Einträge mit dem Tag ‘Gynäkologie’


Offen über Krankheiten sprechen: Was ist HPV?

4. Oktober 2013 von Gastautor_in

Wir freuen uns über diesen Gastbeitrag von Franzi. Franzi ist 1985 in Berlin geboren und aufgewachsen, hat ihren Magister in Islamwissenschaft, Soziologie und Deutsch als Fremdsprache in Jena gemacht und arbeitet zur Verbindung von Queer Studies und Islamwissenschaft. Besonders liegen ihr  (queer)feministische, sexpositive und rassismusbezogene Fragen am Herzen.

Egal mit wem ich, meine Freundinnen*, meine Mutter oder meine Tante in der letzten Zeit geredet haben, fast jede Frau* kann irgendeine Geschichte bezüglich ihres Unterleibes oder ihrer Brüste erzählen – Zysten, Knoten in der Brust, verdrehte oder verklebte Eierstöcke, Scheidenpilz, diverse  Geschlechtskrankheiten, Myome, Ausschabungen – doch werden diese Geschichten lieber verschwiegen, geheim gehalten, nur auf Nachfrage erzählt. Dies ist selbst bei den Menschen der Fall, die sonst eher kein Blatt vor den Mund nehmen. Aber warum eigentlich?

Klar, nicht jeder*m ist es angenehm über Krankheiten zu reden, aber oft genug geht dieser Hang zum Tabu zu Lasten der Aufklärung. Das beste Beispiel sind die Humanen Papillom Viren (HPV), die weltweit am häufigsten sexuell übertragenen Viren, und die Generation der 20 bis 30-Jährigen, in die sie sich bevorzugt eingenistet haben, ohne dass diese einen blassen Schimmer davon hat.

Sommerzeit Traurigkeit

Wie viele andere Frauen* bin ich mal regelmäßig, mal weniger regelmäßig zur*m Frauenärztin*arzt gegangen. Wer nicht mittels Pille oder einer Alternative verhüten will oder braucht, kann sich das sparen, dachte ich mir lange Zeit, womit ich mit Sicherheit nicht die Einzige bin. Die letzten Jahre bin ich etwas gewissenhafter geworden und im Nachhinein ziemlich dankbar dafür. (mehr …)


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Kaffeekränzchen bei der Frauenärztin

15. August 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 53 von 55 der Serie Meine Meinung

Seit März dieses Jahres schreibt Nils Pickert eine monatliche Kolumne bei dieStandard. Seitdem habe ich jeden Monat einen neuen Termin zum vehementen Kopfschütteln. Das liegt nicht (ausschließlich) daran, dass ich es nicht besonders bereichernd finde, dass nun endlich mal ein Typ regelmäßig in einem feministischen Medium über Feminismus schreibt, sondern an den konkreten Inhalten, denen dort Platz eingeräumt werden. Als im Mai eine Reihe von Feminist_innen berechtigte Kritik an Pickerts Artikel zu Sex übten, zeigte sich dieStandard nicht sonderlich einsichtlich und kritisierte lieber “gewisse theoretische Strömungen” (Queer-Feminismus?). Seit dieser Auseinandersetzung facepalmte ich im Ruhigen, ob er nun über Vaterschaft oder Dustin Hoffman schrieb.

Doch dann wurde die gestrige Kolumne unter dem Titel “Nicht wirklich krank” veröffentlicht. In dieser widmet sich Pickert eigentlich dem Thema “Männergesundheit”. Sein Ansatz, der etwa so ausdifferenziert ist wie “Warum Männer nicht zu hören und Frauen schlecht einparken”, sagt: Alle Männer ™ (ausgehend von dem passenden Sample “alle Männer, die Nils Pickert kennt”) gehen nicht gern zum Arzt. Sie wollen nicht mit ihrer eigen Sterblichkeit konfrontiert werden. Usw. Wäre das alles in dem Artikel, hätte ich mich zwar sehr über sehr platte Argumentation geärgert, aber der Tab in meinem Browser wäre schnell geschlossen gewesen.

Doch Nils Pickert reicht es nicht Halbgares zu (Cis-)Männern zu verbreiten, er muss auch einen Absatz einbauen, in dem er erklärt, warum es bei Frauen ganz anders ist. Die Gründe? Ganz offensichtlich:

Mit dem Einsetzen der Menstruation werden Mädchen aus informierten Elternhäusern zu einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt geschickt, weil sie dort nicht zuletzt auch die Rezepte für Pillen zur hormonellen Verhütung von Schwangerschaften erhalten. Darüber hinaus werden dort regelmäßig Themen wie Krebsvorsorge, Fertilität und Sexualität besprochen und behandelt. Im besten Fall bietet sich die ÄrztInnen als kompetente GesprächspartnerInnen an, mit denen die Mädchen über die schulische und elterliche Sexualaufklärung hinaus schwierige und schambesetze Themen besprechen können. Im schlechtesten Fall erfahren sie eine Pathologisierung und Problematisierung ihres Körpers sowie den Eindruck, dass es ihnen allein obliegt, sich um das Thema Verhütung zu kümmern.

Ich weiß nicht, wie Nils Pickert zu dieser Einschätzung kommt. Ich hoffe sehr, dass er eine Frau gefragt hat und freue mich sehr über deren doch positive Erlebnisse. Klar ist, dass Pickert in seiner feministische Kolumne es mal wieder schafft, jedes bisher erarbeitete kritische feministische Wissen zu ignorieren.

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Mutterschaft bei sexueller Gewalterfahrung

24. Juni 2013 von Lisa

[Trigger Warnung]

Das Erleben von Geburt und Mutterschaft ist sehr unterschiedlich. Für Überlebende sexueller Gewalt stellt es oft eine besondere Herausforderung dar. Auf ‘The Feminist Wire’ berichtet Gretchen Davidson im Text ‘On Motherhood and Surviving Sexual Violence‘ von ihrer eigenen Geschichte – die selbstverständlich nicht stellvertretend für alle Überlebenden ist. Dabei geht sie sowohl auf problematische Aspekte ein als auch auf Möglichkeiten des Empowerments, also der Selbstermächtigung. Davidson erzählt, dass sie, durch die vorangehende Gewalterfahrung besonders der Kontrollverlust während der Geburt ängstigte. Leider bestätigte ihre erste Geburt ihre Befürchtungen: sie wurde von einem wenig einfühlsamen und respektlosen Arzt geleitet und endete in einem Kaiserschnitt. Davidson nutzte dieses negative Ereignis, um sich intensiver mit ihrem Kontrollbedürfnis auseinanderzusetzen und ihre folgenden Geburten bewusst besser zu gestalten. Begleitet von einer Hebamme und ihrem Partner konnte sie den Kontrollverlust beim nächsten Mal positiv erleben.

Sie beschreibt den Einfluss der Mutterschaft auf ihr Trauma als eine Art ‘Zwischenraum’, in dem sich Vergangenheit und mögliche Zukunft, Schmerz und Heilung treffen (Übersetzung folgt): “Becoming a mother has been a profound part of my journey to heal from sexual violence, bringing me the opportunity to reclaim a powerful connection to my body and my womanhood. Through these experiences I have become better at embracing my vulnerability and celebrating my strength. I know that I am affected by my environment, by what happens in the world, by the privileges and inequities that exist in our society, and by the shifting energies that ripple through my little family, my extended family, and my community. I am affected by my past and it lives inside me. I try to be affected by my future too, especially the futures of my children. This is a complex and difficult space to live in, but it is real. It gives room for acknowledging pain, and it gives room for healing. It gives room for our many imperfections, but it also gives space for infinite potential.”

["Mutter zu werden war ein tiefgreifender Schritt auf meinem Weg der Heilung nach sexualisierter Gewalt, denn es gab mir die Möglichkeit, eine kraftvolle Verbindung zu meinem Körper und meinem Frausein zurück zu erlangen. Durch diese Erfahrung bin ich besser darin geworden, meine Verletzlichkeit zu akzeptieren und meine Stärke zu kennen. Ich weiß dass ich von dem, was in meiner Umgebung geschieht, beeinflusst bin, von dem was in der Welt passiert, von den Privilegien und Ungerechtigkeiten die  in unserer Gesellschaft existieren, und von den wechselnden  Energien die durch meine kleine Familie, meine erweiterte Familie und meine Community/Gemeinschaft strömen. Ich bin beeinflusst von meiner Vergangenheit und sie lebt in mir fort. Ich versuche ebenso von meiner Zukunft beeinflusst zu sein, vor allem der Zukunft meiner Kinder. Dies ist ein komplexer und schwieriger Ort zum leben, aber er ist real. Er gibt den Raum, Schmerz anzuerkennen, und er gibt Raum zum heilen. Er gibt Raum für all unsere Unvollkommenheiten, aber er gibt auch Raum für unbegrenzte Möglichkeiten."]

In der medizinischen Geburtshilfe wird sexuelle Traumatisierung wenig beachtet. Dies beanstanden auch die Autorinnen eines 2003 erschienenen Artikels im ‘Deutschen Ärzteblatt’. Darin erklären sie, dass zwar jede dritte bis fünfte Frau sexuelle Missbrauchserfahrungen im Kindesalter machen musste, dass aber “betroffene Frauen häufig nicht die auf ihre Situation abgestimmte prä-, peri- und postnatale Betreuung” erhalten. Sie empfehlen medizinischen Personal, sich besser über mögliche Folgen sexueller Gewalt zu informieren und offen dafür zu sein, wenn Frauen bei der Geburtsvorbereitung diesbezügliche Erlebnisse ansprechen. Besonders wichtig sei, in der Betreuung Wahlfreiheit und Gestaltungsmöglichkeiten in den Vordergrund zu stellen. Dazu gehören selbstverständlich auch Schmerzmedikation und Wunschkaiserschnitt – also auch der Abschied von Normen wie der vermeintlich ‘natürlichen Geburt’.


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Film, Fernsehen, feministische Forschung – kurz verlinkt

25. Januar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 136 von 252 der Serie Kurz notiert

In Computerspielen ist der Standardcharakter meist … standard. Weiß, männlich, durchtrainiert. Aber genau wie Gamerinnen die Nase voll haben von leicht bekleideten Busenwundern, sind auch Computerspieler langsam angenervt vom 08/15-Helden. The Mary Sue über Vorlieben bei der Wahl von Spielcharakteren.

Nach Korruptions- und Manipulationsskandalen ist die südkoreanische Parteienlandschaft in Bewegung geraten, berichtet Bikya Masr. Gleich drei Parteien werden nun von Frauen geführt, die zusammen 262 der 299 Sitze der Nationalversammlung kontrollieren. Trotz enormer Fortschritte in den letzten Jahren ist der Anteil von Politikerinnen in Süd-Korea noch relativ niedrig.

Zehn Autoren, die mal so richtig gegen das Literaturestablishment rebelliert hätten, stellte neulich Flavorwire vor. Ob man wen vergessen habe, fragte man immerhin auch. Hatte man: Keine einzige Autorin erschien in der Liste! Aufgrund der Kritik zog die Seite dann nach und stellte zehn „Bad Girls“ der Literaturgeschichte vor.

Nichts wirklich Neues bei Disney: Jungs sind clever, Mädchen werden nach ihrem Aussehen beurteilt, zumindest wenn es nach einer neuen T-Shirt-Kollektion geht. Goofy, Micky und Donald werden nach ihrem Charakter dargestellt, Minnie ist einfach nur “hot”, so Shine.

Sexuelle Belästigung ist, trotz Gesetzen, in Indien weiter ein großes Problem. Care2 berichtet von einem Vater, dessen Sohn erstochen wurde, als er Frauen schützen wollte. Er appelliert an die Regierung, endlich entschlossen gegen Belästigung vorzugehen.

Wahrscheinlich klettern die meisten von uns nicht unbedingt voller Vorfreude auf den gynäkologischen Stuhl. Aber für Frauen, die eine Vergewaltigung erlebt haben, sind diese Untersuchungen nicht selten einfach nur der blanke Horror. Bei Jezebel gibt es  einen Erfahrungsbericht über die  nötigen Vorbereitungen, damit die Untersuchung dennoch so erträglich wie möglich verläuft.

Der Jahresreader 2011 vom Feministischen Institut in Hamburg ist da.

Warum der Gebrauch des vermeintlich cool-subversiven Begriffs “tranny” problematisch ist, ist nachzulesen bei funkyfest.

Sex and the City-Star Cynthia Nixon hat für Kontroversen gesorgt, als sie in einem Interview verkündete, ihre eigene Homosexualität sei frei gewählt.

Die Historikerin Yasemin Shooman hat für die Deutsche Islamkonferenz die Stereotypisierung muslimischer Frauen in öffentlichen Diskursen untersucht.

2012 geht der Marburger Kamerapreis an die Französin Agnès Godard. Godard wurde für ihre exzellente Arbeit in den vergangenen 20 Jahren sowie für ihren Einfluss und ihren Beitrag zum europäischen Kino ausgewählt. Am 2. März wird der Preis im Rahmen der 14. Marburger Kameragespräche verliehen. Die Vorreihe zu den Kameragesprächen beginnt am 8. Februar mit der Vorführung von Zusammen ist man weniger allein (Ensemble, c’est tout) im Marburger Filmkunsttheater.

Allerhand wissenswertes über die explizit antifeministische,  gerne mal am äußeren rechten Rand entlanglavierende Männerrechtsbewegung und ihre Aktivitäten hat das Gunda Werner Institut der Heinrich Böll Stiftung in einer umfangreichen Studie  zusammen getragen. Die komplette Publikation ist als pdf gratis herunterzuladen. Auch der österreichische derstandard berichtet und zitiert einen beteiligten Wissenschaftler: “Es geht den Akteuren – und das sind nicht nur Männer – um die Stärkung oder zumindest den Erhalt männlicher Vorrechte und das Zurückdrängen feministischer Argumentationen bzw. Institutionen. Dies gipfelt teilweise in Vernichtungsphantasien gegen den Feminismus und auch gegen einzelne feministische Personen.”

Und noch ein paar Termine: (mehr …)


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