Einträge mit dem Tag ‘Netz(kultur)’


Rassismusforschung, Inklusion und Widersprüche – die Blogschau

7. November 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 287 von 295 der Serie Die Blogschau

Auf Ein Blog von Vielen schreibt Hannah einen offenen Brief an ihren Lehrer über (scheiternde) Inklusion, (fehlende) Achtsamkeitkeit, vermeintliche „politische Korrektheit“ und behindert werden:

Eine Behinderung im Leben zu haben, gilt als etwas Persönliches und nicht als etwas, das alle betrifft. Auch dann, wenn es nur eine Person ist, die damit lebt. Nie bezieht ihr meinen Kampf auf euch, unseren Umgang miteinander, unsere gemeinsame Sprache, unsere jeweiligen Sozialisierungen, unsere spezifischen Lebenserfahrungen, den Kontext, die Räume, die Themen und die Arbeiten, die wir produzieren und begutachten, sondern immer auf mich. Wenn ich Probleme habe, soll ich was sagen. Soll ich wissen, ich kann immer kommen.

Im Internet gibt es eine ganze Reihe von Orten, wo Stimmen und Erinnerungen von Überlebenden des Holocaust und Nationalsozialismus versammelt sind. intersubjektiven stellt Organisationen, Quellensammlungen und Archive vor.

die transgeniale f_antifa hat sich entschlossen auf * hinter den Begriffen trans sowie Mann und Frau zu verzichten und erkläutert ihre Entscheidung in einem Blogeintrag: „JETZT NEU! Ohne Sternchen!

Dieses Semester veranstaltet die TU Berlin eine Ringvorlesung zu Rassismusforschung. Auf sibiuanar schreibt Hendrik Zusammenfassungen/ Besprechungen der Veranstaltungen, so bisher zu den Vorrägen von Nora Räthzel zur Geschichte der Rassismusforschung in Deutschland, Urmila Goel zu Verflochtene Machtverhältnisse und Noa Ha zu Dekoloniale Theorie und Perspektiven auf Stadt.

Auf Stop! Talking. geht es nochmals um Identitäten und Intersektionalität: „Identity politics are an essential strategy. Identities are not essential.“

Wenn ihr mal wieder nach Fatshion-Blogs aus dem deutschsprachigen Raum sucht, dann könntet ihr auch mal Dressing Outside The Box vorbeischauen. Da verbloggt die 27-jährige Modedesignerin Isabelle wunderbare Outfits.

Auf Gott und Co schreibt Antje über die Podiumsdiskussion „Kopftuch-Debatte! Beschneidungsdebatte! Kirchenprivileg-Debatte? Zum Verhältnis von Staat und Religionen aus feministischen Perspektiven“ mit u.a. Yasemin Shooman und Hannah Tzuberi.

Noah Sow schreibt Lieferscheine für Gegengewalt bzw Widerstand, heute an den „Fitnessenthusiast“. (Edit: Beschreibung verändert, siehe Kommentar)

Auf Don’t degrade Debs, darling! gibt es gleich zwei tolle Beiträge: In „Die Lösung für alles Mögliche: Serien schauen!“ geht es um die Funktionen, die Seriengucken haben kann und in „Politik in Widersprüchen“ wird die Widersprüchlichkeit von sozialen Positionierungen seziert und gefragt, wie diese sinnvoll in Positionierungsdebatten eingebaut werden können.


Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Das Netz ist kein machtfreier Raum

28. Oktober 2013 von Magda

Dieser Text erschien unter dem Titel „Sexismus im Zeitalter des Avatars“ in der aktuellen Ausgabe des prager frühling mit dem Schwerpunkt „Wo Strom ist, ist auch Widerstand — Digitaler Protest und elektronische Demokratie“.

Als ich 2008 anfing, mit Klarnamen als feministische Bloggerin aktiv zu werden, suchte ich nach spannenden Diskussionen und einem neuen Ort für gesellschaftskritische Ideen. Heute, über fünf Jahre später, nach tausenden Beleidigungen, hunderten kräftezehrenden Diskussionen und dutzenden Drohungen ist meine anfängliche Euphorie ziemlich gedämpft.

Was wurde nicht geträumt und theoretisiert: Das Netz, der Ort, an dem soziale Konstruktionen wie Geschlecht aufgelöst werden können, Diskriminierung und Hierarchien abgebaut und Bündnisse über Ländergrenzen hinweg möglich werden. Binäre Ideen von Geschlecht und somit Konstrukte wie „Mann“ und „Frau“ sollten der Vergangenheit angehören. Donna Haraways postmoderner Cyborg, ein Hybrid aus Mensch und Maschine, wurde zur Leitfigur cyberfeministischer Utopien. Ein Cyborg passt nicht in binäre Schemata. Ein Cyborg agiert nicht nach festgeschriebenen identitären Mustern, sondert bildet Verbindungen nach Verbundenheitsgefühl, nicht nach vermeintlich essentialistischen Kategorien.

Die Vorstellung, mit Identitäten zu spielen oder eindeutige geschlechtliche Zuschreibungen zu verwischen, Geschlecht in seiner Wirkmächtigkeit gar zu entkräften, blieb bloße Utopie. Vielleicht ist das nicht verwunderlich, denn hinter den Laptops sitzen reale Menschen, die ihre gesellschaftlichen Vorannahmen, was Geschlecht und andere soziale Kategorien angeht, auch ins Netz übertragen. So kann mensch auf Facebook bei der Anmeldung nur „männlich“ und „weiblich“ ankreuzen, obwohl es kein technischer Aufwand wäre, mehrere Möglichkeiten oder gar ein freies Feld zur Auswahl zu stellen. Aber so bleibt auch im Netz Zweigeschlechtlichkeit strukturell verankert: Eine komplexe Gesellschaft eingequetscht in zwei Boxen, die Identitäten jenseits dieser Kategorien gar nicht erst benennt, sondern unsichtbar macht. Die Idee, dass es nur zwei Geschlechter gibt und diese die einzigen sind, die soziale Netzwerke wie Facebook zur Auswahl stellen, ist Produkt von einengenden heteronormativen Geschlechterverhältnissen, stellt allerdings nicht den einzigen Ausschlussmechanismus dar.

geschlecht - männlich, weiblich, geschäftlich unterwegs

Wahrscheinlich eher ungewollt kreativ ist das Design eines Flyers des Best Western Hotels in Leipzig: Unter „Ich bin…“ kann mensch folgende Optionen ankreuzen: „männlich“, „weiblich“ und „geschäftlich unterwegs“. Foto: Magda Albrecht

Gesellschaftliche Machtverhältnisse strukturieren das Netz in Hinblick auf Zugang, Themensetzung und Definitionsmacht. Zugang wird nicht nur darüber bestimmt, wer einen Internetanschluss, einen PC und das dazugehörige Wissen hat, sondern auch darüber, ob eine_r sich im Netz pudelwohl fühlen kann oder mit diskriminierenden Inhalten rechnen muss. Sprechen Betroffene von Diskriminierung über ihren Alltag, werden diese Erfahrungen häufig hinterfragt und als „subjektiv“ eingeordnet. Welche Themen als „objektiv“ wichtig und somit politisch relevant kategorisiert werden, orientiert sich ebenfalls an sexistischen, rassistischen und anderen diskriminierenden Maßstäben.

Glücklicherweise bietet das Netz Möglichkeiten zum Widerstand. Die zehntausenden Twitternachrichten unter dem Hashtag #aufschrei Anfang dieses Jahres, die alltägliche sexistische Belästigung thematisierten, konnten auch die Massenmedien irgendwann nicht mehr ignorieren. Eine Sexismus-Debatte folgte – auch wenn diese kaum an die Komplexität gegenwärtiger queer-feministischer Diskussionen anknüpfte. Aktuell werden rassistische Erlebnisse unter dem Hashtag #schauhin gesammelt, um das Ausmaß von Alltagsrassismus zu verdeutlichen. Aktivist_innen im Netz schaffen sich also Möglichkeiten, um innerhalb dieser Sphäre zu agieren. Der Gegenwind bleibt. Das Netz ist auch unser Raum. Wenigstens gibt es dort – im Gegensatz zum Alltag auf der Straße – für diskriminierende Inhalte eine Löschtaste.


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Heute: Rassismus und Sexismus ab_bloggen!

2. September 2013 von Anna-Sarah

Für alle die heute in Berlin sind und nachmittags oder abends noch Zeit haben, hier ein Veranstaltungstipp: Die Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet die Tagung „Rassismus und Sexismus ab_bloggen!„. Ab 16 Uhr gibt es Vorträge von Teresa Bücker, Jamie Schearer und Anna-Katharina Meßmer. Auf dem anschließenden Podium ab 18:30 werden auch die Journalistin Kübra Gümusay und Sabine Mohamed von der Mädchemannschaft sitzen und mitdiskutieren!

Ab 16 Uhr wird es auch einen Livestream geben.

Welche_r die Vorträge und Debatten auf Twitter verfolgen möchte, sollte nach dem Hashtag #abbloggen Ausschau halten – oder diesen für die eigenen Berichterstattung per Twitter nutzen.

Im Meatspace geht es hier lang: Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin, Haus 1, Hiroshimastr. 17, 10785 Berlin. Die Veranstaltung endet um 20 Uhr.


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Das gender@wiki braucht Unterstützung!

5. März 2013 von Anna-Sarah

Über Facebook erreichte uns folgender Aufruf:

das gender@wiki braucht eure hilfe. bisher kümmern sich eine handvoll von menschen ehrenamtlich um das freie wiki der frauen- und geschlechterforschung.

wir benötigen ca. 150 € bis zum 8.3.2013 um den weiterbetrieb des wikis und damit auch der genderliste berlin (derzeit 750 menschen) zu gewährleisten. also wer etwas klein- oder großgeld dafür hat, kann es auf unser vereinskonto genderwiki e.v., kto. 4002037200 bei der gls bank (blz 43060967) überweisen. wie gesagt, jede noch so kleine überweisung und unterstützung hilft uns, das wiki wieder zu aktivieren.

außerdem freuen wir uns über jede persönliche unterstützung bei der pflege des wikis. uns fehlen aktuell die zeitlichen und finanziellen ressourcen.

das gender@wiki ist daher wichtig zu erhalten, da es ergänzendes wissen über genderthemen, die bei wikipedia so keinen platz finden, ein forum bieten. auch eure artikel können darin platz finden :-) leider ist es in den letzten monaten völlig verspamt und wir brauchen eure aktive hilfe beim kehraus.

also gebt euch einen ruck und werdet aktiv!

lg euere genderwikianer_innen


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Falsch reden, richtig rocken – kurz verlinkt

11. Januar 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 185 von 343 der Serie Kurz notiert

Gute Nachricht für eifrige Netsurfer_innen: Da sich zwischen den Jahren, wie man so schön sagt, allerhand Lesenswertes bei uns eingefunden hat, gibt es diese Woche  „Kurz verlinkt“ gleich zweimal. Hier Teil 2.

Welche Auffassungen führen zu Street Harrassment? In letzter Konsequenz: die Überzeugung, das Recht dazu zu haben (Text auf Englisch).

Auch wenn die bekannte Zeitschrift Brigitte nicht gerade, hm,  Vorreiterin im Kampf gegen Körper- und Schönheitsnormen ist: In diesem Beitrag wird vieles, was Fat Shaming, aber auch Selbstakzeptanz ausmacht, schön auf den Punkt gebracht. Dazu passt auch das Interview mit der ARGE Dicke Weiber in der aktuellen Progress.

Laina Dawes hat ein Buch über ihre – teilweise ganz schön widrigen – Erfahrungen als Schwarzer weiblicher Metal-Fan geschrieben. Im Interview stellt sie es vor.

DIY, das selbst Herstellen von Dingen, ist hip. Dagegen sei an sich erstmal nichts einzuwenden, so Sarah Brown bei xojane – jedoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass entgegen des teilweise besonders „ethisch“ daher kommenden Appeals vieler DIY-Blogs und Webseiten diese kaum einen ernsthaften Widerspruch zu Konsumismus und gängigen Weiblichkeitsvorstellungen bieten (Text auf Englisch).

An US-amerikanischer Pop- und Netzkultur Interessierte haben es wahrscheinlich mitbekommen: den Streit zwischen der – auch von Feminist_innen gefeierten – Rapperin Azealia Banks und Klatschblogger Perez Hilton, in dessen Verlauf Banks mit hetero/sexistischen Beleidigungen aufwartete.  Spannende Perspektiven auf diese Vorfälle, die über ein „Banks vs. Perez“-Tribunal hinaus gehen, gibt es bei  von Janet Mock bei xojane und von Edward Ndopu beim Crunk Feminist Collective (auf Englisch).

Der Freitag übersetzt einen Text von Kira Cochrane über voyeuristisches Paparazzi’eskes Mobbing per Creepshots (heimlich aufgenommene Fotos, in der Regel von sexualisierten Körperteilen/Motiven, die dann im Internet veröffentlicht werden). Fazit: „Da äußert sich Wut gegen eine eigenständige weibliche Sexualität. Sex und Frauen – das ist vollkommen in Ordnung, solange die Frauen passive Objekte sind. Doch sobald sie selbst über ihre Intimität bestimmen wollen und mit wem sie diese teilen, weckt das Hass.“

Sprache ist wichtig. Sprache verändert sich und uns. Und wer bestimmt, was „richtige“ Sprache ist? Unter der pointierten Überschrift „Frauen, hört auf zu reden. Alte Männer mögen nicht, wie ihr sprecht“ widmet sich Jezebel   dem Dauerbrenner (auf Englisch).

Wie kann sexueller Konsens – also das Herstellen von Einvernehmlichkeit –   in der Praxis aussehen?  Ein Vorschlag dazu sind „Ja, nein, vielleicht“-Listen: Sammlungen von von Tätigkeiten,  bei denen vermerkt werden kann, welche Dinge man sehr gern tut, mal ausprobieren würde oder was gar nicht in Betracht kommt. Ob man diese Listen nun ausfüllt und dann austauscht, gemeinsam ausfüllt und darüber redet oder einfach für sich selbst zur eigenen Inspiration verwendet – eine Fülle von Anregungen zur Kommunikation über Sex und für konkrete Action können sie auf jeden Fall bieten.  Scarleteen hat allerhand Vorschläge (auf Englisch).

Wie der Buchhandel Trivialromane als „Frauenliteratur“ vermarktet, beschreibt DieStandard.

Termine:

Am 21. Januar an der Ruhr Universität, Bochum: Die Welt ist komplex – Genau wie du! Workshop zu sozialer Ungleichheit – in intersektionaler Perspektive

Im Jahr 2013 wird der erstmals der Marlies-Hesse-Nachwuchspreis des Journalistinnenbundes für Online-Beiträge vergeben. Alle Informationen dazu findet Ihr hier , Vorschläge werden bis 1. März 2013 angenommen.


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„Bloggen“ seit 1999!

8. März 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 95 von 115 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Aus Liebe zur Freiheit

Wie heißt du?
Antje Schrupp

Seit wann bloggst du?
Seit mir das erste Mal jemand erzählt hat, dass man Texte und Diskussionen im Internet mit dieser neuen „Blogsoftware“ organisieren kann, das war 2006. Eigentlich habe ich zusammen mit politischen Freundinnen aber schon 1999 „gebloggt“: Wir diskutierten damals auf Mailinglisten und haben diese Debatten dann chronologisch sortiert per Hand ins Internet gestellt. Das war, nachdem wir eine feministische Flugschrift www.flugschrift.de veröffentlicht hatten und die dort aufgestellten Thesen weiter diskutieren wollten.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Als Journalistin und Politikwissenschaftlerin habe ich ja schon immer geschrieben und publiziert, und sobald es das Internet gab, habe ich meine Texte auch dort zugänglich gemacht. Ich war sofort begeistert von der Möglichkeit, direkt publizieren zu können und nicht mehr auf Redaktionen oder Universitätsstrukturen angewiesen zu sein, die ja so ihre eigenen Vorstellungen davon haben, was wichtig und unwichtig ist.

Worüber schreibst du?
Mein Blog heißt im Untertitel „Notizen zur Arbeit der sexuellen Differenz“, das heißt, mich interessiert die Frage, wie die Unterscheidung in „männlich“ und „weiblich“ alle möglichen gesellschaftlichen Themen durchzieht. Außerdem habe ich ein kleines Blog über Victoria Woodhull, eine sehr interessante US-Feministin aus dem 19. Jahrhundert, deren Biografie ich geschrieben habe. Sie war die erste Frau, die Präsidentin werden wollte, 1872. Mein neuester Blog beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Freiheit und Liebe.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Meine liebsten Internetmomente sind die, wenn mir jemand schreibt: Das habe ich ja noch nie so gesehen. Ich will nämlich weniger andere von irgendetwas überzeugen als vielmehr zum Nachdenken bringen. Ohne Internet wäre ich vermutlich auch nicht in so einen intensiven Austausch mit Männern gekommen. Denn die feministischen Netzwerke, in denen ich mich „offline“ bewege, sind zwar auch für Männer offen, aber es arbeiten dort nur wenige mit und die sind meist sowieso schon feministisch interessiert. Im Internet ist es leichter, Kontakt mit Menschen zu bekommen, denen ganz andere Themen wichtig sind, und das gefällt mir. Es hat meinen Horizont ziemlich erweitert.
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Ans Licht mit dem Wolkenkuckucksblog! Ein Aufruf.

31. Januar 2012 von Gastautor_in

Jana hat gerade ihren Wolkenkuckucksblog gestartet und wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung Ihren Blogpost zu Lurker_innen. Sie sucht außerdem Kontakt zu anderen Lurker_innen, die sich unter wolkenkuckucksblog@gmail.com bei ihr melden können.

Seit mindestens vier Jahren habe ich ein imaginäres Blog. Ich befülle es allwöchentlich mit virtuellen Einträgen. Wenn ich in Stimmung bin, denke ich mir virtuelle Kommentare dazu aus. Ich habe sogar schon diverse Domains registriert, WordPress-Themes angepasst und About-Seiten verfasst. Doch freigeschaltet habe ich sie nie. Und einen tatsächlichen Blogeintrag habe ich noch nie geschrieben, auch wenn ich es mir jeden Monat aufs Neue vornehme.

Ich habe das immer für meine persönliche Wahnsinnigkeit gehalten. Doch seit einiger Zeit frage ich mich, ob das wirklich stimmt. Ob es nicht doch noch viele andere Wolkenkuckucksblogger*innen wie mich gibt – und ob es nicht tatsächlich vornehmlich Wolkenkuckucksbloggerinnen sind. Denn plötzlich fielen mir Parallelen auf: Diese existentielle Angst, wenn ich mal einen Blogkommentar (zweimal in meinem Leben habe ich mich das – unter Pseudonym! – getraut) oder ein Mailinglistenposting geschrieben habe – irgendwie fühlte sie sich doch sehr ähnlich an wie der Fluchtimpuls, der mich regelmäßig in platzhirschdominierten Gesprächsrunden ergreift. Dieser Drang, bloß unsichtbar zu bleiben. Diese Stimme, die mir einredete, ich habe nichts Sinnvolles beizutragen: War das nicht vielleicht der „innere Patriarch“, vor dem mich eine wohlwollende ältere Kollegin immer gewarnt hatte? Diese ständigen Gedankenschleifen: Ich blogge unter meinem richtigen Namen, ist doch Quatsch sich zu verstecken. Aber was, wenn ein wahnsinniger Internettroll mich aufspürt? Also doch ein Pseudonym? Aber das ist doch feige! Und da capo. War diese Angst vor „dem bedrohlichen Internet“ nicht sehr vergleichbar mit der Angst vor dem gefährlichen Park / der unheimlichen Seitenstraße / dem finsteren Hinterhof / der einsamen Haltestelle in der Dämmerung? (mehr …)


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