Stoppt die Zwangsislamisierung!

von Kübra

Kübra Yücel, 22, ist Kolumnistin bei der Tageszeitung (taz), schreibt als freie Journalistin für verschiedene Publikationen und betreibt den Blog ein-fremdwoerterbuch.com. Sie studiert Politikwissenschaften in Hamburg und zuvor in London. Kübra ist Gründungsmitglied von Zahnräder, einem Netzwerk von engagierten und aktiven Muslimen und Musliminnen. Wir begrüßen Kübra ganz herzlich auf der Mädchenmannschaft und freuen uns auf ihre Kolumne „Das Wort zum Freitag“.

Eine Morddrohung habe ich erhalten. Meine erste. Ich sollte mich wohl geehrt fühlen. Eine Morddrohung ist ein Ritterschlag für jeden Meinungsmacher. Wer heutzutage was auf sich hält, schmückt sich mit seinen Kritikern und vor allem mit seinen Bedrohungen. Je gefährdeter die Person und Meinung, desto wichtiger wird man. Danke. Aber nun zum Thema.

Aus gegebenem Anlass – quasi als Dankeschön – schließe ich mich meinen Kritikern an und fordere einen Stopp der Islamisierung Europas. Auch ich finde es erschreckend, wie viele Menschen nun plötzlich zu „Muslimen“ gemacht werden.

Unauffällige Bürger Deutschlands, die sich bis dato nie mit Religion oder dem Islam beschäftigt hatten, bekommen plötzlich ein „Muslim“-Etikett verpasst. Zack! Zum Beispiel meine atheistische iranische Freundin, die von vielen Deutschen pauschal unter der Kategorie „Muslimin“ geführt wird. Deswegen muss sie ihnen gegenüber ihre Partygänge und ihren Alkoholkonsum verteidigen. Oder ein türkischer laizistischer Bekannter, dem kein Schweinefleisch mehr angeboten wird. Die beiden wurden quasi zwangsislamisiert und hocken nun in einem Boot mit praktizierenden Muslimen. Und wie viele andere müssen nun auch sie geradestehen für eine Religion, die sie weder kennen noch kennen wollen.

Dass wir alle in einem Boot sitzen, ist für uns alle sehr ungewohnt. Einige ergeben sich der Rollenzuschreibung und gehen auf spirituelle Entdeckungsfahrt. Und – welch Überraschung! – entdecken die Religion für sich. Yes, die Zwangsislamisierung funktioniert wunderbar. Und die Kopftuchmädchenproduktion wird angekurbelt.

Interessant ist doch, wie es zu dieser Etikettierung kommt: Nicht etwa der türkische Gemüsehändler nimmt sie vor, sondern ebene jene, die panisch vor der drohenden Islamisierung Europas warnen. Jene, die mit dem Finger auf jede phänotypisch undeutsche Person zeigen und „Moslem!“ rufen. Sie sind es, die meinen Freunden eine muslimische Identität geben, um sie anschließend darauf zu reduzieren und anzugreifen. Lustigerweise merken die Pseudokritiker nicht einmal, wie sie die groß machen, die sie eigentlich klein halten wollen.

Muslime in Deutschland sind schon lange nicht mehr nur religiöse Menschen islamischen Glaubens. „Muslime“ in Deutschland sind die „Ausländer“ von früher, die „Gastarbeiter“ von damals. Und auch die Debatten und Diskussionen drehen sich nicht um den Islam als Religion, sondern um die Muslime als Ethnie. Der Islam wurde ethnisiert.

Für manche meiner Freunde ist das Muslimsein inzwischen wie eine Hautfarbe. Eine fremdbestimmte Identität. Und die Gesellschaft lässt ein Ablegen dieser Identität nicht zu.

Deshalb kann man bei Islamophobie sehr wohl von einer Form des Rassismus sprechen. Und der kann nicht durch die Aufklärung über den Islam bekämpft werden, sondern durch Aufklärung über Rassismus.

Deshalb, lieber Absender meines ersten Morddrohbriefs: Du bist ein Rassist. Es ist mir wichtig, dass das hier steht. Schwarz auf weiß.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)




Tags: , , , , ,

Eintrag geschrieben: Donnerstag, 18. November 2010 um 15:00 Uhr unter Religion. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



39 Kommentare

  1. Anna sagt:

    Hallo zusammen,

    wir werden Kübras Kolumne sehr streng moderieren (müssen). Das heißt natürlich nicht, dass eine kritische Auseinandersetzung nicht erwüscht ist. Aber wir erwarten, dass ihr auf jede Art von Verallgemeinerungen, (rassistische) Zuschreibungen und Äpfel-und-Birnen-Vergleiche verzichtet.

    Danke.

  2. Nele sagt:

    Hallo Kübra,
    es freut mich, dass du jetzt auch hier schreibst!
    Ich habe mal eine Nachfrage:
    Du schreibst: „Deshalb kann man bei Islamophobie sehr wohl von einer Form des Rassismus sprechen. Und der kann nicht durch die Aufklärung über den Islam bekämpft werden, sondern durch Aufklärung über Rassismus.“
    Ich will dich nicht bewusst missverstehen, aber meinst du wirklich, dass Aufklärung über den Islam unwichtig ist? Oder hast du nur aus Versehen nicht geschrieben „kann nicht NUR durch die Aufklärung über den Islam bekämpft werden“.
    Ich würde dir zustimmen, dass Islamophobie ein Untertyp von Rassismus ist und bekämpft werden muss, wie andere Rassismen, aber gehört Aufklärung über den Islam als Religion nicht gerade auch dazu?

  3. Stephanie sagt:

    @Kübra
    Ein herzliches Willkommen!

    Ich freue mich ein bisschen darüber, dass Du den Mut hattest, Deine erste Morddrohung auch als Ritterschlag zu bezeichnen – ich habe meine Erste neben anderen Gefühlen ebenso empfunden, habe mich aber nicht getraut, dass so zu äußern. Einerseits sicherlich weil die Gefahr der Verharmlosung besteht, andererseits war ich nicht sicher wo Provokation beginnt… Aber zumindest zur Einschränkung des Ersterem, dürfte hier das richtige Umfeld an Aufklärung herrschen.

  4. Patrick sagt:

    Ich bin zugegeben grundsätzlicher Religionskritiker, ob nun Islam oder Christ oder sonstwas, aber ich kann das Phänomen, das Kübra beschreibt, gut nachvollziehen. Dazu passt ja auch die Falschmeldung mit den überhand nehmenden Mohammeds.

    Wenn sich die deutschen Christen hinstellen und dafür entschuldigen, was christliche Fundamentalisten in anderen Ländern (oder auch hier) für einen Unsinn anstellen, dann können wir mal darüber reden, ob Muslime das nicht auch tun sollten – da das aber eine sinnlose Forderung ist, gilt das auch für alle.

  5. Lori sagt:

    Finde ich auch sehr schön, dass du jetzt bei der Mädchenmannschaft schreibst, ich lese deinen Blog „Fremwörterbuch“ sehr gerne :)

  6. Claire sagt:

    Danke für den Beitrag! Diese „muslimisieren“ stört mich auch erheblich. Ich möchte als Deutsche/Europäerin ja auch nicht pauschal als „Christin“ abgestempelt werden.

  7. LokiLore sagt:

    Schön, dass ihr diesem Thema hier einen Raum bietet und freue mich schon auf spannende Beiträge und sicherlich auch kontroverse Diskussionen!

    Ich finde es wirklich sehr wichtig auch Islamophobie genau im Blick zu nehmen – man kann sich nicht für einen Feminismus stark machen, ohne sich auch mit rassistischen Lebenswelten auseinanderzusetzen. Mich stört, dass gerade den muslimischen Frauen oft jede Selbstbestimmung oder Emanzipation abgesprochen wird, nur weil sie Musliminnen sind. Hier wird oft zu einseitig an einer (feministischen) Front gekämpft. Das ist wie wenn man sich gegen Schwulenfeindlichkeit einsetzt, gleichzeitig aber in der Opferberatung nach der „ethischen Herkunft der Täter“ fragt und damit rassistisch vorgeht (vgl. Berliner Überfalltelefon Maneo).

    Ich würde es sehr interessant finden mich mit euch und dir, Kübra über diese Vermischung von Islamophobie und Feminismus auseinanderzusetzen. (vllt. gibt es dazu schon Artikel, sorry, wenn die mir entgangen sind, bin relativ neu hier..)

  8. Nadine sagt:

    hey lokilore:

    Birgit Rommelspacher: Feminismus und kulturelle Dominanz Kontroversen um die Emanzipation „der“ muslimischen Frau (PDF)

    Dieser Text hat noch einmal theoretisch unterfüttert, was ich schon lange zu dem Thema dachte. Wer noch mehr Texte hat, her damit!

    edit: diese hier hatte ich vergessen >> Integrationspolitik und postkoloniale Kritik und Antje Schrupp über Feminismus vs. Islam

  9. Maria sagt:

    @LokiLore: Ich würde gerne wissen, was Du damit meinst, daß „oft zu einseitig an einer (feministischen) Front gekämpft“ wird. Selbstverständlich ist es das Recht jeder Frau, für sich selbst zu bestimmen, ob sie sich verschleiert (auch wenn dies in Ländern wie dem Iran oder Saudi-Arabien kein Recht, sondern ein Zwang ist). Es würde mich dennoch interessieren, wie frau Feminismus und ein Frauenbild, das den weiblichen Körper für sündhaft und verschleierungsbedürftig hält, unter einen Hut bringt. Ich sehe darin schon einen Widerspruch. Was wäre hier die Argumentation?
    Gruß

  10. Neeva sagt:

    @Maria
    Ich könnte mir vorstellen, dass manche Frauen ihren Körper nicht als sündhaft verstehen, aber selbst entscheiden möchten wieviel oder wiewenig sie davon zeigen wollen. Der Zwang zu wenig Kleidung ist auch nicht besonders toll.

  11. Maria sagt:

    Ja, aber dennoch geht die Verschleierung auf eine religiöse Vorschrift zurück, die Männern den Anblick eines Frauenkörpers verwehren soll, weil die sonst angeblich ihre Triebe nicht im Zaum halten können. Dem liegt ein antifeministisches Männer- als auch Frauenbild zugrunde. Warum zum Beispiel gilt die Vorschrift nicht für Männer? Haben Frauen keine Hormone? Oder ist der Männerkörper einfach weitaus positiver besetzt?
    Zum Tragen von wenig oder körperbetonter Kleidung wird man übrigens nirgendwo rechtlich gezwungen, zum Tragen von Schleier und Burka schon…

  12. […] auf Hilfe hofft, trifft man auf Forderungen. Wo man sich auf Individualismus freut, wird man mit Zwangskollektivierungen konfrontiert. Wo man einen Tee anbietet, verlangen sie nach Bier. Wo man es nicht  mehr aushält, […]

  13. Maria sagt:

    Der letzte Beitrag scheint mir etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Falls, und nur falls, er eine Reaktion auf meinen Beitrag davor sein sollte, möchte ich sagen, daß ich mitnichten in Muslimen eine Ethnie sehe oder mich sonstwie rassistisch/ausgrenzend o.ä. geäußert habe, nur weil ich aus einer feministischen Perspektive ein paar ernst gemeinte Fragen zur Praxis des Islam gestellt habe. Statt beleidigt zu reagieren, möge man sich mit mir austauschen. Danke.

  14. Anna sagt:

    Maria, der Beitrag nach deinem ist ein Automatismus, der passiert, wenn jemand unseren Beitrag bei sich verlinkt hat. Das ist keine Reaktion auf deinen oder einen anderen Kommentar.

  15. Maria sagt:

    Ach so. Sorry.

  16. Neeva sagt:

    @Maria
    Mir ist schon völlig klar, dass die Bekleidungsvorschriften der Buchreligionen von einem zutiefst patriachalischen Frauenbild ausgehen und die ursprüngliche Tendenz, die du beschreibst, eine sehr große Rolle gespielt haben dürfte.
    Ich habe lediglich eine Idee angebracht, welche Grúnde eine Frau heute haben könnte, wenn sie sich – freiwillig – verhüllt.
    Wenn Christen ein Kreuz um den Hals tragen, denken sie schließlich auch nicht an ein Hinrichtungsinstrument für Kapitalverbrecher. Stell dir vor, was ein antiker Römer denken würde, wenn er eine Kruzifixkette sieht.

    Und klar, es gibt kein Land, in dem knappe Kleidung gesetzlich vorgeschrieben ist. Aber sagt dir die Fastfoodkette „Hooters“ etwas?

  17. GwenDragon sagt:

    Ich denke mir, es geht bei dem Ganzen der „Zwangsislamisierung“ für alle die potentiell moslemisch aussehen, um die Wahrnehmung und Durchsetzung einer herrschenden Meinung, einer gesellschaftlich festgelegten Norm, selbst wenn diese auf Vorurteilen beruhen.
    Dann wird sowas daraus: Deutsche sind Nazis, Türken sind alle Moslems, Frauen sind alle heterosexuell, Zigeuner stehlen, Italiener sind Spaghettifesser, Araber tauschen Kamele gegen Frauen, Schwule alle pädophile Wüstlinge, Kleinwüchsige sind infantil, Feministen sind unrasierte Männerhasserinnen usw. So wie jede_r mit einfachem Bildwinkel das gern hätte.

    Islamophobie ist da eine spezielle Phobie vor fremden Verhaltensweisen und Religionen, und derzeit politisch opportun.
    Jede Religion, die sich totalitär und missionierend gibt, erzeugt Ängste und Abwehr – nicht ohne Grund.
    Wenn Religionen dazu dienen, Wertigkeiten und Abwertungen zu schaffen, um Andere zu unterdrücken, zu verfolgen, zu töten, zu beherrschen, ihr Leben einzuschränken, sie auf Grund eines fehlenden Buches als nicht schützenswert zu achten, sie in eine Nische zu weisen, dann ist das für mich gewalttätig.
    Das betrifft alle Buchreligionen und deren Abspaltungen.

    Was Religion und irgendwelche (immer wieder von Politikern benannten) Wurzeln anbelangt: Das Judentum ist genausowenig wie der Islam positiv kulturell in Deutschland eingebunden oder verankert. Kein Wunder, bei dem Missionierungs- und Verdrängungswahn des Christentums. Andere Religionen sind mit ihrem Anspruch auf Ausbreitung einfach unliebsame Konkurrenz.

    Es gibt in Deutschland keine Religionsfreiheit, egal was im Grundgesetz steht, sondern nur eine Förderung genehmer religiöser Ansichten, hauptsächlich der Buchbesitzerreligionen. Alles andere wird als nicht achtenswerte Weltanschaung betrachtet oder verlacht.

    Manche Vorurteile lassen sich im Miteinander und Kennenlernen bereinigen, manche bleiben verfestigt auf Grund von schlechten Erfahrungen. Und wer sich verteidigen muss, egal auf welcher Seite, ist schon nicht mehr offen.

    Die Verknüpfung von politischer Macht und Weltanschauungen missfällt mir.
    Und Religion als Ausrede für persönliche Probleme mit Jemandem oder Gruppen zu verwenden missfällt mir, bei Christen, bei Juden, bei Sunniten, bei Schiiten, bei Zeugen, bei Wiccas, bei Baptisten, bei Hindus oder bei sonstwem.
    Eine Radikalisierung von Religionen und Weltanschauungen missfällt mir.

    Leider ist die Gesellschaft in Deutschland weit davon entfernt ein Miteinader zu ermöglichen, der Ost-West-Konflikt schwelt seit 1989 immer noch und der Nahost-Konflikt ist zu einer Islamhysterie geworden, seitdem religiöse Führer aus einem Kolonialkonflikt einen religiösen Befreiungskampf mit Massenvernichtungsabsicht gemacht haben.

    Wir brauchen kein intellektuelles Belfast in Deutschland, auf der einen Seite das Christentum, auf der anderen Seite der Islam.
    Wir brauchen ein offenes Miteinander, ob das klappt liegt an jeder Einzelnen.
    Ein „Wenn die mir nichts tun, tu ich ihnen auch nix“ könnte ja einer Neugier weichen, das wäre ein Anfang. Ohne ideologischen Kampf. Ohne kleinliche Religiosität. Ohne deutsche Besserwisserei.
    Aber ich stelle mir das wohl zu mitmenschlich, zu naiv vor.

    Mord- und Gewaltdrohungen gehören zum Alltagsgeschäft gegen unangepassten Frauen. Egal wo.
    Augen auf, muslimische Idioten, christliche Spinner, Politfanatiker gibt es überall.

    Schönen Feiertag noch (Sonne ist ja schon längst untergegangen).

  18. Nadine sagt:

    @Maria

    die Links, die ich an LokiLori weitergegeben habe, könnten auch für dich interessant sein.

    Nur kurz zwei Hinweise: es gibt keine universale feministische Position zu Kopftuch, Burka, etc. und bitte auch vorsichtig mit Äußerungen wie „Ich bin überhaupt nicht rassistisch“, wenn du dich generalisierend über eine von dir als homogen konstruierte Gruppe wie Muslim_innen nicht gerade positiv äußerst.

    @GwenDragon

    bitte vorsichtig mit Rassismen umgehen, auch wenn du damit sinnbildhaft deine Argumentation unterstreichen möchtest. Deine ablehnende Haltung gegen sogenannte „Buchreligionen“ kann ich nachvollziehen, allerdings wäre eine differenziertere Sichtweise schon wünschenswert, DAS Christentum gibt es genauso wenig wie DEN Islam. Zumal das Thema hier ein anderes ist.

  19. Angelika sagt:

    hallo Kübra, danke für deine klaren worte !

    „Stopp der Islamisierung Europas“ – wie wahr, zumal ich diese meinung teile.
    ( nur nebenbei, allerdings bin ich nicht nur feministin/emanze sondern auch noch u.a. freidenkerin, atheistin und habe z.b. umgekehrt auch ein problem mit dieser „christlichkeit“ in dld. und den ganzen christlichen feiertagen)

    ich finde auch solche religions-schubladisierungen furchtbar „unentspannt“ und intolerant.

    morddohung/en ? das geht ja garnicht. in was für einem land leben „wir“ hier ?

    massenmedien etc. verbreiten nicht nur diese klischees – ist ja auch leichter, sich davon berieseln zu lassen, statt es sich selbst mal „unbequem“ zu machen und selbst zu reflektieren, stellung beziehen und dafür alltäglich/real einzutreten …

  20. david sagt:

    Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam, religiösen (in diesem Fall muslimischen) Symbolen und dem in muslimischen Ländern vorherrschenden negativ geprägten Frauenbild ist auch in Zeiten von Islamophobie angebracht und sollte nicht gleich mit rassistischen Tendenzen oder Äußerungen verwechselt bzw. in Verbindung gebracht werden.

    Auch sollte nicht vergessen werden, dass viele andere Religionen, Minderheiten, Andersdenkende auch mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Vor allem in islamischen Ländern und auch in muslimisch geprägten Stadtteilen z.B. Berlins gibt es teilweise einen tiefsitzenden Rassismus gegenüber Nicht-Muslimen und einen ausgeprägten Antisemitismus. Daher wäre es wünschenswert, wenn man trotz aktueller Ereignisse und der damit verbundenen politischen und gesellschaftlichen Korrektness, gewisse negative Tendenzen und Entwicklungen (z.B. Todesstrafe für Homosexuelle in muslimischen Ländern, Gefängnisstrafen für Kritiker, mitunter menschenunwürdige Behandlung von Frauen, usw.) hinterfragen und kritisch anmerken darf, ohne gleich als Rassist bezeichnet zu werden.

  21. Stephanie sagt:

    Ich hatte diese Woche eine Feminismus und Islam Woche. Angefangen mit einem Vortrag von Antje Schrupp zu „Feminismus vs. Islam“, dann war in der Feministischen Einzelkämpferinnen Gruppe das Thema „Kopftuchdebatte“ und wir bekamen Besuch von der regionalen Frauengruppe der Lajna Imaillah der Ahmadiyya Muslim Jamaat, dann Kübras Text und gestern ein Besuch einer Veranstaltung der regionalen Lajna Imaillah.

    Ich habe diese Woche viel gelernt, was mir insbesondere beim Lesen der Kommentare hier auffällt, weil ich einige letzte Woche wohl teilweise noch „unterschrieben“ hätte, jetzt aber mir nicht mehr ganz so sicher erscheinen.

    So z.B. Marias Kommentar an LokiLore. Das Kopftuch ausschließlich als Unterdrückung von Frauen zu deuten fällt mir schwer, nach Antje Schrupps Star Trek Beispiel, der frauenfeindlichen Ferengi, bei welchen die Frauen gar keine Kleidung tragen dürfen; den Erklärungen der bei der FEG anwesenden Muslimas und ihrer Erklärungen, warum sie Kopftücher tragen – sowohl die Koranauslegungen als auch der familiäre Hintergrund; und zu guter Letzt eine Muslima die mir gestern gegenüber saß (jedoch kein Gemeindemitglied der Ahmadiyya Muslim Jamaat war – nur für die differenzierte Perspektive), deren zwar verschleiertes Äußeres, nicht gerade unsexy wirkte und wahrscheinlich auch nicht wirken sollte.

    Ebenso ist Marias Satz

    Zum Tragen von wenig oder körperbetonter Kleidung wird man übrigens nirgendwo rechtlich gezwungen, zum Tragen von Schleier und Burka schon…

    etwas was ich diese Woche zu differenzieren gelernt habe: Die Differenzierung zwischen Individuen und ihrer Religionszugehörigkeit, „dem Islam“ und Staaten, die sich als muslimisch bezeichnen (heißt weder dass sie es sind, noch dass sie es nicht sind). Soll heißen, nur weil es Staaten gibt, die das Tragen von Schleier und Burka vorschreiben, sagt das weder etwas über „den Islam“ noch etwas über Muslime und Muslimas aus.

  22. Maria sagt:

    @David: Danke. Sehe ich ähnlich, besonders was Du über Antisemitismus gesagt hast.
    @Nadine: Ich habe weder Muslim_innen als homogene Gruppe konstruiert noch überhaupt etwas Generalisierendes über sie gesagt, sondern islamische QUELLEN, keine Individuen, hinterfragt. Religionskritik ist nicht per se rassistisch und muß erlaubt sein.
    @Stephanie: Es sagt leider sehr wohl etwas über islamische Quellen aus, wenn beispielsweise im Iran ein Schleierzwang besteht, denn dort wird islamisches Recht (die Scharia) wortwörtlich angewandt. Wie das im einzelnen aussieht, dazu hier ein Link: http://www.igfm.de/Auszuege-aus-den-Strafgesetzen-der-Islamischen-Republik-Iran.593.0.html

  23. f sagt:

    Maria,
    wie du die staatlich-iranische Version der Scharia-Anwendung mal eben allen Muslimen überstülpst, ist gerade die kritisierte Konstruktion von Muslimen als homogener Gruppe. Die iranische Staatsinterpretation der „islamischen Quellen“ (was immer diese sein sollen) ist nicht die einzig mögliche, und auch nicht die einzig angewandte.

  24. Katrin sagt:

    Liebe KommentatorInnen

    Bitte unterstellt euch gegenseitig eher bessere Ab- und Ansichten, als ihr es gerade tut. Im Internet wird ein Wort zu wenig oder ein zweideutiges Wort zu viel oft missverstanden und die nonverbale Kommunikation fehlt, was alles nicht einfacher macht. Umso wichtiger ist es, aufzupassen, anderen nicht gleich die schlimmsten Fehler zu unterstellen, sei dies nun Rassismus oder sei es Verharmlosung. Gerade bei so sensiblen Themen.

    Danke und eine weiterhin angenehme Diskussion euch allen.

    Katrin

  25. Ganna sagt:

    Ich habe den Eindruck, dass im genannten Text von Birgit Rommelsbacher allzu sehr vor patriarchalen Strukturen unter dem Vorwand der Bekämpfung eines Exotismus zurückgewichen wird:

    1. Zwangsheiraten sind keineswegs universell in archaischen Gesellschaften verbreitet. EthnologInnen wie Malinowski und Mead haben eine große Vielfalt an Heiratsformen und Vorschriften zur jugendlichen Sexualität angetroffen. Manche Gesellschaften legen großen Wert auf Unberührtheit und Jungfräulichkeit der Mädchen vor der Ehe, andere gestatten ihnen sexuelle Erfahrungen.

    2. Die Befreiung der Frauen ist nicht nur ein koloniales Projekt, sondern sie wird auch von sozialistischen und Befreiungsbewegungen im Nahen und Mittleren Osten gefordert und praktiziert. Insbesondere die PKK hat sich sehr um die Befreiung der Frauen, den Kampf gegen Ehrenmorde und die Integration der Frauen in die Guerilla verdient gemacht mit dem Resultat, dass Kurdinnen auch in zahlreichen Organisationen der Zivilgesellschaft eine führende Rolle spielen. Anja Flach hat diesen Prozess in ihrer sehr lesenswerten Studie „Frauen in der kurdischen Guerilla“, Köln 2007, beschrieben.

    3. Das Kopftuch dient nach dem Koran und insbesondere der vorherrschenden Interpretation der entsprechenden Suren dem Schutz der Männer vor der erotischen Anziehungskraft der Frauen. Insbesondere wird die Macht der Haare der Frauen gefürchtet. Das ist ein Vorstellung, die auch im christlichen Kulturkreis verbreitet war oder noch ist: Frauen mussten oder müssen in Kirchen ihr Haar bedecken. Heinrich Institoris spricht im Hexenhammer von der besonderen Gefahr, der Männer durch Frauen mit schönen Haaren ausgesetzt sind. Maler stellen Hexen immer mit langen, offenen Haaren dar. Verheiratete Frauen durften dagegen ihr Haar in der Öffentlichkeit nicht mehr zeigen, sondern mussten es zu einem engen Knoten zusammenbinden. Zu bestimmten Zeiten und Orten mussten sie genauso wie muslimische Frauen einen Schleier oder eine enge Haube tragen. Auch wenn sich junge muslimische Frauen in anderer Sicht emanzipiert verhalten, ändert das am Symbolgehalt des Schleiers oder Kopftuchs nichts.

    4. Das Zweigeschlechtermodell, nachdem der Mann für den Beruf und die Frau für den Haushalt und Kinderaufzucht zuständig ist, ist in der Tat eine Erfindung der westlichen Welt des 19. und 20. Jahrhundert. Zu anderen Orten und Zeiten war es unbekannt. Das bedeutet aber noch lange nicht die Abwesenheit von patriarchaler Unterdrückung. Es lassen sich auch andere Konstrukte für eine Unterdrückung der Frauen finden. Im christlichen Mittelalter galt die Frau als defizitärer Mann, d.h. sie war im Prinzip wie ein Mann, hatte aber geringere Kraft und Geistesgaben, glaubte weniger an Gott (Femina bedeutet nach der berühmten – und falschen – Etymologie von Institoris die weniger Glaubende), war leichter von Teufel zu verführen etc. Das rechtfertigte ihre Unterdrückung. (Siehe dazu Uta Ranke-Heinemann: Eunuchen für das Himmelreich)

    zu Antje Schrupp: Ferengis sind eine Erfindung von DrehbuchautorInnen. Mit einer solchen fiktiven Gesellschaft kann gar nichts belegt werden. In der Realität sind entsprechende Vorschriften nicht vorgekommen, dagegen sind Verschleierungs- und Verhüllungsgebote für Frauen in allen großen patriarchalen monotheistischen Religionen und weit darüber hinaus üblich.

  26. Cassandra sagt:

    @Maria

    was (u.A.) f sagt.
    Es geht nicht darum islamische Praktiken nicht kritisieren zu dürfen, sondern darum dabei zu beachten nicht auf rassistische Argumentationsmuster zurückzugreifen.

    Und das tust du wenn Du einfach mal alles, was irgendwie mit dem Label „Islam“ versehen ist, in einen Topf schmeißt.

    @Katrin

    da mag jetzt auch der graue Novembertag hier bei mir ein Katalysator sein, aber ich hab‘ gerade extreme Probleme damit wie du die Verwendung von „rassistisch“ tabuisierst.

    Jemanden zu sagen „Hey, ich denke was Du da gerade tust, ist rassistisch!“ ist gerade nicht das „Schlimmste“ (was immer das auch heißen mag) was man jemanden sagen kann, sondern schlicht und ergreifend eine Aussage.

    Jemand der etwas rassistisches sagt ist nicht automatisch ein Unmensch und deswegen sehe ich auch nicht, warum ich hier jetzt nochmal extra vorsichtig mit der Verwendung von „das ist rassistisch!“ sein sollte.

    Hier im Blog wird ja auch (berechtigterweise!) gesagt: „Dies und das ist sexistisch“ – und danach kann es dann eine Pro-Contra-Wasauchimmer Diskussion geben. Genauso kann man das mit „Das ist rassistisch!“ auch machen.

    *grummel*

  27. GwenDragon sagt:

    @Nadine

    bitte vorsichtig mit Rassismen umgehen, auch wenn du damit sinnbildhaft deine Argumentation unterstreichen möchtest.

    Oha, das sollte nicht als Rassismus rüberkommen. Bin ich rassistisch?

    (…)Zumal das Thema hier ein anderes ist.

    So ganz habe ich im Diskussionstrang auch nicht mehr verfolgen können, ob es um Islamophobie, Islamkritik, Kopftuchzwang, islamisches Recht, Xenophobie oder Rassismus ging.

    Deine ablehnende Haltung gegen sogenannte “Buchreligionen” kann ich nachvollziehen, allerdings wäre eine differenziertere Sichtweise schon wünschenswert, DAS Christentum gibt es genauso wenig wie DEN Islam.(…)

    Eine differenzierte Sichtweise kann ich mir nur durch vielfache Erfahrungen mit den zwei von dir genannten Religionen aneignen. Ich kann nur sagen, dass eine Offenheit des Gegenübers nicht gegeben war.
    Mir ist klar, dass jede Religion ihre verschiedenen Strömungen hat, auch in Deutschland, die offen bis fundamentalistisch-menschenfeindlich sein können.

    Ich habe es vor Jahren aufgegeben, mich mit Christen* und Moslems* beiderlei Geschlechts weiter auseindersetzen zu wollen, wenn es um politische und gesellschaftliche Belange von Frauen, auch Lesben ging. Der Hass und die Ablehnung, die mir in Deutschland entgegen schlug, hat mich gelehrt, dass diese Religionen intolerant sind, wenn sie sich auf ihr Buch als Maßstab für Menschen berufen.

    Übrigens habe ich vor über 20 Jahren in Pakistan (dort eine Zeit lebend) mehr Freundlichkeit von Moslems erlebt als hier in Deutschland.
    Irgendwie waren die damals und bis vor Jahren in Deutschland lebende Christen und immigrierte Moslems, die ich traf, anders – verbiestert, verschlossen, traditionsverbohrt, fremdelnd.

    * Moslems = Menschen islamischem Glaubens
    * Christen = Menschen christlichen Glaubens

    Ich respektiere, dass Menschen ihren Glauben ausüben, mit der Einschränkung nicht gegen Andere zu hetzen, sie herab zu würdigen, sie zu bedrohen.

    Ich kämpfe nicht für oder gegen eine Religion, sondern für eine Kultur, in der Religion keine Rolle mehr spielt im Umgang miteinander, sich nicht mehr negativ auswirkt, in der Religion niemand aufgezwungen wird.

    Ich finde die Kopftuchdebatte einfach zu stark auf den Islam eingeschränkt. Kein Mensch würde eine orthodoxe Jüdin wegen ihrer Kopftuches (oder ihrer Perücke) anfeinden, niemand würde eine ältere Katholikin wegen eines Kopftuches als unterdrückt ansehen – oder doch?
    Mich nervt, dass Kleidung und Accessoires von Frauen zu einem Symbol der Unterdrückung oder des Glaubens eingedampft werden. Kleidung kann der sozialen Kommunikation dienen, muss aber nicht.

    Was eine „Islamisierung“ anbetrifft, würde ich selbst keine Kleidungsstücke mehr tragen wollen, die den Kopf verhüllen könnten, wie Sari oder Salwar Qamiz mit Chunna, beide Kleidungsstücke besitzend. Leider. Ich möchte da nicht zwischen irgendwelche religiösen und politischen Phobiker geraten, die Kleidung, Geschlecht und Religion in einen völlig falschen Zusammenhang pressen wollen.

    Bin wahrscheinlich schon wieder vom Thema abgewichen. :/

  28. Katrin sagt:

    Cassandra, so wollte ich das nicht verstanden wissen. Ich glaube nur, dass Maria weit von Rassismus weg ist. Und wir sagen ja auch oft genug, dass Dinge missverstehen WOLLEN um sich aufregen zu können, doof ist.

    Wenn das als Maulkorb rüberkam, bitte ich das zu entschuldigen und weiter frei heraus zu reden.

    Grüße

  29. Maria sagt:

    Gannas Satz „Auch wenn sich junge muslimische Frauen in anderer Sicht emanzipiert verhalten, ändert das am Symbolgehalt des Schleiers oder Kopftuchs nichts“ bringt auf den Punkt, worum es mir bei dem Kopftuch-Beispiel ging. Egal, was eine Frau, die frei darüber entscheiden kann, für Gründe hat, ein Kopftuch zu tragen – ursprünglich war es ein Unterdrückungsinstrument und ist es leider in manchen Staaten noch bzw. wieder.
    @f: Ich wollte nicht alle Muslim_innen in einen Topf werfen, sondern deutlich machen, daß traditionelles islamisches Recht (zum genauen Nachlesen hier noch der Link zur Wikipedia-Seite: http://de.wikipedia.org/wiki/Schari%E2%80%99a) leider tatsächlich frauenfeindlich (und homophob und lustfeindlich) ist und dort, wo es wortwörtlich angewandt wird, kein Spaß ist. Dort, wo es nicht wortwörtlich angewandt wird, ist das nicht einem reformierten Islam zu verdanken, sondern der Tatsache, daß es in diesen Ländern Demokratie und die Trennung von Kirche und Staat gibt. Das zu sagen, ist kein „rassistisches Argumentationsmuster“. Das wir in Deutschland nicht (mehr) in einem Gottesstaat leben, verdanken wir der Aufklärung. Wie schon mehrfach gesagt wurde, sind die Buchreligionen alle im Kern frauenfeindlich. Aber die christlichen Staaten und Israel sind säkularisiert und abgesehen von ein paar alten Frauen tragen Christinnen und Jüdinnen in der Regel keine Tücher, die ihre Sinnlichkeit verhüllen sollen. Ich feinde übrigens gewiß niemanden an, der bzw. die ein Kopftuch trägt. Meine Vorstellung von Feminismus verträgt sich damit zwar nicht. Aber offensichtlich ist es (leider) selbst in einem Feminist_innenforum nicht selbstverständlich, einen gleichheitsfeministischen Konsens vorauszusetzen, der in Frauen nicht in erster Linie Verführerinnen und in Männern nicht Triebgesteuerte sieht. Stattdessen wird immer nur auf angeblichen Rassismus abgehoben.

  30. Nadine sagt:

    Liebe Maria,

    bei aller (zum Teil) berechtigten Kritik an der Verschleierung von Muslima durch Burka, Kopftuch, Hijab und dergleichen, möchte ich dich bitten zu respektieren, dass es dazu verschiedene feministische Auffassungen gibt und wir uns hier sicherlich nicht auf eine letztgültige, am besten deine, werden einigen können.

    Bitte diskutiere sachlich und informiere dich selbst, bevor du von anderen verlangst, dich weiterzubilden oder sich vor dir zu rechtfertigen. Die Links, die ich im Thread gelassen habe, eröffnen eine andere Perspektive auf dieses kontroverse Thema, derer du dich sicher nicht anschließen musst, aber die vielleicht helfen zu verstehen, warum es keinen feministischen Konsens über Verschleierung gibt und warum auch Feminist_innen nicht vor rassistischen/kolonialen Zuschreibungen geschützt sind.

    Ich finde es sehr spannend, Kritik an religiösen Praktiken aus feministischer Perspektive zu formulieren, ohne zu pauschalisieren, über den Emanzipationsgrad von anderen Frauen zu entscheiden und dennoch dabei die eigene Position zu reflektieren. Ich sehe bspw. die Aufklärung (auch in Bezug auf Religion) sehr kritisch und finde es bemerkenswert, wer wie über welche Religion spricht und welche religiösen Praktiken gerade im Zusammenhang mit Feminismus legitimiert werden oder eben nicht.
    Und da fällt mir eben auf, dass Feminist_innen sich in letzter Zeit häufig über „den“ Islam beschweren, ohne auch nur eine einzige Muslima oder einen Muslim anzuhören, während völlig unter den Tisch fällt, wie repressiv andere Religionen zum Teil praktiziert werden oder völlig unreflektiert bleibt, mit welchen (Kleider-/Körper)Zwängen sich atheistische Menschen konfrontiert sehen.

    Das bedeutet nicht, die Burka nicht mehr kritisieren zu dürfen oder sich permanent an die eigene Nase fassen zu müssen, bevor feministische Kritik berechtigt ist. Sondern mich umfassend über Lebensumstände „der anderen“ zu informieren, meine eigene Rolle mit einzubeziehen und grundsätzliche Hinterfragung aller zur Diskussion gebrauchten Argumente zuzulassen.

  31. Nadine sagt:

    @GwenDragon

    danke für deine spannenden Ausführungen, es war sehr interessant sie zu lesen. Ich meinte mit Rassismen solche Worte wie Zigeuner. Und das eigentliche Thema war eigentlich Kübras These der Islamisierung von Menschen durch vermeintliche aufgeklärte Weiße. Aber vielleicht habe ich auch selbst den Faden in der Diskussion verloren ;-)

    @Ganna

    auch dir danke für deine weiterführenden Gedanken und Aspekte.

    Ein schönes Wochenende euch allen und viel Spaß beim Weiterdiskutieren!

  32. Angelika sagt:

    @Maria – danke, dies ist auch meine haltung und meinung zum thema „kopftuch“.
    und nein, ich will hier keine „kopftuchdebatte“ antetteln.
    „das kopftuch“ wie es hier von frauen z.b. in dld. getragen wird, ist ja ein öffentliches signal und damit für mich negativ besetzt – pars pro toto.

  33. Anna sagt:

    Es geht in Kübras Text doch um völlig andere Dinge. Ich kann gerade überhaupt nicht nachvollziehen, warum die Diskussion sich jetzt um Kopftuch, Burka und Homophobie dreht.

    Wie oben schon angekündigt freuen wir uns über kritische Kommentare und konstruktive Anmerkungen. Aber diese Kolumne wird nicht der Platz sein für „was ich schon lange mal los werden wollte“. Wenn sich das weiter so entwickeln sollte, dann müssen wir darüber nachdenken, ob wir die Kommentare überhaupt öffnen wollen. Was ich sowohl für uns als auch für die Kommentator_innen, die bereit sind, sich mit dem Thema auseinander zu setzen sehr schade finden würde.

    Deswegen hier nochmal die klare Aufforderung, sich wieder zurück zum Thema zu begeben.
    Danke.

  34. Cassandra sagt:

    @Katrin
    Vielen Dank für deine Rückmeldung.

    Ich hatte das auch nicht als ausgewachsenen Maulkorb verstanden, sondern mehr so als doppelte Belastung für Leute die hier über Rassimus diskutieren wollen. Also beim Thema Sexismus reicht einmal drüber nachdenken ob das man so wirklich meint aber bei Rassismus sollte man lieber zweimal nachdenken.

    Und das kam bei mir als mit zweierlei Maß gemessen vor.

    Ich kann aber natürlich auch verstehen, dass es wichtig ist hier die Leute immer wieder daran zu erinnern einigermaßen vernünftig zu diskutieren.

    Was das „… weit weg on Rassismus…“ angeht, würde ich aber mit einem entschiedenen „jaein“ antworten. ;)

    Das Maria absichtlich rassistisch handelt glaube ich auch keine Minute, allerdings ist auch unabsichtlicher Rassismus (und Sexismus und Homophobie usw.) problematisch und sollte diskutiert werden.

    Ansonsten hatte ich mir vorhin beim Einkaufen einige kluge Worte zurechtgelegt, allerdings hat das jetzt Nadine schon alles wesenlich besser beschrieben, deswegen schließe mich dem Gesagten jetzt einfach mal an.

  35. Thomas sagt:

    Ich würde mich freuen, auch etwas mehr über den Islam zu erfahren, da ich auch hier nur grobe Wissensfragmente habe.
    Hier scheint z.B. eine interessante Informationsplattform zu sein, die sich im Gemeinsamkeit und Verständigung bemüht :

    http://www.1001-idee.eu/de/unterrichtsmaterialien/nach-themen/geschichte/muslime-in-deutschland/vor-1900-kriegs-gefangene-soldaten.html

    http://www.1001-idee.eu/de/wir-ueber-uns.html

    Es gab auch hier – wie im Christentum und anderen Religionen auch, die von autoritaristischen Positionen erfasst und radikalisiert
    wurden – Beieffekte.

    http://www.1001-idee.eu/index.php?id=2803&L=0

    „Die Doktrinen der Muslimbruderschaft wurden vom 1906 geborenen und 1966 als Landesverräter hingerichteten Lehrer und Publizisten Sayyid Qutb, einem der prominentesten und einflussreichsten Ideologen der Muslimbruderschaft, radikalisiert. Seine vor allem im Gefängnis entstandenen Werke, insbesondere seine Schrift Wegmarken (maalim fi t-tariq), dienten und dienen noch heute radikal-islamistischen Gruppierungen als ideologische Grundlage, da er in ihnen in einer eindringlichen sprachlichen Form das Ende und die Zerstörung der „unislamischen Unwissenheit“ (dschahiliyya) beschwor, um auf ihren Trümmern einen islamischen Staat zu errichten.“

    Ich hatte vor ein paar Wochen im Rahmen der Integrationsdebatte Kontakt zu einer Bruderschaft aufgenommen und zu einer Diskussion eingeladen, war jedoch über die extreme und ausschließende Antwort etwas erschrocken.

    Wichtig ist zu betonen, dass extreme Ansichten eine sehr kleine Minderheit sind und in der überwiegenden Mehrzahl integrative Initiativen gibt, die ein friedvolles Miteinander wollen und sich für die Philosophien der anderen Lebenswelten interessieren, ohne dabei auch eigene Positionen aufgeben zu müssen.

    Wenn ich dazu das Christentum vergleiche mit seinen auch derzeit noch unterschiedlichen Strömungen – es gibt noch viel
    aufzuräumen. Immerhin hat z.B. jetzt ja der Papst unter bestimmten Umständen Kondome „erlaubt“.

    Eine religiöse Extremisierung ist im Allgemeinen bedenklich, Aufklärung und Wissen ist zur Vorsorge m.E. immer ein gutes
    Gegenmittel um die beschriebenen Etikettierungen von Menschen zu vermeiden und die Menschen aus dem Iran u.a. als
    Individuen wahrgenommen und nicht geistlos über einen Kamm geschoren werden und Vorurteile ertragen müssen, die sie
    zwangsläufig nur als ungerecht empfinden können.

    „Ziel des Projekts ist es, eine pluralistische Wahrnehmung von Muslimen, muslimischen Traditionen, Kulturen und Geschichte in den europäischen Unterricht einzuführen. Aus säkularer Perspektive bieten wir Lehrerinnen und Lehrern eine Handreichung, um

    i- n Ländern mit muslimischen Mehrheiten die Zivilgesellschaft in den Blick zu nehmen
    – Muslimische Gesellschaften als das Resultat vieler verschiedener historischer Entwicklungen wahrzunehmen
    – die kollektiven Bilder, welche die europäische Wahrnehmung des Islam maßgeblich mitgestaltet haben, kritisch zu hinterfragen
    – den Unterricht über Muslime und Islam als Teil interkulturellen Lernens zu betrachten.

    Insbesondere möchten wir dazu beitragen,

    – die religiöse Essentialisierung von Muslimen aufzuheben
    – alte Wahrnehmungsgrenzen zu überwinden
    – Schulklassen mit interkultureller Sprachlosigkeit zur Sprache zu verhelfen
    – Jugendliche aus verschiedenen Kontexten miteinander in Kontakt zu bringen“

    (Quelle s.o.)

  36. Nele sagt:

    Also ich verstehe es wirklich nicht. Es geht doch in dem Artikel von Kübra darum, dass die Religion „Islam“ vielen Menschen in Deutschland quasi als Außenwahrnehmung übergestülpt wird. Das ist rassistisch, weil es Menschen aufgrund äußerer Erscheinungsmerkmal eine Eigenschaft („muslimisch“) zuschreibt. Es geht in keiner Zeile um den Inhalt dieser Religion. Warum bloß geht es in der Diskussion dann nur um die (teils vermeintlichen) Inhalte dieser Religion – und nicht um das eigentliche Thema?

    (Auch wenn nicht alles was hinkt, ein Vergleich ist:
    Wenn hier ein Artikel stände, in dem ein_e Autor_in behauptet, dass es unzulässig ist von allen Feministinnen zu behaupten, sie wären lesbisch – gäbe es dann hier eine Diskussion darüber, ob eine lesbische Identität sein überhaupt zulässig ist?)

    Zu der Frage nach dem bewussten und unbewussten Rassismus:
    Ich finde es wichtig, zu betonen, dass auch unbewusster Rassismus Rassismus ist. Und dass wir erstmal nichts für unsere rassistischen Reflexe können, weil diese eben jahrelang sehr offensiv anerzogen wurden. Aber wir können eben mit diesen Reflexen kritisch umgehen. Wenn ich etwas von oder über eine Person aus arabischen Länder höre/lese, ist mein erster Gedanken auch häufig „Islam“ – und wenn ich eine Frau mit Kopftuch sehe auch „Unterdrückung“. Aber dabei muss man ja nicht stehen bleiben. Deshalb fände ich es schade, wenn jeder Rassismus-Vorwurf gleich als persönlicher Angriff verstanden wird.

  37. Maria sagt:

    Da meine Einträge offensichtlich etwas zum Ausufern dieser Diskussion beigetragen haben, wollte ich noch mal kurz etwas dazu sagen. Auf der Leseliste meiner gestern absolvierten Magisterprüfung stand das Buch „Orientalism“ von Edward Said, daß sicher viele von euch kennen, weil es ein Klassiker der postkolonialen Theorie ist. Für die, die es nicht kennen: Es wird darin beschrieben, wie der Westen den Orient „orientalisiert“, d.h. ihn diskursiv konstruiert und dadurch erst ‚erfindet‘. Das Buch ist hochinteressant, leider ignoriert der Autor aber die Position der weiblichen Orientalisierten zur Gänze. Und genau das war auch ein bißchen mein Problem mit Kübras Text. Er unterscheidet in der Beschreibung des sicher nicht zu unterschätzenden Problems nicht zwischen Männern und Frauen und eine weibliche Perspektive fehlt. Und maedchenmannschaft.net ist doch ein femistisches Blog. Interessanter als das allgemeine Feststellen hätte ich z.B. eine Beschreibung dessen gefunden, wie sich der Rassismus unterschiedlich bei und von Männern und Frauen ausdrückt. Dies nur als meine persönliche Meinung. Ich verstehe übrigens schon, daß ihr so schnell mit Rassismusvorwürfen bei der Hand seid; es gibt sicher viele, die à la Sarazzin denken. Aber bitte interpretiert mich nicht aus deren Blickwinkel heraus. Liebe Kübra, ich finde übrigens, Du kannst super schreiben. Gruß

  38. samia sagt:

    maria,
    das tragen des kopftuchs ist, eigentlich eine banalität, im koran nicht vorgeschrieben. es gibt natürlich eine bzw. viele „religiöse vorschriften“ zum thema, aber du würdest nem katholiken ja auch nicht mit dem bluttransfusionsverbot der zeugen jehovas kommen. und ja, vorschriften dieser art (hadithen o.ä.) gibt es natürlich auch für männer. hier gilt: wenn man über ein thema nicht so viel weiß, kann man es recherchieren oder einfach mal nachfragen; kommt cooler als behauptungen aufzustellen.
    schwierig finde auch ich bei dir die ständigen iran-„argumente“. kleiner denkanstoß: setz doch mal eben das judentum und die israelische tagespolitik in eins.
    und eine sache noch: ich finde dein kompliment an kübra schon ein bisschen merkwürdig und frage mich tatsächlich, ob du genau das auch zu einer autorin mit einem deutschen namen gesagt hättest. das soll keine dumme unterstellung sein, wenn ich falsch liege: sags einfach.