Einträge mit dem Tag ‘Vorbilder für Deutschland’


Keine Widerrede!

1. September 2011 von Kübra

Wir sind in Kairo auf der Suche nach einem Buch. Man gibt uns Wegbeschreibungen, keine ist richtig. Wir laufen hin und her. Es ist heiß, die Sonne knallt und ich bin genervt. Wir treffen schließlich auf Ahmed, einen jungen ägyptischen Geschäftsmann. Er will uns helfen und führt uns in eine Buchhandlung in der Nähe. Ohne Erfolg, das Buch gibt es dort nicht. “Aber vielleicht in einer anderen Buchhandlung”, sagt der Verkäufer und beschreibt Ahmed den Weg.

“Ich fahre euch”, sagt Ahmed. Keine Widerrede. Schnell räumt er die Kindersitze in seinem Wagen weg, bittet uns hinein und fährt los. Auf der Fahrt erzählt er uns von seinem Familienunternehmen, wie sie unter der Revolution gelitten haben und dass es das aber wert gewesen sei. Er sei glücklich mit dem, was er habe.

Eine Stunde später stehen wir mit dem gesuchten Buch an der Kasse. Als wir zahlen wollen, erklärt Ahmed uns, das Buch sei schon bezahlt. Keine Widerrede. Und nach Hause fahren will er uns auch. Keine Widerrede. Als er später nach einer herzlichen Verabschiedung davonfährt, hinterlässt er bei mir mehr als nur ein Buch.

Einige Tage später sitzen wir in einem klappernden Taxi. Es riecht stark nach Benzin, ich muss mir die Nase zuhalten, atme vorsichtig. Es ruckelt, es wackelt. Ich sitze angewidert auf den alten Sitzen und versuche mich nirgends anzulehnen. Dann sehe ich das Gesicht des Fahrers im Rückspiegel: alt und gezeichnet. Er guckt mich besorgt an. Schnell drehe ich mich zum Fenster und versuche unauffällig durch den Mund zu atmen.

Als wir auf einer Schnellstraße an einem Wagen vorbeifahren, der am Straßenrand steht, hält unser Fahrer an und fährt vorsichtig rückwärts. “Was ist los? Kann ich helfen?”, fragt er den Fahrer des gestrandeten Wagens. “Nein, danke”, er warte auf Benzin. Unser Fahrer nickt und fährt weiter. Nach dem Aussteigen hole ich erst mal tief Luft.

Wir erholen uns in der Sultan-Hasan-Moschee, vor über 700 Jahren erbaut und noch immer hervorragend erhalten. Neben uns sitzt ein Mann und macht sich Notizen. Wir kommen ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass Dr. Osama ein bekannter Architekt ist, früher beauftragt mit der Aufsicht sämtlicher religiöser Stätten in Ägypten, heute schreibt er ein Buch über die Architektur dieser Moschee. Er legt seine Arbeit zur Seite und weiht uns in ihre Geheimnisse ein. Als wir uns aufmachen wollen, besteht er darauf, uns zu fahren. Keine Widerrede.

Sein Wagen ist alt, staubig, die Scheibe zersprungen. “Relikt der Revolution”, kommentiert er. An diesem Tag begleitet uns Dr. Osama mehrere Stunden durch Kairo, fährt mit uns einkaufen und essen, zeigt uns besondere Architektur, bevor er uns am Abend zuhause absetzt. Keine Widerrede.

Mich ärgern Müll und Gestank, Stau und schlechte Luft in dieser Stadt. Noch mehr aber ärgere ich mich darüber, wie blind ich doch immer wieder für das Schöne bin. Herzlichkeit und Bescheidenheit, Glück und Gastfreundschaft – an alldem mangelt es nicht in diesem Land.

Und wieder stehe ich vor meiner Haustür. Mit mehr als nur meinem Einkauf.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


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Europaweit gegen Gewalt

29. Juni 2011 von Franziska

Salut,

es gibt gute Nachrichten auf europäischer Ebene! Der Europarat hat eine Konvention zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt verabschiedet. Der Europarat ist jedoch kein Organ der EU, sondern eine eigenständige internationale Organisation von 47 Staaten (darunter auch Russland und die Türkei) und sieht sich selbst als Forum für europäische Debatten und als Gremium zur Stärkung der europäischen Zusammenarbeit. Der Europarat kann keine Gesetzesvorschläge machen, sondern lediglich Konventionen verabschieden, die dann von den Mitgliedesstaaten ratifiziert und in nationales Recht umgesetzt werden müssen.

In seiner Sitzung am 7. April 2011 hat der Europarat die Konvention angenommen und ebnet damit endlich den Weg für einen europaweiten Standard in Sachen Schutz der Frauen vor allen Formen von Gewalt. Gleichzeitig hat der Europarat auch ein Monitoring-System zur Verfolgung der wirksamen Umsetzung der Konvention verabschiedet. Hauptbestandteile der Konvention sind:

  • Gewalt gegen Frauen wird als Menschenrechtsverletzung und eine Form der Diskriminierung angesehen.
  • Erste internationale Definition von “gender” als sozial konstruierte Rollen, Verhalten, Aktivitäten und Attribute, die eine Gesellschaft für Frauen und Männer für angemessen hält, und geht damit erstmals über die biologischen Eigenschaften hinaus.
  • Klare Straftatbestände wie z.B. Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung, Stalking, Zwangsabtreibung etc., die in einigen Ländern nun in die Rechtsordnungen aufgenommen werden müssen.

Bei der Sitzung des Ministerkommittees am 11. Mai in Istanbul haben 13 Mitgliedsstaaten, darunter Österreich, Finnland, Frankreich und Deutschland die Konvention* unterzeichnet. Damit ist die Konvention gültig und muss von den Vertragsstaaten umgesetzt werden. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die EU auch unterzeichnet. Falls ja, ergeben sich neue Spielräume für EU-weite Regelungen in Sachen Schutz vor Gewalt, zum Beispiel für die Europäische Schutzanordnung.

*Deutschland hat bezüglich eines Artikels der Konvention einen sog. Vorbehalt eingelegt:

Art. 59
Abs. 2 Die Vertragsparteien ergreifen die erforderlichen gesetzgeberischen oder sonstigen Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Opfer die Aussetzung des Abschiebeverfahrens beantragen können, wenn es um Aufenthaltsrechte als Familienangehörige geht
Abs. 3 Parteien sollen einen verlängerbaren Aufenthaltstitel für Gewaltopfer verleihen, wenn:
- der Aufenthalt nach Ansicht der zuständigen Behörde aufgrund der persönl. Situation notwendig ist,
- der Aufenthalt nach Ansicht der zuständigen Behörde für die Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden des Strafverfahrens notwendig ist.

Bis zum nächsten Mal, viele Grüße! Eure Franziska

P.S. In meiner letzten Post aus Brüssel berichtete ich euch vom Scheidungs-Referendum in Malta, das am 28. Mai stattgefunden hat. Hier nun das Ergebnis: 53,2% für und 46,8% gegen das Recht auf Scheidung. Wie schon erwähnt, leider ist es nur “moralisch bindend”, das heißt, es gibt keine Rechtsverbindlichkeit. Mehrere maltesische Abgeordnete haben in Interviews geäußert, dass sie sich an das Ergebnis des Referendums halten würden. Einige wenige haben jedoch auch angekündigt, keine Rücksicht auf das Ergebnis zu nehmen. Um tatsächlich ein Scheidungsrecht in Malta einzuführen, bedarf es eines Legislativprozesses im maltesischen Parlament.


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Jaclyn Friedman im Interview

2. Mai 2011 von Verena

Eine auch von der Mädchenmannschaft mit Spannung erwartete Speakerin bei der diesjährigen re:publica war die us-amerikanische Media-Aktivistin Jaclyn Friedman. Anne Wizorek, eine der Organisatorinnen der re:publica, traf Friedman zum Interview:

Jaclyn Friedman ist Gründerin und Geschäftsführerin von Women, Action & the Media, einer Organisation, die sich für Geschlechtergerechtigkeit in den Medien einsetzt und diese fördert. Ferner engagiert sich Friedman bereits seit ihrer Studienzeit aktiv für eine Schärfung des Sicherheits- als auch Rechtsbewusstseins im Kontext sexueller Übergriffe und hat hierzu unter anderem auch die Anthologie “Yes Means Yes: Visions of Female Sexual Power and a World Without Rape” mitherausgegeben.

Auf der re:publica 2011 beschrieb die begeisterte Twitter-Nutzerin in ihrem Vortrag “How Feminist Digital Activism Is Like the Clitoris” am Beispiel von Twitter-Kampagnen wie #mooreandme, #prataomdet oder #dearjohn, inwieweit sich digitale Medien auch erfolgreich im Rahmen des feministischen Aktivismus nutzen lassen und gleichzeitig dazu dienen können, eine aktive Community aufzubauen.

Im Interview mit ihr sprachen wir außerdem darüber, wie sie Klischeevorwürfen gegenüber Feministinnen begegnet, ob sich der amerikanische vom europäischen Feminismus unterscheidet und welche Rolle digitale Medien spielen können, um gegen die Sexualisierung in Standard-Medien anzugehen.

Im Herbst wird außerdem das neue Buch von Jaclyn Friedman mit dem Titel „What You Really Really Want: The Smart Girl’s Shame-Free Guide to Sex and Safety“ erscheinen. Dieses ist ein Ratgeber, der insbesondere jungen Frauen im Umgang mit der eigenen Sexualität unterstützt und dabei hilft, widersprüchliche, scheinheilige und hypersexualisierte Medien-Botschaften korrekt zu entschlüsseln, um entgegen dieser Stereotype, die eigene sexuelle Identität selbstbewusst und -bestimmt entfalten zu lassen.

Kamera: Gunnar Weber, Interview: Anne Wizorek, Schnitt: Nico Roicke

(Dieser Artikel erschien ursprünglich bei spreeblick)

 


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Homophobe Prenzlberg-Papis, Bierpopos und World of Warcraft

9. April 2011 von Meredith
Dieser Text ist Teil 102 von 260 der Serie Die Blogschau

Dass der Feminismus an allem möglichen Schuld ist, hören wir ja dauernd, so oft, dass die Mädchenmannschaft kurz nach ihrer Gründung dafür extra eine Rubrik eingerichtet hat. Antje Schrupp nimmt in einem klugen Text die Schuld für alle Folgen, auch die negativen, der Frauenbewegung dankend an:

Hinter der defensiven Haltung, die bestreitet, dass der Feminismus irgendwelche problematischen oder zumindest klärungsbedürftigen Nebeneffekte hat, steckt, so glaube ich, eine falsche Vorstellung. Und zwar die, dass sich die Frauen einfach so als Gleiche in die Welt der Männer integrieren ließen und ansonsten alles beim Alten bleiben könnte. Ziemlich oft wird so über die Emanzipation der Frauen gesprochen: Als wären wir damals bei der Erfindung von Gleichheit und Demokratie quasi „vergessen“ worden, und jetzt, wo das aufgefallen ist, werden wir eben gleichgestellt und damit hat es sich. So als wäre die Freiheit der Frauen bloß eine kleine Fußnote der Geschichte, die das Große und Ganze nicht weiter betrifft.

Sehr lesens- und bedenkenswert.

Die Denkwerkstatt verlinkt auf ein Interview mit Jackson Katz (University of Massachussets). Der US-amerikanische Politikwissenschaftler ist einer der bekanntesten männlichen Anti-Sexismus-Aktivisten in den USA (apropos: gute Frage eigentlich – wen würde man denn in Deutschland als führenden männlichen Anti-Sexismus-Aktivisten bezeichnen? Ich glaube fast da wäre ein Posten frei!) und konzentriert sich nach eigener Aussage auf die Art und Weise, wie Männer in der Öffentlichkeit gegendert werden. Im Interview spricht er zur Rolle von “Männlichkeit” im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.

Und noch ein guter Tip aus der Denkwerkstatt: Wie kommt es, dass kleine Jungs immer als weniger reif als ihre Altersgenossinnen bezeichnet werden? Die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Jösting hat einen Aufsatz darüber geschrieben, dass Mädchen schon viel früher in Beziehungen zu Jungs eingeführt werden, also früher trainieren, die “Beziehungsarbeit” zu leisten, die auch im Erwachsenenalter von ihnen erwartet wird. Kleine Jungs blieben dagegen länger in geschlechtshomogenen Gruppen, und übten nicht Beziehungen sondern Dominanzstrukturen. Ich bin nicht ganz sicher, wie das funktioniert, rein rechnerisch, aber das kann man vielleicht bei Jösting selbst nachlesen.

Der Prenzlauer-Berg-Papa-Blogger Markus auf Nusenblaten fragt sich, voll selbstironisch, ob er spießig sei, weil er seinen kleinen Söhnen gerne verbieten würde, im Rock in die Kita zu gehen. Adrian Lang beantwortet ihm die Frage mit klaren Worten. Danke dafür.

Ich mag kein Mathe und auch keine Rechenspiele mit Toten. Dieser kurze Post bei Karnele zu Morden an Homosexuellen und Frauen ist aber ein paar Gedanken wert.

Sportfreundin: Mrs. Mop schwärmt für Basketballtalent Indi.

Franzi erzählt von den vielen ersten Malen einer jungen Mutter.

Ninia la Grande hat sich bei Astra über deren als Anzeige getarnte Aufforderung zur sexuellen Belästigung unter Alkoholeinfluss beschwert. Zurück kam, wie sie berichtet, nur eine lauwarme “Aber wir meinen das doch nur satirisch und auch gar nicht herabwürdigend”-Mail. Vielleicht dann doch ein Fall für den Werberat.

Für die Identifizierung sexistischer FilmeAls Indikator für die Präsenz von Frauen in einem Film wurde der Bechdel-Test entwickelt. Wie der geht und vier andere Videos von der tollen popkulturellen Plattform “Feminist Frequency” hat das Blog Fernseher Kaputt ausgewählt.

Wow, ich wusste gar nicht, dass es jetzt ein “Magazin für studierende Arbeiterkinder” gibt. Ich finde das gut, und gut, weil sehr sachlich, finde ich auch das Posting von Andreas Kempter über die “Titelgeschichte” des Parteiorgans der Piraten, der Kompass. Darin geht es um “Wie wir Jungs benachteiligen”,verfasst ist der Text wohl von der Mann AG der Partei, eine nachweislich anti-feministische und maskulistische Gruppe. Andreas Kempter fragt deswegen einfach mal die Piraten:

Also, liebe Piraten und Piratinnen, überlegt euch bitte, ob die Männer AG wirklich gut bei euch aufgehoben ist, oder ob die Gruppe sich nicht eher bei den Positionen von Kristina Schröder wiederfindet und nur ausnutzt, dass ihr eine junge kleine internetaffine Partei mit Männerüberhang seid.

Erfahrungen von Transgendern mit ihren Ehepartner_innen und Familien gibt eine Gastbeitrag auf Michaelas Blog wieder.

Auf dem Missy Blog läuft derzeit eine ganz interessante Serie unter dem Titel “Team Videospiele”. Hier geht es um Frauen in der World of Warcraft, die dort offenbar einen besonderen Stellenwert genießen.

Arme Frauen in Wien müssen zwar für Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich nicht selbst aufkommen, bezahlen aber mit ihrer Anonymität, berichtet die Standard. Denn die Krankenhäuser machen die Prozedur so kompliziert wie möglich, um weniger Patientinnen aufnehmen zu müssen.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Du willst nicht dieser Typ sein

23. November 2010 von Meredith

Prävention zum Thema Vergewaltigung wird meistens als Frauensache behandelt. Die Botschaft geht dabei in die Richtung: “Pass auf dich auf”, “Geh nicht mit einem Fremden mit”, “Lass dir nichts in den Drink kippen.” Sexuelle und andere Gewalt gegen Frauen wird meistens aus der Perspektive der Opfer oder der potentiellen Opfer besprochen. Sei wachsam und musstrauisch, lerne dich zu wehren und begib dich nicht in dumme Situationen ist die Botschaft. Sie ist wichtig und richtig, schreibt aber aber eben auch die Hauptverantwortung den potentiellen Opfern zu.

Seltsam eigentlich, denn für die überwältigende Mehrzahl der Vergewaltigungen sind weltweit Männer verantwortlich. Wenn man also möchte, dass weniger Männer auf die Idee kommen, eine Frau sexuell zu belästigen oder auszunutzen, muss man an deren Hemmschwelle arbeiten.

Genau das versucht eine neue Kampagne im kanadischen Edmonton. “Don’t be that guy” heißt der Slogan – “Sei doch nicht dieser Typ”. Auf den Plakaten, die in der Stadt hängen, sieht man Frauen in verschiedenen Situationen, in denen sie hilflos oder zumindest auf ihre Begleitung angewiesen sind. So steht unter dem Bild einer offenbar völlig betrunkenen Frau, die halbnackt auf dem Sofa liegt: “Nur weil sie nicht nein sagt, sagt sie noch lange nicht ja.” Die Kampagne ist deswegen so gelungen, weil sie die Betrachter_innen einlädt, sich in die Situation hinein zu denken, und die einfachen Rechterfertigungen, die so oft im Zusammenhang mit Vergewaltigungen auftauchen, mit einfachen Worten auseinander nimmt.

Alles in allem eine gute Idee – und eine willkommene Abwechslung. Denn hier wird ganz plakativ darauf aufmerksam gemacht, bei wem die Verantwortung in der Vergewaltigungstat liegt. Nämlich bei demjenigen, der antut. Das ist auch insofern relevant, wie auch leonie im mädchenblog schreibt, weil immer noch viel zu häufig Vergewaltigungen nicht angezeigt werden oder es nicht zu Verurteilungen kommt, weil das Opfer sich angeblich leichtfertig oder unangemessen verhalten habe.

Dass vor allem Männer damit zu tun haben, wenn sexuelle Gewalt an Frauen verübt wird: Vielleicht wäre dieser Ansatz auch ein guter Programmpunkt für all die neuen Männerforen und Jungenreferate, die in diesem Jahr aus dem Boden geschossen sind.

Via Jezebel


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So geht das mit dem Klartext reden: Mulimische Girls gegen Sarrazin

13. September 2010 von Meredith

Thilo Sarrazin und sein “Das wird man wohl sagen dürfen”-Deutschland sorgen ja schon seit ein paar Wochen dafür, dass alle so tun können, als würden sie über etwas debattieren. Bei mir sorgt das wiederum bisher für ausschließlich schlechte Laune, doch jetzt ist auf youtube ein Film aufgetaucht, der mein ganzes Menschenbild wieder zu erstrahlen gebracht hat und dass ich für einen guten Wochenstart allen ans Herz legen möchte.
In diesem Video versucht der rechtsgerichtete Blogger Michael Stürzenberger, mit zwei muslimischen jungen Frauen in der Münchner Fußgängerzone über Sarrazins Behauptungen zu diskutieren. Medienkompetent, schlagfertig und leidenschaftlich nehmen die beiden den unverschämten Menschen mit dem Mikro (“Fastenmonat interessiert mich doch gar nicht”) auseinander (und spielen währenddessen auf dem Iphone): Wie war das nochmal mit eurer so genannten Intelligenzverteilung, ihr Deutschlandretter?


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Anonym sucht Job

2. September 2010 von Barbara

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema „Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

„Eine Frau. Ach, die kriegt sicher ein Kind. Absagen.“ – „Der Name klingt irgendwie ausländisch. Das gibt sicher Ärger. Absagen.“ Auch wenn das Allgemeine Gleichstellungsgesetz vorsieht, dass niemand aufgrund seines Geschlechts, seines Alters, seiner Religionszugehörigkeit oder sonst etwas im Arbeitsleben benachteiligt werden darf, gibt es das natürlich trotzdem. Eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Universität Konstanz zeigt etwa, dass Bewerbungen von Menschen mit türkischen Namen deutlich benachteiligt werden.

Nun starten fünf Unternehmen in Deutschland einen Versuch: Anonyme Bewerbung. Ab September wird in den Personalabteilungen von der Deutschen Post, der Deutschen Telekom, bei L’Oréal, Mydays und Procter & Gamble nur noch nach der Qualifikation geurteilt. Eine Idee, die es im Ausland schon länger gibt. In den USA etwa werden Bewerbungen anonymisiert bis auf die Angaben zu Name und Aufenthaltsstatus. Das Projekt wird vom BUND unterstützt: „Wir wollen Menschen eine Chance geben, die sonst womöglich nie zum Vorstellungsgespräch eingeladen würden“, sagte Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und Initiatorin des Projekts.

Der Arbeitgeberverband BDA freut sich nicht. Durch die Anonymisierung würden alle Bemühungen von Unternehmen, eine Belegschaft vielfältig zusammenzustellen, zunichte gemacht werden. Weder können Frauen gezielt eingeladen werden noch Menschen mit ausländischer Herkunft. Klar, dass ein solcher Vorstoß auch mit der Quote nicht unter einen Hut zu bringen ist.

Aufgebrochen wird die Anonymität einer Bewerbung, die Reduktion auf die Qualifizierung, natürlich beim Vorstellungsgespräch. Da kann es schon passieren, dass aufgrund von Äußerlichkeiten eine Entscheidung gefällt wird, die rein auf faktischer Ebene anders entschieden worden wären. Natürlich könnte man während des Vorstellungsgesprächs hinter einem Vorhang sitzen. Das gibt es nämlich auch, viele Orchester-Chefs lassen ihre Neuzugänge aus einem Versteck heraus vorspielen, um sich so ausschließlich auf die Musik konzentrieren zu können. So könnte auch ein Personalchef nur aufgrund eines Bewerbungsschreibens und einer Stimme entscheiden, wie er eine Stelle besetzt. Aber ist das wirklich eine gute Idee?

Ich denke, dass alle Versuche, die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu stärken, lobenswert sind. So hilft auch die Idee der anonymisierten Bewerbung, die erste Hürde bei einer Bewerbung so auf ein Terrain fern der Diskriminierung zu rücken. Die Utopie einer Welt, in der solche Vehikel nicht mehr nötig sind, möchte ich mir aber dennoch nicht aus dem Kopf schlagen.


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Nichts rechtfertigt eine Vergewaltigung. Niemals.

17. Juli 2010 von Helga

Das Vereinigte Königreich macht mobil gegen sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen. Erst startete in Wales die Kampagne One Step Too Far, vor kurzem hat Schottland nachgezogen. Die Kampagne Not Ever stellt klar, dass niemand jemals darum bittet, vergewaltigt zu werden, berichtete Broadsheet. Eine Studie der schottischen Regionalregierung hatte im Februar diesen Jahres alarmierende Einstellungen zum Thema Vergewaltigung gefunden. So befanden 17 Prozent der Befragten, eine Frau trage zumindest teilweise die Verantwortung für eine Vergewaltigung, wenn sie offenherzige Kleidung trage und immerhin 8 Prozent befanden, „viele” bekannte Sexualpartner einer Frau rechtfertigten eine Vergewaltigung.

Der folgende TV-Spot illustriert, wie absurd der Gedanke eigentlich ist, jemand würde darum bitten, vergewaltigt zu werden. Wir sehen eine hübsche Frau im kurzen Rock in einer Bar. Einer der Anwesenden kommentiert zu seinem Freund: “Check out that skirt — she’s asking for it!” (Guck dir mal den Rock an, die will es doch!) Nun sehen wir die Frau im Klamottenladen früher am Tag. Eine Verkäuferin fragt, ob sie Hilfe brauche. Ihre Antwort: “Yeah, thanks, I’m going out tonight and I want to get raped. I need a skirt that will encourage a guy to have sex with me against my will.” (Ja, danke. Ich gehe heute abend aus und will vergewaltigt werden.Ich brauche einen Rock der einen Mann dazu anhält, mit mir gegen meinen Willen Sex zu haben.) Sie begutachten einen blauen und einen rosa Rock und die Verkäuferin nickt zustimmend “The blue one. Definitely the blue one.” (Der Blaue. Definitiv der Blaue.)

Updates zu Not Ever gibt es auch bei Twitter und Facebook.


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Die Waffen der Frauen

14. Mai 2010 von Anna

Lassen wir die Woche doch mal mit einer guten Portion Frauenpower ausklingen.

Viel Spaß & ein schönes Wochenende!


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BH-Kauf, Schamlippen, Elton John und Wal Mart – die Blogschau vom 8. Mai

8. Mai 2010 von Anna
Dieser Text ist Teil 91 von 260 der Serie Die Blogschau

janasworld stellt fest, dass die deutschen Fotoblogs klar männerdominiert sind. Deswegen sucht sie “100 deutsche Fotografinnen-Blogs”.

ryuu.de versucht Unterwäsche zu kaufen und konstatiert: “Spaß am Shopping habe ich bei Technik und Büchern und Bastelkram, aber nicht bei Klamotten”.

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Rosa Bärte! Für Mädchen!

Frau mit Bart hat bei amazon schicke rosa Bärte zum Ankleben gefunden. Girly!

Mein persönlicher Trommelwirbel der Woche geht an Anke Gröner für den Text “Free your mind (and your fat ass will follow)”! Dieser erschien passenderweise am Anti-Diät-Tag, über den es mehr bei diestandard.at zu lesen gibt.

Eben noch beim GenderCamp, jetzt schon im genderissimi: Die Präsentation “Die Wege zum Queer-/Feminismus sind unergründlich”. Denn ja, manchmal ist es schon lustig, mit welchen Suchbegriffen die Menschen bei uns und anderen landen (und manchmal auch erschreckend).

Schon gewusst? Ein Patient muss seine Schamlippenkorrektur selber bezahlen! (gefunden bei Luise F. Pusch)

Bei MissTilly wird über “Wal Mart” Mitarbeiterinnen berichtet, die ihren Arbeitgeber wegen der ungleichen Entlohnung von Männern und Frauen verklagt haben.

Im Väterblog kann man Auszüge aus einem Interview mit dem Hamburger Justizsenator Till Steffen, Mitautor des grünen Männermanifestes lesen.

queernews.at berichtet über das eventuelle Auftrittsverbot für Elton John in Ägypten.

Und jetzt noch schnell die Kalender gezückt und Termine notiert:

Wer Lust hat, ein Ladyfest in Münster zu organisieren, kann am 10. Mai um 19 Uhr im AStA-Häuschen (Schloßplatz 1) vorbei schauen.

Ab morgen läuft bis Juni in der VHS Bielefeld die Ausstellung “Lagerbordelle. Sex-Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern”.

Am 30. Mai beginnen in Hannover die „Geschlechterkritischen Tage“. Mehr zu den Auftaktveranstaltungen und links zum kompletten Programm bei “Das Ende des Sex”.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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