Einträge mit dem Tag ‘Familienpolitik’


Kita-Kritik braucht Geschlechter-Kritik

14. Juni 2013 von Lisa

Nicht alle Krippen sind super – und nicht alle Kinder gehen gern in die Kita, mögen ihre Erzieher_in oder lassen sich innerhalb der vorgesehenen Zeit eingewöhnen. In vielen Kitas ist der Betreuungsschlüssel zu groß, oft fehlen Erzieher_innen – nicht zuletzt weil diese ausgesprochen schlecht bezahlt werden. Beim Kita-ausbau wird vielmals Qualität zugunsten von Quantität vernachlässigt. Eine Kritik am derzeitigen System von Kitas und Krippen, wie sie etwa in der taz zu lesen war, ist also mitunter durchaus gerechtfertigt. Das Problem ist allerdings, dass diese Kritik schnell in eine reaktionäre Richtung geht. Auch wenn sich die meisten Texte oberflächlich aufgeklärt geben, schwingt in vielen implizit trotzdem die Idee des ‚früher-war-alles-besser‘ und das Ideal der Hausfrau & Mutter als einzigem Garant frühkindlichen Wohlbefindens mit. Ein Beispiel dafür ist ein Interview mit dem bekannten dänischen Familientherapeuten Jesper Juul in der Zeit (dessen Erziehungsratschläge meiner Meinung nach sowieso auf Gemeinplätze hinauslaufen).

Hier findet sich ein typisches Argumentationsmuster konservativer Kita-Kritik: Offiziell zielt sie auf die Qualität von Krippen und Kitas, also auf Dinge wie den Betreuungsschlüssel, pädagogische Konzepte und die Ausbildung von Erzieher_innen. Inoffiziell geht es in den Texten aber meist nicht um den Vergleich von guten versus schlechten Kitas –  der eigentliche Maßstab bleibt weiterhin die Betreuung der Kinder zuhause in der Familie. Beispielsweise fordert Juul eine Langzeitstudie, die zwischen Kindern in Kita- und Familienbetreuung vergleicht (und nicht etwa zwischen verschiedenen Kita-Konzepten). Als sein vermeintlich progressives Vorbild nennt „eine kleine Bewegung von Eltern, die sagen: Wir wollen ein Recht darauf haben, unsere Kinder von der Geburt bis zur Einschulung selber zu erziehen“ (und nicht etwa eine Bewegung von Eltern, die sich für einen kleineren Betreuungsschlüssel in ihrer Kita einsetzen).

Problematisch ist zudem, dass die Kita-Probleme oft als Folge der privaten Entscheidung von Eltern erscheinen: Diesen Eltern kümmerten sich eben zu wenig um die spezifischen Bedürfnisse ihres Kindes, ihre  ‚Karriere‘ sei ihnen wohl wichtiger, sie  liessen sich zu sehr vom heutigen Leistungsdruck stressen und interessierten sich auch noch viel zu wenig für das pädagogische Konzept der jeweiligen Kita. Dadurch werden gesellschaftliche Probleme individualisiert. Denn der größere politische Zusammenhang wird ausgelassen oder nur gestreift. Dass Faktoren wie sinkende Löhne, der Abbau von Sozialsystemen, einkommensabhängiges Elterngeld und das Ideal der Vollzeit-Arbeit vielen Eltern wenig Raum für Entscheidung oder Zeit für Kita-Konzept-Diskussionen lassen, bleibt außen vor.

Vor allem aber fehlt in vielen Anti-Kita-Polemiken auffallend häufig die Dimension von Geschlecht – oder wird allenfalls in einem Nebensatz kurz angeschnitten. Vordergründig beschreiben die Texte neutral beide ‚Eltern‘ und unterschlagen so, dass ein zentraler Teil des Problems vor allem geschlechtspezifische Ungleichbehandlung betrifft. Denn zum einen ist die scheinbar kindgerechtere Vergangenheit, die beschworen wird, eng mit dem traditionellen Mutterideal verbunden. Zum anderen haben genderpolitische Aspekte entscheidenden Einfluss sowohl auf die Betreuung Zuhause als auch in der Kita. Strukturelle Faktoren wie der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen und das Ehegattensplitting bewirken, dass es in heterosexuellen Paaren meist die Frau ist, die den Großteil der Erziehungsarbeit übernimmt. Somit ist es in der Realität vor allem die Mutter, der die kritisierte ‚Entscheidung‘ zur Kita angelastet wird. Zudem spielt die Dimension von Geschlecht eine entscheidende Rolle bei der Quanität und Qualität von Kita-Betreuung. Schließlich gilt Erzieher_in nach wie vor als sogenannter ‚Frauenberuf‘ – und solche Berufe zeichnen sich traditionell dadurch aus, dass viel altruistisches Geben erwartet wird, während die Bezahlung ausgesprochen schlecht ist. Eine informierte Kita-Kritik schließt also immer auch eine Kritik der hegemonialen Geschlechterordnung ein.


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Aktionen und Empowerment – kurz verlinkt

13. Juni 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 200 von 364 der Serie Kurz notiert

Nach Frankreich sollen auch in Großbritannien bald lesbisch und schwul lebende Paare heiraten können.

Die Hamburger Inititative Ohren Auf Im Kiez mobilisiert zu gegenseitiger Unterstützung in Notsituationen oder bei Hilfebedürftigkeit – inklusive praktischer Tipps.

Eine 86 Jahre alte Frau hat es geschafft, aus dem Kriegsgebiet in Syrien herauszukommen.  Obwohl ihr Sohn garantiert, für sie finanziell zu sorgen, hat das deutsche Konsulat sie „mangels Kompetenzen“ abgewiesen und schickt sie auf eine internationale Bürokratie-Odyssee. 

Das österreichische Online-Medium dieStandard wurde vor kurzem scharf für eine Kolumne zu „feministischem Sex“ und nicht weniger für ihren Umgang mit den Einwänden dagegen kritisiert – nun hat das Team der Zeitschrift an.schläge eine Replik auf den Artikel bei dieStandard veröffentlicht, in dem einige der vorgebrachten Kritikpunkte ausgeführt werden.

Auf der weltgrößten Videospielekonferenz Electronic Entertainment Expo, kurz  E3, kam eine Präsentation von Microsoft nicht ohne Vergewaltigungs“witze“ aus. Warum sowas ein Problem ist, muss offenbar immer wieder erklärt werden (Artikel auf Englisch; bemerkenswert, dass auf den Bestelllink für die Xbox dort nicht einfach verzichtet wurde).

Michelle Obama, „First Lady“ der USA, wurde während einer Rede von einer weißen Aktivistin unterbrochen. Ihre Reaktion darauf  fand in der feministischen US-Blogosphäre einige Beachtung – denn Michelle Obama widersetzte sich damit gängigen Stereotypen über Schwarze Frauen [Englisch].

Es gibt ein Medikament, mit welchem sich Schwangerschaften verhältnismäßig sicher abbrechen lassen: Misoprostol. Dass das wenig bekannt und verfügbar ist, hat Gründe [Englisch].

Über die feministische Beteiligung an den anhaltenden Protesten und Auseinandersetzungen in der Türkei berichtet Frollein Europa [Englisch].

Im Zentrum Berlins soll für mehrere hundert Millionen Euro ein neues Ausstellungsgebäude entstehen: das Humboldt-Forum. Für Berlins „außereuropäische Sammlungen“, wie es so schön heißt. „Das vorliegende Konzept verletzt die Würde und Eigentumsrechte von Menschen in allen Teilen der Welt, ist eurozentrisch und restaurativ“, sagt Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Zur Petition gegen das Humboldt-Forum geht es hier.

Seit vier Jahrzehnten übersetzt und publiziert der Berliner Orlanda Verlag essenzielle Werke afro-amerikanischer und afro-deutscher Feministinnen. Im Interview mit migrazine.at erzählt Anna Mandalka von den Anfängen und den aktuellen Schwerpunkten bei Orlanda: „Schwarze Frauen sind sichtbar geworden“.

Ragen von Dances With Fat gibt Lebenshilfe – für Blogkommentatoren, die unter Dickenhass leiden [englisch]. Zu Dickenfeindlichkeit und Body Policing in akademischen Diskursen/Praxen schreibt Melonie Fullick [Englisch].

Unter dem Deckmantel des Schutzes wird oftmals der Weg frei gemacht für Repressionen, das gilt nicht zuletzt in Sachen Prostitution. Eine Petition für Respekt und Rechte für Sexarbeiter_innen wendet sich dagegen.

Über Proteste gegen die „Frauen-Nacktfußball-EM“ – die eben kein nudistisches Sportereignis, sondern eine kommerzialisierte male-gaze-Erotikshow ist – berichtet die Siegessäule.

Deborah Copaken Kogan, Bestsellerautorin und Kriegsfotografin, geht einen mutigen Schritt und packt über den Sexismus im Literaturbetrieb aus. Sie erzählt von sexistischen Buchtiteln und -covern, die ihr im Laufe ihrer Karriere aufgedrängt worden sind; von der wiederholten Betitelung als „Mutter“ und „Barbie“, wo es eigentlich um ihre Arbeit als Schriftstellerin oder Fotografin gehen sollte; von Autorinnen, die aus Gründen nicht unter ihrem weiblichen Vornamen veröffentlichen; davon, dass die meisten Rezensenten Männer sind und auch in erster Linie Bücher von Männern rezensieren; dass genau aus diesem Grund auch fast nur Männer für Literaturpreise nomiert werden. Und dass sie erst jetzt auspackt, wo sie laut eigener Aussage nichts mehr zu verlieren hat, weil ihr immer gesagt worden ist: „Die werden dich fertig machen“. Ein ernüchternder, ein wichtiger Artikel.

Der Verband Alleinerziehender Mütter und Väter hat zehn Forderungen zur Verbesserung der Situation von Ein-Eltern-Familien formuliert.

Über das nach wie vor problematische Verhältnis vom Feminismus(tm) zu Trans*positionen, die Wichtigkeit diese mitzudenken und „Gender“ genauer zu analysieren schreibt Jos auf Feministing [Englisch]

Zum Tod der Fotojournalistin  Abigail Heyman gibt es einen Beitrag bei der New York Times [Englisch].

Die indische Filmemacherin Nishtha Jain hat die Mitglieder der Gulabi Gang mit ihrer Kamera begleitet. In der Jungle World spricht über die Revolte indischer Landfrauen, die von häuslicher und polizeilicher Gewalt besonders betroffen sind.

Eine Petition an die öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme fordert: Klärt endlich angemessen über den Sexismus in dieser Gesellschaft auf! Inzwischen gab es von den Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Sender Stellungnahmen zu den  Forderungen – von denen leider keine zufriedenstellend war.   Die Antwort an das ZDF  gibt’s hier. Da eine Behandlung der Beschwerde im Fernsehrat nach § 21 der Beschwerdeordnung gefordert wird, können die Initiatorinnen der Petition weiterhin jede Unterstützung gebrauchen.

Im Nachgang zu der Debatte um Angelina Jolies Brust-OP schreiben Duchess Harris und Christine Ohenewah für the feminist wire über den Zugang zu genetischen Krebsrisikotests – und was Faktoren wie race und class damit zu tun haben [Englisch].

Langzeitstudien verstärken die Zweifel am flächendeckenden Nutzen von Mammographiescreenings in der Brustkrebsvorsorge, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Bei der Heinrich Böll Stiftung ist ein Dossier über antirassistisches Empowerment erschienen, das auch als PDF herunter geladen werden kann.

Am 21. Juni in Berlin: die Fête de la Ruby – queer_feministisches Konzert und Party im Trixxxta, Oberbaumstr. 11 Kreuzberg.  Um 16 Uhr gehen die Konzerte los,  dannach wird aufgelegt.  Hier geht es zum Facebook-Event.


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Blumen, Brüste, Bullshit – die Blogschau

18. Mai 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 205 von 295 der Serie Die Blogschau

Vergangenen Sonntag war Muttertag. Katharina von Sich mit Worten bevorraten will nicht nur zu diesem Anlass mehr als Blumen.  Auch Melanie ist kein Fan dieses Begängnisses, reflektiert aber zu diesem Anlass ihre Sicht auf Dankbarkeit für  Mütter.

Gleich ein bunter Strauß an Berichten darüber, wie wenig mensch sich selbst in vermeintlich alternativen,  emanzipatorischen Umfeldern auf Pausen vom *istischen Alltag verlassen kann:

Kotzwürg-Sexismus galore beim BarCamp Graz.  Und mehr als genug Kackscheiße auch beim Workers Youth Festival in Dortmund.  Das erfolgreiche Modelabel American Apparel geriert sich als hipper Awareness-Laden, kommt aber seit jeher nicht ohne Sexismus aus.  An der Heidelberger Uni lacht man über NSU-Verharmlosung in Tateinheit mit Plumpsexismus von vorvorgestern. An der Düsseldorfer Uni soll ein antifeministisch dominiertes  Männerreferat gegründet werden. Und angesichts der von großem Pressetamtam begleiteten Proteste gegen die „Barbie Dreamhouse Experience“ konnte mensch sich auch nur noch an den Kopf packen.

Edward von Twidgeridoo! berichtet unter dem bitter sarkatischen Titel „Meine erste Internierung“ über erfahrene(n) Rassismus und Polizeigewalt. Mehr (Grundlagenarbeit für) rassistische Kackscheiße ist zu erwarten bei der Innenminister*innenkonferenz (IMK), die vom 22.-24. Mai in Hannover stattfindet und wo auch Asyl- und Migrationspolitik auf dem Programm steht – Protest wird bereits organisiert.

Die ständige Erwartung, verfügbar zu sein – für Diskussionen, Erklärungen oder den Wohlfühlfaktor: Frau Dingens hat genug davon. A propos Erwartungshaltung: Seitdem ich auf meinem Profilbild Tatyana Fazlalizadehs Anti-Street-Harrassment-Shirt trage, wird immer wieder gefragt, wo es dieses großartige Shirt den gebe – und auch High on Clichés kennt den Ärger über die ständige Aufforderung „Lächel doch mal!“.

Die Brust-OP von Angelina Jolie ist nicht nur ein Knaller für die Boulevardmedien, sondern auch ein Politikum. Mel gibt Kontext und findet:  „Well done, Angelina Jolie“.  Merle Stöver möchte Jolie für ihre Entscheidung respektiert sehen – gerade von Feministinnen. Und weil (gerade auch Frauen*-)Gesundheit immer ein politisches Thema ist, berichtet my myself & child über ihren „Gebärmutterschnupfen“ und lädt zur Vernetzung ein.

Und wo wir schon bei Körper und Selbstbestimmung sind: Grrrlghost hat anlässlich der Debatte um die „Pille danach“ noch ein Video beizusteuern.

Shopping ist nicht für alle ein Vergnügen – die Suche nach passenden BHs auch nicht, wie Ryuu berichtet. Außerdem ist Ryuu aus Berlin – nach wie vor Sehnsuchtsort für viele – weggezogen und erzählt, warum. Und dass auch in anderen Städten mit B am Anfang ordentlich was los sein kann, lässt sich Helgas umfangreicher Terminliste für Braunschweig entnehmen.

Außerdem hat Helga ein Buch über Pionierinnen der Archäologie gelesen und rezensiert.

Ninia LaGrande interviewt Jasmin Mittag,  Initiatorin der Kampagne „Wer braucht Feminismus?“ in Deutschland.

Nele Tabler schaut die  TV-Serie Call the Midwife (Ruf die Hebamme) und findet schwangere Heldinnen.

Anne Roth sammelt Beispiele von Fällen, bei denen feministischen Medien, Blogs, Zeitschriften, Fernseh- oder Radiosendungen von Zensur betroffen waren (oder sind).

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Wie eine bessere Familienpolitik aussehen könnte

18. März 2013 von Lisa

Dieser Beitrag erschien letzten Freitag bereits bei Fuckermothers.

Fotografie von vier Personen (zwei Erwachsene, zwei Kinder) auf weißem Karopapier-Hintergrund, deren Gesichter entfernt und durch weißes kariertes Papier ersetzt sind.

Bild: Fuckermothers

Angeblich soll es im kom­men­den Wahl­kampf mehr um Familien­poli­tik gehen. Des­we­gen habe ich an­ge­fan­gen zu über­legen, wie eine bessere Familien­politik aus­sehen kön­nte. Heraus kam diese Liste. Menschen, die wenig am poli­tischen System ändern wol­len, wird sie wohl zu uto­pisch (bzw. “zu teuer!”) er­scheinen. Und Menschen, die es nicht unter der Ab­schaf­fung des Kapi­ta­lis­mus und Natio­nal­staats machen, wird sie nicht weit ge­nug gehen (bzw. “zu re­form­ist­isch!” sein). Hier kom­men die Punkte trotz­dem. Er­gänzungen und Ver­bes­ser­ungs­vor­schlä­ge sind er­wünscht. Und Utopien so­wie­so.

 

 

  • Das Ziel von Familienpolitik sollte Gerechtigkeit, höhere Lebensqualität sowie das Verringern von Ungleichheit und Armut sein. Ziel sollte nicht sein, lediglich die Zahl der Kinder (von bestimmten Bevölkerungsgruppen) zu erhöhen.
  • Das Ehegattensplitting verschwindet endlich ersatzlos.
  • Abtreibung wird legalisiert. Der § 218 wird gestrichen.
  • Mehr als zwei Personen können (auch rechtlich) Eltern eines Kindes sein.
  • Der Ausbau von Kitas und Krippen geht schneller voran und zwar so, dass es nicht nur mehr Plätze gibt, sondern auch eine bessere Qualität der Betreuung. Dazu gehören kleinere Betreuungsschlüssel, längere und flexible Öffnungszeiten, ein Nachmittagsprogramm sowie durchdachte pädagogische Konzepte.
  • Hebammen, Erzieher_innen und Tageseltern bekommen endlich eine bessere Entlohnung.
  • Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften erhalten die gleichen Rechte wie gegengeschlechtliche. (mehr …)

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Mini-Schritte: Erweitertes Adoptionsrecht für nicht-heterosexuelle Paare

19. Februar 2013 von accalmie

Nicht nur von der Ehe werden nicht-hetero­sexuelle Paare in Deutsch­land weiter­hin aus­ge­schlos­sen: es wird schwulen und les­bi­schen Paaren, auch in ein­ge­tra­gen­en Le­bens­part­ner­schaf­ten, immer noch un­mög­lich ge­macht, Kinder zu adop­tieren. An diesem dis­kri­mi­nieren­den Grund­zu­stand wird bis­lang poli­tisch nur halb­her­zig ge­rüttelt. Aller­dings hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, das bereits 2012 fest­stellte, dass die „Un­gleich­be­hand­lung von ein­ge­tra­gener Le­bens­part­ner­schaft und Ehe“ beim Fami­lien­zu­schlag für Beamt_innen ver­fassungs­wi­drig ist, in seinem heutigen Urteil einen kleinen Schritt in Richtung Dis­krimi­nier­ungs­ab­bau ge­macht:

(c) Sara and Ryan

Das Gericht gab der Verfassungsbeschwerde eines lesbischen Paares statt und urteilte, dass schwule und lesbische Partner_innen in einer ein­ge­tragenen Le­­bens­­part­­ner­­schaft künf­tig die be­reits von einer_m der bei­den adop­­tier­­ten Kin­der eben­­falls adop­­tieren dür­fen. Das heisst, dass eine so­ge­nannte Suk­zes­siv­adop­tion mög­lich ist. Bis­lang war es nicht-hetero­sexuellen Paaren nur mög­lich, „leibliche“ Kinder des_der Partner_in zu adop­tieren.

Ein gemeinsames Adoptionsrecht besteht jedoch weiter­hin nicht.

Die Be­richt­er­stattung vieler Medien lädt ebenfalls zum Kopf­schütteln ein: nicht in einem der Artikel wird Hetero­norma­tivi­tät oder das beliebte Wort „Homosexualität“ als Bezeichnung/Markierung eines von einer vermeintlichen Norm „Abweichenden“ hinter­fragt. Auch bleibt bislang un­thema­ti­siert, dass nicht-heterosexuelle Paare be­reits durch das Ver­bot der Ehe­schlie­ßung (…mal unabhängig davon, wie man zur Ehe als Institution stehen mag…) grund­legend dis­krimi­niert wer­den und die Sinnlosigkeit, an diesem „separate and unequal“-Konzept festzuhalten, immer deutlicher wird.

Mit diesem neuen Urteil bewegt das Bundes­ver­fassungs­ge­richt die gesetz­liche Lage nichts­desto­trotz in eine bessere Rich­tung – in diesem Jahr stehen außer­dem weitere Ent­schei­dungen be­vor. Viel­leicht setzt sich tatsächlich irgendwann die einfache Erkenntnis durch, dass Grundrechte für alle Menschen gelten.


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Hater, Trolle, Widerstand und Gottes Segen -kurz verlinkt

13. Februar 2013 von der Mädchenmannschaft

Irmi Wutschers an.sage: „Wie man sexuelle Übergriffe vermeidet“ ist ganz praktisch, auch weil sie Tipps mitgibt zum Beispiel: „Vergessen Sie niemals: Die sexuelle Erregung ist Ihr Gefühl und hat nichts mit dem Gegenüber zu tun.“

Science-Fiction Autor John Scalzi war genervt. Er will sich nicht einfach trollen lassen, jetzt spendet er für jeden Troll-Kommentar, der Sexismus, Rassismus und Homophobie zum Inhalt hat, Geld. Seine Aktion hat für eine Menge Wirbel gesorgt (engl.).

Ein sehr lesenswerter Text zur Sexismusdebatte kommt von Hani Yousuf, darin schreibt die renommierte Journalistin ihre Erfahrungen mit Sexismus und Rassismus in Berlin auf und kommt zum Schluss: „Mein Patriarchat ist besser als Deins“. Antisexistischer Widerstand hat in Indien Tradition und die skandalisierende „westliche“ Berichterstattung dient dazu, eigene Probleme unter den Teppich zu kehren.

[TW: sexualisierte Gewalt] In „intimate Enemies“ schreibt Sandra Charlotte Reichert über sexualisierte Gewalt an Frauen, intimen Räumen, die gewaltvoll werden und Erfahrungen von Betroffenen. Warum hören wir über Vergewaltigungen, aber selten vom Vergewaltiger? (engl.)

In Frankreich stimmte die Nationalversammlung mit klarer Mehrheit für die Homosexuellen-Ehe.

Alternative Lebensmodelle werden medial sichtbarer: Drei Väter, eine Mutter. Dass die Familienpolitik unter Schröder eher mau ist, darüber hat die MM schon öfter geschrieben. Jetzt kam ein Bericht raus, da steht es auch noch einmal: Zeit für Visionen, findet Barbara Streidel.

Wie selbstbestimmt kann ein Kaiserschnitt sein? Besser pressen?

„Es kann nicht länger hingenommen werden, dass auf dem Gebiet der Sexuallehre – und nicht nur dort – leitende Männer der Kirche über den Körper und die Seele der Frau Macht ausüben.“

Der Papst geht? Gott sei Dank! Aber wie verhalten sich denn die Anwärter zur Homosexualität und Homo-Rechten? (mehr …)


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Feministin und Mutter Sein – Müssen nur wollen?

22. November 2012 von Melanie

Dieser Text erschien vor einigen Tagen in einer leicht veränderten Fassung bereits auf Melanies Blog glücklich scheitern.

Wie geht das, Feministin und Muttersein? Das war für mich vor Minimes Geburt gar keine Frage. Was sollte sich schon ändern? Ich bin Feministin, dann werd ich eben auch noch Mutter. Gehe weiter meiner Karriere in der Wissenschaft (ich hätts ja eher Berufung genannt) nach, liebe ganz bestimmt mein Kind und werde glücklich.
Und ja, mein Bild war schon sehr eingeschränkt. Ich dachte, wer Feministin ist und Mutter, muss genau so denken – Berufstätigkeit unbedingt! Man muss nur genug wollen…
Dann kam das Kind und ich merkte: Wollen und Können sind nicht ein und dasselbe. Deshalb wundert es mich eher, dass nicht alle Mütter Feministinnen sind, oder jedenfalls mehr. Wenig legt die patriarchale Struktur dieser Gesellschaft so offen, wie das Muttersein, find ich.

Um ganz subjektiv ein paar Ereignisse zu schildern: Ich wurde schwanger als ich grade einen Arbeitsvertrag hatte, der anderthalb Jahre lief. Ich ging ein halbes Jahr in Elternzeit und erfuhr währenddessen, das mein Vertrag nicht verlängert würde. Obwohl die Stelle durchaus weiterläuft. Da der Vertrag einfach auslief, und ich nicht mal gekündigt werden musste, gab es weder aussagekräftige Gründe der Arbeitgeberin, noch die Möglichkeit, einen Personalrat einzuschalten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Mitten in der Doktorarbeit in einem anderen Projekt einsteigen? Von vorne anfangen? Dafür in eine andere Stadt, mit befristetem Vertrag? Nein Danke. Will ich also nicht genug?
Ich schrieb Bewerbungen. Wenn ich in der Bewerbung das Kind erwähnte, kam es gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch. Wurde ich zum Vorstellungsgespräch geladen und erwähnte dann mein Kind gab es unverschämte Reaktionen. Letzen Endes bekam ich eine auf vier Monate befristete Teilzeitstelle. Das Gehalt liegt unter dem, was ich an ALG I bekomme. Und so sehr ich auf die naiven Mütter mit ihren sogenannten Milchmädchenrechnungen geschimpft habe – ich gestehe, dass die Gleichung in der letzten Zeit bei mir immer öfter aufging. Ich werde müde.

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Protest gegen Residenzpflicht und andere menschenunwürdige Asylpraxen- Kurz verlinkt

17. Oktober 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 176 von 364 der Serie Kurz notiert

Unter dem Motto „Willkommen in Berlin! Für einen menschenwürdigen Aufenthaltsstatus in Deutschland! Asyl und Bewegungsfreiheit sind keine Privilegien, sondern Menschenrechte!“ fand am 13.10. in Berlin eine Demonstration statt. Ausgangspunkt war das Refugee Tent Camp, welches es seit dem 6. Oktober gibt. Alle Informationen über das Camp und den Protest findet ihr auf der Seite des Camps. Dort gibt es auch einen Pressespiegel, der die bisherigen erschienen Artikel auflistet.

Am 15. Oktober wurde dann die Botschaft Nigerias besetzt. Das „Warum“ wird in einer Pressemitteilung erläutert. Die taz berichtete auch über die Besetzung und das folgende massive Eingreifen der Polizei. Es kam zu einer Reihe von Festnahmen und gewaltvollen Übergriffen durch die Polizei und es gab eine spontane Protestdemo.

[Triggerwarnung: Im Text Thematisierung von sexualisierter Gewalt] re-empowerment, das Forum von und für Frauen gegen Partnerschaftsgewalt, hat eine Stellungnahme zum aktuellen Gebahren von Jörg K. geschrieben.

DieStandard berichtet über die umstrittene Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.

Elektronische Musik, wie so viele Musikrichtungen, wird oftmals mit dem Schaffen von Männern verbunden. Flavorwire aber stellt zehn Pionierinnen dieser Musikrichtung vor. (Englisch)

Die Initiatve „Fußballfans gegen Homophobie“ möchte sich weiterentwickeln und die taz berichtet darüber.

Es gibt ein großartiges neues Tumblr, in dem Frauen, die sich in Wissenschaftskreisen bewegen (ob als Doktorandinnen, Dozentinnen oder Professorinnen) von ihren Erlebnissen mit mansplaining aka herrklären berichten. (Englisch)

[Triggerwarnung: Im Text Thematisierung von sexualisierter Gewalt] DieStandard schreibt über eine aktuelle Aktion der feministischen Aktivistinnengruppe Femen.

Ellen Draxel zeigt in ihrem Artikel für die Süddeutsche, was Altersarmut bedeutet und warum diese besonders oft Frauen betrifft.

Die Afrikanische Union hat mit Nkozosana Dlamini-Zuma erstmals eine Frau im höchsten Amt als Komissionschefin.

[Triggerwarnung: fatshaming, und auch entsprechendes Vokabular] Frauen, die nicht bestimmten Körpernormen entsprechen, haben es schwer in Hollywood. Auf Jezebel wird gezeigt, wie zwar mittlerweile mehr Frauen, die nicht dieser Norm entsprechen, Rollen bekommen, diese aber oftmals mit Klischees belegt sind und_oder die entsprechenden Schauspielerinnen oft diskriminiert werden. (Englisch)

Die taz schreibt über eine Studie, die drei Jahre lang Ursachen der niedrigen Geburtenzahlen in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert hatte.

Skateistan ist eine NGO, die in Kabul gegründet wurde und Skateboarden, Bildung und Empowerment zusammenbringt. Zur Zeit sind 40% der Teilnehmenden in Afghanistan Mädchen. Aber mehr in diesem Video:

Nach dem Klick gibt es noch allerhand an Terminen in Aschaffenburg, Berlin, Bochum, Hamburg und Oberhausen:

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Zur Einstimmung auf den Sommer: Politik statt Bikinis

15. Juni 2012 von Helga

Allerorten weisen „so kommen Sie zur Strandfigur“ und „die 132 knappsten Bikinis“ bereits auf den Sommer hin. Vielleicht liegt es am wenig sommerlichen Wetter – aber von Frauenzeitschriften einmal abgesehen, scheint Frauenpolitik vor der Sommerpause das heißeste Thema dieses Jahr zu sein.

Wenig geschickt stellte sich da die Koalition von Angela Merkel an, die vor besagter Sommer­pause „noch schnell“ und möglichst unbemerkt das Betreuungsgeld durchdrücken wollte. Nach dem zahlreichen Protest im Internet (Nein zum Be­treuungs­geld!), hat die Opposition die Situation grundlegend gedreht. Sie nutzte die Freitagsleere auf den Rängen von CDU und FDP und ließ die Be­schluss­un­fähig­keit des Bundes­tages feststellen. Klar: Ein parlamentarischer Trick. Daraus einen „Anschlag auf den Parlamentarismus“ zu zimmern, wie es der Parlamentarische Ge­schäfts­führer der FDP, Jörg van Essen, tat ist allerdings verfehlt.

Viel fragwürdiger ist die geplante Einführung des Betreuungs­geldes selbst. Seit November hat sich die Ablehnung in der Bevölkerung von 53 auf 71 Prozent ge­steigert. Anhänger_innen aller Parteien sind dagegen und auch im Parlament zeichnete sich zumindest heute keine Mehrheit ab. Auch die Vorwürfe von CDU-General­sekretär Hermann Gröhe, die Opposition hätte den Austausch im Parlament suchen sollen, sind Irrlichter. So berichtete der Tagesspiegel, dass eben jene Opposition erst am Mittwoch gefordert hatte, mehr Zeit für die Vorbereitung der Debatte zu bekommen. Erst fundierte Diskussionen verhindern und dann einfordern – na besten Dank Herr Gröhe.

Dass die „Schuld“ am Scheitern nun wirklich nicht alleine bei SPD, Grünen und der Linken zu finden ist, zeigt nicht zuletzt, dass auch Familien- und Frauenministerin Kristina Schröder nicht anwesend war!


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Wie geht’s weiter mit #nichtmeineministerin?

26. April 2012 von Maedchenmannschaft e.V.

Rote Schrift auf weißem Grund: NICHT MEINE MINISTERIN Kurz: wir werden das Internet ausdrucken. Nach knapp einer Woche geht die Zahl der Unterstützer_innen den 18.000 entgegen – dabei sind Abgeordnete aus Bundestag, Landtagen und dem Europaparlament, sowie zahlreiche Organisationen. Daher werden wir den Offenen Brief ausdrucken und versuchen, ihn Familien­ministerin Kristina Schröder zu übergeben. Bis dahin kann er unter nichtmeineministerin.de weiter­gezeichnet werden. Je dicker der Stapel wird, umso besser.

Der Offene Brief bezieht sich vor allem auf ihr Buch „Danke, emanzipiert sind wir selber!“, das mit anti-feministischer Rhetorik ein Feindbild zimmert und das weitgehende Nichtstun der Ministerin rechtfertigt. Doch auch bei der Arbeit, die sie macht, ist sie in den letzten Tagen mächtig in die Kritik geraten. So hat das Verwaltungsgericht Dresden ihre „Extremismusklausel“ für rechtswidrig erklärt. Damit hatte Schröder alle Initiativen gegen rechts unter Generalverdacht gestellt und ihnen staatliche Geldern vorenthalten. Die Entwicklungen beim Betreuungsgeld machen nach den Änderungen beim Elterngeld ein weiteres Mal deutlich, dass ihre viel beschworene Wahlfreiheit nur für Besserverdienende gilt – alle anderen unterstützt die Ministerin in ihren Entscheidungen nicht.

Blaue Schrift: #Twitteraktivistin – Darunter ein gelber Vogelumriß  ©HAIGE Leider ist die Liste der Probleme, die die Ministerin ignoriert, noch länger. So haben homosexuelle Paare immer noch nicht die gleichen Rechte wie Hetero-Familien. Sie dürfen keine Kinder adoptieren und die künstliche Befruchtung erfolgt in einer rechtlichen Grauzone. Auch die Diskriminierung von Frauen bei Bewerbungen, besonders von Frauen mit Migrationshintergrund oder mit Kopftuch, geht sie nicht an. Der Minischritt „anonyme Bewerbungen“ wird nicht verpflichtend, den weitergehenden notwendigen ge­sell­schaft­lichen Wandel treibt Schröder ebenfalls nicht voran. Stattdessen meldet sie kritische Twitternutzer_innen an das BKA.

Nein liebe Frau Schröder, sie sind nicht unsere Ministerin!


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