Feministische Hiphopper

von Susanne

Die aktuelle Emma portraitiert die netteste Hiphop-Band Deutschlands: Fettes Brot. Und die entpuppen sich im Gespräch als Feministen:

„Wir freuen uns, wenn Frauen feministische Ansätze in unserer Musik entdecken. Wir wollen einen respektvollen Umgang zwischen Männern und Frauen propagieren. Alles andere finden wir ekelhaft“, sagt Boris Lauterbach alias König Boris.

In ihren besten Momenten vereinen die drei Bühnenakteure Ausgelassenheit, Sensibilität und Tiefe mit einem grundempathischen Gesellschaftsbild. Dafür mussten sie in ihren 15 Jahren Bandgeschichte trotz wiederholter Hitparadentauglichkeit immer wieder mal Prügel von der Rap-Polizei einstecken. Als „Pop-Schweine“, „Weicheier“, „Muttis Lieblinge“ und „Profeministen“ werden die Fetten Brote beschimpft.

Hiermit sei den Dreien ein deutliches „Feminist des Tages“ ins Muttiheft gestempelt.

(Foto: Cover der neuen Platte „Strom und Drang“)




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Eintrag geschrieben: Sonntag, 20. April 2008 um 17:27 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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9 Kommentare

  1. Azundris sagt:

    Wie kann man denn jemanden „als Profeministen beschimpfen“, außer mit sarkastischem Unterton? Kann man jemanden auch als gutaussehend, sympathisch, kompetent, talentiert, oder als Emanze beschimpfen?

  2. Svenja sagt:

    Also ich wurde schon oft als Emanze beschimpft… Da ich aber im Gegensatz zu den Aussagenden nichts Schlechtes darunter verstehe, seis drum.

  3. Phil sagt:

    Ist man, wenn man sagt: „Wir freuen uns, wenn Frauen feministische Ansätze in unserer Musik entdecken.“ gleich Feminist?

  4. Susanne sagt:

    @ Phil: Ich finde schon, ja. Wenn sie jetzt sagen würden: „Ist für uns okay, wenn da manche was feministisches raushören – meinetwegen“, dann würde ich da schon eher zweifeln. Aber sich darüber zu freuen, in die im Allgemeinen nicht sympathisch konnontierte feministische Ecke gestellt zu werden – ja, das macht sie für mich für Feministen.

  5. Phil sagt:

    @Susanne: Ich finde das ein bisschen weit hergeholt. Zwischen „entdecken“ und „sein“ ist ein ganz großer Unterschied.

    „Da ich kein Schweinefleisch mag, freue ich mich, dass sie vegetarische Züge bei mir entdecken“ sag ich gerne, wenn ich von der „Vegetarier heute“ interviewt werde.

    „Da ich kein Schweinefleisch mag, freue ich mich, dass sie muslimische Züge bei mir entdecken“ sag ich gerne von der „Muslime-Täglich“ interviewt werde.

    Nochmal zur Band und diesmal die Aussage in klarer nicht sexualisierter Form:
    „Wir freuen uns über jede neue Zielgruppe!“

    :o)

  6. Steffie sagt:

    Och, so weit weg von Feminismus finde ich Fettes Brot eigentlich auch nicht:

    http://youtube.com/watch?v=bsgcOb0gtl4

    Das war übrigens schon 1994.

  7. Susanne sagt:

    Steffie, danke für diesen tollen Flashback in die 90er!

  8. ulliahrendt sagt:

    Bettina, pack deine Brüste ein? Das sind Feministen? Ganz im Gegenteil. Der Song zielt ganz kalkuliert auf die frauenfeindlichen Mallorca Massen ab. Damit wurde die eigene Überzeugung zugunsten der schnellen Mark geopfert. Und zudem kam keiner auf den Gedanken, das Lied: Herbert, hör auf zu sabbern, zu nennen. Traurig, scheinheilig, schlimm.

  9. okrinom sagt:

    Eins vorweg, ich mag die Musik von Fettes Brot nicht, respektiere sie aber vollkommen….

    Das Problem an der Sache ist, dass Fettes Brot in etwa so viel mit Hip-Hop zu tun hat, wie Tokio Hotel mit Deathmetal.
    Das eine ist (über alle Zweifel erhabener) Pop, das andere spielt sich nunmal in einer relativ kleinen Untergrundszene (mit eigenen, meist eher nicht feministischen Regeln) ab, beides ist aber nicht miteinander vergleichbar. Die angesprochene „Hitparadentauglichkeit“ ist dafür der stärkste Indikator.

    Man kann sich darüber freuen, dass sie feministische Texte haben, aber die Tatsache dass sie in der Szene keinen guten Stand haben, hat damit schlicht nicht das Geringste zu tun.