Schönheit von früher bis heute

von Anna

Die größte Feindin im Leben einer Frau ist ihre Nachbarin. Die Nachbarin heißt Frau B. und sie sieht immer „scharmant“ aus.
Woher ich das weiß? Aus dem Büchlein „Schönheitspflege von sechzehn bis sechzig“, einem kleinen Ratgeber, der sich hauptsächlich mit Schönheitspflege beschäftigt und nebenbei psychologische Tipps für die Haus- und Ehefrau in den 60ern liefert.
Also, das Problem mit Frau B. ist, dass ich als tüchtige Hausfrau mir den Arsch aufreiße dass ich mit meinen hausfraulichen Tätigkeit, die „wie kaum eine andere die schönste Berufung einer Frau ist“ vollkommen ausgelastet bin. Und obwohl meine Kittelschürze strahlend weiß und mein Haar gekämmt ist, merkt mein Gatte nur an, dass eben Frau B. doch stets so reizend sei … Dabei ist Frau B. nur halb so tüchtig wie ich! Während ich meinen Mann zwar zu Recht darauf hinweise, dass ich für Firlefanz keine Zeit habe, nagt es trotzdem in mir. Wie schafft Frau B. das denn alles?

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Nun, meine Nachbarin heißt Frau L. und mein Freund hat mich bis jetzt noch nicht darauf hingewiesen, dass Frau L. („Sabine“) immer so reizend sei. Trotzdem. Mal schauen, was das Büchlein mir noch so bieten kann.

Wie kann ich mich zum Beispiel im Alltag schicker machen? Das Buch übt sich in positiven Botschaften, meint, ich sei sicher schon sehr adrett.
Ich schaue an mir herunter. Jogginghose und verwaschenes Shirt. Nicht gut. Also vielleicht mal eine Jeans? Zu Jeans äußert sich das Buch leider nicht. Aber ich erfahre zu meinem Erstaunen, dass „mollige Frauen“ (zu denen das Buch mich bestimmt zählt) Hosen wenn überhaupt nur in der Wohnung und bitte, bitte nicht in der Öffentlichkeit tragen.
Oha. Das war mir nicht bekannt. Allenfalls bei großer Kälte darf ich mich im Freien in einer Hose sehen lassen!
Und da ich als Frau wahrscheinlich ständig angespannt bin, sollte ich auf jeden Fall vor dem Schlafengehen eine Tasse Nervenberuhigungstee trinken (oder ein Glas Bier mit einem darin verquirlten Ei – das allerdings geht natürlich sofort auf die Hüften und ist somit nichts für die molligen Frauen).

Frau B. übrigens empfängt ihren Mann natürlich nicht im Arbeitskittel, sondern in einer „lustigen Coctailschürze“, sie tupft das vom Kochen erhitzte Gesicht noch schnell mit Zitrone ab, legt ein wenig Make Up auf. Sie wiegt sich einmal in der Woche, um „Probierspeck“ zu vermeiden (der allerdings wegen der wöchentlichen Gymnastik gar nicht auftreten dürfte). Es gehört zur Diplomatie (!) einer guten Ehe, die Schönheitspflege wichtig zu nehmen: „Schönheit will erobert sein! Also spannen wir unsere ganze Willenskraft ein, unseren Körper zu pflegen […] Wenn wir die Schultern hängen lassen, den Rücken krumm machen, […] und nachlässig im Gang sind, hilft uns Sauberkeit nichts – wir werden niemals das erreichen, was wir so gern möchten: unseren Mitmenschen gefallen!“

Puh, da haben wir aber Glück gehabt, dass diese Zeiten vorbei sind, was? Mit dem heutigen Abstand kann man da wunderbar drüber lachen! Die waren vielleicht schräg drauf.

Deswegen zum Abschluss ein kleines Quiz! Wer kann die folgenden Zitate richtig zuordnen: sind sie a) aus besagtem Buch oder b) aus aktuellen Frauenzeitschriften? Die Zeit läuft…

1) „Müdigkeit ist noch lange kein Grund, ihr nachzugeben und sie offen zu zeigen.“
2) „Cremen Sie Ihre Füße am Vorabend ein, ziehen Sie Baumwollsocken über und lassen Sie die Pflege eine ganze Nacht lang einwirken. Sie erwachen mit perfekt gepflegten Füßen.“
3) „Das Make-Up für den Tag muss so unauffällig wie möglich sein, keine starken Farben, nur zartes Lippenrot.“
4) „Nicht jede Frau ist eine Venus, aber jede Frau kann schön sein!“
5) „Einfach eine Tablette nehmen und damit den Stoffwechsel so auf Trab bringen, dass man abnimmt, ohne auf etwas zu verzichten – wäre das nicht schön?“
6) „Neben warmem Schweineschmalz gibt auch Sauerkraut, locker aufs Gesicht verteilt, der Haut wieder Nährstoffe zurück.“
7) „Gleichermaßen hilft die Maske der Freundlichkeit, wenn sich Nachbarn über die Kinder beschweren. Unsere Mitmenschen mit Ärger, Angst oder Wut zu konfrontieren, würde das Leben nur komplizierter machen.“
8) „Ein Mann, der Familie haben will, muss genügend Geld verdienen. Nicht nur für die ganz normalen Ausgaben, sondern auch für die Extrawünsche der Frau, die nicht selten äußerst kostspielig sind.“
9) „Wenn wir abends ausgehen oder Gäste erwarten, sollten wir uns vorher zwanzig Minuten hinlegen und erst dann an die Restaurierung unseres Make-Up denken.“
10) „Deshalb ist es nicht schwierig zu verstehen, was Männer brauchen.“

PS: Frau B. gibt es heute auch noch. Nur ist sie jetzt die „Studienfreundin von früher“ oder „die Ex, mit der er sich immer noch so gut versteht“ …




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 16. September 2008 um 11:25 Uhr unter Uncategorized. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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17 Kommentare

  1. Katrin sagt:

    1) Buch
    2) Frauenzeitschrift
    3) “ “ “
    4) Buch
    5) Frauenzeitschrift
    6) Buch
    7) *lol* – äh, Buch
    8) *wieher* – Buch (hoffe ich doch!!!)
    9) könnte beides sein
    10) Frauenzeitschrift

  2. SoE sagt:

    Wie Katrin nur 3 und 9 Buch und 4 Frauenzeitschrift. Ich hoffe doch stark, dass keine Frauenzeitschrift heute „Restaurierung“ verwendet… Der Terminus ist doch heute auffrischen oder neudeutsch „updaten“.

    Aber gut zu wissen: Unseren Mitmenschen zu gefallen ist also unser höchstes Ziel ^^ Und wenn die mir nicht gefallen immer nett lächeln und die „Maske der Freundlichkeit“ aufsetzen. Aber mit komplizierten Sachen würd ich mein Laybrain eh total überfordern. Wie gut dass sich andere Leute um mein Leben kümmern ;)

  3. SoE sagt:

    Mist, „Ladybrain“ heißt das natürlich…

  4. Susanne sagt:

    Mein Tipp:

    1 Buch
    2 Zeitschrift
    3 Zeitschrift
    4 Buch
    5 Zeitschrift
    6 Buch
    7 Buch
    8 Buch
    9 Buch
    10 Buch

    Bei den letzten fünf Punkten hoffe ich inständig, dass die Zitate aus dem Buch sind. Aber dass man bei jedem zweiten Punkt, an dem man sich für „Buch“ entscheidet, zweifelt, ob das nicht auch in einer Frauenzeitschrift stehen könnte, zeigt eigentlich sehr schön, wie beknackt Frauenzeitschriften in den meisten Fällen sind.

  5. Anna sagt:

    Bis jetzt waren noch keine 10 richtigen dabei …

    Ich warte mal noch ein wenig mit der Auflösung.

  6. Susanne sagt:

    Uuuh, spannend …

  7. felix sagt:

    1)Buch
    2)Zeitschrift
    3)Zeitschrift
    4)Buch
    5)Buch
    6)Zeitschrift
    7)Buch
    8)Zeitschrift
    9)Buch
    10)Zeitschrift
    ..mal so aus dem Bauch raus.

  8. Die Michiko sagt:

    1) Zeitschrift
    2) Zeitschrift
    3) Zeitschrift
    4) Buch
    5) Zeitschrift
    6) Buch
    7) Buch
    8) Buch
    9) Buch
    10) Zeitschrift

    Bei 2,3 und 10 bin ich mir allerdings nicht ganz sicher.

  9. Anna sagt:

    Bevors ganz verschwindet, hier mal die Auflösung:

    1) Buch
    2) Zeitschrift
    3) Buch
    4) Buch
    5) Zeitschrift
    6) Buch
    7) Zeitschrift
    8) Zeitschrift
    9) Buch
    10) Zeitschrift

  10. Susanne sagt:

    Whoa, das ist hart. Vor allem 7 und 8 – Hammer.

  11. Flash sagt:

    Ich bin sicher, die Zitate sind alle aus aktuellen Zeitungen. Das ist auch kein Wunder: Frauen blieben Frauen. Damals wie heute.

  12. felix sagt:

    7 und 8 sind echt hart, hast recht Susanne.

    @Flash
    Frauen bleiben Frauen ist mir zu einfach.
    Ist die gut alte „Ist halt so, die können ja nix dafür“-Mentalität.
    Mag ich nicht.
    Stereotypen-äktschn…

  13. Katrin sagt:

    öh! 7 und 8 sind aus ner Frauenzeitschrift??? oh weh

  14. Viktoria sagt:

    Hi!

    Mensch, 7 und 8 sind wirklich hart… würde mich doch sehr interessieren, aus welcher Zeitschrift die sind… Cosmo?

    Alles in allem könnten allerdings alle Punkte brandaktuell sein. In der Welt der Zeitschriften, Mittagsmagazine und der Werbung hat sich seit der 60er Jahre nicht so viel geändert. Eigentlich garnichts. Bestenfalls die Mode.

  15. Anna sagt:

    Glamour und Freundin.

  16. Viktoria sagt:

    Danke Anna!

    Na, wie bin ich denn nur nicht selbst darauf gekommen? ;-) Aber Du hast nun etwas Licht ins Dunkel gebracht, merci beaucoup! :-)

    …was die ganze Sache ja nun nicht besser macht…

  17. Die Michiko sagt:

    Ich fand Joy immer ganz besonders schlimm (als ich im Modedesignstudium noch dauernd mit sowas konfrontiert war). Da standed immer Sachen drin, die auch locker aus Annas Buch sein könnten.

    Vielleicht entdeckt Glamour ja bald das Sauerkraut as beautytip wieder…