Reproduktion und (partei-)politisches Engagement

von Melanie
Dieser Text ist Teil 39 von 45 der Serie Muttiblog

neulich war ich beim „kennenlernabend“ einer partei. beginn: 19.30 uhr. ich kam so grade eben pünktlich, ca. 7 leute saßen schon da. ich dachte: nett, überschaubar. was ich nicht ahnte: dass alle paar minuten noch jemand eintraf. vielleicht bin ich ein bisschen spießig, aber mit der vorstellungsrunde selber begannen wir dann erst um acht.

gut, im normalfall ist das einfach nur ärgerlich. aber: ich war nachmittags bereits beim elterninfonachmittag der kita, in die minime ab sommer geht. minime selbst (der ist jetzt etwas über zwei jahre alt) ließ ich bei der babysitterin. abgelöst wurde die babysitterin nach zwei stunden von meiner schwester, damit ich anschließend auf besagten kennenlernabend gehen konnte.

zurück zum kennenlernabend: um acht begann die vorstellungsrunde, dann stellte eine die strukturen der partei auf kommunalpolitischer ebene vor. „und mittwochs trifft sich arbeitskreis xy, an jedem ersten dienstag dann die initiative zur weltrettung (setze hier beliebige initiative ein), der wahlkampf beginnt dann und dann und wir brauchen noch leute die dies und jenes machen. …“ wow, dachte ich, um also irgendwie aktiv mitzumachen müsste ich sehr sehr viele abende hier verbringen. dabei bin ich ja schon in ‚privilegierter‘ lage: der vater von minime ist generell genau so ein guter minime-aufpasser und ins-bett-bringer wie ich, hat aber auch schon mal jobs außerhalb der 9-17uhr. meine schwester ist regelmäßig da, um das kind abends oder am wochenende ein paar stündchen zu bespaßen (nicht nur mir zuliebe, sondern auch, weil sie ihn gerne sieht). eine babysitterin ginge zur not auch. aber alles eben nur ab und zu. zum beispiel, wenn ich mich mit anderen feministinnen der regionalliga treffe. oder mal mit einer freundin zum kaffee-kölsch-klönen, denn ja: zeit für mich selbst versuche ich auch irgendwo her zu nehmen.

um 22.20 uhr verließ ich die veranstaltung, bei der sich inzwischen scheinbar sehr grundlegende, wichtige politische debatten auftaten. was mir noch auffiel nach der vorstellungsrunde: die teilnehmenden waren in der regel sehr jung (abiturient_innen, studierende) oder schon weit über 50. fragen, anyone?

ich wollte mich parteipolitisch engagieren, weil mir bestimmte themen wichtig sind. aber wenn ich so sehe, wie parteipolitik – zumindest auf kommunaler ebene – aussieht, dann weiß ich auch, warum frauen- und familienpolitik grade so aussieht, wie sie ist: weil die, die es betrifft, mit anderen dingen beschäftigt sind. liebe angela mcrobbie, deine aufforderung, dass feministinnen sich in der POLITIK einmischen sollen, in allen ehren: wer passt dann auf mein kind auf?

(dass problem, keine zeit/kraft/energie für politisches engagement in parteien zu haben, tritt ja nicht nur im falle von kinderbetreuung auf. so wundert es zum beispiel auch nicht, dass die interessen von beschäftigten im prekären bereich wenig eingang in die arbeitsmarktpolitik finden. erst kommt das fressen, dann die moral (redewendung, nach b. brecht))




Tags: , ,

Eintrag geschrieben: Mittwoch, 22. Mai 2013 um 15:09 Uhr unter Familien_politik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



24 Kommentare

  1. Lisa sagt:

    Danke für den Artikel! Mir (noch kinderlos, kommunalpolitisch aktiv) ist die von dir beschriebene Situation selbst schon häufig aufgefallen (Teilhabelücke zwischen 30 bis 50 Jahren).
    Mich würde interessieren: Wie müsste parteipolitisches Beteiligungsmöglichkeiten aufgebaut sein, damit sie für dich attraktiv wären?
    Präsenzveranstaltungen auf den Tag zu legen ist wahrscheinlich auch nicht die Lösung, weil es dann wiederum für Berufstätige schwierig wird.
    Viele wichtige Aufgaben, zum Beispiel Öffentlichkeitsarbeit, können gut auch von zuhause flexibel vorbereitet werden – der Austausch mit den anderen geht dann aber verloren.
    Was wäre dir wichtig?

  2. Swenja sagt:

    Entschuldigung, das ist jetzt keine Anmerkung zur Sache, aber eine Frage, die sich mir schon ein paarmal gestellt hat: Woher kommt und was genau bedeutet eigentlich der Ausdruck „minime“ für ein Kind? Ich kenne das als französisches oder lateinisches Wort, das „geringfügig“ oder „keineswegs“ bedeutet, aber das ist ja wohl nicht gemeint? Nochmals sorry, ich will nicht vom Thema ablenken, aber diese Frage kann ich sonst nie stellen, weil es in keinem Artikel, in dem dieses Wort vorkommt, um das Wort selbst geht.

  3. frikasch sagt:

    Liebe Melanie,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Du hast vieles aufgeschrieben, was mir auch immer wieder durch den Kopf geht. Ich gehöre zu diesen Parteiaktiven, aber eben auch weil ich kein Kind oder andere Verpflichtungen dieser Art habe.
    Gerade das am Anfang beschriebene Problem (Termin zu einer Uhrzeit angeben, startet aber fast schon mit Vorsatz zu spät) finde ich immer wieder extrem störend.
    Ergänzen möchte ich noch: Treffen bei denen Output generiert werden soll, dieses aber entweder schon vorher fest steht oder aber dermaßen unproduktiv von statten geht, dass ich mich jedesmal wieder über die verschenkte Zeit ärgere.

  4. So sieht’s nicht nur in Parteien aus, sondern lustigerweise auch in Kindergärten und Schulen. Ironischerweise wird auch dort ein Ausmaß an Engagement verlangt, welches eigentlich nur möglich wäre, wenn man gar keine Kinder hätte.

    Dieser spezielle Frust wird erst dann weniger, wenn die Kinder abends auch mal alleine bleiben können. Also mit ca. 8 bis 10 Jahren. Bis dahin noch viel Spaß wünscht

    eine zweifache Mutter

  5. Anna-Sarah sagt:

    @Leaving Orbit: Ja, auch mir (als u.a. berufstätiger, politisch aktiver, in Beziehungen seiender Mutter) fallen noch eine ganze Reihe Aktivitäten außer Parteiarbeit ein, die Organisations- und Partizipationsprobleme aufwerfen. Umso wichtiger das Thema „Zeitverteilung/-nutzung im Kapitalismus“ aus möglichst vielen Perspektiven zu bearbeiten. Hier geht es um *einen* Aspekt (nämlich Erfahrungen mit Parteiarbeit), nicht den *einzigen* davon, und ich verstehe auch nicht ganz den sarkastischen Abschiedsgruß – gehst du davon aus, die hier Schreibende hätte naive Vorstellungen von dem was sie mit Kind noch alles so erwartet…?

  6. Melanie sagt:

    @Lisa: Warum denn nicht mal auf den Tag legen? Grade wenn Du diese Alterslücke auch fest stellt: diejenigen, die arbeiten scheinen also nicht die einzigen, vielleicht nicht mal die Mehrheit zu sein, die parteipolitisch aktiv sind.
    Aber auch das würde am Ziel vorbei führen, weil dann die berufstätigen Eltern immer noch weg fallen.
    Von den Parteien bezahlte Babysitter_innen? Vielleicht utopisch.
    Wie oft habe ich weniger Lösungen, als das ich versucht habe, Fragen aufzuwerfen. Kern war unter anderem: Dass Familienpolitik an den Bedürfnissen derjenigen vorbei geht, die es betrifft, hat möglicherweise auch damit zu tun, dass sie sich nicht parteipolitisch engagieren.

  7. Melanie sagt:

    @Leaving Orbit: Ja, so sieht es das aus und das macht die Motivation, sich parteipolitisch zu engagieren ja nicht besser…

  8. frikasch sagt:

    @ Melanie: Bei uns auf der kommunalen Ebene gibt es die Möglichkeit Babysitter*innenkosten von der Partei bezahlt zu bekommen, aber nur für offizielle Termine. Größere Veranstaltungen haben prinzipiell auch immer Kinderbetreuungsangebote vor Ort. Vieles ist Parteien und anderen Strukturen wird aber auf informellem Wege geregelt und dort sind es die mit zeitlichen Ressourcen natürlich priviligiert.

  9. feministmum sagt:

    Danke für diesen tollen Text! Bevor ich selbst ein Kind hatte und 30 wurde ist mir erschreckenderweise nie aufgefallen, dass Frauen zwischen 30 und 50 im Umfeld meines politschen Engagements so gut wie immer fehlten. Dann habe ich mir vorgenommen mich auch mit Kind so viel wie möglich politisch einzubringen. Jetzt mit Kind (1,5 Jahre alt) geht es mir oft so ähnlich wie von dir beschrieben. Ich bin abends zu müde, oder kann nicht schon wieder weg. Lösungen dafür? Ich rede mir meistens ein, dass sich mein politisches Engagement jetzt eben anders verlagert hat. Netzfeminismus und feministische Elternschaft sind ja auch politische Arbeit, nicht war? Aber hinsichtlich Mitbestimmung und Interessensvertretung auch irgendwie sehr unsichtbar.
    Irgendwie würde ich es gut finden, wenn es Nachmittagstreffen gäbe zu denen mensch Kinder mitnehmen kann oder während denen es Kinderbetreuung gibt oder Treffen die zumindest schon um 18:00 beginnen. Ich finde es auch angenehmer, wenn es ein festgesetztes zeitliches Ende gibt (ist vielleicht etwas spießig), aber dann habe ich nicht das Gefühl, das geht jetzt noch endlos weiter und wenn ich um 23h gehe habe ich sowieso das Wesentliche versäumt.

  10. Melanie sagt:

    hier aus einer mail der organisatorin einer feministischen wochenendveranstaltung der selbigen partei, auf die frage nach kinderbetreuung:
    „Ich habe mich um eine Kinderbetreuung gekümmert und warte auf die Antwort. Es gehört immer zu einer Veranstaltung dazu, wenn Bedarf ist ;)) Die meisten Frauen haben aber den Bedarf, dieses Wochenende ohne ihre Kinder zu sein, um für sich sein zu können. Auch das ist die Wirklichkeit 2012.“
    #nuffsaid

  11. antje sagt:

    Zu diesem Thema habe ich gerade eine Situation in einer (nicht partei-)politischen Organisation erlebt. Während einer Sitzungen überbrachte eine Frau* einen Gruß einer anderen Frau* die früher aktiv in der Gruppe war und ergänzte dann erklärend an die Neuen der Gruppe, dass die andere Frau* nun Mutter* geworden wäre und nicht mehr kommen könnte und es auch ganz schade fände. Punkt. Das wurde dann aber einfach so hingenommen.
    Ich (kinderlos) finde es ein schwieriges Thema, Veranstaltungen am Nachmittag würden, wie Melanie schon gesagt hat, berufstätige Menschen die Kinder betreuen ausschließen, was ich auch nicht fair finde. Ich habe keine Lösung dafür, weshalb ich auch in der Situation wenig angefügt habe, würde aber gerne in meiner Gruppe das Thema noch mal aufgreifen, weil ich die Situation so wie sie jetzt ist nicht richtig finde, nur fehlt mir bisher ein Lösungsvorschlag.
    Auf jeden Fall finde ich den Vorschlag von feministmum wichtig, die Treffen zeitlich zu begrenzen (sowohl den Anfang als auch das Ende) so ist die Möglichkeit gegeben, zu wissen worauf mensch sich einlässt.

  12. AJ sagt:

    @Melanie: Wieso #nuffsaid? Ist es nicht das gute Recht, eines jeden Elternteils auch mal Zeit für sich haben zu wollen? Genau dann kann man sich doch kreativer und entspannter einbringen! Und auch als Mutter ist man auch noch Mensch und hat eigene Bedürfnisse, die man besser wahrnehmen kann, wenn man nicht zwischen den Sitzungen seine Aufmerksamkeit einem kleinen Menschen widmen muss.
    Ich kann’s sehr gut nachvollziehen!
    Und gleichzeitig muss ich als Alleinerziehende leider seufzend neidisch auf diejenigen blicken, die sich für die politischen Interessen ein kinderfreies Wochenende erarbeiten können.

  13. hannah sagt:

    @Swenja, ich denke es meint „mini me“ = kleines ich, also mein kind, mein kleines ich.

    ja, die meisten parteistrukturen sind überaus privat-leben unfreundlich (und erinnern an die „anwesenheits(un)kultur“ in der wirtschaft). aber eben auch noch unfreundlicher gegenüber menschen mit kindern (ui, welche überraschung, meistens sind frauen für deren betreuung „zuständig“).

    in einer stadtratssitzung einer großen stadt wurde vom vorsitzenden als eine junge mutter (stadträtin!) um eine kurze still-pause bat (der partner hatte das kind extra hergebracht), dies abgeschmettert – dann solle sie doch zuhause bleiben.

    wir versuchen gerade dieses problem der frauen- und familienunfreundlichen strukturen „anzugehen“. erster versuchsballon: ein brunch am wochenende, um sich auszutauschen und wünsche/bedürfnisse von frauen und müttern zu sammeln und vor allem um diese auch ganz explizit anzusprechen. übrigens gerne mit kindern! :)

  14. Melanie sagt:

    klar AJ, wenn eine mutter das will! aber ich habe nach kinderbetreuung gefragt, nicht etwa, meil ich nicht mal ein wochenende ohne kind aushalte, sondern weil der vater – wie gesagt – auch mal an wochenenden arbeitet. und du müsstest nicht neidisch auf die blicken, die das ‚erarbeitet‘ hätten. kinder sollten zu politischen veranstaltungen gehören und kinderbetreuung nicht erbettelt werden müssen

  15. Maike sagt:

    liebe melanie,

    auf die gefahr hin, bereits gesagtes zu wiederholen: guter, interessanter text. allgemeiner gesagt spiegelt sich da immer noch die aufteilung der „privaten“ und „öffentlichen“ sphäre wieder. letztere gehört eben den „männern“ – oder denjenigen, die „männlich“ leben und wird entsprechend strukturiert. mir fällt es gerade sehr in politischen gruppen im universitären kontext auf. das völlig unstrukturiert diskutiert wird – macht ja nichts, wird halt fünf stunden diskutiert. wer sich drüber beschwert und das straffer haben will, der_dem wird dann vorgeworfen sie_er unterwerfe sich der neoliberalen verwertungsökonomik. dass das ausschlüsse produziert, fällt irgendwie nicht auf.
    andererseits hat das unregulierte natürlich auch seinen charme und seine notwendigkeit. politische sitzungen sollte vielleicht bewusst unterteilt werden, in formelle, wo dann auch die wichtigen sachen besprochen und beschlossen werden, zeitlich begrenzt und informelle teile, wo dann die endlos weiter diskutieren können etc. die das wollen. auf jeden fall muss da ein bewusstseinswerden eingefordert werden.

  16. Kirsten sagt:

    Zeitliche Begrenzung – lässt sich das durchsetzen? Und ist nicht die Zeit „nach“ der Veranstaltung die, wo die Entscheidungen vorbereitet und schon mal ein paar grobe Linien festgelegt werden, an denen man, wenn man nur zu den offiziellen Zeiten kommt, kaum informell mitarbeiten kann? Ist in der Wirtschaft so, wird doch in der Politik eher noch mehr so sein, oder?

  17. Erna sagt:

    wie bei vielen anderen aktivitäten werden mütter (und väter) hier ausgeschlossen – und schliessen sich selbst aus.
    mir ist bewusst, dass wir in einer ziemlich kinderunfreundlichen welt leben. kinder stören oft, werden als kompliziert betrachtet und ich weiß, dass eltern darauf sensibel reagieren (im sinne von: dann lass ich mein kind zuhause, ich kann nirgendwo mehr hingehen)
    spannend daran ist, dass diese störfaktor-sicht auch von eltern selbst übernommen wird.
    daran sind sie nicht schuld. daran ist im grunde niemand schuld.
    aber schade ist es schon. ich habe selbst keine kinder, empfinde kinder allerdings auch nur selten als störend.
    wenn ich mich an meine kindheit zurückerinnere weiß ich aber auch, dass ich immer überall dabei war (außer bei erwerbsarbeit). ich wurde mit zur partys genommen, mit zu politischen veranstaltungen, demos, ehrenamtl. engagement. irgendwer hat immer auf mich aufgepasst, wenn meine mutter mal abgelenkt war. die kleinsten haben im nebenraum geschlafen.
    heute würde dieser umgang mit kindern z.t. entsetzt aufgenommen werden. auch von anderen eltern. da fehlt dem kind ja der rhythmus! die festen schlafenszeiten! die festen essenszeiten! die ruhe! das eigene bett! ich finde das schade. denn damit beschneidet die gesellschaft eltern in ihren teilhabemöglichkeiten und ebeso beschneiden sich eltern da selbst. wer seinen rhythmus nicht nach dem kind richtet (oder nach dem, was wir glauben das ein kind braucht) wird schief angeguckt und eltern selber reproduzieren diese erwartungen.

    ich habe eine freundin, die kaum anders damit umgehen konnte. sie ist die einzige mit kind in ihrem umfeld. ihre tochter ist eben mit dabei (außer wenn sie mal was allein machen will). das funktioniert nicht immer perfekt aber zumindest kann frau weiter an ihrem leben teilhaben.
    wenn wir wieder anfangen würden kinder überall mitzunehmen, ergeben sich sicher neue lösungen. wenn fünf frauen* und männer* mit kind bei parteiversammlungen auftauchen, ist der bedarf für betreuung wieder sichtbar. und wo ist das problem wenn die zwerge nebenan im kinderwagen schlafen?

    es ist definitiv an der zeit sich wieder an kinder in unserer umgebung zu gewöhnen. statt ihnen eigene umgebungen zu schaffen.

  18. Denise sagt:

    Liebe Melanie,

    Danke für deinen wundervollen Text – du sprichst mir aus der Seele! Ich selbst bin schon seit einigen Jahren in einer Partei aktiv und kann nur unterschreiben, was du beschreibst. Ich habe zwar keine Kinder, doch bekomme ich die Schwierigkeiten von Menschen mit Kindern mit und bin jedesmal enttäuscht, wenn diese dann nicht mehr kommen. Was ich auch sehr gut finde ist deine Aussage in der Klammer, denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen in prekären Arbeitssituationen es auch nicht unbedingt leicht haben sich engagiert in der Zivilgesellschaft einbringen zu können. Der Zeitaufwand spielt da natürlich eine genauso große Rolle, denn wenn ich drei Jobs habe, um mein Leben zu finanzieren, kann ich wohl kaum noch am Abend fünf Stunden rumsitzen, wobei die meisten Themen auch kürzer verhandelt werden könnten. Und da das „netzwerken“ ja immer danach erst stattfindet, meistens in irgendwelchen Restaurants oder Kneipen, die weder gut für den Geldbeutel noch für Kinder geeignet sind, ist mensch am Ende häufig total fertig und noch ärmer. Ich kann Erna nur Recht geben, denn meine Eltern haben mich auch immer mitgenommen, überall hin. Und da waren dann auch andere Kinder, mit denen ich spielen konnte. Vielleicht sollten wir eine kinderfreundliche Kultur einführen, in der die Menschen mit Kindern einfach ihre Kinder mitnehmen. Die können dann im Nebenzimmer schlafen, oder neben den diskutierenden Eltern spielen. Dafür könnte ja das MitgliederInnengeld ausgegeben werden, um Spielzeug zu besorgen und eine schöne Lesescke, Teppiche für Kinder, ein Wickeltisch etc. Eine zeitliche Begrenzung finde ich durchaus wichtig, wie gesagt nicht nur für Menschen mit Kindern. Dazu könnte mehr Arbeit im Internet stattfinden, Protokolle können sehr ausführlich mitgeschrieben werden, damit nicht Teilnehmende dennoch Bescheid wissen und die Treffen könnten ja flexibel geändetr werden, sodass jedeR mal teilnehmen kann (also mal am Vormittag, mal nachmittags, mal abends). Und wie wäre es mit einem bring-and-share oder Kochausklang zum „netzwerken“? Das ist viel preiswerter, die Kinder können weiterschlafen und auch etwas intimer. Ich glaube, es benötigt einen Willen zur Veränderung:)

    Liebe Grüße:)

  19. Melanie sagt:

    danke denise, das klingt nach vielen guten ideen. das kind immer mitnehmen – da bin ich halt zwiegespalten, weil: wenn ich die einzige bin mit nem übermüdeten zweijährigen ist das auch für mich ein kampf. ja, wenn das mehr propagiert wird prima!
    wär toll, wenn du das in deiner partei befürwortest :-)
    und wer weiß, vielleicht schaff ich es auch noch mal hin und bringe das ein.
    und danke auch an die anderen, für die kommentare! auch bei facebook hab ich gesehen, dass einige parteimitglieder das geteilt haben, es scheint also ein thema zu sein, und ich hoffe, dass sich was tut!

  20. Dominik sagt:

    Wir diskutieren das Problem bei uns auf kommunalparteipolitischer Ebene gerade auch, vor allem, weil wir auch diese „Alterslücke“ feststellen und junge Eltern häufig das Engagement stark zurückfahren – was sehr bedauerlich aber aufgrund der ja auch von dir beschriebenen Strukturen verständlich ist.
    Auch hier in den Kommentaren zeigt sich ja, dass das kein offenbar weit verbreitetes Problem ist. Wir wollen nun versuchen, mit den Personen in unserer Partei, die davon direkt betroffen sind, in Kontakt zu kommen und Konzepte zu entwickeln, die da entgegen wirken können, ich hoffe, dass da etwas bei rauskommt. Wie verfahren die Situation zum Teil ist, zeigt sich dann, wenn wir Leute daran erinnern müssen, dass ein Arbeitskreis zur Förderung der Familienfreundlichkeit der Partei nicht jeden Mittwoch um 19:30 im „Goldenen Löwen“ tagen sollte… ;-)

  21. Anna-Sarah sagt:

    @Dominik:

    Auch hier in den Kommentaren zeigt sich ja, dass das kein offenbar weit verbreitetes Problem ist.

    – das „kein“ ist ein Vertipper oder? :)

  22. @Anna-Sarah: Das war kein Sarkasmus, sondern eher sowas wie Resignation. Selbst wenn Kinderbetreuung angeboten wird, ist man doch ab einem bestimmten Zeitpunkt abends schlicht zu fix und fertig, um noch politisch groß was reißen zu können. Es ist auch nicht wirklich lustig, ein Kindergartenkind abends um elf, halb zwölf wieder aufzuwecken und dann nach Hause und ins Bett zu verfrachten. Meine hätten unterwegs endlos geheult, dann nicht geschlafen und am nächsten Tag entsprechend quengelig in den Seilen gehangen. Es strengt einfach alle Seiten wahnsinnig an.

    Auch die Erfahrung einer anderen Kommentatorin kann ich bestätigen: Die meisten Sitzungen – egal ob Partei, Kaninchenzüchterverein oder Elternabend – werden nicht straff genug geleitet und es wird oft ewig lange sinn- und ergebnislos im Kreis gefaselt. Wenn man eh schon Beruf, Haushalt und Kinderbetreuung wuppen muss (bin alleinerziehend), dann überlegt man sich gut, ob man damit auch noch seine Zeit verplempert oder sich nicht lieber nur noch virtuell einbringt, wenn es einem selber zeitlich passt und man sich bei zu viel Geblubber einfach ausklinken kann.

  23. Anna-Sarah sagt:

    @Leaving Orbit: Ich kenne die von dir beschriebenen Dinge als sogenannte alleinerziehende berufstätige politisch aktive Mutter ganz gut, und allein aus dem obigen Artikel und den Kommentaren hier geht hervor, dass es viele Menschen gibt die man in dieser Hinsicht wenig belehren muss – die Frage ist doch aber gerade deshalb: Wie produktiv damit umgehen? Darum geht es in dem Artikel ja gerade, und das finde ich wichtig und konstruktiver als im „So isses halt“ zu verharren.

  24. Mhirra sagt:

    Hallo alle Zusammen!!

    Ich habe den Artikel und die Kommentare mit sehr großem Interesse gelesen! Ich schreibe zur Zeit meine Masterarbeit genau über diese Problematik: Kinder-Beruf-politisches Engagement(?) und führe Interviews mit Frauen, die berufstätig sind, Kinder haben und sich trotzdem politisch engagieren wollen! Dafür suche ich dringend nach Frauen, die politische engagiert sind und Lust haben, mir ein wenig von sich, bezogen auf das Thema, zu erzählen!!