Einträge mit dem Tag ‘Vorbilder für Deutschland’

161 Jahre ohne

Thursday, November 13th, 2008 von Katrin

161 Jahre - so lange existiert die Firma Siemens schon. Und jetzt, 161 Jahre nach der Gründung, sitzt zum ersten Mal eine Frau im Vorstand: Barbara Kux. Siemens-Vorstandschef Peter Löscher hatte wohl bereits im Sommer gemotzt:

“Unsere 600 Spitzenmanager sind vorwiegend weiße deutsche Männer,”

und dies als zu eindimensional empfunden. Richtig! Und gut, dass mit der Benennung einer Frau für einen Vorstandsposten ein Anfang für eine andere Zukunft gemacht wurde.

Kux hat eine steile Karriere hinter sich: Elite-Uni, McKinsey und diverse Überfliegerinnen-Aktionen bei ABB, Philipps und Ford. Hut ab. Bleibt eigentlich nur die Frage, warum jetzt erst ein Unternehmen auf die Idee kommt, sie in ihren Vorstand zu holen.

Mit diesem Erfolg ist Kux erst die zweite Frau in sämtlichen DAX-30-Unternehmen. Auch in den restlichen deutschen Aktienunternehmen ist die Quote ernüchternd: 98 Prozent der Vorstandsposten werden von Männern bekleidet. Es gibt keine einzige Vorstandschefin darunter. In Norwegen kennt man dieses Problem seit Anfang des Jahres nicht mehr: Dort gibt es eine 40-Prozent-Quote für Vorstände und Aufsichtsräte.

(Quelle: taz-Artikel von Bernhard Hübner)

Applaus für… Christian, den Grundschullehrer

Thursday, September 25th, 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 2 von 4 der Serie Applaus für

Ein sehr interessantes Protokoll über das Dasein als Grundschullehrer fand ich soeben bei Spiegel.de: Christian ist 24 Jahre alt und einer der 7 Prozent Grundschullehramts-Studenten. Wie sich das anfühlt, warum er denkt, dass Männer in diesem Beruf wichtig sind und was für seltendämliche Kommentare er sich schon anhören musste - all das erfährt man im Artikel. Kurzer Auszug:

“Dass Erziehung, insbesondere die frühkindliche, ins Aufgabengebiet der Frau fällt, ist in vielen Köpfen tief verankert. Und man spürt, dass es nicht gerade gut ankommt, wenn ein Mann Grundschullehrer wird.”

“Die Öffentlichkeit traut dem Denken der Frauen nicht”

Friday, September 5th, 2008 von Susanne

In der aktuellen Ausgabe der Zeit stellt sich die Literaturkritikern Susanne Meyer in einem sehr lesenswerten Essay eine interessante Frage: Warum gibt es in Deutschland keine weiblichen intellektuellen Ikonen wie es Susan Sontag für Amerika war - oder auch die Publizistin Joan Didion?

Bei der Lektüre des Essays wird klar: Es gibt eine ganze Menge Gründe dafür. Gründe, die sich gegenseitig bedingen und reproduzieren:

Ein deutsches Phänomen, findet die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun, die in Italien aufwuchs, in Frankreich und Amerika gelehrt hat und zum Wintersemester an der Humboldt-Universität zu Berlin als Graduiertenkolleg »Geschlecht als Wissenskategorie« anbietet. Fragt man Braun, warum sich in Deutschland Frauen immer wieder zurücknähmen, sagt sie, das Problem sei eine Abwehr des Mutterbildes, und zwar weniger das der Nazis als das des Weiblichkeitsideals der fünfziger Jahre.

Sie beschreibt es die Hausfrau, die Gattin, die aufopferungsvolle Weiblichkeit. Die gewählte Abstinenz von einer öffentlichen Rolle. Der dezidierte Nichtintellektualismus, der in dieser Rolle liegt. Die Rolle der intellektuellen Frau ist nicht deutlich vorgezeichnet. »Ich bitte Sie, wenn bei uns eine Alice Schwarzer als große Emanzipationsfigur gilt«, sagt Braun. »Alice Schwarzer!«, sagt Bovenschen. Und erinnert sich, wie die Debatte um den Paragrafen 218 in alle Diskussionen »hineingegrätscht« sei, alle anderen Themen aus dem Feld geschlagen habe. Das hielt die Mädchen beschäftigt. Frauen verpassten es, sich in jene Zeitdebatten einzumischen, in denen Didion und Sontag prominente Rollen spielten. In differenzierten Essays, nicht als Stichwortgeberinnen in Talkshows.

(…)

Bei uns, sagt Braun, traue die Öffentlichkeit dem Denken der Frauen nicht. Mehr noch trauten sich Frauen etwas zu, werde das nicht gerne gesehen. So ist es: Frauen, die eine starke Meinung haben, werden vor allen Dingen als Frauen gesehen. Man schaut auf ihre Frisur, die Schuhe, siehe oben.

»Schriftsteller sollten uns mit dem, was sie tun, frei machen, lockern, aufrütteln. Sie sollten dem Mitgefühl und neuen Interessen neue Wege bahnen«, sagte Susan Sontag, als sie im Mai 2001 den Jerusalem-Preis entgegennahm, in einer Rede, die auch der neue Band enthält, und definiert für sich eine grandiose Rolle, ohne Bescheidenheit. (…) Es fällt schwer, sich in der deutschen Landschaft eine Frau zu denken, die sich so zu produzieren wagte.

(…)

So liest man also mit ein wenig Neid die Essays von Didion und Sontag, eine Gattung übrigens, die dem deutschen Geist natürlich zuwiderläuft. Der Essay sei bei uns ja eine Kümmerform, sagt Bovenschen, der erst vor zwei Jahren gelang, mit aphoristischen Betrachtungen, Älter werden, einen Publikumserfolg zu erringen. »Sontag und Didion schreiben journalistisch!«, sagt Braun, »und das ist bei uns ein Totschlagargument unseriös!«

Liebe Ladys, wie sind eure Zukunftspläne? Kommen darin auch laute Auftritte und klare Ansagen in der Öffentlichkeit drin vor? Oder wäre das tatsächlich un-vor-stell-bar?

Emanzipierte Kiwis

Friday, August 29th, 2008 von Anna

Unsere Leserin Dorothea hat uns auf einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufmerksam gemacht: “Das weibliche Ende der Welt”. Neuseeland scheint wie nebenbei das erreicht zu haben, wovon europäische und amerikanische Feministen und Feministinnen derzeit nur träumen können: Eine Gesellschaft, die in hohem Maße, ja in einer Phase in den 90ern fast ausschließlich, von Frauen repräsentiert wird. Eine Premierministerin, Bürgermeisterinnen, eine Generalstaatsanwältin… Insgesamt sind 47% der neuseeländischen Arbeitsstellen von Frauen besetzt:

“Anders als in vielen europäischen Ländern haben die neuseeländischen Frauen den Aufstieg ohne Förderprogramme und Quoten erreicht. „Vorwärts gebracht haben uns der Abbau rechtlicher Ungleichheiten und eine expandierende Wirtschaft“, meint die Sozialwissenschaftlerin Marilyn Waring. […] Bestandsaufnahmen zur Rolle der Frau kommen in Neuseeland ohne anklagenden Unterton aus. Es wird kühl bilanziert und besonnen appelliert. „Die Forderung nach mehr Frauen in der Wirtschaft wird bei uns nicht mit den Rechten der Frau begründet, sondern mit den Vorteilen für die Wirtschaft“, sagt Waring.“

Aber:

“Trotz der Erfolge machen Feministinnen wie Marilyn Warin noch immer Defizite aus. „Nur weil man jetzt überall Frauen in guten Positionen sieht, lässt sich noch lange nicht von Gleichberechtigung sprechen“, sagt die Professorin und verweist auf den hohen Anteil von weiblichen Teilzeitstellen und die Gehaltsdifferenzen zwischen Männern und Frauen. Anschauungsmaterial bietet ihr eigenes Umfeld. Obwohl an der Auckland University of Technology deutlich mehr Männer als Frauen studieren, ist nur jeder vierte Professor eine Frau. […] In 60 der 100 größten Unternehmen sitzen heute keine Frauen im Vorstand.”

Liebe Leserinnen und Leser, wer von Euch war schon (länger) in Neuseeland? Eine Gesellschaft so voller wichtiger Frauen: Merkt man das? Und warum bekommen wir das nicht hin, verdammt?!
Anders gefragt: Wie schaffen wir es, dass auch hier Frauen endlich als wichtiger wirtschaftlicher Input gesehen werden und nicht mehr als die Gefahr einer Fehlinvestition?

Gute Frage

Friday, May 23rd, 2008 von Susanne

Braucht man an Zebrastreifen außer den Schildern, auf denen ein Mann zu sehen ist, auch welche mit einer Frau drauf?

Die Schweden sagen: Ja.

(Das Schild da oben steht in Laos. Dank an Irina für den Link.)

Die Frauen von Europa

Friday, May 2nd, 2008 von Susanne

Der Spiegel entdeckt mal wieder die Frauen. Diesmal in der europäischen Politik. Und weil die Autorin des Spiegels anscheinend nicht glauben kann, dass die Damen durch ihre Politik auf sich aufmerksam gemacht haben, fängt der Artikel zum Thema dann auch so an:

Die Wende kam schleichend, doch sie ist nicht mehr zu übersehen. Plötzlich sind die fadesten Politiker-Gruppenfotos bunt. Die neuen Ministerinnen blitzen mit fuchsienfarbenen Kostümen und wohlfrisiert zwischen all den Anzug-und-Krawatte-Uniformen hervor.

Im weiteren Text geht es dann aber glücklicherweise doch noch um die Frage, wie europäische Politikerinnen ihrer Ämter walten: wie die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen Millionen für den Krippenausbau durch das Kabinett drückt, wie die spanische Verteidigungsministerin Carme Chacón hochschwanger Paraden abnimmt, oder dass der französische Präsident Nicolas Sarkozy einem Kabinett vorsteht, von deren 32 Mitglieder elf Frauen sind.

Außerdem zitiert der Spiegel Zahlen aus einer Studie der Interparlamentarischen Union. Was ich hier gern auch mache, weil die Zahlen sehr interessant sind:

  • Weltweit sind 17 Prozent der Abgeordneten weiblich - sieben Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren.
  • Die EU liegt in Sachen politischer Chancengleichheit über dem Durchschnitt: 1997 saßen 16 Prozent Frauen in Parlamenten der Europäischen Union, heute ist knapp ein Viertel weiblich. Europas Spitzenreiter sind Schweden, Finnland und die Niederlande - die Schlusslichter Ungarn, Rumänien und Malta (siehe Grafik).
  • Bei der Verteilung der Ministerjobs innerhalb Europas geht es höchst unterschiedlich zu: Griechenland und die Türkei haben jeweils nur eine Frau in der Regierung, die Slowakei zwei - in der finnischen Regierung sind zwölf von zwanzig Kabinettsposten weiblich besetzt.
  • Frauen rücken zunehmend in die Regierungen ein, wenn man den europäischen Durchschnitt betrachtet: Heute ist fast ein Viertel der Kabinettsposten in Europa mit Frauen besetzt; Mitte der Neunziger waren es noch 16 Prozent.

(Dank an Mareke für den Link)

Lady Bitch Ray: Wütende Möse auf Highheels?

Thursday, April 3rd, 2008 von Katrin

Highheels

Sie ist überall: Bei Maischberger hat sie diskutiert (wovon u. a. Spiegel Online und die FAZ berichteten), Spiegel Online hat über sie geschrieben und in der Taz war sie auch schon zweimal („Keine ist so krass wie ich“, 2006 und „Ich stehe für vaginale Selbstbestimmung“ 2008). Niemand kommt mehr so richtig an der eigenwilligen Erscheinung der Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray vorbei, die für sich proklamiert, sie vertrete eine neue Art von Emanzipation. „Ich stehe für vaginale Selbstbestimmung,“ ist der Titel des Taz-Interviews vom 1 April. Dabei ist es oft etwas schwierig, zwischen all den Provokationen herauszulesen, was sie wirklich will. Ein bisschen aggressiv kommt sie manchmal rüber:

“Ich habe viel Wut in meiner Möse, und die muss ich rauslassen.“

Doch was steckt hinter solchen Songs wie „Ich hasse dich!“, in dem Jeannette Biedermann und Sarah Connor ihr Fett wegkriegen?

“Die zwei sind oberflächliche Musterfrauen, die ich verachte. Die achten darauf, wie sie reden, wie sie singen, die verhalten sich oberflächlich. Sarah Connor ist unerträglich. Die beiden haben sich doch hochgeschlafen. Ich ertrage diese oberflächliche Gesellschaft nicht.”

Nicht wirklich sympathisch, oder?

Wenn man die Lady Bitch Ray erfassen will, muss man weiter ausholen. Denn im Gegensatz zu Rappern wie Frauenarzt oder King Orgasmus One, die Pornorap berühmt und berüchtigt gemacht haben, hat sie Abitur und sogar ein abgeschlossenes Studium in Germanistik. Ihre Magisterarbeit hatte das Thema „Jugendsprache anhand der Darstellung der Jugendkultur Hiphop“ und wurde wegen ihrer ausgesprochen guten Qualität und vor allem Aktualität in einer Anthologie im Brockmeyer-Universitätsverlag veröffentlicht. Aber: Eine Germanistin, die mit Wörtern wie „Möse“, „Ficken“, „Fotze“ und „Schwänze“ inflationär umgeht, ist einfach nur irritierend. Eine Frau, die irgendwie aus sämtlichen Rahmen purzelt.

Der Ehemann von Sarah Connor, Marc Terenzi, wird dann mal aben als Schwuchtel betitelt und die Taz fragt:

“Das ist ganz schön homophob, was?”

Doch in eben solche Raster (”wer Schwuchtel sagt, ist homophob“) lässt sich Frau Sahin nicht pressen.

“Weil ich Schwuchtel sage? Im Rapkontext ist es ein gängiger Begriff. Ich habe natürlich nichts gegen Schwule, mein Friseur ist schwul. Ich will Marc Terenzi aber einfach niedermachen.“

Sie weiß wovon sie spricht, darüber hat sie ihre Magisterarbeit geschrieben.
Doch in die Köpfe so mancher JournalistInnen (und LeserInnen) will das nicht reingehen. Sie regen sich auf, sie machen sich lustig, sie schütteln ihre Köpfe. Da wird die Lady Bitch Ray mal zu ernst, dann wieder zu wenig ernst genommen. Denn sie ist nicht nur angetreten, um für „vaginale Selbstbestimmung“ zu kämpfen, sie sagt im Taz-Interview auch:

“Mir ist es wichtig, dass das Opferbild der Türkin geändert wird. Ich mache das krasse Gegenteil davon, was von einer Türkin erwartet wird.“

Ob ihr das mit mit Vulgärsprache und körperlich dargestellter Provokation wohl gelingt?

Wahrlich, eine harte Nuss, diese Lady einzuordnen, angesichts so vieler Chiffren, künstlerischer Schnörkel, kühl kalkulierten Provokationen, politisch und sozial komplizierten Hintergründen und psychologischen Selbstzeugnissen wie „ich habe zwar eine Profilneurose und bin Narzisstin …” Als FeministIn kann und muss man einige „Techniken“ dieser Frau kritisieren. Sexuelle Reize werden derart penetrant in den Vordergrund gestellt, dass man sich zwischen Abstoßung und Faszination hin- und hergerissen fühlt. Außerdem bleibt die Frage nach dem Effekt: Kann dies wirklich ein Beitrag zu mehr Geschlechterdemokratie sein? Braucht es dafür nicht ein bisschen mehr Ernst? Ein bisschen mehr “Haltung statt Posen”? Zudem sind die Botschaften oft sehr widersprüchlich – Feminismus paart sich bei Sahin mit heftigen Rollenklischees, wie in den „10 Geboten des Vagina Styles“:

“Du hast einen Grund zu feiern: Du hast eine Möse und du bist eine Frau, die weiß, was sie will.”

- Daumen hoch! Aber dann wieder:

“Wenn du Geld verdienst, sei dir nicht zu geizig für Kosmetika, Klamotten und Highheels, das ist ne clevere Anlage. Dein Körper ist dein Kapital, Baby.”

Puh.

 

(Dank an Kathrin und Timo für die Links.)

“Es war einmal ein Mädchen, das hieß Anne”

Friday, March 28th, 2008 von Katrin

Gehört eigentlich in jedes CD-Regal: Meine Freundin Rieke war mit ihrer Schwester auf fast jedem Konzert, das es in ihrer Nähe gab. Hunderte Menschen wurden von ihm in ihrem Alltag begleitet und kannten seine Lieder in- und auswendig. Bis heute reist er durch die Lande, um etwas zu bewegen – im wahrsten Sinne des Wortes: um zum Tanzen, zum Lachen und Singen anzuregen. Wie viele Fantasien hat er wohl schon angeregt? Wie viele Menschen für ein Leben lang beeinflusst?

Die Rede ist von keinem gewöhnlichen Pop-Star, nicht von Robbie Williams, sondern vom Liedermacher Fredrik Vahle. Vor 35 Jahren, im Jahre 1973, kam seine erste Platte auf den Markt, “Die Rübe”. Der heute 66-Jährige hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Kindern Spaß zu machen. Aber nicht die Sorte inhaltsleerer, oberflächlicher Spaß wie die Teletubbies, sondern Spaß mit Tiefgang und Gefühl. Seine Lieder waren von Anfang an auch immer politisch, er griff Themen wie Arbeit und Arbeitslosigkeit, Migration, Sexismus und – ja – auch Feminismus und Demokratie auf. Im Lied”Das Trampeltier” wird zum Beispiel der zivile Ungehorsam propagiert, “Die Rübe” zeigt, dass alle Kinder – auch die von Gastarbeitern – zusammen viel erreichen können und “Anne Kaffeekanne” steht für selbstsichere, freche Mädchen, die sich weder nach Konventionen richten, noch von irgendwem zur Hausfrau machen lassen.

Denn die kleine Anne ist ein bisschen verrückt: Sie bläst gerne Trompete auf einer Kaffeekanne und zwar so nervig und penetrant, bis alle Nachbarn “Aufhören!” schreien. Statt sich aber davon einschüchtern zu lassen, schnappt sich das Mädel ihren Besen und kehrt dieser Nachbarschaft den Rücken zu, auf der Suche nach Gefährten in der ganzen Welt, mit denen sie auf Augenhöhe leben kann. Und wenn ihr jemand doof kommt, dann wird er eiskalt links liegen gelassen. Ein Eskimo am Nordpool zum Beispiel, der sich freut, dass Anne ihm jetzt jeden Tag Lebertran kochen könnte. Oder ein gefährlicher Löwe, der sie fressen will – Anne hat keine Angst.

Selbstbewusst zieht sie weiter und schneit bei Heidi in den Alpen vorbei. Diese würde sie gerne mitnehmen auf ihre abenteuerliche Reise, doch Heidi, das alte Heimchen, hat keinen Bock, bleibt lieber zu Hause. Anne schert sich nicht drum. Als im Schwarzwald der Oberförster mit seinen strohblonden Haaren mit den Worten “du bist genau die richt’ge Frau, du bringst mir die Pantoffeln für die Tagesschau” versucht, Anne hinter den Herd zu verbannen, steht er ganz schnell wieder alleine da. Richtig so!

Erst der kleine Hansi Heinemann, aus Wanne-Eikel, der nicht versucht, das fliegende Fräullein in irgendeine Rolle zu quetschen, sondern einfach mitreisen möchte, wird aufgenommen. Auf Augenhöhe eben – Jungs und Mädchen.

Wer sich angesichts solcher Kinderlieder, durch die eine ganze Kinder-Generation fast schon “indoktriniert” wurde, wundert, dass heute so viele Alphamädchen rumlaufen, wer sich noch fragt, wie es zu solchen Ergebnissen in der Brigitte-Studie kommen konnte, die zeigt was Frauen wollen – nämlich alles und das ganz selbstbewusst, der sollte einmal die alten CDs von Fredrik Vahle rauskramen. Dieser Herr, mit dem langen weißen Bart hat sicherlich sein Schärflein dazu beigetragen.

Danke!

Den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (der ihm im Jahr 2000 verliehen wurde) hat er ohne Frage mehr als verdient. Mein Sohn hört übrigens auch fast täglich “Die Rübe”, den “Spatz” und natürlich Frau Kaffeekanne. Soll ja auch mal ein ordentlicher Feminist werden, der kleine Mann.

Schwestern - ein Politikerinnen-Buch

Wednesday, February 27th, 2008 von Barbara
Dieser Text ist Teil 2 von 19 der Serie Die Feministische Bibliothek

Silvana Koch-Mehrin, (c) Econ Verlag Silvana Koch-Mehrins Buch “Schwestern - Streitschrift für einen neuen Feminismus“, das bereits im vergangenen Jahr im Econ Verlag veröffentlicht wurde, thematisiert die aktuellen Probleme von jungen Frauen: Kinder, Karriere, Beziehung, Familie - wie geht das zusammen? Die Autorin, 1970 geboren, ist FDP-Europapolitikerin. Promovierte Volkswirtschaftlerin, Ehefrau, Mutter zweier Mädchen.Koch-Mehrin bietet Lösungen für die oben genannten Probleme. In ihrem Buch fordert sie junge Frauen, die Kinder haben und arbeiten möchten, etwa auf, sich doch einfach als Rabenmütter zu bekennen:

“Das Bild der Rabenmutter kommt daher, dass junge Raben beim Verlassen des Nestes sehr unbeholfen wirken (…) Deshalb müssen ihre Eltern sie in die Welt schubsen (… )beschützen sie aber weiterhin vor Feinden. Was kann man Kindern Besseres angedeihen lassen als eine gute Mischung aus Loslassen und Haltgeben?”

Die Flucht nach vorne hilft, so die Autorin, in den meisten Situationen. Denn mutige Frauen, die sich auch nicht scheuen, Kontra zu geben, werden ernst genommen.

Neben diesen manchmal etwas altbackenen Ermunterungen liefert Koch-Mehrin Fakten über Modelle von berufstätigen Eltern aus europäischen Nachbarländern und kritisiert die Familienpolitik der Bundesrepublik:

“In Deutschland sind die Frauen mit der Frage der Kinderbetreuung allein gelassen. Es ist mehr als überfällig, endlich die Krippen und auch das Tagesmütter-System auszubauen. Mit verbindlichen Qualitätsstandards und Ausbildungsgängen.”

Doch nicht nur in der Bundespolitik lauern Feinde, auch in den deutschen Medien. Neben der früheren Moderatorin Eva Herman sind das “arrivierte Herren mit grauen Schläfen”, “Großkopferte” wie Spiegel-Feuilletonchef Matthias Matussek oder Frank Schirrmacher, FAZ-Herausgeber, die Theorien über die Gefährdung der Deutschen durch die gebärstreikenden Frauen, über die Bewusstseinsübernahme der Deutschen durch mächtige Fernsehtalkerinnen und über die vom Aussterben bedrohten richtigen Männermänner kolportieren.

“Es ist wieder salonfähig, einen miefig-moralisierenden Überbau zu konstruieren. (…) Jedoch meinen diese selbsternannten Demografen aus der Tiefe ihrer ledernen Clubsessel nun nicht nur zu wissen, was gut ist für Deutschland, sondern speziell, was gut ist für Kinder und, nachrangig, für Frauen.”

“Schwestern” ist die Streitschrift einer jungen, aktiven Frau, der die Gegenwart in vielen Punkten stinkt. Neben der Kritik bietet sie Lösungen, indem sie sich in den europäischen Ländern umsieht und sich die Rosinen aus dem Teig der Möglichkeiten herauspickt - die Kompetenzen einer Europapolitikerin.

Dran denken: Ein Lächeln in Gedenken an Susan Sontag

Wednesday, January 16th, 2008 von Susanne

Heute wäre die großartige Susan Sontag 75 Jahre alt geworden. Sie war ihr Leben lang die intellektuelle weibliche Stimme, die uns in Deutschland leider immer noch fehlt. Susan Sontag kritisierte den Vietnam- und den Irakkrieg und kommentierte fortlaufend Missstände in der amerikanischen Gesellschaft. Sie äußerte sich aber nicht nur zu politischen Themen, sondern schrieb auch über Fotografie, Kunst, Film und Literatur; und auch über das Thema Krankheit - sie selbst starb mit 71 Jahren an Leukämie. Sontag lebte aber auch, wie sie dachte: engagiert und selbstständig. Während sich andere Intellektuelle während des Bosnienkrieges in den Feuilletons über die Intervention stritten, fuhr sie nach Sarajewo. Dort inszenierte sie zwischen den Scharfschützen mit einem Theaterensemble “Warten auf Godot” von Beckett. Sie setzte sich immer auch politisch ein für Themen, die ihr wichtig waren, egal, ob es um Frieden oder Feminismus ging. Und weil sie auch eine überaus gebildete und analytische Frau war, ist und bleibt sie ein riesengroßes Vorbild. Ihr Tod 2004 war ein unfassbarer Verlust für diese Welt.

Für alle, die Susan Sontag noch nicht für sich entdeckt haben, unbedingt zu empfehlen: Daniel Schreibers Biografie “Susan Sontag: Geist und Glamour”, und natürlich ihre Essays.