Einträge mit dem Tag ‘Polen’


Polen: Verwässerte Frauenquote bringt wenig

19. Oktober 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 14 von 17 der Serie Im Osten nichts Neues?

Die Frauenquote hat bei den polnischen Parlamentswahlen am 9. Oktober wie erwartet wenig gebracht. Wie erwartet, weil das eine verwässerte Version der ursprünglichen Vorschläge aus den progressiven Zivilgesellschaftsecken ist. Zwar müssen 35 Prozent der Parteilisten mit Frauennamen gefüllt werden, doch nichts garantiert, dass zumindest einige Kandidatinnen auch vorne genug auf den Listen stehen, um eine realistische Chance zu haben. Ergebnis: Ein neuer Sejm, der ähnlich wie der alte von Männern dominiert ist und in dem Frauen nur 23 Prozent darstellen.

Das Armutszeugnis gilt für die meisten Politiker des Landes, die – wie es nur so oft auch in Deutschland passiert – nur eine halbe Reform verabschiedet haben. Doch keine Partei konnte bei diesem Thema Jaroslaw Kaczynskis PiS an Heuchelei übertreffen. Nachdem der rechtskonservative Oppositionspolitiker und ehemalige Premier monatelang die Initiative mit Scheinargumenten bekämpft hatte, stellte er kurz vor der Wahl seine Kandidatinnen vor: Alles junge, stereotyp hübsche und völlig unerfahrene Grazien, die harmlos von den Wahlplakaten lächelten.

Der Trick hat Kaczynski freilich nichts geholfen: Er bleibt höchstwahrscheinlich vier weitere Jahre in der Opposition. Diese Salamitaktik erwies sich dagegen als relativ erfolgreich in den Medien und wurde gerne in Talkshows debattiert. Ab und zu auch in Anwesenheit der besagten chancenlosen Kandidatinnen, die ins Kreuzfeuer der konservativen und liberalen Öffentlichkeit gerieten. Ein peinliches Spektakel.

Nachdem die Reformprojekte mehrerer feministischen Organisationen, sowie von SozialwissenschaftlerInnen ignoriert, bzw. abgeschwächt wurden, fordern jetzt Teile der Zivilgesellschaft eine radikalere Änderung. Bei den nächsten Wahlen soll 50 – 50 Parität und das sogenannte Reißverschlussprinzip (Mann – Frau – Mann – Frau…) auf den Parteilisten gelten. In Polen sind laut Umfragen die Bürger (auch die Männer) für Parität im Parlament. Die Männer im Parlament sind es nicht.


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“Yes – we are!” – Lesbische Aktivistinnen in Polen

10. Mai 2011 von Magda

Yes, we are“ ist eine Dokumentation über feministisch-lesbische Aktivistinnen in Polen und deren Kampf um An­erkennung und Rechte. Die Filme­macherin Magda Wystub be­gleitete und inter­viewte die Aktivistinnen im Rah­men ihres Filmprojekts, das ab dem 15. Mai in mehreren Städten Deutschlands und der Schweiz bestaunt werden kann. In der Presse­mit­teilung heißt es:

Der Film richtet die Aufmerksamkeit be­wusst auf emanzipa­torisch denkende Les­ben und die Viel­falt ihrer Strategien, sich in einer homo­phoben Um­gebung zu behaupten. Die viel­schichtigen Empfin­dungen und Analysen sowie der hetero­gene Alltag der Protagonistinnen ver­mitteln dabei gleich­zeitig einen breiten Ein­blick in das all­gemeine politische Kli­ma sowie die gesell­schaftlichen Um­brüche in Polen.

Yes, we are” on Tour (Angaben ohne Gewähr):

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Der lange Weg der polnischen FeministInnen

12. April 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 8 von 17 der Serie Im Osten nichts Neues?

Sieben Jahre nach Polens EU-Beitritt darf sich die dortige feministische Bewegung über einige Erfolge freuen. Das alte Klischee vom Feminismus als lächerliche, aus dem Westen importierte Ideologie gilt nicht mehr als selbstverständlich, schreibt Autorin Agnieszka Graff, eine der Hauptfiguren der Bewegung. Die rechtsliberale Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk hat neulich eine gesetzliche Frauenquote von 35 Prozent für die Parlamentswahlen eingeführt und das staatliche Angebot an Betreuungsplätzen für Kleinkinder verbessert. Die Medienresonanz einiger feministischer Veranstaltungen wächst durch die Teilnahme von Gesellschaftsprominenten wie Danuta Walesa, der Ehegattin des ersten polnischen Präsidenten und ehemaligen antikommunistischen Dissidenten Lech Walesa.

Freilich sind diese Erfolge auf eine pragmatische Neuorientierung eines Teils der feministischen Bewegung zurückzuführen, wie Graff zugibt. Denn der langjährige Kampf ums Abtreibungsrecht hat trotz aller Bemühungen nichts gebracht und die Chancen, dass dieses wichtige Ziel in absehbarer Zukunft verwirklicht wird, stehen weiterhin schlecht. Mit der Ausklammerung der Abtreibungsdebatte hoffen die eher liberal geprägten FeministInnen, den Widerstand des nach der Wende wiederentdeckten und seit Jahren dominanten Traditionalismus zu umgehen.

Tatsächlich könnte diese Rechnung aufgehen, denn sowohl der wirtschaftliche, als auch der politische Kontext scheinen günstig zu sein. Im Gegenteil zu allen anderen osteuropäischen Ländern hat Polen die Wirtschaftskrise gut überstanden und sieht sich dementsprechend weniger gezwungen, Kürzungen im Sozialetat vorzunehmen. Polnischen Frauen bleiben damit viele neue Probleme ihrer ungarischen oder rumänischen Geschlechtsgenossinnen zunächst erspart. Denn eine schwere Krise schwächt nicht nur die immerhin prekäre Wirtschaftsposition vieler Frauen, sondern stärkt in der Regel auch den Einfluss von neo­tra­di­tionalist­ischen und konservativen Diskursen, die dem Feminismus und der Modernisierung die Schuld für alles geben.

Umgekehrt verlieren die polnischen Rechtspopulisten um Jaroslaw Kaczynski an Wählerschaft, unter anderem gerade weil die Wirtschaftsbilanz der Regierung relativ gut ist. Und selbst die Erzkonservativen in der Katholischen Kirche sehen erstmals seit Jahren ihre Glaubwürdigkeit beschädigt, weil ihre politischen Spielchen von vielen BürgerInnen als übertrieben wahrgenommen werden.

Für die polnischen FeministInnen könnten diese Zusammenhänge eine Chance bieten, und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits wäre es natürlich begrüßenswert, wenn auf Druck des liberalen Mainstream-Feminismus’ weitere Reformen durchgesetzt würden. Andererseits könnte gerade dieses Phänomen zu einer weiteren, erfrischenden Differenzierung innerhalb der feministischen Bewegung führen.

(Jeweils im März demonstrieren polnische FeministInnen in den Großstädten gegen das Abtreibungsverbot und für mehr Frauenbeteiligung. Rechtskonservative Gegendemos gelten allerdings immer noch als vorprogrammiert.)


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Von Putzfrauen und Staatsmännern

17. Januar 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 4 von 17 der Serie Im Osten nichts Neues?

Zwei ungleiche Geschichten aus Polen haben es in den letzten Wochen in die deutschen Medien geschafft. Die eine ist die jüngste Folge des großen militärpolitischen Dramas um den abgestürzten Präsidenten Lech Kaczynski und seinen Zwillingsbruder Jaroslaw, der sich gerade wieder im Wahlkampf befindet. Die andere ist die viel kleinere und kaum bemerkte Geschichte Justynas – „Unter deutschen Betten“. Fangen wir aber mit der ersten an.

Polnische Piloten sind tapfer! Sie schrecken vor keiner Gefahr zurück. Polnische Luftwaffengeneräle kennen keine Angst vor Nebel und Gewitter, Alkohol wirkt auf sie kaum – und, wenn überhaupt, dann macht er sie noch stärker, wagemutiger, glorreicher. Polnische Offiziere zeigen sich Vorgesetzten gegenüber nie unterwürfig, sie bangen nicht um ihre Ämter und Ränge – nein! Stets dienen sie ihrem Vaterland mit großer Ehre und Würde. Echte polnische Staatsmänner sind fest entschlossen, zielstrebig, unversöhnlich. Sie sind doch keine Schwuchtel!

Weil aber diese ruhmvolle Bravur manchmal schiefgehen kann, und weil man(n) bei vielen Wählern so eine schlechte Figur gemacht hat, dass die Umfragen auf nahenden Absturz hindeuten, bevorzuge ich eine bescheidenere Selbstinszenierung – die einer polnischen Putzfrau. Justyna, eine osteuropäische „Gastarbeiterin“ wie hunderttausend andere, verrät Schmutziges aus den „westlichen“ Haushalten. Sie erzählt von Ausbeutung, sexueller Belästigung und Diskriminierung – und von möglichen Gegenstrategien. Wie viel literarischer Wert und wie viel Klischee in ihrem Buch steckt, lässt sich nur nach vollständiger Lektüre einschätzen.

Ohne Zweifel ist aber die Erfahrung von Menschen wie Justyna wichtig und interessant – die Erfahrung der OsteuropäierInnen, die deutsche Toiletten putzen, spanische Tomaten pflücken und oft in Westeuropa bleiben, weil sie hier trotz ewig vorgestriger Vorstellungen mancher Einheimischen keine „Gäste“, sondern einfach zu Hause sind. Natürlich läuft nicht alles glatt. Natürlich gilt es, die Stereotypen der anderen und vor allem die eigenen Vorurteile loszuwerden. Natürlich ist das schwierig, wenn frau nicht in einer Großstadt aufgewachsen ist. Aber solche kleine Menschen tun eben mehr für die Völkerversöhnung, mehr für Europa als hundert eher bornierte osteuropäische Staatsmänner und hundert Prominente des polnischen Heeres.


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Linksammlung

9. März 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 77 von 138 der Serie Kurz notiert

In ihrer ersten Gleichstellungsrede macht die CDU-Frauenministerin Kristina Schröder (ehemalige Köhler) laut der taz deutlich, was sie von Quoten hält: so wenig wie von Cortison.

Die Debatten um die fortbestehenden geschlechterspezifischen Ungleichheiten in der Gesellschaft werden von zwei Begriffen geprägt, die scheinbar in einem Konkurrenzverhältnis zueinander stehen: “Patriarchat” und “heteronormative Matrix”. In der Jungle World kann man zwei Positionen nachlesen: “Kampf dem strukturellen Patriarchat!” und “Kampf der heteronormativen Matrix!

Das bis dahin nach dem brandenburgischen Kolonialherren Otto Friedrich von der Groeben benannte Gröbenufer im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurde in May-Ayim-Ufer umgenannt. May Ayim war eine Dichterin und Aktivistin der afrodeutschen Bewegung.

Auf DieStandard.at wird von einer Studie aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogota berichtet, die ergab, dass sich 21% der Freier in die Prostituierte verlieben, mit der sie sich eingelassen haben und 23% immer wieder diese eine Frau aufsuchen. Umgekehrt gaben 50% der Prostituierten an, sie hätten sich bereits einmal in einen Freier verliebt.

Auf Sociological Images werden gerade Stereotype thematisiert, die in vielen (westlichen) Ländern über asiatische Frauen (als vermeintlich kulturell homogene Gruppe) herrschen: “The Submissive Asian Sterotype“.

Der Spiegel berichtet: Im Skandal um den sexuellen Missbrauch von Kindern in katholischen Einrichtungen gibt es jetzt auch Vorwürfe gegen ein Kinderheim der Berliner Hedwigschwestern. Ein Opfer sagte im ZDF: “Man hört immer nur von den Priestern, dabei waren’s doch die Nonnen genauso.” Im Selbermach-Sonntag verlinkte Ben das zugehörige ZDF-Video.

Seit Donnerstag können in Mexiko-City gleichgeschlechtliche Paare den Bund fürs Leben schließen, so die Washington Post. Die Stadt kann ihre eigenen Gesetze erlassen und hat im ansonsten streng katholischen Mexiko mit liberalen Entscheidungen für Kontroversen gesorgt. So wurden Abtreibungen im ersten Trimester erlaubt und die Scheidung ohne Schuldfrage eingeführt. Mit 50% der Einwohner_innen sind die Befürworter_innen der gleichgeschlechtlichen Ehe auch deutlich mehr als die Gegner_innen (38%). Bisher waren nur eingetragene Partnerschaften erlaubt.

Eine britische DJane rockt gerade die französische Party-SzeneRuth Flowers ist 69 Jahre alt!

Im britischen TV lässt die Repräsentation von Frauen zu wünschen übrig. Der Guardian berichtete von einer Studie, nach der Männer 65% aller Auftritte auf den Kanälen bestreiten. In Soap Operas ist das Verhältnis noch ausgeglichen, in den Nachrichtensendungen sind dagegen deutlich weniger Frauen zu sehen. Und wenn, dann meist zu den „weichen” Themen Gesundheit oder Kultur.

Auf broadsheet@salon schreibt Judy Mandelbaum über polnische Abtreibungsgegner_innen, die Abtreibung mit Faschismus gleichsetzen. In Poznan steht auf einem riesigen Plakat neben dem Gesicht von Hitler zu lesen: “Abtreibung für polnische Frauen wurde am 9. März 1943 von Hitler eingeführt.”


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