Einträge mit dem Tag ‘Frauenpolitik’


Offener Brief ans Frauenministerium übergeben

9. Mai 2012 von Maedchenmannschaft e.V.

Ein dicker Stapel Papier, mit einer dunkelgrünen Schleife zusammengebunden
So sieht es also aus, wenn man das Internet ausdruckt. Insgesamt 24.176 Menschen hatten in den letzten drei Wochen den Offenen Brief an Familienministerin Kristina Schröder unterzeichnet – heute um 11 Uhr wurde er vor ihrem Ministerium übergeben.

Sieben Personen stehen vor dem Frauenministerium, sie halten Plakate mit den Ziffern 24176 und dem Stapel Unterzeichnungen hoch.
Schröder selbst hatte leider keine Zeit, um mit den Vertreter_innen der Aktion Nicht Meine Ministerin zu sprechen. Vielleicht hat sie aber noch etwas durch die Flure des Ministeriums hallen hören, denn der Brief wurde noch einmal verlesen:

Wir danken allen Mit-Unterzeichner_innen und sind gespannt, welche Konsequenzen Kristina Schröder zieht. Die weitere Unterzeichnung des Briefes ist aus technischen Gründen leider nicht möglich.


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Schwarzer und Schröder: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

27. Februar 2012 von Jennifer
Dieser Text ist Teil 43 von 48 der Serie Meine Meinung

Sie hätten beide lachen müssen, berichtet Deutschlands bekannteste Feministin, EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer, in ihrem Blog von ihrem ersten Telefonat mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Kein Wunder, schließlich verlief das Gespräch doch für beide Seiten außerordentlich positiv: Kristina Schröder sicherte der Publizistin zu, dass ihr Ministerium künftig den 1984 auf Schwarzers Initiative als Feministisches Archiv und Dokumentations­zentrum” gegründeten FrauenMediaTurm in Köln fördern wird. Denn nachdem ausgerechnet die rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die bis­herigen Fördermittel von 210.000 Euro auf 70.000 Euro gekürzt hatte, fürchtete Alice Schwarzer öffentlich um den Fortbestand des Archivs. Diese Sorge ist sie nun los: CDU-Politikerin Schröder sagte eine Förderung zu, mit der die von Rot-Grün ver­ur­sachte Finanzierungslücke genau geschlossen werden kann: exakt 150.000 Euro, vier Jahre lang.

Im Gegenzug wird die Bundesministerin für Familie, Frauen, Senioren und Jugend endlich auch von höchster feministischer Instanz von dem Vorwurf freigesprochen, sich zu wenig für Frauenrechte und Gleichstellung einzusetzen. Mehr noch: Schwarzer, die der jungen Politikerin noch im Jahre 2010  jegliche Befähigung für ihr Amt abgesprochen hatte (hier Schwarzers offener Brief an die Ministerin), weil diese sich zuvor in einem SPIEGEL-Interview ziemlich abschätzig über den Feminismus geäußert hatte, betont in ihrem Blog ausdrücklich, dass Schröder es gewesen sei, die angerufen und Hilfe angeboten habe.

Das sollte doch Wiedergutmachung genug sein für das bisherige Desinteresse der dafür zuständigen Ministerin an der weiteren tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in dieser Gesellschaft, nicht wahr? Frauenquote in den Vorstandsetagen der großen Unternehmen? Brauchen wir nicht! Betreuungsgeld? Nicht so schlimm! Hauptsache, das Feministische Archiv ist gerettet! (weiterlesen …)


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Schreiben statt Schämen. Blogschau zum Wochenende

7. Mai 2011 von Nicole
Dieser Text ist Teil 109 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau


Franziska von franziskript möchte übers Stillen reden, und zwar auch mal über die negativen Seiten ohne Weichzeichner: Stilleinlagen, Stillorte und die Mode! Weibliches Schämen kommt von weiblicher Scham – oder umgekehrt, stellt Katrin Rönnicke fest. Über Scheidenpilze und Selbstbefriedigung sollten Frauen nicht sprechen, oder wenn doch, dann nur mit hochrotem Gesicht.

Eure Homophobie-Toleranz kotzt uns an, schreiben Frittenbude dem Chiemseereggaesummer ins Gästebuch und bleiben weg.

Mit einem Text zu Frauenquoten und Männerangst aus der ZEIT/Wirtschaftswoche der vergangenen Woche beschäftigen sich das Genderblog ebenso wie rechtundgeschlecht. Und bei Frau Lila lesen wir einen Gastbeitrag zweier grüner Männer zur Familien-/Frauen-/wasauchimmer-Politik im Hause Schröder.

Die Stadtpiratin macht sich Gedanken zum 1. Mai, zu Protesten, Krawallen und Berichterstattung.

Die Library Mistress weist auf einen Fragebogen der Wirtschaftsuni Wien hin. Es geht um ein Forschungsprojekt zur Bedeutung einer homosexuellen Orientierung von Unternehmer_innen.

So geht’s mit dem Glücklichsein, wissen die Frauenzeitschriften! Grafisch aufbereitet beim graphitti-blog. Und wer’s immer noch nicht begriffen hat, versteht vielleicht die Bilder von obi: Männer bauen auf und ziehen ein, Frauen ziehen groß und genießen. Changinglifestyle verdreht die Augen. (via puzzlestuecke.wordpress.com)

Wie immer gilt: Wir freuen uns über Hinweise auf interessante Blogs für unsere wöchentliche Umschau im Netz. Gerne hier in den Kommentaren, per Mail oder auch morgen beim Selbermach-Sonntag. Und jetzt ins Wochenende!


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Wer war die Erfinderin des Frauentages? Clara Zetkin!

8. März 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 24 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Die Politikerin, Feministin, Sozialdemokratin, Kommunistin und Ikone der proletarischen Frauenbewegung Clara Zetkin, geb. Eißner, gilt als Initiatorin des Internationalen Frauentages, der heute seinen 100. Geburtstag feiert.

Clara Zetkin (1857-1933), ca. 1930

Die junge Clara Eißner, geboren 1857 im sächsischen Wiederau, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Die Tochter des Dorflehrers und einer Hausfrau konnte durch die Beziehungen der Mutter als eine der ersten deutschen Frauen eine Ausbildung zur Lehrerin erhalten und besuchte Seminare der Frauenrechtlerin Auguste Schmidt in Leipzig. Dort traf sie auf eine Gruppe sozialistischer Student_innen und ihren späteren Lebensgefährten Ossip Zetkin, ein russischer Revolutionär und Sozialist.

Als Ossip Zetkin des Landes verwiesen wurde, folgte ihm die 26jährige Clara Eißner nach Paris. Sie nahm zwar seinen Namen an, heiratete ihn aber nicht. Sie bekamen zwei Kinder und lebten in bescheidensten Verhältnissen, unterstützt von Freund_innen, die sich ebenfalls politisch engagierten. Während ihrer Pariser Jahre arbeitete Zetkin als Journalistin und Übersetzerin. Als Zetkins Lebensgefährte schwer erkrankte, pflegte sie ihn bis zu seinem Tode 1889.

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Reden wir doch mal über die Männerquote!

1. Februar 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 30 von 48 der Serie Meine Meinung

Seit etwa zehn Jahren gilt die so genannte “freiwillige Selbstverpflichtung” für Unternehmen, die dem Zwecke dient, den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern. Diese Selbstverpflichtung sei, laut Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), “krachend gescheitert”. Sie fordert, dass eine gesetzliche Quote her müsse - jetzt! – die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden soll (wir berichteten).

Ein kurzer Blick in die Statistiken bringt Klarheit in den undurchsichtigen Wirtschaftssumpf: In den Vorständen der deutschen Unternehmen ist der Frauenanteil sage und schreibe zwei Prozent. Das ist ein Witz. Aber weil wir uns so an die Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte gewöhnt haben, hilft hier vielleicht mal ein Perspektivwechsel, um dem Thema etwas mehr Brisanz zu verleihen.

Wenn wir die Frauenquoten-Debatten mal für eine Minute ruhen lassen und darüber nachdenken, warum die von der Leyens und Schröders dieser Welt noch nie die eigentlich viel dramatischere  Quote – die Männerquote – thematisiert haben, merken wir schnell: Eine Männerquote von 98% in den deutschen Vorständen könnte keine der Ministerinnen plausibel erklären, ohne über die Strukturen des Arbeitsmarktes, Diskriminierung, Sexismus und nicht zuletzt das verlässliche Old Boys Network zu sprechen. Aber das wäre ja unbequem. Dann würde es ja nicht mehr nur um Quoten gehen. Dann müssten wir uns gesamtgesellschaftlich die Frage stellen, ob wir so leben und arbeiten wollen. 50 – 60 Stunden die Woche unter Erfolgsdruck schuften? Familienfeindliche Strukturen? Eine nach einer männlichen Erwerbsbiographie ausgelegten Arbeitswelt? Nicht sehr attraktiv, mit oder ohne Quote.

Ja, die unionsgeführten Ministerien für Arbeit und Familie debattieren nun endlich über die Frauenquote. Aber: Wenn selbst die CDU sich zu Frauenförderung äußert, sollte man hellhörig werden. Und besonders auf die Argumentationslinien achten.

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UN Women nimmt ihre Arbeit auf

1. Januar 2011 von Magda

Am 2. Juli stimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen (United Nations, kurz: UN) einstimmig für die Einrichtung eines neuen Ressorts, das sich um die Belange von Frauen und Mädchen weltweit kümmern soll. Die UN Women vereint die vier Institutionen, die sich im Rahmen der Vereinten Nationen bislang mit Frauenförderung und Gleichstellung beschäftigen.

Die Chefin der neuen UN-Frauenorganisation ist Michelle Bachelet, die frühere Präsidentin Chiles, die am heutigen Tage ihre Arbeit aufnimmt. UN Women wird über ein Jahresbudget von mindestens 500 Millionen Dollar verfügen, was etwa einer Verdopplung der Mittel entspricht, die die Vorgängerorganisationen insgesamt zur Verfügung hatten.

Kontrovers diskutiert wurde im Vorfeld die Zusammensetzung des Leitungsgremiums. So bewarben sich zum Beispiel elf Länder um jeweils einen der insgesamt zehn Sitze Asiens in dem 41-köpfigen Gremium. Saudi-Arabien ist dabei. Ein Land fiel raus: der Iran (dieStandard.at berichtete).

UN Women hat drei Hauptziele*:

  1. Unterstützung von zwischenstaatlichen Institutionen und deren Politikformulierung bezüglich globaler Richtlinien und Grundsätze in der Geschlechterpolitik
  2. Unterstützung von Mitgliedsstaaten zur Implentierung dieser Richtlinien, was die Bereitstellung finanzieller und konzeptioneller Hilfen für jene Länder beinhaltet, die um Hilfe bitten; Aufbau von Beziehungen mit Zivilgesellschaften
  3. Die Vereinten Nationen sollen zur Verantwortung gezogen werden hinsichtlich ihres eigenen Engagements in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit; Überprüfung interner Fortschritte

Nun gilt es herauszufinden, was die UN Women leisten kann. Die formulierten Ziele lassen eine Vielzahl an Fragen offen: Wie sehen die globalen Richtlinien und Grundsätze aus, die in den Ländern, die um Hilfe ersuchen, implementiert werden? Welche Länder beantragen überhaupt Unterstützung, welche Bedingungen müssen sie erfüllen? Wie vielfältig werden die Geschlechterpolitik(en) und die sich daraus entwickelten Strategien sein? Nach welchen Kriterien werden zivilgesellschaftliche Kooperationen aufgebaut?

All dies wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Die Einrichtung der UN Women ist ein wichtiger und symbolträchtiger Schritt, welches die Notwendigkeit einer Sensibilisierung für Geschlechterverhältnisse erkennt und die Verantwortung für nachhaltige Geschlechterpolitiken übernimmt. Wir werden sehen, wieviel Aktivismus und Nachhaltigkeit in dieser Symbolhaftigkeit steckt.
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* Meine Übersetzung. Korrekturen und/oder Verbesserungsvorschläge sind sehr willkommen!


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Von verletzten Männern und alten Hüten

13. Oktober 2010 von Nadine

In einem aktuellen Beitrag im Blog “Streitwert” der Heinrich Böll Stiftung fragt Hans-Joachim Lenz, seines Zeichens Männlichkeitsforscher, wo die männliche Verletzbarkeit in aktuellen Diskursen zu Geschlechtergerechtigkeit und Gender bleibe:

Geschlechterforschung, Geschlechterpolitik und daraus abgeleitete politische Programme wie Gender Mainstreaming klammern bislang die Wahrnehmung der männlichen Verletzbarkeit aus.

Lenz sieht die Ursache dafür hauptsächlich in den Geschlechterkonstruktionen von Feminismus, feministischer Theorie und Politik:

Seit langer Zeit schon werden in der Frauenbewegung, Frauenforschung und Frauenpolitik Mädchen und Frauen in ihren Widersprüchen und Ambivalenzen gesehen. Jungen und Männer hingegen wurden stereotyp als Objekte von Stärke und Dominanz konstruiert. Weder wurden „die Männer“ sozial differenziert noch fand eine Binnendifferenzierung der männlichen Persönlichkeit statt. Männer wurden als homogene Gruppe und als kongruente Persönlichkeit vorausgesetzt.

Weiter kritisiert Lenz die Entwicklung und den aktuellen Stand von Männlichkeitsforschung, die Erwartungen und Rollenbilder, die mit dem männlichen Geschlecht verknüpft sind, sowie den politischen Umgang damit. Dabei lässt es sich Lenz nicht nehmen, gegen Männer  aus den “grünen und linken Milieus” zu polemisieren sowie Kindererziehung mit dem Leistungsprinzip zu verknüpfen. Was letztendlich die Legitimation für Entziehung aus der väterlichen Verpflichtung impliziert.

Doch damit nicht genug. Als Männlichkeitsforscher sollte Lenz wissen, dass sein Forschungszweig nicht erst seit Raewyn Connell (Stichwort: Hegemoniale Männlichkeit) Konjunktur hat und Männlichkeitsbilder seit den späten 1970er Jahren kritisch reflektiert und pluralisiert werden, auch und natürlich im Kontext von Gender Studies und feministischer Theoriebildung. Politische Programme wie Gender Mainstreaming beziehen ausdrücklich Männer als Subjekte und Handelnde der Veränderung von Geschlechterverhältnissen mit ein. Gender Studies und Feminismus beschäftigen sich seit langer Zeit kritisch mit dem homogenen Verständnis von und Normen über Geschlecht.

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Zum Beispiel Norwegen

10. August 2010 von Barbara

Als das Vorbild in Sachen Frauenquote wird immer wieder Norwegen genannt. Hier gibt es ein Gesetz, dass Unternehmen zwingt, 40 Prozent ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen zu besetzen. Wie es dazu gekommen ist, wie das die Arbeitswelt verändert hat und wie Frauen damit zurechtkommen, kann man in der Zeit nachlesen.

Es war ein Mann, ausgerechnet, ein konservativer dazu, der den Norwegerinnen die Quote brachte. Vor acht Jahren hatte Ansgar Gabrielsen, der damalige Industrie- und Handelsminister, die Nase voll von den Männerclubs in den Aufsichtsräten. An einem Tag im Februar 2002 marschierte er in die Räume der auflagenstärksten Tageszeitung und gab ein Interview: Mehr Frauen in die Räte! Notfalls per Gesetz!

Wie das ihrer Familie und ihrer Karriere geholfen hat, darüber berichten verschiedene Norwegerinnen. Eine davon, Kristin Skogen Lund, erzählt etwa:

»Ich habe meine Kinder nicht outgesourct«, sagt sie und erzählt, wie sie ihren Computer jeden Morgen um halb neun hochfährt und ihr Büro nie später als halb fünf am Nachmittag wieder verlässt. Das Abendessen mit der Familie ist ihr heilig. »Man lernt, Prioritäten zu setzen und effizient zu arbeiten«, sagt sie. In den meisten Firmen Norwegens gebe es nicht eine Anwesenheitskultur wie in anderen Ländern, sagt Lund. Gut, sie hat Unterstützung, ein Au-pair-Mädchen und Großeltern in der Nachbarschaft. Und ganz selbstverständlich sagt Lund: Ihr Partner stünde hinter ihrem Erfolg. Wobei ihr Gatte nicht Hausmann ist, sondern Jurist – in Vollzeit.

Und was ist in Deutschland zum Thema Quote so los? Bundesministerin Kristina Schröder sieht die Quote als “Ultima Ratio“. Sie will nichts tun: “Gerade in den vergangenen Monaten hat sich in der Wirtschaft viel getan, Frauen erobern peu à peu in vielen Branchen die Chefetagen. Solange sich wirklich etwas bewegt, kann ich gut auf eine Quote verzichten.” Warum Frauen nur als Eroberinnen in der Arbeitswelt Gleichberechtigung erfahren sollen, kann ich nicht nachvollziehen. Wer erobert, nimmt einem anderen etwas weg. Und das genau ist eben keine Gleichberechtigung.


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Familienpolitik à la Schröder

23. Juli 2010 von Barbara

Das Wertvollste, das Kristina Schröder von ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen geerbt hat, sind das Elterngeld und der Plan, die Kinderbetreuung auszubauen. Dazu hat die Familienministerin diese Woche eine Pressekonferenz abgehalten und dabei betont, dass das Ausbau-Ziel, 35 Prozent der Unter-Dreijährigen bis 2013 mit Kita-Plätzen zu versorgen, realistisch sei. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte sie außerdem, mit diesen 35 Prozent sei der Bedarf gedeckt. Leider verwechselt Schröder dabei, dass diese 35 Prozent nicht dem Bedarf entsprechen, sondern lediglich der Pflicht genügen, die die EU-Kommission Deutschland auferlegt hat. Außerdem übersieht sie, dass mit dem Angebot der Bedarf steigt, wie die Erfahrungen im europäischen Nachbarland Schweden zeigen. Und auch innerhalb Deutschlands gibt es Belege dafür: Das Statistische Bundesamt hat ermittelt: In den neuen Bundesländern, wo es mehr Kinderbetreuungsangebote gibt als in Westdeutschland, bringen im Verhältnis deutlich mehr Eltern ihre Unter-Dreijährigen in Kitas.

Eltern, die keine klassischen 9 to 5-Jobs haben, sondern etwa in der Gastronomie arbeiten, als Lagerarbeiter oder als Reinigungskräfte, nützen diese 35 Prozent übrigens eher wenig: Die üblichen Kita-Öffnungszeiten sind kaum mit ihren Arbeitszeiten in Einklang zu bringen. Hier wäre eine Familienministerin mit Visionen gefragt, die etwas von der Lebenswirklichkeit ihres Landes versteht.

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Sparen auf Deutsch

9. Juni 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 5 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Zwei Dinge haben Deutschland in den letzten Tagen sehr beschäftigt: Wir müssen sparen. Und wir brauchen einen neuen Bundespräsidenten. Zu beiden Themen hat die Bundesregierung nun Entscheidungen gefällt – und beide Male ist der Feminismus auf der Strecke geblieben.

Fangen wir beim deutschen Sparplan an. Bis 2014 müssen rund 80 Milliarden Euro eingespart werden, verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel. Schulden müssen gebremst werden – “für die Zukunft unserer Kinder”, so die Erklärung der Bundesregierung. Und doch trifft das Sparpaket besonders die sozial Schwachen. Es gibt starke Kürzungen beim doch “bisher so erfolgreichen” Elterngeld. Doch nicht nur hier wird gespart, auch bei den Rentenbeiträgen für Langzeitarbeitslose, bei den Fördermitteln für Erwerbslose und dann wird auch noch der Arbeitsplatzabbau im Öffentlichen Dienst angekündigt. “Gerecht geht anders”, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. Die Opposition kündigt Widerstand gegen das Sparpaket an, die Grünen fordern, dass auch die Vermögenden zur Kasse gebeten werden. SPD-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider vermisst “soziales Gespür” und vermutet, dass sich die Bevölkerung gegen die Sparpläne wehren wird.

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