Frauen & Technik

von Susanne

Gestern haben Bundesbildungsministerin Annette Schavan und 40 Spitzenverbände und Unternehmen einen Pakt geschlossen: einen Pakt für mehr junge Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen. Erklärtes Ziel von Wirtschaft und Wissenschaft ist es, Fachkräftemangel vorzubeugen. Das Programm nennt sich MINT – die Buchstaben stehen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik.

Was vor allem der Wirtschaft nutzen soll, bringt auch für Frauen angenehmenNebeneffekte mit sich: Je mehr Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen arbeiten, desto blasser dürften einige Geschlecherklischees werden, zum Beispiel der beliebte Ausruf“Frauen und Technik!“. Außerdem erhalten Frauen so leichter Zugang zu gutbezahlten Branchen.




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 18. Juni 2008 um 10:21 Uhr unter Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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30 Kommentare

  1. Peter sagt:

    „Zugang zu gutbezahlten Berufen.“

    Da ist was dran. Das Spektrum der studierenden Frauen ist ziemlich unausgewogen und hat eine massive Schlagseite in Richtung „brotlose Künste“ aka Geisteswissenschaften und Pädagogik

    Es ist nicht einsichtig, warum, wenn eine Abiturientin „etwas mit Sprachen“ studieren will, dies dann unbedingt Amerikanistik mit Kunstgeschichte im Nebenfach sein muss. Kann ja auch C#, C++ oder Java sein, sind schließlich auch Sprachen. Und zwar nicht minder anspruchsvolle ;-)

    Stellt sich die Frage, wie hoch denn nun eigentlich der Anteil an „technisch begabten und interessierten Schülerinnen“ ist, die trotz Begabung und Interesse dann doch eine andere Fachrichtung studieren.

    Und warum diese Entscheidung gegen Begabung und Interesse gefällt wird. Das BMBF kapriziert sich ja auf folgende Gründe:

    -> MINT-Studiengänge und -Berufe seien für junge Frauen offensichtlich nicht attraktiv genug.

    ?? Verstehe ich nicht. Bei Begabung und Interesse und am Ende winkt der Zugang zu gutbezahlten Branchen. Mehr Attraktivität geht gar nicht.

    -> sie unterschätzen ihre Talente und trauen sich die MINT-Studiengänge nicht zu.

    ?? Seit Jahren werden Mädchen auf den Gymnasien bevorzugt benotet und hofiert, es gibt Girl´s days, „Frauenuniversität“, Schnupperpraktika und vor allem im IT Bereich ist das gesamte Anforderungsprofil hochtransparent.

    Was fehlt da eigentlich noch ganz konkret? Was blockiert die Frauen? Und was fehlt in Deutschland (Frauenanteil Ing.-Studiengänge ~10 %) was im Iran gegeben ist (Frauenanteil Ing.-Studiengänge dort: ~55%)?

  2. hn sagt:

    das sieht man doch schon anschaulich am letztens erwähnten „girls day“: in den schulen wird das angekündigt als „da können sich die mädchen mal am arbeitsplatz ihres vaters umschauen“. was soll denn da noch rauskommen?!

    das problem oder die lösung sehe ich auch nicht (gibts in meinem umfeld auch eigentlich gar nicht: meine mutter war die einzige frau an ihrer FH… und musste die toiletten der sekretärinnen benutzen, weil es damals nichtmal baulich vorgesehen war, dass nicht nur männer ingenieursstudiengänge durchziehen…)

    aber andersherum ist es auch lustig: wie sich männliche biologiestudenten immer verteidigen müssen (und ziemlich schwach, weil der vorwurf in 75% der fälle gerechtfertigt ist) das nur wegen der hohen frauenquote zu tun (als dating-pool), ebenso deutsch auf lehramt…

  3. Johannes sagt:

    In dieser Sache habe ich einen Kritikpunkt an den Feminismus, wie ich ihn aus der Generation meiner Eltern kennengelernt habe:

    Junge Frauen werden von den technischen Berufen abgeschreckt, indem Schauermärchen verbreitet werden, dass Frauen in technischen Berufen gemobbt und belästigt werden. Wenn ich meine Erfahrung (bin Ingenieur) dagegenhalte und sage, dass sich meine doch erfreulich zahlreichen weiblichen Kollegen augenscheinlich und expressis verbis in ihrem Job wohlfühlen wird das mit „Du bist ja keine Frau, du kannst da nicht mitreden!“ vom Tisch gewischt.

    Aber ich habe irgendwie die Hoffnung, dass die „Wellness-Feministen“ das anders handhaben werden.

    Eine andere Erklärung dafür, warum Frauen so wenig technische Berufe wählen könnte die sein, dass wir — zumindest meinem Empfinden nach — in einer ziemlich technikfeindlichen Gesellschaft leben. Wer sich leidenschaftlich mit Technik beschäftigt, gilt schnell als unkommunikativer Nerd. Wenn man jetzt noch annimmt, dass Junge Frauen sich mehr von ihrem sozialen Umfeld beeinflussen lassen als Männer und dass ihnen die Gehaltsaussichten nicht so wichtig sind wie Männern, führt das dazu, das Frauen technische Berufe weniger attraktiv finden.

    Vielleicht wäre unserer Gesellschaft auch ein etwas entspannteres Verhältnis zu Technik zu wünschen.

  4. Peter sagt:

    @ hn

    Wenn Deine Mutter Ingenieurin ist, bist Du dann beruflich auch im MINT Bereich orientiert?

    Und 75% der männlichen Biologiestudenten studieren das Fach nur, um Dates mit Frauen zu machen???

    Halte ich für ein böses Klischee.

    Oder umgekehrt: Studieren dann 75% der weiblichen Maschinenbauer das Fach auch nur, um sich einen Mann zu angeln? Und wenn ja, warum sorgt das nicht automatisch dafür, dass der Frauenanteil in diesen Fächern in die Höhe schnellt?

  5. Matze sagt:

    @Peter: Welche Frau will schon nen Maschinenbauer? ;-)

  6. Jassy sagt:

    Ne Frau die am Materiellen hängt, sprich die gute, alte Klischeefrau ;-)

  7. Matze sagt:

    Alte Klischeefrauen drängen inzwischen in Maschinebaustudiengänge? (Scheiße, wie geht das Smily, dem der Unterkiefer bis nach China runterfällt?)

  8. Rabenmutter sagt:

    @Johannes –
    Ich bin Ingenieurin, arbeite aber heute nicht mehr in dem Bereich. Unter anderem deshalb, weil ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Nur ein Beispiel:
    Ich arbeitete federführend an einem Projekt für Südostasien mit. Als es daran ging, eine Reise vor Ort zu machen, was es völlig klar, dass ich nicht mit fahre – obwohl ich auch die besten Sprachkenntnisse hatte. Eine Erklärung wurde mir verweigert. Es wurde dann extra ein Mann eingestellt, der ebenfalls bessere Sprachkenntnisse hatte als meine restlichen Kollegen. Der erzählte mir dann, dass man ihn im Einstellungsgespräch zu folgender Situation befragt hatte: „Stellen sie sich vor, sie sind mit auf Dienstreise in X. Wir haben ein Geschäftsessen mit unseren Partnern vor Ort in einem netten Restaurant mit vielen weiblichen Angestellten, die sich ganz reizend um die Gäste kümmern. Nach dem Essen wird erwartet, dass alle mit einem Mädchen aufs Zimmer gehen. Was tun sie?“
    Ich habe die Firma so schnell es ging verlassen.

    Ich würde trotzdem wieder Ingenieurwissenschaften studieren. Mein Studium war super. Unter anderem wegen des guten Zusammenhalts der Frauen, mit denen ich heute noch befreundet bin.

    Es gibt aber vermutlich eine „kritische Masse“ von Frauen, die erreicht sein muss, damit frau nicht Pionierarbeit leisten muss und sich nicht ständig rechtfertigen muss. Vorher ist es ziemlich hart und nicht jede von uns will tagein tagaus Aufbauarbeit leisten. – Das geht vermutlich den Männern, die als Erzieher arbeiten ähnlich.
    In meinem Studienfach war die kritische Masse erreicht, aber nicht im Berufsalltag. Und ich gebe es zu, ich habe die erste Gelegenheit zur Flucht ergriffen.

  9. Matze sagt:

    @Rabenmutter: Besteht für mich die Möglichkeit, als Normalmensch mit dieser Firma in Kontakt zu kommen? Wenn ja, gib Hinweise auf den Namen, damit ich diese Firma meiden kann.

    PS: Weißt du, was die *richtige* Antwort war?

    PPS: Falls die richtige Antwort *Ich nehme mir auch ein Mädchen mit aufs Zimmer* war, möchte ich anmerken, dass das Firmenverhalten nicht nur frauendiskrimierend ist, sondern diskrimierend gegenüber allen Menschen die ihr Sexualleben von ihrem Berufsleben trennen wollen.

  10. Rabenmutter sagt:

    :-) Die Firma hat bankrott gemacht. Wegen schlechtem Management in schlechten Zeiten ;-)))

    Die richtige ANtwort war „Ich nehme das Mädchen mit aufs Zimmer.“ Der Kollege hat allerdings angemerkt, dass er sie dort bitten würde, einfach mit ihm nen Tee zu trinken.
    Er war vorher längere Zeit arbeitslos und brauchte den Einstieg…
    und hat die Firma auch verlassen, bevor sie Pleite ging.

  11. Anna sagt:

    Dazu kann ich anmerken, dass VW überall ist und ich aus meinem direkten Umfeld auch Geschichten von einer Firma kenne, bei der bei erfolgreichem Projektabschluss auch schon mal eine Runde im Puff springen gelassen wird (oder wurde, ich bin da nicht ganz up to date)…

  12. Matze sagt:

    Ich stelle mir grad vor, dass auch bspw. Peter Hartz mit den Prostituierten nur Tee trank. Ich stelle mir grad vor, dass alle Top Dogs, die Geschäftspuffbesuche haben, nur so tun, als würden sie mit den Prostituierten schlafen, um bei den anderen einen Eindruck von Männlichkeit zu erzeugen.

  13. Rabenmutter sagt:

    VW ist ein gutes Stichwort. Wäre in dem Vorstand wenigstens EINE Frau gewesen, wären die Herrenabende unmöglich gewesen. Wieviel Gutes doch eine Frau hätte bewirken können. Peter Hartz wäre nicht vorbestraft…

  14. jj sagt:

    Nur so am Rande: Es geht dabei vorrangig nicht um Männlichkeit, sondern darum, inkriminierende Dinge gegen den jeweils anderen in der Hand zu haben und so Vertrauen zu schaffen – „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Gemeinsamer Drogenkonsum hat eine ähnliche Funktion. Und es ist durchaus nicht immer einfach, sich lokalen Ritualen zu entziehen.

  15. Matze sagt:

    @Rabenmutter: Sobald hinreichend viele Frauen in der Führungsetage sind, werden Bordelle mit weiblichen und männlichen Prostituierten aus dem Boden sprießen.

    Okay, nur ne Spekulation, aber durchaus möglich.

    @jj: Das klingt plausibel, habe mir solche Mechanismen auch schon vorstellen können. Gibt es Belege/Links dazu?

  16. Peter sagt:

    Nee, also VW ist erstens nicht überall und zudem ist es – wenn es solche Sitten gibt – dann meistens der obersten Managementebene vorbehalten, derartige Spesenrechnungen zu produzieren.

    Es gehört nicht zum Berufsalltag eines Ingenieurs seine Arbeitszeit im Puff zu verbringen ;-)

    Zu der Aussage „In meinem Studienfach war die kritische Masse erreicht, aber nicht im Berufsalltag. Und ich gebe es zu, ich habe die erste Gelegenheit zur Flucht ergriffen.“ die Frage:

    Macht es die Gesellschaft den Frauen zu leicht, die Flucht zu ergreifen?

  17. Rabenmutter sagt:

    @Peter
    Die Geschichte war nur EIN Beispiel, und es wurde vermutlich klar, dass es nicht Alltag war, mit einer netten jungen Asiatin aufs Zimmer zu gehen sondern nur sehr selten vorkam.

    War es einfach, die Flucht zu ergreifen?
    War es nicht. Ich musste einen Wechsel schaffen in ein anderes Berufsfeld. Und in meinem neuen „Biotop“ gab es Spezies, die besser angepasst waren als ich bei meiner Ankunft. Die Adaptationsleistung war also meine. Der qualifizierte Umstieg war schwer. Es wäre vermutlich erstmal leichter gewesen, zu bleiben und den Mund zu halten.

    „Macht es die Gesellschaft den Frauen zu leicht?“
    Was meinst Du denn? Den niedrigen Anteil von Frauen in MINT Studiengängen? Oder die Flucht von denen, die das Studium überstanden haben, aus dem Kernberufsfeld?
    Oder noch was ganz anderes?

  18. Peter sagt:

    @ Rabenmutter

    Ich meinte die Aussage „In meinem Studienfach war die kritische Masse erreicht, aber nicht im Berufsalltag. Und ich gebe es zu, ich habe die erste Gelegenheit zur Flucht ergriffen.“

    Wenn bei den Studierenden diese „kritische Masse“ erreicht ist, diese sich aber nicht im Berufsalltag wiederfindet dann müssen auf dem Sprung dahin ja einige Frauen „von der Fahne gehen“.

    Und da ist eben die Frage, ob die Gesellschaft hierzulande es den Frauen im Vergleich zu anderen Ländern nicht zu leicht macht „von der Fahne zu gehen“.

    Generell bleibt immer noch die interessante Frage offen, warum in anderen Ländern die Frauenanteile im MINT Bereich so viel höher sind. Das Beispiel Iran habe ich ja schon gebracht.

  19. Schnatterinchen sagt:

    Frauenanteile im „MINT-Bereich“ (das ist mal ein praktisches Kürzel) sind beispielsweise in denjenigen Ländern höher, in denen es weniger Wohlstand und einen höheren Auswanderungsdruck gibt als in Deutschland, weitere Beispiele außer Iran sind Türkei, Russland, Thailand, Philippinen. Unter existenziellem Druck gehen Frauen also im Schnitt eher in diese Fächer, als wenn sie die Wahl haben wie im reicheren, freieren Westeuropa – hier machen sie tendenziell eher einen Bogen um MINT.

  20. Susanne sagt:

    @ Peter: Viele Untersuchungen zeigen, dass es an kulturellen Unterschieden liegt. Gerade in aufstrebenden Ländern sind Berufe noch nicht so stark in „weiblich“ und „männlich“ aufgeteilt. In Deutschland wird zum einen von Frauen und Männern immer noch erwartet, typisch „weibliche“ bzw. „männliche“ Berufe zu ergreifen. (Vielleicht ist da auch „doing gender“ ein wichtiges Stichwort?) Zum anderen wird nicht so viel dafür getan, dass Frauen und Männer ähnliche Berufe ausüben, weil ja davon ausgegangen wird, dass die Berufswahl für beide frei ist.

    Ich empfehle dir die Arbeit „Kulturunterschiede beim Frauenanteil im Informatik- Studium“ zu lesen:

    Die Autorin schreibt unter anderem

    Hingegen ist in so genannten industriell halbentwickelten Ländern wie in Südamerika, Namibia, in den reichen arabischen Ländern wie Kuweit, Saudiarabien oder den Arabischen Emiraten, den Tigerstaaten oder in Indien, noch in allen so genannten industriellen Entwicklungsländern, wie Burundi, Iran, Ägypten und früher Irak, die Frauenbeteiligung viel höher, oft auch größer als der Anteil männlicher Studierender.

    Innerhalb unserer Kulturen werden die Werte von Gleichberechtigung der Geschlechter, Freiheit und Dekonstruktion der Geschlechtsunterschiede häufig als Argumente für die Naturalisierung der Geschlechtdifferenzen im Berufsbereich angeführt: „Frauen interessieren sich eben nicht für Technik“. Jedoch zeigt die Beobachtung der Unterschiede in verschiedenen Ländern, dass es keine inhärenten, sondern stark kulturell geprägte und strukturelle Gründe für die Segregation der Geschlechter in Studium und Beruf gibt. Innerhalb Deutschlands kann man zum Beispiel feststellen, welche Auswirkungen die Wiedervereinigung auf die Teilnahme der Frauen im Fach Informatik hatte.

    Auch sehr lesenswert zum MINT-Programm:
    http://www.brigitte.de/job/karriere/mint/index.html

  21. Judith sagt:

    was ich ja sehr lustig finde ist das in den klassischen „macho-kulturen“ frankreich und italien ebenfalls der frauenanteil bei mint-fächern auch deutlich höher ist als in deutschland. das ist mir noch nicht ganz verständlich.
    einerseits gibt es in diesen ländern in vielen (anderen) lebensbereichen recht strenge gender-normen, andererseits gibt es in diesen ländern jetzt auch nicht so einen deutlichen „existentiellen druck“ oder eine deutlich eingeschränktere allgemeine „freiheit“ oder weniger reichtum, was schnatterinchen als ausschlaggebend sehen würde.
    so oder so, ist die große varianz im frauenanteil in verschiedenen ländern für mich ein hinweismoment dafür, dass es eben nicht gottgegeben ist, dass frauen sich für literatur und männer sich für elektrotechnik interessieren.

  22. Susanne sagt:

    @ Judith: Ich glaube, dass es da vielleicht gerade damit zu tun hat, dass dort die Macho-Strukturen so offensichtlich sind – da werden dann vielleicht mit viel mehr Energie und auch größerer Akzeptanz Programme gestartet. Hier ist es ja schon so, dass Männer sich diskriminiert fühlen, weil es Förderprogramme für Frauen gibt, obwohl die gefühlte Gleichberechtigung schon erreicht ist – ungeachtet dessen, dass diese Förderprogramme nicht immer zu konkreten Änderungen führen und dass in der Realität Frauen in vielen Branchen eben nicht bevorzugt werden.

    Wie gesagt, alles ganz interessant in der oben verlinkten Arbeit nachzulesen.

  23. Schnatterinchen sagt:

    „(…) allgemeine “freiheit” oder weniger reichtum, was schnatterinchen als ausschlaggebend sehen würde.“

    Ich hatte diesen Aspekt auf den Vergleich Westeuropa vs. Russland, Türkei, Iran etc. bezogen. Nicht auf Deutschland vs. Frankreich/Italien. Da passt er in der Tat nicht so recht.

  24. Matze sagt:

    @Susanne: Willst du „… dass in der Realität Frauen in vielen Branchen eben nicht bevorzugt werden.“ nicht doch etwas umformulieren? So, wie das da steht, könnte man es bösartigerweise als Freud’schen Verschreiber interpretieren …

    PS: Außerdem bringen die Förderprogramme zumindest den Frauen, die in diesen Programmen arbeiten, etwas.

    PPS: *ironie on* Vielleicht scheuen sich auch deshalb Frauen davor, in technische Studiengänge zu gehen, weil sie befürchten, sofort zur Gleichstellungsbeauftragten ernannt zu werden, worauf sie keine Lust haben. *ironie off*

  25. Peter sagt:

    @ Susanne

    danke für die Links. Die statistische Zusammenstellung widerlegt sehr deutlich jegliche naturalistisch-biologistische Erklärungsmuster als „Frauen können keine Technik“

    Es scheinen also gesellschaftliche Faktoren ausschlaggebend zu sein. Systemische Faktoren die uns immer wieder begegnen, zuletzt ja bei der EU-Studie zur geringen Erwerbsbeteiligung (und damit dem Einkommensunterschied) der Frauen.

    Wir kranken hierzulande etxrem an dem gesellschaftlichen Leitbild „Mann schafft die Kohle ran, Frau verwirklicht sich selbst mit Teilzeitzuverdienst“ Das diese Selbstverwirklichung dann beruflich nur in Berufsfeldern erfolgt, die als „sexy“ gelten (wie im Schavan-Interview ausgeführt) ist dabei nur logisch.

    OK eingestanden, völlig mit Schmieröl bedeckt eine hydraulische Presse zerlegen ist für Frauen vielleicht nicht sexy. Und 14 Stunden-Schichten am Rechner, um das Softwareentwicklungsprojekt abzuschliessen, dürfte auch nicht sexy sein.

    Nur zeigen die Frauen in anderen Ländern, dass es darauf nicht ankommt.

    Wir brauchen dringend strukturelle Änderungen und diese sollten sich am schwedischen Modell orientieren. Wenn die Frauen gezwungen werden, sich von vornherein auf ein lebenslanges Erwerbsleben einzustellen (Kein Unterhaltsanspruch, keine Steuerprivilegien mehr, aber dafür flächendeckendes Angebot Vollzeitkinderbetreuung), werden auch Entscheidungen für ein Studienfach/für eine Berufsausbildung und das berufliche Engagement dabei nicht mehr danach ausgerichtet, ob Frau dabei „sexy“ wirkt.

  26. Goofos sagt:

    „…dass Männer sich diskriminiert fühlen, weil es Förderprogramme für Frauen gibt, obwohl die gefühlte Gleichberechtigung schon erreicht ist – ungeachtet dessen, dass diese Förderprogramme nicht immer zu konkreten Änderungen führen“

    Das ist eben so wie mit der gefühlten Ungleichberechtigung von Frauen :P

    Sicherlich bin ich schon allein aus dem Grund, dass die Förderprogramme zu keinen Änderungen führen, ein Gegner. Noch schlimmer finde ich wie rundherum dadurch neue Stereotype, Geschlechterklischees/rollen … whatever geschaffen werden. Wenn ich hier lese Gelschechterklischees sind böse, Stereotype fördernde Erziehung ist böse usw. sollten meiner Meinung nach auch diese Föderprogramme böse sein.

    Interessant fände ich was die Macho-Länder gemacht haben damit die Frauenbeteiligung höher ist. Aber kann ich leider nicht nachlesen weil dazu meine Lesekompetezn nicht reicht.

  27. Goofos sagt:

    Ach nein halt mal, letzter Stand war doch Förderprogramme sind guut weil inzwischen sind ja Mädchen gleich gut in Mathe. Dann ist es ja doch wieder diskriminierend wenn es keine vergleichbaren Förderprogramme für das männliche Geschlecht gibt.

  28. SoE sagt:

    Uff, soviele Kommentare, aber leider keine Zeit die alle zu lesen. Ich verweise aber noch mal darauf, dass es Frauen (und älteren Leuten) in Ingenieurberufen schlechter geht als Männern.

    „Laut einer Studie des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg sind in Deutschland die Berufschancen von Ingenieurinnen schlechter als die ihrer männlichen Kollegen. Das wird beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) bestätigt. „Wir haben eine eigene Studie durchgeführt und festgestellt, der Unterschied ist noch groß“, so Martina Offermanns, Leiterin Abteilung Karriere. „Zwar ist die Arbeitslosigkeit bei Ingenieurinnen gesunken, aber sie ist immer noch doppelt so hoch. Bei den Männern kann man mittlerweile von Vollbeschäftigung sprechen, und je höher man kommt in den Führungspositionen, umso gravierender wird es.“

    Angesichts des Fachkräftemangels sei unverständlich, dass es Frauen in technischen Berufen immer noch schwerer hätten. “

    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/1734109_0_2147_ingenieurinnen-auf-augenhoehe.html

  29. Rabenmutter sagt:

    Danke für den Link, SoE!
    Das belegt ja meine Aussage, dass es die Gesellschaft nicht den Frauen zu leicht macht, aus den MINT Berufen auszusteigen sondern es ihnen zu schwer macht, einzusteigen oder drinnen zu bleiben.
    Wer immer mit dem Kopf vor die Wand läuft, biegt irgenwann ums Eck.

    Was die länderspezifischen Unterschiede bei der Berufswahl angeht. Das hängt viel mit dem Ansehen verschiedener Berufe in den jeweiligen Ländern zusammen. In Russland werden Ärzte nicht so hoch geschätzt und haben schlechte Verdienstmöglichkeiten – und sind fast alle weiblich.

    In Portugal galten Geisteswissenschaften lange als das Größte – das haben dann die Söhne der Oberschicht studiert. Die Töchter der Oberschicht mussten dann die MINT Studiengänge nehmen. (Ich hatte mal nen Beleg dafür, kann ihn aber jetzt nicht finden).

    Frankreich – hat die zentralisierteste Ausbildung, die ich kenne. In nationalen Wettbewerben werden die Jahrgangsbesten ermittelt, und die werden dann paketweise auf die „Grandes Ecoles“ geschickt – und entscheiden sich nach ihrem Platz auf der Liste und dem Ansehen der Schule, wohin sie gehen. Und da das Land groß ist und viele Brücken, Straßen, Bergwerke hat, sind die Schulen, die sich um „Pont et Chaussées“ und „Mines“ kümmern, auch wichtige Kaderschmieden. Auch wenn niemand der Absolventen heute mehr in Bergwerke geschickt wird, sondern eher in der IT Branche landet…

    Italien – hat mit die niedrigste Geburtenrate Europas. Weder junge Männer noch junge Frauen können es sich leisten, daheim auszuziehen oder an Nachwuchs zu denken. Sollten wir uns nicht zum Vorbild nehmen.

  30. profin sagt:

    Peter,
    danke für deine kompatkte pointierte Analyse.
    Da ist einiges an Sätzen, was ich mir für zukünftige Diskussionen aufheben werde.