„Masters of Sex“ – oder wie Sex emanzipieren kann

von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 18 von 26 der Serie Die Feministische Videothek

Inna studiert Philosophie und Soziologie in Rostock und versucht dabei Philosophinnen zu entdecken, anstatt sich von der Männerdominanz in beiden Fachrichtungen entmutigen zu lassen. Am liebsten schreibst sie über Serien, Filme und Menschen, die sie auf verschiedenste Weise bewegen. Der folgende Beitrag erscheint demnächst auch im Rostocker Studierendenmagazin Heuler.

„Frauen denken oft, dass Sex und Liebe dasselbe sind, aber das muss nicht so sein, das kann man auch voneinander trennen“, sagt die emanzipierte und selbstbewusste Virginia Johnson (Lizzy Caplan) zu Beginn der TV-Serie Masters of Sex. Als  Forschungsassistentin, die durch ihr besonders unkonventionelles Denken im Jahr 1956 für diesen Posten geeignet erscheint, erforscht sie mit dem renommierten Gynäkologen William Masters (Michael Sheen) das menschliche Sexualverhalten.

Basierend auf den realen Leben von William Masters und Virginia Johnson, spielen Michael Sheen und Lizzy Caplan die Geschichte zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch gemeinsam jegliche Erkenntnisse über  menschliches Sexualverhalten revolutionieren. Eine wichtige Feststellung dabei lautet, dass es keinen Unterschied gibt zwischen vaginalen und klitoralen Orgasmen. Es zeugt von einer gewissen Ironie und ist auch gleichzeitig paradox, dass es letzten Endes ein Mann ist, der den Frauen sagt, dass sie sich auch selbst befriedigen können.

Die Serie ist von gegensätzlichen Verhältnissen geprägt. William Masters, ein Mann, der beweisen will, dass Frauen sich auch ohne Männer gut und gerne befriedigen können, ist gleichzeitig ein frauenfeindlicher, ignoranter Kontrollfreak mit einem gigantischen Ego. Dabei ist der Gipfel der fragilen Verflechtungen von Paradoxien die Tatsache, dass er aus Stolz seiner Frau Libby (Caitlin Fitzgerald) nicht sagen kann, dass nicht sie der Grund ist, weshalb sie (bislang) kein Kind bekommen konnte, sondern er.

Virginia ist hingegen ihrer Zeit weit voraus. Den Höhepunkt stellt dabei ihr überaus erfülltes Sexleben dar, was in Kombination mit der Tatsache, dass sie eine zweifache, alleinerziehende, unverheiratete Mutter und Sexualforscherin in den 60er Jahren ist, nur skandalös sein kann. Es geht bei dieser Serie offensichtlich um mehr als nur Sex oder das Beobachten von Menschen beim Masturbieren oder Koitus, während sie mit Aufzeichnungsgeräten verkabelt sind. Rollenbilder werden hinterfragt, Vorreiter_innen geschaffen und Sex auf eine Art und Weise emanzipiert, auf die es auch tatsächlich allen Beteiligten Spaß machen darf und kann!

„Der Sex war immer eine Art Vehikel, um Diskussionen über wirklich schwierige Themen führen zu können“, sagt Produzentin Michelle Ashford in einem Interview. Es gibt in der Serie zwei weitere zentrale Themen: Die zu diesem Zeitpunkt in den USA vorherrschende Segregation zwischen Schwarzen und weißen Menschen und der Kampf dagegen, den Masters Frau Libby – bis dato unscheinbar und naiv – beginnt zu unterstützen. Zum anderen spielt das Thema Homosexualität beispielsweise für die ehemalige Prostituierte Betty DiMello (Annaleigh Ashford) eine Rolle, da sie sich mit einer Gesetzeslage konfrontiert sieht, die sog. Homosexualität bis 1962 in allen Staaten unter Strafe setzte. Auch danach wurden homosexuell lebende Personen in der Gesellschaft weder akzeptiert, noch gleichwertig behandelt.

2015 hat die Serie kaum an Aktualität verloren. In Zeiten von rassistischen Spaziergängen, sexueller Gewalt in Werbungen und Videos, die als witzig und harmlos empfunden wird, und homophoben Regierungen kann ich die Serie als kurzen Wink mit dem Zaunpfahl gar nicht genug empfehlen.

Die zweite Staffel ist gerade auf ZDF.neo angelaufen.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 16. April 2015 um 10:20 Uhr unter Kultur, Medienkritik, Sex_ualität. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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