckte:

Dieses Toilettenschild findet mensch am Hampshire College im US-Bundesstaat Massachusetts. „Self-Identified Men“ heißt so viel wie: „sich selbst als Mann definierend“. Der erste Teil des Schilds heißt übersetzt:
Hampshire stellt sich eine Welt vor, in der Geschlecht weder der Grund für Diskriminierung noch für Gewalt ist. Wir sind uns außerdem bewusst, wie wichtig es ist, safer spaces („geschütztere Räume“) für all jene bereitzustellen, die wegen ihrer Geschlechtsidentität marginalisiert sind (wie Frauen, Trans* und gender-nonkonforme Menschen (…).
Ich finde es gut, wenn Menschen sich über so alltägliche Dinge wie Toilettenschilder Gedanken machen und versuchen, Zweigeschlechtlichkeit aufzubrechen. Wer andere mal so richtig verwirren will, bringt bei der nächsten Party oder Guerilla-Aktion auf einer öffentlichen Toilette einfach mal andere Schilder an die Toilettentüren an und wartet, was passiert. Noch keine Ideen? Bei unserer 5-Jahres Feier hatten wir zum Beispiel Toilettenschilder gebastelt, auf denen draufstand: „Frauen, Lesben, Trans*: Zum Sitzen und zum Stehen“ und „Für alle Geschlechter: Zum Sitzen“.

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