Pink stinkt nicht, ihr Lauchs!

von Hengameh

Heng ist freie Autorin, bloggt auf Tea-Riffic und twittert unter @sassyheng. Ihre Kritik an der Organisation Pinkstinks veröffentlichen wir hier erneut mit freundlicher Genehmigung. (übrigens: Falls der Text bei euch GIF-Alarm auslöst, findet ihr hier eine Anleitung, um diese zu deaktivieren)

Wenige Phänomene sind so polarisierend wie Pinkstinks. Maximal die Frage, ob Käse Dessert sein darf, kann hier mithalten. Während letzteres eine Sache des Geschmacks ist, ist Pinkstinks für mich eine Frage der Logik. Es ist ja bei vielen Sachen so, dass sie auf dem ersten Blick so richtig geilomeilo und amazing sind, bei sich beim genaueren Nachdenken aber als superproblematisch und uncool erweisen.

Ich weiß immer gar nicht, wo ich anfangen soll, wenn ich erklären soll, dass Pinkstinks eher nicht so geilomeil ist. Vielleicht versuche ich es mal so:

You must be shitting me with that name of yours

Allein der Name ist so problematisch, dass ich mich frage, wie sich als Feminist_innen bezeichnende Menschen unter diesem Titel einen Kampf führen können. Es erschließt sich mir nicht. (Und ich bin nicht diejenige, die Gender Studies studiert hat.) Was impliziert der Name denn?
Der Name wertet Femininität ab und macht queere Kämpfe unsichtbar beziehungsweise stellt sie als irrelevant dar. Die Kampagne existiert in keinem sozialen Vakuum, sondern in einer Soziokultur, in der Pink_Rosa für Femininität, Frauen*, Homosexualität, Optimismus, Spaß, Kindlichkeit und Sexualität an sich steht. Der Slogan „Pink stinks!“ diskreditiert all dies. So funktioniert Semiotik. So funktioniert Sprache.

„Aber gemeint ist ja ‚Pink für alle!‘ „

Es schert mich nicht, was eigentlich gemeint ist. Ich kann auch, sagen wir, „Deutschland ist Beste“ auf meine Fahne schreiben und dann erzählen, dass es kein Patriotismus mit Referenz auf irgendwelche ehemaligen Strophen der Nationalhymne sei, sondern dass ich damit nationalkritisch unterwegs bin und meine tatsächliche Message „No borders, no nations and who the fuck is Deutschland anyway!“ ist. Allerdings zweifle ich an der Glaubwürdigkeit dieses Projekts. Weil es nach Kackscheisze klingt.

Wenn Pinkstinks wirklich vorhätte, Femininität aufzuwerten – und zwar für alle Geschlechter -, dann würden sie nicht diesen Namen wählen. Stellen wir uns bitte dieses Szenario vor: Kind spaziert auf der Straße herum und liest auf einem Sticker “Pinkstinks”. Was passiert nun? Geht das Kind an sein iMac und liest sich die Homepage der Kampagne durch? Oder internalisiert es diese problematische Implikation/Message und reproduziert diese im Alltag, zum Beispiel in Form von Tussi-Bashing an der Schule?

Andere Eltern, andere Ressourcen

Der Vorschlag, Eltern könnten mit ihren Kindern über das Thema sprechen, kann nur an privilegierte Familien gerichtet sein. Faktoren wie Sprache, digitale Kompetenzen, thematisches Vorwissen und Zeit stellen für einige Eltern(teile) Barrieren dar, sich mit Pinkstinks auseinanderzusetzen. Ich kann natürlich nicht für alle Familien sprechen, aber meine Eltern wären damals nicht (und wären es heute auch nicht) in der Lage gewesen. Und das aus allen der genannten Gründe.
Selbst, wenn sie mit Stevie Schmiedel auf einer Wellenlänge wären, sind sogenannte geschlechtsneutrale Dinge (sowohl Kleidung als auch Spielzeug, Schreibmaterial, Bettwäsche… alles, eben) in der Regel teurer und nicht überall erhältlich. Generell ist es ein Privileg, (insbesondere Klein-)Kinderkleidung kaufen zu können. Wer da auch noch auf die korrekteren Exemplare zurückgreifen kann, dem sage ich mit Blick auf Wohlstand gern Mashallah.

Klassengesellschaft from begin

Nicht erst in der Schule, sondern schon in der Kindergruppe könnten in Zukunft Klassenhierarchien aufgebaut werden. Die Kinder aus akademischen_Middle-Class-Familien wären mondän in sogenannten neutralen Farben gekleidet, der Rest in pinken Billo-Outfits. (Ich find’s übrigens immer wieder bezaubernd, wie geschlechtsneutral in der Regel immer stereotypisch männlich-kodierte Farben und Dinge meint. Mir fehlt da bisschen das gyn in androgyn. Aber das nur gemütlich am Rande.)

Vorangetrieben wird auch der Androzentrismus. Femininitätsfeindlichkeit hat Unsichtbarmachung feminin-kodierter und trotzdem badass konnotierter Eigenschaften zur Folge. Dazu gehört auch das Shaming von Femininität. Das war schon immer so. In meiner Grundschulklasse wurde übrigens das Mädchen mit dem pinken Barbierucksack gemobbt wegen ihrer Mädchenhaftigkeit gemobbt, nicht die coolen, toughen Girls mit blauen Delfinrucksäcken und Cola-Lollies. Und wer hat sich von denen ist jetzt badass? Das Barbierucksack-Grrrl definitiv. (Zu den anderen habe ich keinen Kontakt, so idk.) Aber auch diese Anekdote erzähle ich casually nebenher.

Role-models my ass

Wer wird eigentlich durch Pinkstinks repräsentiert und wer nicht? Die Rubrik Role Model des Monats, in der monatlich weibliche Vorbilder portraitiert werden, habe ich mir ein bisschen genauer angeschaut.
Zu sehen sind vorwiegend weiße Frauen, lediglich eine einzige könnte eine Woman of Color sein. Zufall? Ich glaube nicht an Zufall. Es wird ja nicht so schwer sein, wenigstens, sagen wir, Beyoncé als weiteres Idol vorzustellen. Oder Alicia Keys. Oder Sharon Otoo. Und wie sieht es eigentlich mit Trans*-Personen aus? Und warum sind alle schlank und normschön?

Diese sehr einseitige Repräsentation schafft weitere Ausschlüsse im Gesamtkontext der Kampagne. Wie kann ich mich als feminines, dickes_fettes (eventuell Trans-)Mädchen of Color mit nicht-akademischen Eltern jemals mit Pinkstinks identifizieren?

Ich frage mich auch, warum die Leute von Pinkstinks denken, Tavi Gavinson würde irgendwie in ihr Konzept passen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Tavi, und genau deshalb ist es mir ein Rätsel, inwiefern sie ein Vorbild im Sinne von Pinkstinks ist: Im Alter von 11 Jahren gefärbte Haare, Mode als Hauptinteresse, durchgehende Zelebration von Grrrl Culture – wäre sie damals nicht der fleischgewordene Alptraum für Pinkstinks gewesen? (Aber auch hier: Modeblogger_innen gibt es mit so unterschiedlichen Körpern, warum schafft nur dieser den Status als Vorbild?)

Whitie-Verein

Am peinlichsten finde ich allerdings, dass auf der Website unkritisch zu rassistischen Praktiken wie Cultural Appropriation unkritisch ermutigt wird. Dass eine weiße Person sich American Tribal Style Bellydance aneignet und sich in Toffelz-Tradition einen Kulturmischmasch gönnt, scheint für das Pinkstinks-Team nicht problematisch zu sein. Ich kann ihnen aber versichern, dass es für diverse People of Color offensive as fuck ist.

Vor weiteren rassistischen No-Gos wird kein Halt gemacht. Stellt euch vor, eine weiße Person würde den Begriff „Gender Apartheid“ nutzen, dafür kritisiert werden und keine Verantwortung für ihre Handlung übernehmen, sondern den Spaß so stehen lassen. Dass Akademiker_innen vermeintlich kritischen Œvres nicht verstehen (wollen), dass Rassismus-Analogien in jedem Fall unangebracht sind, wird für mich immer ein Mysterium bleiben. (Ebenfalls die Frage, inwiefern genderspezifisches Marketing mit systematischen Unterdrückungsmechanismen wie der Rassentrennung in Südafrika zusammenhängt.)

Vielleicht liegt es daran, dass die feministische Praxis „Check your privilege!“ noch nicht bei den Superpro-Feminist_innen von Pinkstinks angekommen ist.

Body-diversity? AS IF.

Stellt euch vor, eine Kampagne würde alle möglichen Körpergrößen loben, aber ihre Shirts nur bis Größe L anbieten. Klingt nach Realsatire, oder? Zumindest alle ökologisch fairen Kleidungsstücke. Und weil bio cooler ist, können die uncoolen (dicken_fetten) Leute sich nur die Spreadshirt-Sachen holen. That’s life, I guess.

Nicht überall ist Pink sexistisch konnotiert. In queer_feministischer Sub- und Popkultur wurde die Farbe längst subvertiert, Aneignungsprozesse haben schon in den 1990ern angefangen. Generell sind queer_feministische Strategien radikal und effektiv, das Reclaimen ist eine von ihnen. Warum gibt Pinkstinks keine Credits an diese Kämpfe, sondern macht sie unsichtbar?

Für mich passt die Asymmetrie im Konzept von Pinkstinks auch nicht ganz in die feministische Praxis hinein. Erwachsene unterhalten sich mit Erwachsenen über Kinder. Rieche ich da Adultismus? Probably yes! (@Antiprodukt hat über Pinkstinks Adultismus gegenüber Femen eine schöne Analyse geschrieben. Auch die Reproduktion von Sexismen schlug Pinkstinks gemütlich in die Runde. Der Beitrag ist mit einem Passwort geschützt, aber vielleicht bekommt ihr es über Twitter. Bezogen wird sich auf diesen Blogeintrag von Stevie Schmiedel.) Außerdem: Problematische, misogyne_ heterosexistische Tendenzen werden verstärkt und unter dem Deckmantel vermeintlichen Feminismus legitimisiert.

Ich bin nicht die erste, die sich mit Pinkstinks aus diversen Gründen nicht solidarisieren kann_will. Auf Shehadistan gibt es diesen sehr treffend geschriebenen, polemischen Artikel. Er ist so super, dass ich am liebsten alles zitieren möchte und mir zusätzlich wünsche, Nadia wäre meine große Schwester. Ihr könnt ihn aber auch einfach dort lesen, als Appetizer (als ob es für diesen Blog einen Appetizer bräuchte, lbr) nur diesen Absatz:

Was an Pinkstinks verärgert ist nämlich, dass sie eine der Initiativen ist, die einerseits anscheinend Grundstrukturen des Sexismus anscheinend nicht wirklich aufdecken und verstehen will, sich andererseits aber zur großen Mutterorganisation antisexistischer Arbeit (aller aller Zeiten!) inszeniert, und damit nicht unwesentlich zur Unsichtbarmachung von Aktivist_innen beiträgt.Was ebenfalls nervt (aber wohl nicht verwundern sollte), ist, dass regelmäßig Errungenschaften (zum Beispiel: Feminismus ohne Cis-Männer) kleinerer aktivistischer Zusammenschlüsse und Einzelpersonen von Pinkstinks als „adsurdums“ abgewatscht werden.

In selbigen Text wird auch das Typenproblem von Pinkstinks angesprochen und auseinandergenommen. Wer als feministischer Verein Fördergelder in Gehälter an Cis-Männer steckt, muss meiner Meinung nach wirklich starke Nerven haben, aber vielleicht ist es nur meine misandristische Ader, die gerade stark schlägt.

Am Anfang war ich auch noch auf der Seite von Pinkstinks. Ich war motiviert und uninformiert. Das ist bei Pinkstinks-Anhänger_innen nichts Unübliches. Aber wer in der Lage ist, sich die Pinkstinks-Homepage anzuschauen, kann auch ein paar Klicks weiter surfen oder sich generell Gedanken darüber machen, wem mit der Kampagne Raum geschaffen wird (Spoiler: weißen, akademischen, sozial privilegierten Familien, Cis-Männern, Heten, androzentrischen Subkulturen, Femme-Basher_innen, Wannabe-moralischen-Instanzen und, let’s face it, normschönen Körpern) und wem nicht (Spoiler: allen anderen).

Vermutlich habe ich einige Fails von Pinkstinks übersehen, das macht nichts, ich bin müde, habe PMS und schwitze, ich möchte mich jetzt gerne mit spaßigen Dingen beschäftigen, zu denen gehört diese Angelegenheit nicht. Die Aversion, die ich aufgrund der aufgelisteten Dinge gegen Pinkstinks pflege, ist so groß und vielschichtig, dass ich nicht nur meine Solidarität verweigere, sondern alle Fans bis ins Unermessliche judge. Nicht alles, was anschlussfähig ist, muss auch cool sein. Und wer nicht einsehen möchte, dass der Mangel an Intersektionalität einfach scheiße ist, kann zwar chillen, aber nicht mit mir.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 19. Juni 2014 um 13:32 Uhr unter Aktivismus, Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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12 Kommentare

  1. Lea sagt:

    Ich habe in der BBC-Quizshow „QI“ gelernt, dass früher pink die Farbe der Jungen war und hellblau die Farbe der Mädchen. Außerdem verstand man unter „boy“ eher das Personal und nannte Kinder jeglichen Geschlechts „girl“!

    Take a look: http://www.youtube.com/watch?v=2f7urmRaRxY&list=PLITTbZYdIrypFZnoV3lCcNvLOqhfphjDv&index=83 (ab ca. 2:10)

  2. Leo sagt:

    Habe gerade gesehen, dass wohl der Mitarbeiter Jacob Fricke, die meiste Kohle dort verdient – super feministisch :-(
    http://pinkstinks.de/wir/team/

  3. lethe sagt:

    Nischts gegen tavi ;)
    Das magazin von ihr ist ziemlich cool, versucht inklusiv zu sein, feministisch, sehr viel selbs/usererstellter content, eine offene diskussion. Die reden ueber kram ohne definitiv/vorzugeben was richtig ist-es zu er und hinterfragen.
    Grandiose seite, echt. Is n jugendmagazin wie ichs mir gewuenscht hätte-nich so heteronormativ usercontent z.b von einem transmann, , offen ueber unschoene dinge wie gewalt, sucht, erkrankungen geschrieben, aber auch kram ueber klamotten(inkl cooler text ueber cultural appropriation-sowas gaebs nie inner bravo) suessigkeiten, musik&comix und und und.

    1.a empfehlung!

  4. Sandra sagt:

    Ich kann in diesem Beitrag nichts finden, dem ich zustimmen könnte.
    Immer gegen alles zu sein, ist so anstrengend. Pinkstinks ist für mich eine gute Sache, aber sich über jedes Pinkes üei oder Pinke legofiguren zu ärgern kostet soviel kraft. ich glaube ich bin hier falsch.

  5. Lozen sagt:

    Rookiemag ist einfach genial! Ich lese diese Seite regelmäßig, obwohl ich aus dem Teenager-Dasein längst raus bin.

    Sie feiert das Mädchen-sein in ihrer ganzen Vielfalt. Ich hätte mir solch eine Seite oder ein Magazin für meine Jugendzeit sehr gewünscht.

    Love Tavi!!

    PS: Pinkstinks muss ich mir nochmal genauer ansehen.

  6. Stevie sagt:

    Weil nicht alle Leser*innen auf FB sind, würde ich hier gerne noch eine Kurz-Stellungnahme hinterlassen.
    1.) Name Pinkstinks: Wir werden den Namen nicht ändern, auch wenn es uns sehr leid tut, dass er immer wieder für Missfallen sorgt. Aus folgenden Gründen: Hießen wir „Pink für Alle!“, würden sich diejenigen Feminist*innen beschweren, die eine feministische Identifikation ohne Beteiligung von Cis-Männern wünschen. Siehe den Namen „Mädchenmannschaft“ – wir denken, ihr kennt Namen-Dramen. Wir sind als „Dependance“ von Pinkstinks UK gestartet, haben und unabhängig entwickelt aber mit dem Namen eine Community aufgebaut. Das sollte nicht alleine Grund sein, aber wir lieben den Namen: Nicht, weil Pink stinkt, sondern Pinkifizierung. Damit bezeichnen wir die Festlegung von Mädchen auf pink und damit konnotierte Eigenschaften (niedlich, süß, aufs Äußere bezogen). Damit kommen wir zu 2.) Pink ist wunderbar: Pink ist eine wunderbare Farbe, deshalb auch viel auf unserer Seite zu sehen. Insbesondere kleine Jungen dürfen die Farbe ab vier Jahren nicht mehr tragen. Wir gehen z.B. demnächst in die Schulen mit einem Theaterstück für Grundschüler, in dem Jungen mit pinken Ponies spielen. Wir haben noch nie irgendwem die Farbe pink verboten, und was eine geschlechtsneutrale Farbe sein soll, ist schleierhaft: Also kein Blau? We don’t like Labelling: Vielfalt ist Schönheit. 3.) Pinkstinks ist weder antifeministisch noch homophob. Pink ist übrigens auch die Farbe der Brustskrebs-Informationskampagnen und der Telekom. Wir sehen die Festlegung einer Farbe für ein Geschlecht als gefährlich an, weil Geschlechterdichotomie damit zementiert wird. 4.) Unsere Pullis gibt es sehr wohl auch in größeren Größen, in unserem Spreadshirt-Shop. Wir haben nur noch einen extra Bio-Shop eröffnet, und die ethischste Biofirma auf dem Markt hat nur Gr. L, was wir auch oft als doof kommentiert haben. 5.) Die günstigste Kleidung ist second hand. Das „ist zu teuer“ Argument gilt doch auf für Bio und Ökostrom. Darüberhinaus sagen wir nicht, wer was tragen soll, sondern sich mit uns gegen die Industrie aufzulehnen weil 6.) z.B. bewiesen ist, dass Barbie dem Körperbild schadet, die Reduzierung auf „niedlich“ Mädchen daran hindert, Raum einzunehmen und sich durch Skinny Jeans etc für Kleinkinder Körperdysmorphie extrem ausbreitet. 7.) Wir haben uns nie zur Mutterorganisation antifeministischer Arbeit inszeniert sondern machen stets andere Organisationen sichtbar, die gerade nicht so viel Medienpräsenz haben. Wir haben eine Art zu arbeiten, die nicht allen gefallen muss (z.B mit Männern, die Sprache des Mainstreams sprechend), und wir feiern immer wieder die, die anders arbeiten – auch die Mädchenmannschaft. 8.) Role Models: Nur weil wir keine PoC role models haben, sind wir nicht rassistisch. Unsere Flyer zeigen viele verschiedene Menschen, nicht nur PoC, sondern auch verschiedene Körpergrößen. Unsere role models sind teilweise über 60, haben keine Größe 36, sehr verschiedene Berufe. Wir stellen Personen ein, die keine Weltberühmtheiten (wie Beyoncé) sind. So viele sind es auch noch nicht, als dass uns der Vorwurf gemacht werden könnte, systematisch auszugrenzen. Und natürlich haben wir schon welche angefragt, die Angst vor medialer Präsenz und unangenehmen folgen hatten. Unsere Theaterarbeit wird nur aufgrund seiner „multikulturellen“ Ausrichtung gefördert. 8) In der Regel wird an Schulen gemobbt, wenn nicht-stereotypes Geschlechtsverhalten gezeigt wird. Kein Kind wird sich durch Pinkstinks seine Barbie ausreden lassen. Die Eltern könnten aber darüber nachdenken, ob sie nicht mit uns gegen Mattel demonstrieren. Ich habe jetzt versucht, sachlich zu bleiben: Der Ton von Hengs Text ist extrem diffamierend. Für eine sachliche Diskussion kommen wir gerne jederzeit nach Berlin.

  7. Sunny sagt:

    Liebe Stevie Schmiedel,

    zu Punkt 4 und 7: Du schreibst: „Nur weil wir keine PoC role models haben, sind wir nicht rassistisch“. Aber Ausschlüsse werden doch nicht nur absichtlich und geplant (re)produziert – die wenigsten (hoffe ich) weißen Mittelschichtspersonen wachen doch morgens auf und denken sich „So, Zeit für ein bisschen rassistische und klassistische Ausschlüsse“, sondern das passiert doch auf anderen Wegen. Die „Angst vor medialer Präsenz und unangenehmen folgen“ marginalisierter Personen hat ja zB vermutlich Gründe, genau wie allgemein Frauen* Gründe haben, einem Auftritt in einem männer*dominierten Umfeld zunächst skeptisch gegenüberzustehen. Das kann ein Ansatzpunkt sein, sich mit diesen Gründen auseinanderzusetzen und sie zu überwinden.

    Heng kritisiert auch, dass es die Bio-Qualität nur bis Größe L gibt, und dann ist das eben eine Tatsache, dass dicke_fette Menschen keine PinkStinks-Bio-Shirts tragen können – auch wenn das nicht von Euch gewollt ist, ist dies ein (gesamt)systematischer Ausschluss, der dicke_fette Frauen benachteiligt, wie es an vielen anderen Orten auch geschieht.

    Sich mit diesen Kritiken auseinanderzusetzen, kann mMn zu inklusiveren Kampagnen führen.

    Ich hoffe, ich hab da nicht selbst iwelche Schnitzer in meinen Kommentar eingebaut, wenn doch, bitte bescheid sagen.
    –Sunny

  8. theoph sagt:

    “ Faktoren wie Sprache, digitale Kompetenzen, thematisches Vorwissen und Zeit stellen für einige Eltern(teile) Barrieren dar, sich mit Pinkstinks auseinanderzusetzen.“

    selbiges trifft auch auf den obigen artikel zu, der den leser*innen einiges an insiderwissen und vor allem sprachkompetenz abverlangt.

  9. Nadine sagt:

    @Stevie Schmiedel:

    Ich finde es immer wieder bemerkenswert, dass du nicht in der Lage bist, dich mit Kritiken in einer Weise auseinander zu setzen, die nicht die Argumente der Kritiker_innen vollkommen verzerrt wiedergibt. Ich nehme mir mal das harmloseste als Beispiel heraus, der Rest deiner „Argumente“ ist ja eher haarsträubend bis diskriminierend. Euer Name heißt: Pinkstinks! Stinks! Pink stinkt! übersetzt. Wie das kein Werturteil über die Farbe pink sein soll, verstehe ich nicht. Ein einfacher Aussagesatz: Pink stinkt. Punkt. Sonst hättet ihr es „Pinkifizierung stinkt“ oder „Geschlechterrollen stinken“ genannt, aber das ist ja kein so griffiger, plakativer gut vermarktbarer Kampagnen-slogan. Ich versteh das schon. Ich bin selbst Aktivistin. Da kannst du noch so oft sagen, aber wir lieben doch pink! Ich glaub dir das auch, aber dann ist der Name eurer Kampagne halt einfach Bullshit, wenn es darum gehen soll, auf geschlechterstereotypes Marketing hinzuweisen, weil er eben nur einen Teil der Medaille wiedergibt. Jungs werden damit nicht abgeholt, weil wie du richtig schreibst, Pink für sie ab einem bestimmten Alter „gay“ konnotiert wird. und schwul will ja kein Junge sein oder darf nicht sein, weil diese Gesellschaft homophob ist und Homophobie auch über Abwertung von vermeintlich „weiblichem“ konstruiert wird („Lauf nicht wie ein Mädchen, du Schwuchtel!“).

    Aus dem Vorschlag: Pink für alle! die perfide Geschichte zu machen, dass dann Feminist_innen kritisieren würden, dass da auch Männer mitgemeint sind und für die sollten ja „anständige“ Feminist_innen keine Politik machen, finde ich total daneben. Aus zwei Gründen: Alle bedeutet nicht: Typen sind mitgemeint. Genau das ist das Problem eures Geschlechterverständnisses: Es ist trans*-ausschließend und androzentrisch. Deswegen wird bei euch in erster Linie die Rollenlimitierung für Mädchen kritisiert, indem dann bestimmte Rollen auch noch einer Abwertung unterzogen werden, bei gleichzeitiger Aufwertung von vermeintlich „neutralem“, was immer bedeutet: männlich/Mann = neutral = nicht sexistisch = okay. pink = mädchen = nicht neutral (warum eigentlich nicht? die frage wird gar nicht gestellt) = sexistisch = nicht okay. Androzentrismus ist schon lange ein großer Punkt in einer sexistischen Welt, ebenso lange ein Problem feministischer Aktivist_innen, die meinen sich in ihrem Verständnis von „Freiheit“ und „Gleichheit“ und „Befreiung“ an den gesellschaftlichen Stellungen und Vorteilen orientieren zu müssen, die sehr privilegierte Typen haben und merken nicht, wie sie völlig unhinterfragt weiß, hetero, cis, dünn, able-bodied etc.pp. als „objektiv, normal, neutral, begehrenswert, erstrebenswert“ übernehmen. But that’s another discussion. Zurück zu Pink für alle. Pink für alle heißt: Auch pink für Jungs. Pink aber auch für Mädchen, die Pink toll finden, ohne, dass sie Abwertungen ausgesetzt sind. Pink für alle Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die Bock drauf haben, egal wie sie deren Gender-Identität für sich definieren. Das meint natürlich _auch_ Cis-Typen, aber eben auch alle anderen. Und um die geht es vordergründig.

    Pinkstinks versprüht eindeutige Botschaften, sehr verständlich auch für junge Leute und Kids, denen damit gesagt wird, dass etwas an ihnen nicht okay ist oder was sie gut finden, nicht okay ist. Wer sich von denen auf eurer Seite informieren will, findet nichts, was sie anspricht, weil sich eure Kampagne gar nicht an die richtet, um die es geht. Und was die Namens-Policy angeht, i know the problem. Ich habe 2011 den Slutwalk in Berlin mitorganisiert. Es gab sehr viele Kritiken am Namen aus unterschiedlicher Richtung. Die Gruppe und ich waren oft damit beschäftigt, den Namen zu verteidigen und zu erklären, dass er doch alle meint, die von Sexismus betroffen sind. Wir konnten und wollten nicht verstehen, dass sich nicht nur nicht alle als „Sluts“ und „Schlampen“ bezeichnen möchten, um an einer antisexistischen Demo teilnehmen zu können (denn genau das impliziert der Name), sondern dass der Name in vielerlei Hinsicht Sexarbeiter_innen-feindlich ist und klassistische, rassistische und auch sexistische Ausschlüsse produziert. Weil wer wird denn in dieser Gesellschaft als „Schlampe“ und „hure“ bezeichnet? Wessen Sexualität gilt als „wild“, „promisk“ „schlampig“, „dreckig“, „schmutzig“? Gibt es für unterschiedliche Menschen nicht auch unterschiedliche Begriffe, also andere als „Slut“, um sexistische Abwertungen vorzunehmen? Und was maßen wir uns an, uns diese Begriffe herzunehmen, die „uns“ gar nicht meinen? Nur, damit wir einen griffigen Begriff haben? Was plakatives? Medienheischendes? So war es ja dann auch.

    Will damit sagen: in Sprache sind Ausschlüsse angelegt, nicht nur im „Sagen“, sondern auch im „Meinen“. Pinkstinks! ist ausschließend, vom Begriff, aber auch wer in der Kampagne gemeint ist, welche weißen, ableisierten, dünnen, westlichen (Hetera)Schönheitsideale und Geschlechterrollenbilder hier unhinterfragt reproduziert werden. Da liegen auch die grundsätzlichen Diskriminierungen (für mich) in dieser Kampagne, dass eine Repräsentation von verschiedenen sozialen Gruppen in der Kampagne selbst dann nicht vorkommt, ist quasi (für mich) nur die logische Folge. Trotzdem kann eine_r das ja offenlegen, um wen es geht und für wen hier eigentlich Politik erfolgt. Aber damit würde eine_r sich und den eigenen Aktivismus als partikular verstehen und ja auch angreifbar machen, weil feministischen Aktivismus für sehr privilegierte Bevölkerungsschichten zu betreiben ist auch im Jahr 2014 noch nicht cool geworden. Zumindest nicht, wenn der Referenzrahmen auf anderen Aktivist_innen oder Diskriminierung liegt. Aber wie du selbst sagst: Ihr wollt den Mainstream erreichen. Und das tut ihr (wobei ich Mainstream nicht als Mehrheit definiere, sondern als den Normentopf dieser Gesellschaft: weiß, hetero, cis, able-bodied, dünn, bildungsbürgertum, mittelschicht usw usf.) Und die beschweren sich auch nicht über Diskriminierungen und Ausschlüsse, weil genau sie gemeint sind und für sie Politik gemacht wird. Ich weiß also gar nicht, warum Pinkstinks! (mit dir als Vertreterin) jedes Mal in eine derartige Verteidigungshaltung geht, wenn ihr kritisiert werdet.

    Mich nervt eigentlich gar nicht so sehr, dass Pinkstinks! als kampagne für mich eine Zielgruppe und Reichweite generiert, die ich uninteressant und irrelevant finde, sondern dass auf Kritik immer gleich reagiert wird: Wir diskriminieren nicht. Wir sind das nicht und das nicht, wir meinen doch aber so und so. Wer Privilegierten-Politik macht, reproduziert Diskriminierung. Das ist ein Fakt. Aber das tolle an diesem Fakt ist: In einer Gesellschaft, in der Diskriminierung nur heißt: Ich tue dir böswillig motiviert etwas (körperlich) an und alles andere nicht gesehen und nicht hinterfragt wird, hat eine Kampagne wie Pinkstinks! strukturell überhaupt keinen Nachteil von ihrer Politik. 70.000€ Strukturförderung von der Bewegungsstiftung, eigene Büroräume von den Fans finanziert, Spenden, Arbeitsplätze, Medienaufmerksamkeit, die Realpolitik interessiert sich für komische Gesetzesvorschläge, das ist doch alles wunderbar. Eine erfolgreiche Kampagne. Was gibt es mit solcher Abwehr zu reagieren auf Kritik, die gesellschaftlich sowieso nicht anerkannt ist? Die keine Medienaufmerksamkeit erhält? Jede feministische Organisation in Berlin, die sich um die Belange von queeren Trans*People of Color kümmert, bekommt überhaupt, wenn sie Glück hat und schon mehrere Jahre arbeitet, vom Senat ein Mickerbudget. Die Mitarbeiter_innen kriegen für 30-40h Arbeit einen Lohn, der rund einem Drittel eures Vollzeit-Gehaltes entspricht, machen konkret Antidiskriminierungs- und Antigewalt-Arbeit vor Ort und mit Menschen, deren geringstes Problem es ist, dass Barbie und Prinzessin Lillifee existiert. Dass der Senat für diese überlebenswichtige Arbeit keine Strukturen bereitstellt bzw. dass es in ganz Deutschland überhaupt keine Strukturen für überlebenswichtige Arbeit gibt, dafür könnt ihr ja nichts. Es soll nur halt mal die Dimensionen aufzeigen, wie hierzulande Antidiskriminierungspolitik eigentlich funktioniert. Insofern ist es völlig unangemessen und dreist auf Kritik an eurer strukturell und diskursiv getragenen Kampagne mit einer derartigen Opferhaltung zu reagieren.

    Es ist eigentlich traurig, dass sich eine Kampagne wie die eure antisexistisch oder feministisch nennen kann, solange ausschließlich für sehr privilegierte Menschen Politik gemacht wird und sehr privilegierte Menschen mit dieser Arbeit auch noch ihren Lebensunterhalt verdienen. Aber bitte hört auf, Anerkennung von allen dafür zu wollen und Kritik zu rechtfertigen mit „Argumenten“ wie: „wir sind nicht homophob und antifeministisch“. Nach meinem und dem Verständnis der Mädchenmannschaft von Diskriminierung und Feminismus schon. Deswegen steht hier auch Hengs Artikel, der in einem vielleicht nicht für alle gewohnten Ton Begründungen aufzeigt. Einfach nur zu sagen: Stimmt nicht, Anfeindung, Bashing, unbegründet, ist schlicht und ergreifend nicht einfach nur kein Diskussionsstil (sondern pure Abwehrhaltung), sondern entspricht auch nicht unserer Netiquette. Deswegen wiederhole ich noch einmal, was ich gestern schon in der FB Diskussion schrieb: Kommentare wie dieser von dir werden hier nicht mehr freigeschalten.

  10. judith sagt:

    Was ich ehrlich gesagt überhaupt nicht verstehe – wenn man sich diese T-Shirts bei pinkstinks im Shop – dann sind da Mädchen drauf, die rosa Kleider anhaben (und auch Prinzessinnenkrönchen). Ja, sicher, die T-Shirts an sich sind nicht rosa, aber das Motiv auf dem T-Shirt dann schon. Ich dachte genau dagegen ist pinkstinks eigentlich. Aber vielleicht habe ich das ja auch alles falsch verstanden…

  11. Eris sagt:

    Guter Artikel. Ich finde die Kampagne auch zum Kotzen. Erwachsene Frauen und Männer, die kleinen Mädchen sagen, was sie anziehen sollen, um emanzipiert zu sein. Neee, danke. Das einzige was mich beim Lesen wirklich gestört hat, sind die vielen Anglizismen. Ich fand es zum Teil wirklich schwer zu lesen, und finde wenn man immer wieder berechtigterweise inhaltlich Klassenbezüge in seinen Text einbringt, sollte man auch nicht eine unnötig schwere Sprache verwenden.

  12. […] Der Artikel erschien mittlerweile auch auf der Mädchenmannschaft. Sehr lesenswert ist die dortige Kommentar-Diskussion unter dem […]