„Es gibt nur noch Männer wie Udo Walz“

von Susanne

Die Diskussion, ob Franz-Josef Wagner von der Bild-Zeitung für voll genommen werden muss, hatten wir schon mal. Die meisten von euch fanden: muss man nicht, kann man nicht. Aber lachen geht immer. Und geht heute mal wieder besonders gut, angesichts dieser Zeilen:

Liebe Frau Professorin Gesine Schwan,

ich mache mal die Augen zu und träume. Sie sind Bundespräsidentin, Angela Merkel ist Bundeskanzlerin. Charme hat das. Die Frage ist nur, wie der Mann das verkraftet. Ist man Friseur wie Udo Walz oder ein Kostümhosenanzugs-Berater, dann gibt es nichts Schöneres, als euch Frauen zu beraten. Ein Panorama an männlichen Möglichkeiten tut sich auf. Der Inneneinrichter, der Bodyguard, der Walker, der Fitnesstrainer, der Diätberater, der Schminkmeister, der Kofferpacker, der Kofferträger, der Küchenchef, der Pressefuzzi, der Handtaschenhalter. Es ist so seltsam. Es gibt keine Männer mehr wie Adenauer, Brandt, Heuss, Strauß, Wehner, Schmidt. Es gibt nur noch Männer wie Udo Walz, der der Kanzlerin eine neue Frisur verpasst. Wenn wir keine starken Männer mehr haben, dann kommen die Frauen. Das ist logisch.

Herzlichst
Ihr Franz Josef Wagner

Ach so, ja, ist logisch.

Ich meine: Hä?

(Dank an Christina für den Link!)




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 27. Mai 2008 um 15:16 Uhr unter Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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19 Kommentare

  1. Teresa sagt:

    Logisch? Nein, das ist nicht logisch!
    Schade, dass diesem Menschen nichts anderes zur Kandidatur von Gesine Schwan einfällt. Klischee-Denken pur! Erschreckend, welche Gedanken er hier offenbart. Man kann ihn tatsächlich absolut nicht für voll nehmen, aber herrlich über ihn lachen!

  2. jj sagt:

    Mal ganz ehrlich – was zeigt so ein Kommentar? Männliche Verwirrung und Unsicherheit. Jetzt mal völlig abgesehen von dem konkreten Inhalt, der natürlich nicht wirklich kommentiert werden muß – auch hierin sehe ich meine These bestätigt, daß die spannenderen Geschlechter-Diskussionen heute zum Thema „neue Männlichkeit(en)“ stattfinden. Auch die BILD „diskutiert“ nicht mehr darüber, OB Frauen Führungspotential haben, Macht ausüben können, sondern über die Konsequenzen, die sich aus ihrer normalisierten und immer häufigeren Machtausübung für das – private wie öffentliche – Geschlechterverhältnis – und insbesondere eben Definitionen von Männlichkeit ergeben.

    Aus meiner Sicht definieren sich die Geschlechter immer aneinander, nicht selbst. Daher mal die Frage an die Frauen hier – was macht für Euch heute Männlichkeit aus? Und damit meine ich mal nicht rein visuelle Testosteronmarker, sondern Verhaltensmerkmale. Und wenn ihr einen Mann als Partner sucht, ist das die Art von Mann, die bei Euch die Flugzeuge im Bauch starten und Landen läßt? Ist ja alles anonym…

  3. erna sagt:

    … offenbar packt ihn die angst… schade.

  4. flawed sagt:

    jj: Herr Wagner behauptet in diesem Text noch immer, dass die Frauen nur „zweite Wahl“ seien, die nur deswegen zum Zuge kämen, weil gerade keine „großen Männer“ verfügbar seien.

  5. jj sagt:

    Erna,

    interessant, ich habe das genau andersherum gelesen: „Es gibt keine großen Männer mehr, weil es jetzt große Frauen gibt.“ Aber meine Anschlußfrage bleibt natürlich relevant…

  6. jj sagt:

    oops. „@flawed“, nicht „@erna“…

  7. Azundris sagt:

    jj: Ich weiß nicht, was Du immer von Männern daherredest. Wenn ich jetzt z.B. sagen würde Zielattribute sind „flauscht gut, kann und mag gut zuhören und inspirierende Unterhaltungen mit mir führen, sieht schick aus, souverän, kompetent“, dann hätte das doch nichts mit „Männlichkeit“ zu tun, sondern bestenfalls mit „Persönlichkeit“ und selektiert geeignete Partnerinnen genauso gut wie geeignete Partner.

    Und was ist anonym?

  8. Matze sagt:

    Logisch? Logisch!

    Wenn es keine starken Männer mehr gibt, kommen die Frauen (an die Spitzen der Gesellschaft). Wer denn sonst? Zumindest, sofern es dann starke Frauen gibt, und die nicht ebenso plötzlich aussterben wie die starken Männer.

    Jetzt wäre noch zu klären, ob es denn so ist, dass es keine starken Männer mehr gibt. Außerdem ist zu beachten, dass die Aussage „Wenn es keine starken …“ nicht bedeutet, dass „die Frauen“ erst dann an die Macht kommen, wenn die starken Männer verschwunden sind.

    Bin mir jetzt aber nicht sicher, ob dem Herrn Wagner das so bewusst war …

  9. Judith sagt:

    naja, jj. das sind ja zwei fragen von dir. was ich „männlich“ finde, und was ich attraktiv (die flugzeug-sache) finde. ach ja, ich bin eine hetero-frau. nur die meintest du doch, oder?

    einer der wenigen unterschiede zwischen männern und frauen, der in der literatur klar, groß und deutlich ist, ist ihre wurfweite und -geschwindigkeit. ergo finde ich männer, die weit werfen können ziemlich männlich.
    (bleibt natürlich selbst hier die nature/nurture frage)

    nun habe ich keine ahnung, ob mein mann weit werfen kann und ich find ihn ziemlich attraktiv u n d männlich (männlich allerdings doch auch wieder auf visuelle testosteronmarker bezogen)
    ansonsten finde ich humor, selbstbewusstsein, aufgeschlossenheit, unterhaltsamkeit und eloquenz, zuverlässigkeit, optimismus, einfühlungsvermögen, intelligenz und noch so ein paar nette eigenschaften attraktiv.
    männliche verhaltensweisen? äh, meinst du sowas wie kistenschleppen? is schon praktisch, ja. aber attraktiv? oder fussballhymnen rülpsen? meinst du sowas mit „männliche“ verhaltensweisen? find ich jetzt nicht sooo super sexy.

  10. jj sagt:

    Azundris,

    „dann hätte das doch nichts mit “Männlichkeit” zu tun, sondern bestenfalls mit “Persönlichkeit” und selektiert geeignete Partnerinnen genauso gut wie geeignete Partner.“

    Genau. Aber das ist ja auch nicht das, was ich meine – nicht das, was jemanden zu einer „Persönlichkeit“ macht, sondern eben genau die Frage, was für Frauen eine männliche Persönlichkeit von einer weiblichen Persönlichkeit unterscheidet. Welche anderen Kriterien in dem Fall eine Rolle spielen. Eben was „Männlichkeit“ für sie bedeutet, und ob und inwieweit das sozial erwünschte mit den individuellen Präferenzen übereinstimmt (daher die Sache mit dem „anonym“)…

  11. jj sagt:

    Judith,

    weit werfen? Wieder mal was gelernt.

    „ansonsten finde ich humor, selbstbewusstsein, aufgeschlossenheit, unterhaltsamkeit und eloquenz, zuverlässigkeit, optimismus, einfühlungsvermögen, intelligenz und noch so ein paar nette eigenschaften attraktiv.“

    Das geht so ein wenig in die Richtung, die Azundris angesprochen hat – bewertest Du irgendwelche dieser Kriterien bei Männern anders als bei Frauen? So ein wenig Mengenlehre: Gibt es für Dich Eigenschaften, die nicht generell alle „Persönlichkeiten“ auszeichnen, sondern nur männliche Persönlichkeiten? Wäre nicht DAS dann die/Deine idealtypische Definition von Männlichkeit (kulturell, nicht rein biologisch)?

  12. Judith sagt:

    nope. seh ich wie azundris, von den genannten eigenschaften keine spezifisch männlich.
    schlag mal was spezifisch männliches vor! mir fällt da echt nichts zu ein.

  13. jj sagt:

    Judith,

    ich glaube, diese Ahnungslosigkeit ist genau der Punkt bzw. das Problem. Ich denke es gibt unterschiedliche Ausdrucksformen der gleichen Qualitäten, aber vor allem im Bereich der Paarungsanbahnung wo geschlechtlich spezifisches Verhalten als Signal notwendig(er) ist, aber letztlich weiß ich da ehrlich gesagt auch nicht weiter… andererseits kann müßte ich auch noch mal drüber nachdenken, ob und wenn welche Eigenschaften eine weibliche Persönlichkeit auszeichnen können, die keine männliche auszeichnen können. Vielleicht sollte man eine Ebene weiter unten ansetzen, bei den unterschiedlichen Ausdrucksformen der gleichen Eigenschaften.

  14. Azundris sagt:

    @jj: «was für Frauen eine männliche Persönlichkeit von einer weiblichen Persönlichkeit unterscheidet. Welche anderen Kriterien in dem Fall eine Rolle spielen.»

    Was für andere Kriterien? Ich würde ggf. einräumen, daß ich „schick aussehen“ für Männer und Frauen unterschiedlich definiere, aber das wars dann auch schon, glaube ich.

    Ich könnte mir das bestenfalls andersherum vorstellen: Das Anforderungsprofil ist immer das gleiche, und vielleicht ist die Teilmenge von Anforderungen an denen Männer typischerweise scheitern stark unterschiedlich von der an der Frauen typischerweise scheitern. : )

    Ich könnte mir auch folgendes vorstellen: die geforderten Eigenschaften mögen gleich sein, deren Ausdruck mag gleich sein, die Reaktion darauf ist es nicht unbedingt. Ich habe oft den Eindruck wenn Du einen „Alpha“ (überlegene körperliche und geistige Feuerkraft und zumindest ein bisschen Charisma um die ganze Leistung auch auf die Strasse zu kriegen) in einen anderer Haufen Männer wirfst, hast Du einen neuen Anführer, und wenn der eine das Maul aufmacht, schweigen die zwanzig anderen („Ankh-Morpork was all about ‚one man, one vote‘ — the Patrician was the man, he had the vote.“).

    «im Bereich der Paarungsanbahnung wo geschlechtlich spezifisches Verhalten als Signal notwendig(er) ist»

    Ist es das?

    „Anonym“: Ich nehme mal an Du meinst daß ich, wäre mir etwas zu peinlich oder zu privat, hier auch pseudonym hätte schreiben können. Ja, hätte ich wohl können.

  15. Bitte, das ist die BILDzeitung. Ist doch klar, dass darunter der Text leidet … Ausserdem, über sowas kann ich dann schon nicht mehr lachen. Herr Wagner hat einfach einen an der Waffel. Wie so ein Text missverstanden oder unterschiedlich ausgelegt werden kann versteh ich allerdings auch nicht. Der ist doch trotz des generellen Blödsinns an plumper Eindeutigkeit kaum zu überbieten.

  16. Laura sagt:

    Nette versteckte Beleidigung. Es gibt keine starken Männer mehr, deswegen sind jetzt die Frauen dran, na danke dann.
    Schonmal überlegt, dass es einfach Frauen gibt, die stärker sind, als starke Männer?

  17. Barbara sagt:

    „Es gibt keine Männer mehr wie Adenauer, Brandt, Heuss, Strauß, Wehner, Schmidt.“
    Dies waren „Männer“ ihrer Zeit. So weit ich mich „erinnere“ – eine offensichtlich, sehr patriarchisch geprägte Zeit. Heute ebenso vorhanden, doch weniger offensichtlich.

  18. Thomas sagt:

    Ich glaub es ist zur Zeit noch schlimmer, dass sich Deutschland keine starken Politiker (Merkel richtet sich meiner Meinung nach zu oft nach dem Wind) gönnt. Wenn irgendwo starke Persönlichkeiten in Deutschland sind dann eher in der Wirtschaft, und machen vor dort mit ihren Lobbyisten Politik.

  19. Savvalis sagt:

    „Männliche Verwirrung und Unsicherheit.“

    Oja, na, DAS muss es ja sein, logo. Vermutlich hat er ja auch nur Angst vor starken Frauen und hängt in überkommenen patriarchalen Rollenmustern fest usw. usf., wa? Sitzt vermutlich im Keller und weint und so.

    Vielleicht gehört er aber auch nur zu der Sorte Mann, die einfach nur noch genervt sind von diesem ganzen Endlos-Forderungs-Hype um die fortdauernde und omnipräsente mediale weibliche Selbstbespiegelung.

    „… offenbar packt ihn die angst… schade.“

    So „offenbar“ ist das m.E. ja nun nicht. :) Anderen Schwächen zu unterstellen, die nun mal ganz und gar NICHT offenbar sind, sondern – offenbar – nur zur Kompensation eigener so empfundener Schwächen dienen, das ist eine zutiefst narzisstische Regung, übrigens.

    „Schonmal überlegt, dass es einfach Frauen gibt, die stärker sind, als starke Männer?“

    Schon möglich, dass es Frauen gibt, die nicht nur stärker als Männer, sondern sogar noch stärker als STARKE Männer sind. Nur warum denn ständig auf diese – augenscheinlich sehr faszinierende – Möglichkeit hinweisen? Ergebnisse wären da um Einiges überzeugender. Aber WIR haben ja Quoten…

    Und Merkel macht ihren Job wie ihren Wahlkampf – leider völlig substanzlos.